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Datenhygiene: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
« am: 01 Januar, 2010, 19:54 »
Die Gedächtnismaschine Internet vergisst keinen einzigen unserer Klicks. Was bedeutet das für den Anwender? Viktor Mayer-Schönberger über Vergeben und Vergessen von Daten im Netz und den Umgang der User damit.

Alle Social Networks, Dienstleistungs- und eCommerce-Anbieter speichern Kundendaten, doch nicht nur zur Erstellung von Rechnungen. Jeder Seitenaufruf, jeder Klick auf der Seite wird in einer Log-Datei gespeichert und auf unbestimmte Zeit aufbewahrt. Auf diese Weise entsteht ein sehr exaktes Profil von Interessen, Präferenzen und Surfgewohnheiten auf verschiedensten Seiten erklärt Viktor Mayer-Schönberger, Professor an der John F. Kennedy School of Government der renommierten Universität Harvard. Seine Schwerpunkte sind die politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Dimensionen moderner Informations- und Kommunikationsnetze.

Mayer-Schönbergers Ansicht nach herrscht bei den Kunden und Nutzern vieler kommerzieller und sozialer Dienste im Internet keine Gleichgültigkeit im Umgang mit ihren Daten, sondern hauptsächlich Unkenntnis über die Art und Menge der über sie erhobenen Informationen.

Gerade diese Unkenntnis der Menschen über die massenhafte Aufzeichnung ihrer Anwendungsdaten betrachtet er als problematisch: So könnten die bei der Datenspeicherung entstehenden Nutzungs- und Präferenzprofile nicht nur interessant für Versicherungen und Arbeitgeber sein, z.B. wenn ein sich Amazon-Kunde Selbsthilfeliteratur zu bestimmten Gesundheitsthemen wie AIDS oder Krebs ansieht. Auch einschlägige politische und zeitgeschichtliche Literaturinteressen könnten Aufsehen erregen. Ungeklärt ist dabei auch, ob, wann und in welchem Umfang von staatlicher Seite auf solche Informationen zugegriffen werden kann.

Den generellen Boykott des Internets sieht Mayer-Schönberger trotzdem nicht als Lösung dieser Probleme. Ein Verfallsdatum für Anwenderdaten wäre für ihn das Mittel der Wahl: „Natürlich könnten wir das Netz boykottieren, aus Angst um unsere Daten. Aber damit schaden wir uns mehr als dem Netz. Digitale Abstinenz ist eine süße Idee, aber im digitalen Zeitalter nicht realistisch. Deshalb die digitalen Werkzeuge nicht mehr zu verwenden, die uns so viel Nutzen bringen, das macht keinen Sinn. Das ist auch keine Basis für eine notwendige gesellschaftliche Lösung. Und das hat mich mich veranlasst, zu sagen: Lasst uns doch dem Vergessen im digitalen Zeitalter wieder eine Chance geben.“

Am Beispiel Google erklärt er, dass Vertrauen in Bezug auf Datensicherheit zwar gut, aber Kontrolle immer noch besser sei und fordert individuelle, gesellschaftliche und technische Mechanismen, mit denen man festlegen und überprüfen kann wie lange ein Dienstanbieter Daten über die eigene Person speichert. Dazu formuliert der Wissenschaftler einen konkreten Lösungsvorschlag, der sowohl Kunden- als auch Firmeninteressen berücksichtigt: „(...) ich fände es besser, wenn ich bestimmen könnte, wie lange solche Transaktionsinformationen verwendet werden. Wenn ich etwa bei Amazon einen Reiseführer kaufe, dann will ich sagen können: 'Bitte bezieh die Information meines Kaufes nur bis zu meinem Reiseantritt in deine Empfehlungen an mich ein - aber danach nicht mehr.' So geben wir dem bewussten Löschen von Informationen mehr Raum: etwa durch ein Ablaufdatum für Daten oder durch digitales Rosten, also das langsame Vergessen digitaler Information.“

Ein weiterer Vorteil dieses langsamen Vergessens ist der Schutz vor dem Missbrauch gesammelter Daten durch andere Unternehmen, den Staat oder den Arbeitgeber. Dabei sieht er den digitalen Erinnerungsabbau als neue Kulturtechnik an, die es für alle Anwender zu erlernen gilt. Der Kunde soll lernen, einzuschätzen wie lange Informationen über sein Kauf- oder Surfverhalten zu speichern notwendig ist. Gleichzeitig entwickelt er dadurch auch seine Fähigkeit zur informationellen Selbstbestimmung weiter. Hält der User später den angegebenen Speicherzeitraum für unangemessen, soll er dieses Datenverfallsdatum auch nachträglich ändern können.

Dass Deutschland und die USA dazu tendieren, ständig mehr und mehr Informationen über ihre Bürger zusammentragen zu wollen, sieht Viktor Mayer-Schönberger sehr kritisch: „Momentan will der Staat immer mehr Informationen speichern. Aber ich denke, das muss sich ändern. Hier müssen auch die Userinnen und User öffentlichen Druck erzeugen. Anstatt auf die Politik zu warten, müssen wir aktiv werden, eine Bewegung schaffen, auf die die Politik dann reagieren muss. Eine Bewegung für das digitale Vergessen.“

Aus allen Vorschlägen und Forderungen des Wissenschaftlers kristallisiert sich ein klarer, unmissverständlicher Appell an alle Bürger der globalisierten, digitalen Gesellschaft heraus: Wer als digitaler Bürger frei und sicher leben will, muss auch selbst dafür Sorge tragen und Verantwortung für sich, seine Daten und seinen Staat übernehmen.

Quelle : www.gulli.com

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Frankreich erwägt Vergeben und Vergessen im Netz
« Antwort #1 am: 08 Januar, 2010, 21:37 »
Nachdem Ideen zu einem Verfallsdatum für persönliche Daten im Internet aufkamen, denkt man in Frankreich ernsthaft darüber nach.

Laut Alberic Guigou von Reputation Squad, einem Unternehmen, das sich mit Reputationsmanagement im Internet beschäftigt, ist nicht nur die Privatsphäre von Prominenten im Internet gefährdet. Zunehmend werden auch "Normalbürger" durch ihre Aktivitäten in Social Networks wie Facebook oder Twitter zu Figuren des öffentlichen Lebens, weil sie viel und vor allem viel Privates über sich kommunizieren. Hingegen blieben andere anonym und nutzten diese persönlichen Informationen, um den Ruf der anderer Anwender zu ruinieren, so Guigou.

Aufgrund des Ausmaßes dieser Informationsoffenbarungen im Internet denkt Frankreich nun darüber nach, wie lange eine persönliche Information der Öffentlichkeit im Internet erhalten bleiben sollte. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag gibt Internetnutzern deshalb die Möglichkeit, alte Daten über die eigene Person löschen zu lassen. Dieses Gesetz würde Dienstanbieter im Internet dazu verpflichten, E-Mails und Textnachrichten nach einem vereinbarten Zeitraum oder auf Verlangen des Kunden zu löschen.

Auch Divina Frau-Meigs, Professorin für amerikanische Studien und Soziologie der Medien an der Sorbonne Universität in Paris, hält das Gesetz für ein geeignetes Mittel, um der unkontrollierten Verbreitung privater Kommunikation entgegenzuwirken. Dazu erklärte sie: "Diese Debatte steht auf viele Arten in Zusammenhang mit dem Recht auf Bewahrung der Unschuld, damit Menschen nicht für schuldig befunden werden, noch bevor sie ihr Leben richtig beginnen." Weiter führte sie dazu aus: "Menschen und vor allem junge Menschen müssen durch den Staat geschützt werden (...)"

Ein institutionalisiertes Recht zu vergessen könnte dieser Ansicht nach die Privatsphäre einer Person schützen, indem sie nicht permanent wegen unüberlegter Handlungen aus der Vergangenheit erpresst werden könnte.

Momentan gibt es nur einen Weg, eine schlechte öffentliche Darstellung im Internet zu überwinden: durch weitere gute Darstellungen.

Guigou meint, schließlich müßte sofort gehandelt werden, wenn es zu böswilligen Angriffen auf Menschen durch Internetgerüchte käme. Zu diesem Zweck müsse zuerst festgestellt werden, wer für die negativen Inhalte verantwortlich sei. Seien diese Personen nicht auffindbar, würde man dafür sorgen, dass bei so vielen Einträgen wie möglich auf den ersten Seiten der bekanntesten Suchmaschinen der negative in positiven Content verwandelt würde. "Wenn es außerdem Presseartikel über sie gibt, die ihren Ruf positiv darstellen, verbessern wir das Ranking in der Archiv-Suche solcher Artikel."

Auch Unternehmen würden durch Wettbewerber attackiert, die behaupten, verärgerte Kunden zu sein und so die Rückmeldungen auf Seiten wie eBay oder Amazon in negativem Licht erscheinen ließen.

Doch Prof. Frau-Meigs ist der Auffassung, die Manipulation des Internetauftritts eines Menschen begünstige lediglich die Wohlhabenden sowie Personen, die ein begründetes Interesse daran haben, ihre wahre Identität zu verbergen.

Solche üblen Gerüchte erwachsen bisweilen auch aus Blogger-Kreisen, die sich mit ihrer kleinen, aber einflussreichen Anhängerschaft über spezielle Seiten auslassen. Didier Frochot vom Informationsmanagement-Unternehmen Les Infostrateges wendet sich in solchen Fällen direkt an die Verantwortlichen und droht ihnen mit rechtlichen Konsequenzen, wenn sie die frevlerischen Inhalte nicht umgehend entfernen. Für den durchschnittlichen Internetnutzer hält er es jedoch für besser, solchen Angriffen vorzubeugen.

Carole Gay der AFA, des französischen Verbandes der Internetanbieter, schließt sich an, indem sie darauf hinweist, man müsse sehr darauf achten, was man über sich veröffentlicht, um nicht langfristig davon verfolgt zu werden.


Quelle : www.gulli.com

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