Autor Thema: COOKIE-RICHTLINIE - Wie die EU Internet-Nutzer nerven will  (Gelesen 807 mal)

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Die EU-Ratspräsidentschaft versucht, ein Zustimmungsverfahren zu Cookies einzuführen. Das klingt zunächst nach einer langweiligen Marginalie. Bis man begreift, dass Sie mehrere Einverständniserklärungen hätten unterzeichnen müssen, um auch nur diese Zeilen zu lesen.

Über Cookies kann man geteilter Meinung sein. Die kleinen Textdateien machen Notizen über Ihr Surfverhalten, über Ihre auf bestimmten Webseiten gewählten Einstellungen und Präferenzen und darüber, welchen Funktionalitäten einer Seite Sie zugestimmt und welche Sie abgelehnt haben.

Betreiber von Webseiten nutzen Cookies, um Ihnen zum Beispiel ein bequemes Einkaufen zu ermöglichen. Sie sorgen dafür, dass Sie beim Einloggen in Ihren Instant Messenger nicht jedesmal Nutzernamen und Passwort eingeben müssen. Wir bei SPIEGEL ONLINE setzen sie unter anderem ein, um - anonymisiert - zu registrieren, wie viele Menschen welche Werbung zu sehen bekamen.

Für Nutzer sind Cookies wichtig, weil sie viele Dinge bequemer machen. Für uns Web-Unternehmen sind sie wichtig, weil die über Cookies erhobenen Daten eine essentielle Grundlage für unsere Refinanzierung darstellen. SPIEGEL ONLINE wäre nicht bezahlbar, wenn es gegenüber Werbekunden nicht ausweisen könnte, wie viele Leser es hat. Wenn Sie so wollen, werde auch ich mit Keksen bezahlt.

So weit, so gut. Aber Cookies sind auch Protokolle über Dinge, die Sie im Netz getan haben. Und natürlich gibt es Unternehmen, die mit solchen Informationen Schindluder treiben.

Ich persönlich habe meinen Browser deshalb so eingestellt, dass er sie bei jedem Schließen des Programms komplett löscht. Jeder Browser ermöglicht auch, nur so genannte "Session Cookies" anzunehmen - Cookies, die nach Beendigung einer Internetnutzung wieder verschwinden. Sehr viele Nutzer machen das so und jeder kann es: Es dauert nur ein paar Sekunden, es entsprechend einzustellen (siehe Bildergalerie).

Sind Sie einverstanden? Wirklich? Ganz sicher? Hm?

Der EU ist das nicht genug. Sie berät zurzeit über eine Neufassung des Artikels 5 der Richtlinie zur Privatsphäre und Elektronischen Kommunikation (kurz "ePrivacy-Richtlinie"), die Gutes will und Brachiales verursachen könnte. Der seit Freitag vorliegende, nicht öffentliche Textvorschlag der EU-Ratspräsidentschaft läuft informierten kreisen zufolge angeblich darauf hinaus, den Einsatz von Cookies an ein Opt-in-Verfahren zu koppeln. Das heißt, dass jedesmal, wenn Ihrem Browser ein Cookie gesetzt werden soll, Sie ein Popup-Fenster oder eine "Vertragsseite" präsentiert bekämen, und Sie zuerst Ihr ausdrückliches Einverständnis erklären müssten. Nach Meinung der Befürworter dient diese Cookie-Ergänzung der Datensicherheit der Nutzer.

Denn Cookies, das haben die EU-Parlamentarier durch die Diskussionen um Google, vor allem aber um den britischen Daten-Kraken Phorm gelernt, können dazu dienen, das Konsumverhalten von EU-Bürgern auszuspionieren. Es gäbe wohl wichtigere Datenschutz-Themen, die eine Hinterfragung lohnen würden - von Ursula von der Leyens abstrusen Internet-Sperr-Plänen über Wolfgang Schäubles Überwachungsphantasien bis hin zur Bürgerdaten-Tombola im internationalen Sicherheitsbehörden-Club und zur leidigen Vorratsdatenspeicherung. Sei's drum: Die EU-Parlamentarier finden es okay, wenn unsere Vorstrafen zwecks Terrorrabwehr an US-Behörden vermailt werden und unsere ganze Kommunikation auf Monate dokumentiert wird. Hauptsache, niemand bekommt ohne ausdrückliches Einverständnis einen Cookie.

Die klammheimlichen Verordnungspläne gehen zahlreichen Medien-, Werber- und Händlerverbänden dagegen ganz schön auf den Keks.

Bürger, duck' Dich: Man hält Dich für nicht mündig

Kein Wunder, denn in der Praxis würde die Ergänzung zur ePrivacy-Richtlinie bedeuten, dass Sie auf jeder besuchten Webseite mit ganzen Kaskaden von Popup-Verträgen belästigt würden.

Jedesmal, wenn Sie einen Artikel aufriefen, eine Seite weiterblätterten, der Ad-Server, der die Werbung einspielt, eine Anzeige wechselte; wenn Sie sich bei Amazon einen Artikel ansähen, wenn Sie versuchen würden, die Artikel-Merkfunktion bei eBay zu nutzen; wenn Sie Benutzereinstellungen in Ihrem Facebook-, MySpace- oder StudiVZ-Account vornähmen; wenn Sie sich in Ihr E-Mail-Konto einloggten, bei jedem Schritt in Ihrem Online-Banking würde Ihnen ein Popup serviert, in dem Sie erst einmal bestätigen müssten, dass Sie wirklich wollen, was Sie da gerade tun und damit einverstanden sind, dass Ihnen auch ermöglicht wird, was Sie wollen: umzublättern, Artikel aufzurufen, einzukaufen, Post zulesen, Social Networks zu nutzen. Herr, wirf Hirn vom Himmel!

Europa, die Nerv-Zone des Webs?

Man muss sich das einmal vorstellen. Mit der bequemen Nutzung des Webs wäre es vorbei, sobald man sich auf Webseiten bewegt, die in der Europäischen Union hinterlegt sind - denn natürlich würde all das für außereuropäische Seiten nicht gelten. SPIEGEL ONLINE unterschiede sich vom "Sydney Morning Herald online" nicht nur in Sprache, Design und geografischem Fokus, sondern auch dadurch, dass es seine Nutzer gesetzlich verordnet Dauernerven müsste - denn EU-Direktiven sind nach dem Subsidiaritätsprinzip in Landesgesetze umzusetzen.

Dabei kommt viel Sinnvolles heraus, leider zu oft aber auch geballter Schwachsinn. Das Problem dabei: Oft erfahren wir zu spät davon, weil EU-Themen in der Öffentlichkeit selten diskutiert werden. Vieles, was dort in Mache ist, erscheint als bürokratisch und sehr weit weg - bis es uns in Form gültiger Gesetze serviert wird mit dem Argument, EU-Richtlinien müssten halt umgesetzt werden.

Im Fall Cookies steht zu befürchten, dass viele der Leute, die möglicherweise schon am 5. Mai darüber abzustimmen haben, nicht den geringsten Schimmer haben, worüber sie da eigentlich abstimmen. Es einfach nicht begreifen, sich nicht vorstellen können. Das Thema nicht erfassen, weil sie es nicht kennen. Das Internet nicht nutzen, sondern nutzen lassen, aber durchaus darüber entscheiden. In informierten Kreisen nennt man solche einflussreichen Menschen auch "Internet-Ausdrucker". Man kann nur hoffen, dass von denen wenige beteiligt sind; dass auch unsere deutschen Abgeordneten die Wichtigkeit des vermeintlich technischen Themas begreifen.

Denn man kann leider nicht davon ausgehen, dass das Thema vor der Abstimmung wirklich vertieft, erklärt und beredet würde. Es ist eine kleine, scheinbar marginale Änderung von vielen in einer Richtlinie, die nur einige wenige wirklich lesen werden. Erheblich größer wird die Zahl der Betroffenen ausfallen: Aktuellen Schätzungen zufolge gibt es davon allein in Deutschland rund 55 Millionen. Gemeint sind alle Internet-Nutzer, vor allem aber die, die dort versuchen, ihr Geld zu verdienen.

Verordneter Wettbewerbsnachteil

Ingo Notthoff, Sprecher des Bundesverband Digitale Wirtschaft BVDW, entdeckt in den wohlmeinenden Plänen einen "Rückschlag für Internetnutzer und die Online-Wirtschaft". Er ist damit nicht allein: Wenn eine EU-Richtlinie die Nutzung europäischer Webseiten verkomplizieren würde, liefe das auf eine verordnete Wettbewerbsverzerrung hinaus. "Die Einführung eines Opt-in-Systems würde die Nutzung des Internets für den einzelnen Nutzer durch zahlreiche Zustimmungserfordernisse verlangsamen und den Zugang zu Online-Services und -Inhalten verkomplizieren", heißt es auch in einem Brief der Verlegerverbände an die deutschen Europa-Abgeordneten. "Eine einfache und verbraucherfreundliche Nutzung von Webseiten wäre dann nicht mehr möglich."

Es ist sogar noch schlimmer: Die Regelung ist schlicht kontraproduktiv. Sie schützt die Daten der Nutzer nicht, sondern nervt sie nur unnötig. Wenn ich mit meiner Browsereinstellung, die alle Cookies und Verlaufsdaten nach jeder Sitzung löscht, solch eine EU-kompatible Seite besuche, werde ich jedes Mal aufs Neue mit diversen "Sind Sie einverstanden, dass..."-Fenstern genervt. Mein Kollege, der auf Datenschutz pfeift und alle Cookies und Verlaufsdaten bis zum Jüngsten Gericht speichert, wird damit nur ein einziges Mal konfrontiert: Sein einmal gegebenes Einverständnis bleibt archiviert.

Was bitte schön soll an dieser Regelung im Sinne des Verbrauchers sein? Wie soll ihn das schützen? Wer sich selbst schützt, indem er Cookies killt, statt sich damit EU-konform einverstanden zu erklären, wird mit endlosen Popup-Kaskaden bestraft. Wer seinen Datenschutz vernachlässigt, wird auch mit den EU-Cookie-Popups nicht behelligt.

Erde an Brüssel: jemand Zuhause?

Quelle : www.spiegel.de

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Neue Cookie-Regelung in Kraft getreten
« Antwort #1 am: 27 Mai, 2012, 14:30 »
Am gestrigen Samstag, den 26. Mai, traten neue Datenschutzbestimmungen der EU in Kraft. Dies betrifft unter anderem den Umgang mit Cookies. Werbenetzwerke müssen künftig die Nutzer um Erlaubnis bitten, bevor sie einen Cookie setzen können. Beschlossen wurde dies 2009.

Seit gestern gelten neue Datenschutzbestimmungen in der EU, die unter anderem den Umgang mit Cookies betreffen. Über Cookies kann ein Nutzer wiedererkannt werden. Dies mag für manche Zwecke praktisch sein, da man sich so nicht jedes Mal neu anmelden muss, wenn man zum Beispiel ein Board, ein soziales Netzwerk oder einen Onlineshop besucht. Doch unerwünschterweise können Nutzer auch so getrackt und Statistiken über das Nutzerverhalten erstellt werden. Diesen Umstand nutzen unter anderem Werbenetzwerke.

Das soll allerdings künftig nicht mehr ohne das Wissen beziehungsweise das Einverständnis der Nutzer geschehen. Ab sofort sollen die Nutzer gefragt werden, ob eine Website ein Cookie setzen darf. Sie sollen darüber aufgeklärt werden, dass dieser Cookie bei künftigen Besuchen wieder ausgelesen werden kann. Dies hat das Europäische Parlament bereits 2009 beschlossen; die Datenschutzbestimmung sind allerdings erst gestern in Kraft getreten.

Quelle : www.gulli.com

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ePrivacy-Richtlinie: Stillstand bei der Cookie-Bändigung
« Antwort #2 am: 30 August, 2013, 09:40 »
Eigentlich dürfen Werber Cookies nur dann auf den Rechnern der Nutzer ablegen, wenn diese zugestimmt haben. Eine entsprechende Richtlinie der EU wurde vor vier Jahren verabschiedet. Umgesetzt werden sollte sie vor zwei Jahren. In Deutschland hat sich bis heute nichts getan.

"Stillstand" beim Cookie-Paragraph konstatiert Peter Schaar, Deutschlands oberster Datenschützer. Er meint die Umsetzung der ePrivacy-Richtlinie der Europäischen Union. Sie sieht vor, dass Werbetreibende Cookies nur dann auf Rechnern ablegen dürfen, wenn die Nutzer ausdrücklich zugestimmt haben. Vor vier Jahren verabschiedet, ist die Richtlinie in Deutschland bis heute nicht umgesetzt worden.

Der ganze Artikel

Quelle : www.golem.de

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