Autor Thema: Loveparade ...  (Gelesen 2503 mal)

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Loveparade ...
« am: 15 Januar, 2009, 22:22 »
Paukenschlag für Technofans: Die alljährlich im Fernsehen übertragene "Loveparade" fällt in diesem Jahr komplett aus. Die Kapazität der Ruhrgebietsstadt Bochum reiche für die erwarteten Besuchermassen nicht aus, teilten Veranstalter und Stadtverwaltung am Donnerstag mit. "Sie wird 2009 nicht in Bochum stattfinden und auch an keinem anderen Ort", erklärte der Sprecher des Veranstalters Lopavent, Björn Köllen. "Zur getroffenen Entscheidung gab es nach intensiver und mehrfacher Prüfung keine Alternative", sagte Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD).

Die Veranstaltung sei in den vergangenen Jahren zu stark gewachsen, hieß es in der Pressemitteilung. Wegen umfangreicher Gleisbauarbeiten in Bochum könnten gar nicht alle Besucher die Veranstaltung erreichen. Zur Loveparade 2008 in Dortmund waren im vergangenen Juli nach Schätzungen 1,6 Millionen Besucher gekommen. Diese Mengen könne der nur teilweise nutzbare Bochumer Hauptbahnhof nicht fassen.

Ruhrgebiet soll Austragungsort bleiben - Duisburg im Jahr 2010

Der Veranstalter will dem Ruhrgebiet aber treu bleiben: "Wir werden jetzt die Zeit nutzen, und die kommenden Städte eingehend prüfen, um bei Ruhr 2010 wieder dabei zu sein", hieß es. Im Jahr 2010 ist das Ruhrgebiet als Region Kulturhauptstadt Europas. Für 2010 und 2011 sind die Städte Duisburg und Gelsenkirchen für die Loveparade vorgesehen.

Zuletzt war die Loveparade 2004 und 2005 wegen fehlender Sponsorengelder ausgefallen. Im Jahr 2007 hatte die Loveparade ihren Gründungsort Berlin "aufgrund fehlender Planungssicherheit" verlassen und als neue Heimat die Metropole Ruhr gewählt. Unter anderem der Musiksender Viva hatte im vergangenen Jahr mehrere Stunden live von der Veranstaltung übertragen (SAT+KABEL berichtete).

Quelle: http://satundkabel.magnus.de/

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und das wo ich da jetzt auch ein Bett stehen hab   :'( :'(
« Letzte Änderung: 24 Juli, 2010, 21:30 von SiLæncer »
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Wer ist schuld an der Absage der Loveparade?
« Antwort #1 am: 17 Januar, 2009, 13:57 »
Wundenlecken am Tag danach. Die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) gerät nach der Absage der Loveparade schwer unter Druck. Der Rückzieher sei zwar „peinlich”, aber vernünftig, rügt die SPD-Ratsfraktion ziemlich geschraubt. Mit der Benennung von Verantwortlichen für dieses Desaster tut sich die Partei schwer. Ein solcher Patzer im Krisenmanagement vor einer Kommunalwahl ist natürlich der größte vorstellbare Unfall.

Roland Mitschke, Sprecher der CDU-Ratsfraktion, sagte der WAZ gegenüber, es sei dilettantisch, „wie diese Nachricht verkauft wurde”. Die OB habe den Rat in dieser so weitreichenden Entscheidung übergangen, kritisiert Mitschke. Schließlich habe der Rat im Jahr 2007 mehrheitlich den Beschluss gefasst, man wolle die Loveparade, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: „Da hieß es noch, jawoll, wir wollen das.”

Oberbürgermeisterin verteidigt sich

Der enge Kreis der Entscheider, die Dezernenten Paul Aschenbrenner, Diane Jägers und Dr. Ernst Kratzsch steht besonders im Blickpunkt. Aschenbrenner, der als Wirtschaftsdezernent federführend mit den Planungen betraut war, sagt: „Mit mir hätte es diese Loveparade nicht gegeben.” Er habe das immense Sicherheitsrisiko nicht verantworten können. Die CDU kritisiert den Alleingang der Verwaltungsspitze heftig. Man habe sich zu allem Überfluss auch noch hinter dem Veranstalter Lopavent versteckt.

„Ich habe nicht im Alleingang entschieden,” wehrte OB Scholz der WAZ gegenüber diese Einschätzung ab. „Das ist absolut falsch.” Nach ihrer Darstellung habe es einen „Konsens aller Beteiligten” gegeben. Beim Thema Loveparade sei sie zwar „immer am Rande oder mittendrin” gewesen, doch bei der „großen Behördenrunde” u.a. mit Kreis- und Bundespolizei war sie nicht dabei. Das sei nicht nötig gewesen, weil es da um das operative Geschäft gegangen sei. Offenbar, so heißt es, soll dabei Rechtsdezernentin Diane Jägers (CDU) keinen Hehl daraus gemacht haben, dass sie mit der Loveparade wenig im Sinn hat. OB Scholz räumt ein: „Es hat Phasen gegeben, wo sie gesagt hat: Brauchen wir das?” Dass die Dezernentin dabei gegen die Loveparade gestänkert habe, könne sie nicht bestätigen: „In meiner Gegenwart nicht.”

Veranstalter hat Verständnis

Zwar kann der Loveparade-Veranstalter die Entscheidung der Stadt „nachvollziehen, das Event abzusagen”. Doch im gleichen Atemzug macht Lopavent-Sprecher Björn Köllen deutlich: „Wir hätten uns vorstellen können, die Loveparade mit einem anderen Konzept trotzem in Bochum stattfinden zu lassen.” Im Gespräch sei etwa gewesen, auf die große Abschlusskundgebung zu verzichten und sich mehr auf die Floats, die Paradewagen, zu konzentrieren. Bei jeder anderen Loveparade habe es ebenfalls Hürden gegeben, in Bochum seien „diese offenbar zu hoch gewesen”.

Mit rund 100 000 Euro an Planungskosten und ungezählten Vorbereitungsstunden gingen die Berliner Spaßprofis bereits ernsthaft ans Werk. Lopavent denkt bis jetzt aber nicht darüber nach, Regress-ansprüche an die Stadt Bochum heranzutragen: „Das ist nun Mal unserer Risiko als Veranstalter.”

Polizei sah Risiken

Ganz andere Risiken bewegen Martin Jansen. Dem Leitenden Polizeidirektor wäre die Rolle zugefallen, den wohl größten Polizeieinsatz aller Zeiten in Bochum zu koordinieren. „Wir hätten die Loveparade nur unter Zurückstellung erheblicher Sicherheitsbedenken vertreten.” Knackpunkt ist nach seiner Einschätzung der Bochumer Hauptbahnhof.

Maximal 16 000 Menschen pro Stunde können von dort befördert werden. Zum Vergleich: Der Dortmunder Hauptbahnhof hat mit 40 000 Menschen mehr als die doppelte Kapazität. „Bis zu 15 Stunden hätten tausende Besucher warten müssen”, so Jansen. Da sei die Sicherheit nicht mehr zu garantieren. Im vergangenen Jahr hätten in Dortmund plötzlich rund 1000 Menschen auf den Schienen gestanden. Ein unkalkulierbares Risiko. Dabei ist Jansen sich des Imageverlustes für die Stadt bewusst: „Ich bin aber froh, dass die Oberbürgermeisterin diese Entscheidung so getroffen hat.”

Die bestätigt, sieht sich nicht etwa in einer Beobachterfunktion: „Ich habe mitentschieden,” beschrieb Ottilie Scholz ihre Rolle. „In einer Telefonkonferenz gemeinsam mit Herrn Brauser von der Wirtschaftsmetropole Ruhr und mit dem Veranstalter.” Am selben Tag habe sie den Ältestenrat informiert. Gern hätte sie dafür einen Ratsbeschluss gehabt, sagte sie der WAZ. „Aber es hatte einen so großen Pressedruck gegeben – ich hätte das nicht bis zur nächsten Ratssitzung hinziehen können.”

Quelle : www.derwesten.de

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Es bleibt dabei: Loveparade 2009 fällt flach
« Antwort #2 am: 19 Januar, 2009, 13:25 »
Bochum: Auch Oliver Wittke kann die Loveparade nicht retten. Der Vorschlag des Landesverkehrsminister, die Parade statt in Bochum ersatzweise auf der A 40 stattfinden zu lassen, sei charmant, aber keine Lösung, heißt es bei den Veranstaltern. Damit ist die Loveparde endgültig vom Tisch.

Die Loveparade 2009 fällt definitiv aus. Das versicherte Montag Morgen auf WR-Nachfrage Björn Köllen, Sprecher des Loveparade-Veranstalters, der Lopavent GmbH. Die Option A 40 sei schon lange vor dem Vorschlag des Verkehrsministers von Lopavent geprüft und wieder verworfen worden, so Köllen. Im Kern würden mit einem Ausweichen auf die Autobahn die Probleme nicht gelöst, kurz: „Die Leute kommen da einfach schlecht hin”, der Veranstaltungsort bzw. der Platz der Abschlusskundgebung müsse fußläufig und zentral zu erreichen sein. Dafür sei der Nahverkehr nicht ausgelegt.

Hinzu komme: Ein anderer Ort ändere nichts daran, dass die Bahnhöfe in Bochum oder auch in Dortmund wegen der im Sommer anstehenden Modernisierungs- und Gleisbauarbeiten - wie berichtet - nur begrenzt nutzbar seien. „Das gibt nur Chaos, das wollen wir nicht.”

Auch der Vorschlag, kurzfristig auf ein dezentrales Konzept zu setzen, also die Loveparade an mehreren Standorten wie etwa Dortmund, Bochum, Essen gleichzeitig steigen zu lassen, stößt bei den Veranstaltern auf wenig Gegenliebe. Würde man beispielsweise drei kleine Paraden veranstalten, müssten auch drei Bühnen aufgebaut werden, drei Verkehrs- und Sicherheitskonzepte entwickelt werden. „Viel zu aufwändig und zu teuer”, kommentiert Köllen. Bei Lopavent konzentriere man sich auf 2010 und 2011, also auf Duisburg und Gelsenkirchen, hier liefen jetzt die (Strecken-)Prüfungen an. Und noch mal: „Für 2009 ist der Zug definitiv abgefahren, alle Optionen sind durch.”

Dass die Loveparade nicht stattfindet, bewertet der Dortmunder Szene-Kenner und Techno-Forscher Prof. Dr. Ronald Hitzler als „peinliche Blamage fürs Ruhrgebiet”. Er sei fassungslos, dass man in Bochum so spät abgesagt habe und damit, nach zwei so erfolgreichen Paraden in Essen und Dortmund, die Zukunft des ganzen Projektes in frage stelle. Die ewigen Kritiker in Berlin würden sich nun zu recht „auf die Schenkel klatschen”, ahnt Hitzler, der 2007 einer der großen Fürsprecher der „Metropole Ruhr” war.

Quelle : www.derwesten.de

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Mindestens 15 Tote bei Love Parade in Duisburg
« Antwort #3 am: 24 Juli, 2010, 21:31 »
Sie wurden erdrückt oder stürzten beim Fluchtversuch in die Tiefe: Bei der Love Parade in Duisburg sind 15 Menschen gestorben, Dutzende wurden verletzt. In der Stadt hatte es heftige Debatten gegeben, ob eine Mega-Party mit mehr als einer Million Ravern zu verantworten sei - doch Bedenken wurden ignoriert.

Aus dieser Falle gab es kein Entkommen. Zigtausende Menschen drängten sich an diesem Samstagnachmittag in Duisburg in einem 300 Meter langen Tunnel. Einen Ausweg gab es nicht. Kein Vor, kein Zurück.

Es war gegen 17.30 Uhr, viele Raver versuchten noch zur Abschlussveranstaltung der Love Parade zu kommen. Doch das Gelände war schon rappelvoll, gerade hatten die Polizisten den Zugang aus Sicherheitsgründen geschlossen. Per Lautsprecher wurden die Menschen aufgefordert, zum Hauptbahnhof gut zwei Kilometer nördlich zurückzugehen.

Doch wer will schon abziehen, bevor der Spaß begonnen hat? Sie wollten tanzen, zu den wummernden Beats, zu den Powerbässen.

Was dann passierte, beschreiben Augenzeugen so: Als das Gedränge immer dichter wurde, seien Menschen in der Menge kollabiert, in Panik geraten, hätten geschrien, versucht, den Kopf oben zu behalten. Luft zu bekommen.

Quelle : www.spiegel.de
« Letzte Änderung: 25 Juli, 2010, 11:09 von SiLæncer »

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ZDF ändert Programm nach "Love Parade"-Katastrophe
« Antwort #4 am: 25 Juli, 2010, 11:08 »
Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) ändert anlässlich der Katastrophe zur "Love Parade" in Duisburg sein Programm.

Am Sonntagabend sollen in einer "ZDF Spezial"-Ausgabe die Ereignisse aufgearbeitet, kündigte der Mainzer Kanal in seiner Sendung "Blickpunkt" an, zunächst ohne genaue Angaben zur exakten Sendezeit und dem geplanten zeitlichen Umfang.

Bei einer Massenpanik waren 19 Menschen verstorben und über 300 verletzt worden. Live übertragen hatten das Spektakel unter anderem das WDR-Fernsehen, Hörfunksender sowie die "Bild"-Zeitung mit Moderator Oliver Pocher und seiner Lebensgefährtin Sandy Meyer-Wölden.

Die ARD hatte in einem "Brennpunkt" am Samstagabend zur Primetime berichterstattet, über sechs Millionen (26 Prozent Marktanteil) schalteten ein. Das ZDF thematisierte die "Love Parade" unter anderem im "heute journal".

Quelle : SAT & KABEL

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Loveparade: Kritik an Veranstaltern und Stadtverwaltung
« Antwort #5 am: 25 Juli, 2010, 16:16 »
Auf der Duisburger Love Parade gab es nach aktuellem Stand mindestens 19 Tote und über 340 Verletzte

Bei einer Massenpanik in einem Tunnel gab es auf der gestrigen Love Parade in Duisburg mindestens 19 Tote und 340 Verletzte. Am frühen Samstagabend hatte die Polizei noch von wenigstens 10 Toten und 15 Verletzten gesprochen. Als ein unmittelbarer Auslöser der Panik gilt mittlerweile, dass Menschen über steile Wände aus der dicht gedrängten Masse zu entkommen versuchten und auf sie herabstürzten. Allerdings werden auch zunehmend kritische Fragen zur Planung der Veranstalter und der kommunalen Sicherheitsbehörden laut.

In den Internetforen der WAZ sprachen Teilnehmer anhand der Größe des Geländes und des Tunnels bereits am 21. Juli von "Chaosplanung" und der Gefahr von Todesfällen. Am 23. Juli zitierte ein "Alex" einen Feuerwehrmann, der meinte, dass die Veranstaltung "eigentlich gar nicht erlaubt sein dürfte" und man nicht wisse "wie [...] im Falle einer Panik reagiert werden soll". Ein User mit dem Nick "HIFI" vermutete am selben Tag, dass Veranstalter und Stadtverwaltung sich wohl nicht blamieren und Verträge einhalten wollten und riet allen Lesern, zuhause zu bleiben.

Quelle : http://www.heise.de/tp/

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Re: Loveparade: Kritik an Veranstaltern und Stadtverwaltung
« Antwort #6 am: 25 Juli, 2010, 22:39 »
Meine aufrichtige Teilnahme an die Angehörigen der Verstorbenen!

Da können sich wohl einige Leute einen neuen Job suchen. Sicher wie immer aber wieder mal nicht die wirklich Verantwortlichen. Unglaublich auf so kleinem Raum solche Menschenmassen unterbringen zu wollen.
Von dem was Feuerwehr, TÜV und alle anderen Institutionen über solche Arten von Grossveranstaltungen wissen kann ich mir sehr gut vorstellen das es dort sicherlich (schriftliche) Warnungen gegeben hat. Nur war die Profitgier wohl mal wieder grösser.
Wenn ich das im Rahmen der Besucherzahlen während der Kieler Woche sehe und das bei dem Platz der in der Stadt ist.... wir haben sogar da immer noch ein riesen Gedränge.

Einzig erreicht wurde wohl das endgültige Ende der Love Parade. Herrscht endlich wieder Ruhe in Deutschland  :'(
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Loveparade: Vertuscht die Bundespolizei die Ermittlungen?
« Antwort #7 am: 26 Juli, 2010, 11:23 »
Wie Spiegel Online meldet, wurden bei diversen Einsatzstellen sämtliche Unterlagen zur tödlichen Massenpanik am Samstag vernichtet. Der „ganz große Staubsauger“ sei aktiv gewesen und diverse Daten von den E-Mail-Accounts der Beamten seien gelöscht worden. Auch von rund 1,4 Millionen anwesenden Musikfans ist keine Rede mehr. Man zählt lediglich die mit der Bahn angereisten 140.000 Personen.

Nachdem bereits in den letzten Jahren jeweils über eine Million Interessenten zu den Events angereist waren, war mit weniger Teilnehmern kaum zu rechnen. Das Gelände in Duisburg war aber für maximal 250.000 Menschen  geeignet und auch nur für diese Menge freigegeben worden. Als (wie erwartet) die fünffache Menge anreist, versagen sämtliche Sicherheitskonzepte. Die ursprünglichen Pläne von Polizei und Feuerwehr sind indes aus Kostengründen verworfen worden. Demnach wollte man unbedingt den Tunnel als einzigen Zugang verhindern, was allerdings sehr viel mehr Einsatzkräfte bedurft und deutlich höhere Kosten nach sich gezogen hätte.

Dr. Motte, der frühere Organisator der Berliner Loveparade, geizt auf seinem Blog nicht mit Kritik. Es sei ein Fehler gewesen, dass man das Gelände überhaupt abgesperrt hätte. „Die Loveparade war immer offen für alle in Berlin, mit Rückzugsmöglichkeiten in den Tiergarten… Wir hatten immer Sani’s ohne Ende (und) Wasser. Ein einziger Zugang durch einen Tunnel birgt die Katastrophe in sich. Ich bin sehr traurig…“ In Berlin war es stets möglich, das Festivalgelände von allen vier Himmelsrichtungen aus zu betreten und auch zu verlassen. In Duisburg strömten die Mengen aus zwei Richtungen zum Tunnel. Geplant war, dass die Menschenmassen das Gelände ausschließlich durch diesen betreten oder verlassen sollten.

Die gestrige Pressekonferenz begann bereits mit dem Hinweis, dass man im Anschluss daran nicht für Einzelgespräche zur Verfügung stehen würde. Offenbar bestand wenig Interesse daran, unter vier Augen kritische Rückfragen von Journalisten zu beantworten. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland bezeichnete das Sicherheitskonzept der Stadt als „stichhaltig“. Er versuchte „individuelle Schwächen“ der Teilnehmer als Ursache auszumachen. Eine der Schwachstellen war sicherlich auch der extreme Alkoholkonsum vieler Besucher.

Ein derartiges Verhalten hatte sich aber bereits auf der Loveparade in Essen  im Jahr 2007 abgezeichnet, bei der zahlreiche jugendliche Besucher bereits am Nachmittag stark alkoholisiert waren. Die Musik wird leider nicht von allen Besuchern als einzige Droge angesehen. Oberbürgermeister Sauerland bat weiterhin darum, „den ermittelnden Behörden ihre Zeit zu lassen.“ Zum Schutze seiner Mitarbeiter könne er an dieser Stelle nicht mehr sagen. Er sieht den Vorfall als „tragisches Unglück“ an. Auch der Leiter des Krisenstabes wollte die Einzelheiten des Vorfalls bis zur vollständigen Aufklärung nicht weiter kommentieren.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft DPolG gab auf dem Polizeiportal Cop2Cop bekannt, dass bereits vor Jahren Stimmen laut wurden, dass der Duisburger „Veranstaltungsort eigentlich ungeeignet sei.“ So wie in Essen oder Berlin hätte „ein derartiges Mega-Event nur auf weitläufigen Flächen mit rückwärtigen offenen und großen Reservebereichen ausgerichtet werden (dürfen).“ Die DPolG weiter: „Eine Loveparade ist von ihren Teilnehmern her auch nicht mit anderen Großveranstaltungen vergleichbar. Setzt man hier auf Lautsprecherdurchsagen, denen in großer Breite Folge geleistet wird, ist man wohl einem Irrglauben verfallen.“

Kritik wird im Verlauf der Pressemitteilung auch an den Organisatoren laut. Die Sicherheit dürfe nie zugunsten des Kommerzes auf der Strecke bleiben. Auch wenn die Party gut ins Konzept der Feierlichkeiten zur Kulturhauptstadt gepasst hätte, so hätte man diesen Aspekt stets im Blickwinkel behalten müssen.

Bei uns im gulli:board wurde die Veranstaltung im Bereich für Politik & Gesellschaft aufgrund der hohen Zahl der Opfer mittlerweile zur „Deathparade“ umbenannt. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse die Ermittlungen der örtlichen Staatsanwaltschaft zutage bringen werden. Die Sprecher der Pressekonferenz versuchten zumindest die begangenen Fehler zu beschwichtigen und die eigene Sicherheitsstrategie zu stärken. So wurde auch behauptet, angeblich seien nur 140.000 Personen anwesend gewesen. Ein kurzer Blick auf die Bilder oder Videos der Veranstaltung stellt diese Aussage klar infrage. Lediglich die Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmittel zu zählen reicht als Anhaltspunkt nicht aus. Bei Demos ist es sonst kein Problem der Ordnungshüter, die Zahl der Anwesenden verlässlich zu schätzen. Ausgerechnet jetzt scheint man damit Probleme zu haben.

Der springende Punkt ist aber, dass bei nur 140.000 Personen die eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen der Stadt Duisburg ausreichend gewesen wären. In dem Fall könnte man den Schwarzen Peter zurück an die Besucher und deren Fehlverhalten schieben. Unter einer wie angekündigt „vorbehaltlosen Aufklärung“ mag sich indes so mancher Leser etwas anderes vorstellen. Wir werden in jedem Fall über den weiteren Verlauf berichten. Schon aus Respekt vor den Opfern muss jede Vertuschung oder Beschwichtigung ausbleiben.

Quelle : www.gulli.com
« Letzte Änderung: 26 Juli, 2010, 11:46 von SiLæncer »

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Re: Loveparade: Vertuscht die Bundespolizei die Ermittlungen?
« Antwort #8 am: 26 Juli, 2010, 11:45 »
Bei uns im gulli:board wurde die Veranstaltung im Bereich für Politik & Gesellschaft aufgrund der hohen Zahl der Opfer mittlerweile zur „Deathparade“ umbenannt.
Na, da haben die wohl fleissig "Warpi's Plauderecke" mitgelesen:
http://beta.dvbcube.org/index.php?topic=28957.new#new (Antwort #375)!
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Re: Loveparade: Vertuscht die Bundespolizei die Ermittlungen?
« Antwort #9 am: 26 Juli, 2010, 18:01 »
Zitat von: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,708426,00.html
Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, von Rechnern der Bundespolizei seien Unterlagen zur Love Parade gelöscht worden. Dies ist nach unseren Recherchen auch der Fall - in mindestens einer Dienststelle, aber nicht unbedingt flächendeckend bei der gesamten Bundespolizei. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen.

Bei uns im gulli:board wurde die Veranstaltung im Bereich für Politik & Gesellschaft aufgrund der hohen Zahl der Opfer mittlerweile zur „Deathparade“ umbenannt.
Na, da haben die wohl fleissig "Warpi's Plauderecke" mitgelesen:
http://beta.dvbcube.org/index.php?topic=28957.new#new (Antwort #375)!
oder warpi hat 5h vorher http://board.gulli.com/thread/1580645-loveparade-wird-zur-deathparade-18-tote/ gelesen ;).

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Re: Loveparade: Vertuscht die Bundespolizei die Ermittlungen?
« Antwort #10 am: 26 Juli, 2010, 18:31 »
Nee, das Copyright an so'nem makabren Titel möcht' ich nicht haben!  :'(

Mich schaudert immer noch, wenn ich die Bilder seh' und an die Dutzenden von Betroffenen und Angehörigen denke, die jetzt mitten im Elend sitzen...
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« Antwort #11 am: 29 Juli, 2010, 09:54 »
In und um Duisburg spielen die Behörden schwarzer Peter

Die Polizei und die Rettungsdienste haben großartige Arbeit geleistet. "Aber eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen einer Stadt als Genehmigungsbehörde und ihrer Polizei stelle ich mir anders vor." – So der neue NRW-Innenminister Ralf Jäger auf seiner Pressekonferenz im SPD-Fraktionssaal des Landtages gestern Nachmittag.

Stadtverwaltung und Veranstalter verantwortlich?

Der Veranstalter der Loveparade Rainer Schaller, die Stadtverwaltung Duisburg, Polizei und Feuerwehr spielen im Moment ein unwürdiges Spiel. Ihr Handeln scheint nur davon bestimmt zu sein, eins zu vermeiden – die Verantwortung übernehmen (müssen) für die inzwischen 21 Toten und um die 500 Verletzte vom Wochenende in Duisburg. Während Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der die Loveparade unbedingt in seiner Stadt haben wollte, der Polizei "Fehlverhalten" vorwirft, und auch der Veranstalter, Rainer Schaller, die Polizei beschuldigen, sie habe mit ihren Beamten den Stau im Tunnel mitverursacht, ging der neue Landesinnenminister zu Gunsten der Polizeibeamten heute in die mediale Offensive.

Innenminister Jäger und der Inspekteur der Polizei, Dieter Wehe, machten deutlich, dass aus ihrer Sicht der Veranstalter der Loveparade, die Firma Lopavent GmbH, Berlin und die Stadt Duisburg einen Großteil der Verantwortung trügen – auch wenn sie eine klare Schuldzuweisung aufgrund der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen vermieden.

Gleich zu Beginn seines Statements erklärte Jäger, er fände es "unerträglich, dass Verantwortung auf Seiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben werde – und das bevor überhaupt alle Fakten bekannt sind.".

Der Minister und sein Polizist zogen für ihren Zuständigkeitsbereich eine rundum positive Bilanz. Die Polizei sei schließlich nur dafür zuständig "sicherzustellen, dass die Besucher möglichst reibungslos und sicher über die öffentlichen Straßen und Wege auf das Veranstaltungsgelände gelangen können. Das heißt, die Polizei übernimmt die Kontrolle für den nicht abgesperrten Bereich außerhalb des Veranstaltungsgeländes."

Das habe auch alles prima funktioniert. Auch die spätere Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten sei reibungslos und effektiv verlaufen. Auch habe die Polizei im Vorfeld der Veranstaltung Sicherheitsbedenken für den nicht zu ihrem Verantwortungsbereich gehörenden Tunnel und Rampenbereich vorgetragen. Diese Bedenken, so der Minister, "haben die zuständige Genehmigungsbehörde, also die Stadt Duisburg und der Veranstalter, entgegen genommen". Sie hätten "entsprechende Änderungen der von ihnen erarbeiteten und zu verantwortenden Sicherheitskonzeption angekündigt und zugesagt".

Die Stadt Duisburg "ist die zuständige Genehmigungsbehörde für die Love-Parade. Der Polizei wurde die Genehmigung erst am Samstagmorgen, also am Veranstaltungstag, auf eigenes Verlangen übergeben. Auch auf Nachfrage vom Freitag erhielt die Polizei die Genehmigung nicht." Erst am Samstag um 9.00 Uhr habe sich die Polizei die Genehmigung "durch ihren Verbindungsbeamten beim Stab der Feuerwehr übermitteln lassen".

Dem Minister zufolge erhielt die Polizei in Duisburg also erst zu einem Zeitpunkt, als die ersten Teilnehmer schon in Duisburg anreisten, Kenntnis vom Wortlaut der die Genehmigung und damit auch die Rahmenbedingungen für ihr polizeiliches Handeln. Schwer zu glauben.

Da stellt sich die Frage, warum die Polizei nicht die Veranstaltung spätestens Freitagabend aus Sicherheitsgründen untersagt hat? Liegt es vielleicht daran, dass es zuvor einen Personalwechsel in der Position des Polizeipräsidenten gab. Rolf Cebin, der Amtsvorgänger des amtierenden Chefs der Duisburger Polizei (die Funktion des Polizeipräsidenten ist im offiziellen Organigramm weiterhin mit "NN" gezeichnet – also vakant) ging im Mai 2010 in Pension, nachdem er erhebliche Sicherheitsbedenken gegen die Durchführung der Love-Parade auf dem vorgesehenen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs äußerte.

Polizeipräsident warnte frühzeitig

Cebin hatte frühzeitig, nämlich bereits am 6. Februar 2009, Sicherheitsbedenken hinsichtlich einer Großveranstaltung in Duisburg mit mehr als 500.000 Teilnehmern geäußert. Drei Tage später richtete der damalige Duisburger CDU-Bundestagsabgeordnete und heutige CDU-Kreisvorsitzende einen Beschwerdebrief an den damaligen NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP, in dem er – auch unter Hinweis auf frühere (unbestreitbare) Polizeiskandale in Duisburg, wie etwa dem Flaggenstreit um eine israelische Fahne während einer Palästina-Demo in Duisburg", die Abberufung Cebins forderte. Zitat aus dem Schreiben Mahlbergs:

Zitat
Am vergangenen Wochenende ließ die Duisburger Polizei erklären, eklatante Sicherheitsmängel stünden einer Durchführung der Love-Parade in Duisburg im Jahr 2010 entgegen...

Mahlberg bat den Minister, die Stadt von einer schweren Bürde zu befreien und den personellen Neuanfang im Polizeipräsidium Duisburg zu wagen.

Der frühere Polizeipräsident von Bochum, Thomas Wenner, dessen Sicherheitsbedenken gegen die Durchführung der Love-Parade in Bochum zu deren Absage für 2009 führten, hat mittlerweile Strafanzeige gegen den Duisburger OB Sauerland, seine leitenden Beamten und die Loveparade-Veranstalter wegen fahrlässiger Tötung erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen aufgenommen und alle Unterlagen zur Loveparade im Duisburger Rathaus beschlagnahmt. Die strafrechtlichen Ermittlungen werden von der Kripo in Köln geführt, mit der sachlichen Lageauswertung der Ereignisse in Duisburg wurde die Polizei in Essen beauftragt.

Seltsame Zahlenspiele

Normalerweise sind Veranstalter stolz auf große Besucherzahlen. Bei der Duisburger Horrorparade ist das jetzt ganz anders. Jetzt rechnet Veranstalter Rainer Schaller die Zahlen niedrig. War zuvor von einer Millionen Teilnehmern und mehr die Rede, sprechen die Veranstalter nun von höchstens 200.000, die verteilt über Stunden auf dem Gelände gewesen seien. Auch die Polizei spricht von höchstens 350.000 bis 400.000 Menschen, die sich in ganz Duisburg bewegt hätten.

Der NRW-Innenminister unterstützt diese Darstellung. Er habe die Szenerie aus dem 18. Stock eines Gebäudes beobachtet und Flächen gesehen, auf denen sich überhaupt keiner aufhielt. Das Gelände sei nie ganz voller Menschen gewesen. Die Genehmigung ging von höchstens 250.000 Teilnehmern aus.

Seltsam, Mitglieder der Polizeigewerkschaft werden in der WAZ mit der Aussage zitiert, Rainer Schaller "500.000 Teilnehmer" angemeldet und eine Genehmigung für 250.000 Teilnehmer erhalten. Auf der Pressekonferenz des Innenministers wurden die mit Schaller in Verbindung gebrachten Angaben, wonach eine Million Teilnehmer erwartet würden, als "PR-Zahlen der Veranstalter" bezeichnet. Wie viele waren es? War die eine Million nur Fiktion, gedacht als wohlklingende Worte für die Ohren der Sponsoren? In Duisburg ist noch viel aufzuklären.

Quelle : http://www.heise.de/tp/

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Loveparade: Das Spiel mit getürkten Teilnehmerzahlen
« Antwort #12 am: 31 Juli, 2010, 06:32 »
Offenbar hat der Veranstalter mit Duldung der Verantwortlichen in den Städten die Zahlen schon für die Loveparade in Essen und Dortmund weit übertrieben

Bislang war es ein Rätsel, wie viele Menschen nun tatsächlich an der Loveparade in Duisburg teilgenommen haben. Die Rede war gar von bis zu 1,4 Millionen Teilnehmern, was die Panik auf der Rampe plausibel machen würde, schließlich war die Veranstaltung nur für 250.000 Menschen genehmigt worden. Die Veranstalter Lopavent kürzte die Teilnehmerzahl auf 200.000 herunter, die Polizei ging von höchstens 350.000 bis 400.000 Menschen in ganz Duisburg für den ganzen Tag aus.

Wie DerWesten nun berichtet, hat der Veranstalter schon seit Jahren mit falschen Zahlen gehandelt, um das Image der Loveparade aufzuwerten. So sollen auf der Loveparade 2007 in Essen 1,2 Millionen Menschen gewesen sein, in Dortmund sogar 1,6 Millionen. Aber nach einem "streng vertraulichen" Dokument, aus dem DerWesten zitiert, hätten die wirklichen Zahlen "keinen Bezug zur offiziellen Besucherzahl für mediale Zwecke". Für die "öffentliche Besucherzahl" habe man einfach die Zahl der erwarteten Besucher verdreifacht, während man die wirklichen Zahlen geheim hielt.

Das wüssten auch die Verwaltungen, meint DerWesten. Und das klingt plausibel, schließlich schätzt nicht nur der Veranstalter große Zahlen, weil das mehr Aufmerksamkeit und mehr Geld bringt, sondern auch für die Städte sind solche Meta-Ereignisse eine Imagewerbung, wie man das ja nun auch wieder an Duisburg feststellen konnte. In Dortmund will die Stadtverwaltung an den 1,6 Millionen festhalten, aus dem Papier gehe aber hervor, dass dort die Fläche noch kleiner war als Duisburg. Erwartet wurden in Dortmund maximal 480.000 Menschen bei schönem Wetter, während es dann aber regnete. In Dortmund sollten es mehr Besucher sein als in Essen, daher habe man einen "Sicherheitsaufschlag" gemacht, wobei in Essen mit maximal 235.000 Besuchern gerechnet worden ist.

Angeblich hat der Veranstalter die Verantwortlichen der Stadt Duisburg gebeten, die wirklichen Zahlen geheim zu halten: "Eine Veröffentlichung dieser Zahlen könnte dem öffentlichen Ansehen der Veranstaltung immensen Schaden zuführen, was sicher weder im Interesse des Veranstalters liegt noch im Interesse der Stadt Duisburg", so soll es im Papier heißen. Das ist dann wohl im in Interesse des Veranstalters und dem scheinbaren Interesse der Stadtoberen auch so passiert.

Es geht nicht nur um Irreführung der Öffentlichkeit, sondern mit den weitaus niedrigeren Zahlen werden die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen noch einmal in einem anderen Licht dargestellt. Bislang ging man oft davon aus, dass man auf die vielen Besucher nicht eingestellt war, jetzt müsste man, nachdem tatsächlich nicht mehr, sondern eher weniger Menschen als genehmigt auf dem Platz waren, davon ausgehen, dass man nicht einmal für den erwarteten Besucherstrom vorgesorgt hat. Und man könnte sich denken, dass die Verantwortlichen dachten, dass angesichts der realistisch zu erwartenden Menge das Sicherheitsproblem der Unterführung und nur eines Zu- und Abganges über die Rampe wohl keine Rolle spielen sollte.

Quelle : http://www.heise.de/tp/

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200 Beschwerden bei Presserat nach Tragödie in Duisburg
« Antwort #13 am: 31 Juli, 2010, 13:52 »
Nach der Tragödie auf der Loveparade in Duisburg sollen bislang 230 Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen sein.

Bei mehr als 200 geht es um die Berichterstattung von "Bild" und "Bild.de" über das Unglück mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten, berichtet dass Nachrichtenmagazin "Focus". So hatte die Website von "Bild" Fotos abgedeckter Leichen gezeigt, auf denen aber teilweise noch Gliedmaßen zu erkennen waren. Das löste im Internet eine Welle der Empörung aus.

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann sagte zu "Focus": "Dass nach einem solchen Unglück viele Menschen aufgewühlt sind, ist verständlich. Aber so wenig, wie ein Notarzt in solchen Situationen seine Arbeit aus Gründen der Erschütterung einstellen kann, können sich Medien ihrer Berichtspflicht enthalten". Er erwartet laut "Focus" "die Zurückweisung sämtlicher Beschwerden".

Der langjährige WDR-Intendant und jetzige Chefplaner der Veranstaltungsreihe "Kulturhauptstadt 2010", Fritz Pleitgen, wird unterdessen die Bilder von dem dramatischen Ende der Duisburger Loveparade nicht mehr los. Vor allem die Aufnahmen der jungen Menschen, die Hilfe suchend und voll panischer Angst die Arme aus der Masse reckten, werde er im Kopf behalten, sagte Pleitgen in einem Interview mit den Magazin.

Er habe es als Geschäftsführer der Kulturinitiative stets begrüßt, dass die Loveparade im Ruhrgebiet bleibe. Daher wolle er sich jetzt auch nicht "moralisch abseilen", sagte Pleitgen. Er zermartere sich derzeit den Kopf und frage sich, was er zur Verhinderung des Unglücks hätte tun können. "Ich habe bis jetzt keine Antwort", so Pleitgen zu "Focus".

Quelle : www.digitalfernsehen.de

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Individuelle Schuld vs. Systemfehler
« Antwort #14 am: 01 August, 2010, 13:48 »
Die Debatte um einzelne Verantwortliche nach der Loveparade-Katastrophe muss gestellt werden. Sie lenkt aber auch ab

Tagelang war das Thema in der Blogosphäre diskutiert worden, nun hat es die etablierte Presse erreicht: Nachrichtenagenturen und überregionale Tageszeitungen berichten gestern und heute über eine mögliche finanzielle Motivation, die den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) von dem viel geforderten Rücktritt abhält. Die äußerst emotional geführte Debatte verläuft quer durch die politischen Lager – und hält womöglich von einer umfassenden Aufklärung ab.

Während am Samstag Zehntausende in Duisburg zusammenkamen, um der inzwischen 21 Opfer der Loveparade-Katastrophe zu gedenken, war von dem 55-jährigen Sauerland nichts zu vernehmen. Aus Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen der Opfer wolle er der Trauerfeier fernbleiben, ließ der Christdemokrat im Vorfeld verlauten. Tatsächlich dürften auch Sicherheitsbedenken eine Rolle gespielt haben. Drei Tage nach der Katastrophe waren die ersten Morddrohungen gegen Sauerland geäußert worden. Der Lokalpolitiker und seine Familie stehen seither unter Polizeischutz.

Angesichts der massiven Kritik wuchs in der Woche nach der tödlichen Massenpanik das Unverständnis über die beharrliche Weigerung des Oberbürgermeisters, von seinem Amt zurückzutreten. Lange bevor die etablierten Medien einen möglichen Grund aufgriffen, stand er im Internet zur Debatte. Ein freiwilliger Rücktritt des CDU-Politikers würde mit massiven finanziellen Einbußen einhergehen. Im Nachrichtensender N24 versuchte sich Sauerländer zu verteidigen. "Ich werde ich dieser Verantwortung stellen, ja", sagte er: "Aber diese Verantwortung kann erst dann übernommen werden, wenn wir wissen, was passiert ist." Versucht der Duisburger Oberbürgermeister also einen womöglich mit verursachten Schaden zu heilen, oder geht es ihm darum, seine Privilegien zu schützen?

Profitabler Beamtenstatus

Nach dem Bundesbeamtengesetz, so erklärt der Jurist und Telepolis-Autor Goedart Palm, kann der Staatsbedienstete "jederzeit seine Entlassung verlangen". Damit würden aber auch alle Sonderleistungen entfallen. Bei einer Entlassung Sauerlands aus dem Beamtenstatus würde der Staat ihm für die Dauer seiner Dienstzeit die Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung nachentrichten. "Der Beamte ist in der Rentenversicherung so zu stellen, als wäre er in der Beamtendienstzeit versicherungspflichtig beschäftigt gewesen", schreibt Palm. Ansprüche auf die Beamtenversorgung aber würden erlöschen. Dies könne bei einer Verurteilung nach dem Strafrecht bei einer mindestens zwölfmonatigen Haftstrafe auch zwangsweise geschehen.

Zitat
Nach der Entlassung hat der frühere Beamte keinen Anspruch auf Dienstbezüge und Versorgung, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist. Neben den Ansprüchen auf finanzielle Zuwendungen wie Dienst- und Versorgungsbezüge entfallen Übergangsgeld, Unterhaltsbeiträge oder die Abgeltung etwaigen Resturlaubs.
Goedart Palm

Einmal aus dem Dienst entlassen, müsste Sauerland sich selbst um einen Job kümmern. Nach den Schlagzeilen der vergangenen Woche wäre das sicher kein leichtes Unterfangen.

Ganz anders stellt sich die Lage bei einer Abwahl des Oberbürgermeisters - die der CDU-Mann angeblich anstrebt. "Wenn jedoch der Rat der Stadt Sauerland abwählen sollte, bekommt er eine Luxuspension", erläuterte Heiner Cloesges, Haushaltsexperte des Bundes der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Dies wären nach neuesten Zahlen mindestens 35 Prozent von 10.709,29 Euro, der Besoldungsgruppe B 10 des Oberbürgermeisters."

Suche nach Sündenbock könnte Aufklärung verhindern

Die Wut richtet sich vor diesem Hintergrund nicht nur gegen Sauerland. Die "Hartz-IV-Plattform gegen Armut" greift in einer Stellungnahme die Vertreter der Linkspartei an. Diese hatten sich zuvor für eine – wie erklärt für Sauerland profitable – Abwahl ausgesprochen. Es sei ein Skandal, "dass nun die Linke vorgeprescht ist, um ihm durch Abwahl den Weg für einen folgenlosen Abgang frei zu machen und seine rund 7.600,- Euro-Pension zu retten", schreibt die Sprecherin der Initiative, Brigitte Vallenthin, in einem emotional aufgeladenen Kommentar: "Ausgerechnet die Linke will Sauerland vor Hartz IV bewahren", erbost sich die Aktivistin.

Dabei könnte die Fokussierung auf Sauerland, der auf einer Demonstration Mitte der Woche vor dem Duisburger Rathaus schon einmal symbolisch an einen Galgen geknüpft wurde, von einer wahren Suche nach den Verantwortlichen ablenken. Immerhin waren mehrere staatliche Institutionen und der private Veranstalter involviert. Doch während der stellvertretende Unionsfraktionschef Günter Krings vor der Jagd auf einen Sündenbock warnte, distanzierten sich andere hochrangige Unionspolitiker von Sauerland. Die Welle der Wut gegen ihren Parteifreund – so mögen sie befürchten – könnte sich gegen die Union in Gänze richten. Insofern droht auch die Wut gegen den Lokalpolitiker bundespolitisch in populistischer Manier genutzt zu werden.

Zugute kommt der Verlauf der öffentlichen Debatte dem Millionär und Veranstalter Rainer Schaller. Auch für ihn steht in diesen Tagen viel auf dem Spiel, kursieren im Internet doch zahlreiche Boykottaufrufe gegen die von ihm gegründete Sportstudiokette McFit. Einen anderen Akzent setzte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. In Deutschland sollten die Menschen "unser Wertesystem überdenken", sagte sie in ihrer Trauerrede und folgte damit der Bitte des Vaters eines der Opfer. Der Mensch müsse wieder "Leitlinie unseres Handelns sein. Das muss, das wird, unsere gemeinsame Verpflichtung sein", versprach Kraft. Das System, das zur Katastrophe geführt hat zu verändern, ist allerdings schwerer als einzelne Verantwortliche auszumachen.

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