Der US-Hersteller unter anderem von Mobiltelefonen Motorola arbeitet an Technolgien, die die Kommunikation eines Handynutzers nach werberelevanten Schlüsselbegriffen wie zum Beispiel "Essen gehen" oder "Hunger" untersucht und ihm – in Verbindung mit der Standortanagbe &ndsh; daraufhin passende Werbung für Restaurants in der Nähe zusendet. Derzeit konzentriere sich die Entwicklung noch auf Textnachrichten, doch seien die Techniken auch geeignet, menschliche Sprache zu untersuchen, erläuterte Motorolas Marketingchef Kenneth Kellerlaut einem Bericht der Times. Motorola diskutiere diese Dienste bereits mit möglichen Partnern.
Keller räumte ein, dass solche Dienste erhebliche Auswirkungen auf die Privatsphäre und dem Datenschutz der Mobilfunkkunden hätten und versuchte zugleich, solche Werbung als "Opt-in"-Modell schmackhaft zu machen: Wer seine Kommunikation scannen lasse, könne zum Beispiel mit Freiminuten belohnt werden.
Erwartungsgemäß pessimistischer fällt die Reaktion von Simon Davies, Direktor der in London ansässigen Büregerrechtsorganisation Privacy International Davies befürchtet, dass sich die Mobilfunkanbieter einige Lockmittel einfallen lassen, damit die Kunden einer Werbeoption "freiwillig" zustimmen. Am Ende laufe es aber stets darauf hinaus, dass die Kunden, die nicht mitziehen, verschlechterte Konditionen hinnehmen müssten. Auf Bedenken stoßen die Motorola-Überlgungen auch bei Britanniens Datenschützern im Information Commissioner Office (ICO).
Schon bevor der Schlüsselwort-Scan Realtität wird, wächst die Zahl und die Art der Versuche, Handy-Kunden mit "Mobile Marketing" zu beschicken: Seit ein paar Wochen lockt die vom ehemaligen Nokia-Präsidenten Pekka Ala-Pietilä mitbegründete Firma Blyk gezielt Jugendliche in Großbritannien mit 217 Gratis-SMS und 43 Freiminuten pro Monat unter der Voraussetzung, dass sie dem Empfang von Reklame per MMS zustimmen. Deren Inhalt ist abhängig von den Angaben, die die Nutzer in einem Online-Formular machen.
Marktforscher sagen dem Markt für Mobile Marketing unter anderem deshalb ein großes Wachstum voraus, weil die Werbtreibenden hoffen, damit konsumfreudige Teenager ansprechen zu können, die sie über traditionelle Werbeträger nur unterdurchschnittlich erreicht. Alte Hasen in der Werbebranche warnen zugleich davor, das enorme Potenzial des Mobile Marketing nicht durch "peinliche Werbeformen" zu vergeuden. Mobile Marketing braucht viel Pull- und verträgt nur wenig Push-Elemente, beschrieb der Chef der Grey Global Group auf dem diesjährigen Medienforum NRW die Abneigung der Konsumenten gegen lästige, da ungefragt und ohne Bezug zum Konsumenten versandte Botschaften – über welches Medium auch immer.
Quelle :
www.heise.de