Nachdem Ideen zu einem Verfallsdatum für persönliche Daten im Internet aufkamen, denkt man in Frankreich ernsthaft darüber nach.
Laut Alberic Guigou von Reputation Squad, einem Unternehmen, das sich mit Reputationsmanagement im Internet beschäftigt, ist nicht nur die Privatsphäre von Prominenten im Internet gefährdet. Zunehmend werden auch "Normalbürger" durch ihre Aktivitäten in Social Networks wie Facebook oder Twitter zu Figuren des öffentlichen Lebens, weil sie viel und vor allem viel Privates über sich kommunizieren. Hingegen blieben andere anonym und nutzten diese persönlichen Informationen, um den Ruf der anderer Anwender zu ruinieren, so Guigou.
Aufgrund des Ausmaßes dieser Informationsoffenbarungen im Internet denkt Frankreich nun darüber nach, wie lange eine persönliche Information der Öffentlichkeit im Internet erhalten bleiben sollte. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag gibt Internetnutzern deshalb die Möglichkeit, alte Daten über die eigene Person löschen zu lassen. Dieses Gesetz würde Dienstanbieter im Internet dazu verpflichten, E-Mails und Textnachrichten nach einem vereinbarten Zeitraum oder auf Verlangen des Kunden zu löschen.
Auch Divina Frau-Meigs, Professorin für amerikanische Studien und Soziologie der Medien an der Sorbonne Universität in Paris, hält das Gesetz für ein geeignetes Mittel, um der unkontrollierten Verbreitung privater Kommunikation entgegenzuwirken. Dazu erklärte sie: "Diese Debatte steht auf viele Arten in Zusammenhang mit dem Recht auf Bewahrung der Unschuld, damit Menschen nicht für schuldig befunden werden, noch bevor sie ihr Leben richtig beginnen." Weiter führte sie dazu aus: "Menschen und vor allem junge Menschen müssen durch den Staat geschützt werden (...)"
Ein institutionalisiertes Recht zu vergessen könnte dieser Ansicht nach die Privatsphäre einer Person schützen, indem sie nicht permanent wegen unüberlegter Handlungen aus der Vergangenheit erpresst werden könnte.
Momentan gibt es nur einen Weg, eine schlechte öffentliche Darstellung im Internet zu überwinden: durch weitere gute Darstellungen.
Guigou meint, schließlich müßte sofort gehandelt werden, wenn es zu böswilligen Angriffen auf Menschen durch Internetgerüchte käme. Zu diesem Zweck müsse zuerst festgestellt werden, wer für die negativen Inhalte verantwortlich sei. Seien diese Personen nicht auffindbar, würde man dafür sorgen, dass bei so vielen Einträgen wie möglich auf den ersten Seiten der bekanntesten Suchmaschinen der negative in positiven Content verwandelt würde. "Wenn es außerdem Presseartikel über sie gibt, die ihren Ruf positiv darstellen, verbessern wir das Ranking in der Archiv-Suche solcher Artikel."
Auch Unternehmen würden durch Wettbewerber attackiert, die behaupten, verärgerte Kunden zu sein und so die Rückmeldungen auf Seiten wie eBay oder Amazon in negativem Licht erscheinen ließen.
Doch Prof. Frau-Meigs ist der Auffassung, die Manipulation des Internetauftritts eines Menschen begünstige lediglich die Wohlhabenden sowie Personen, die ein begründetes Interesse daran haben, ihre wahre Identität zu verbergen.
Solche üblen Gerüchte erwachsen bisweilen auch aus Blogger-Kreisen, die sich mit ihrer kleinen, aber einflussreichen Anhängerschaft über spezielle Seiten auslassen. Didier Frochot vom Informationsmanagement-Unternehmen Les Infostrateges wendet sich in solchen Fällen direkt an die Verantwortlichen und droht ihnen mit rechtlichen Konsequenzen, wenn sie die frevlerischen Inhalte nicht umgehend entfernen. Für den durchschnittlichen Internetnutzer hält er es jedoch für besser, solchen Angriffen vorzubeugen.
Carole Gay der AFA, des französischen Verbandes der Internetanbieter, schließt sich an, indem sie darauf hinweist, man müsse sehr darauf achten, was man über sich veröffentlicht, um nicht langfristig davon verfolgt zu werden.
Quelle :
www.gulli.com