Grafiktabletts sind teuer und nur was für Grafiker? Von wegen! Zwei grundverschiedene Hersteller versuchen, mit ebenso verschiedenen Konzepten mausgewöhnte PC-Anwender wieder an das Schreiben mit dem Stift heranzuführen.Bisher standen Grafiktabletts in dem Ruf, primär Werkzeuge für Grafikprofis zu sein. Entsprechend hoch waren die Preise. Der auf Stifteingabegeräte spezialisierte Hersteller Wacom will das jetzt ändern. Mit einem vergleichsweise günstigen Grafiktablett soll die breite Masse der Anwender zurück zum Griffel bekehrt werden. Doch damit ist Wacom nicht allein. Auch der Elektronikversender Pearl prescht mit einem anderen, neuen Stift-Konzept für handschriftliche Eingaben am PC voran - zu einem Drittel des Wacom-Preises.
Wacom BambooMit dem Bamboo-Grafiktablett will Wacom in erster Linie Anwender von Windows Vista erreichen. Denn weitgehend unbeachtet hält mit Vista die Tablet-PC-Technologie im Massenmarkt Einzug. Ursprünglich war diese Technologie dazu gedacht, die Bedienung der Windows-Oberfläche und einiger Programme mit einem Stift statt einer Maus zu ermöglichen. Als Tablet-PC-Edition von Windows XP führte diese Technologie aber bisher ein Schattendasein auf wenigen, meist teuren Spezial-Notebooks.
Mit Vista könnte sich das ändern, denn in Vista sind die Stiftfunktionen der Tablet-PC-Edition ab der Home-Premium-Version standardmäßig integriert. Nutzen kann man sie aber nur mit einem Grafiktablett, und das will Wacom mit dem Bamboo liefern.
99 Euro kostet das kleine Schwarze. Damit ist es deutlich billiger als Wacoms Profi-Modelle, liegt aber am oberen Ende der Lowcost-Preisskala. Im Preis inbegriffen sind neben einem Plastikstift ein USB-Kabel, eine Halterung für den Stift sowie zwei Software-CDs.
Gegenüber Wacoms übrigen Lowcost-Tabletts wurde beim Bamboo offenbar besonderer Wert auf Design gelegt. Getreu dem hinlänglich bekannten Motto "Blau macht glücklich" sind die vier oberhalb der Zeichenfläche angeordneten Funktionstasten blau beleuchtet. Zwischen ihnen ist ein "Touch Ring" angebracht. Mit dessen Hilfe kann man beispielsweise in Grafikprogrammen blitzschnell zoomen oder in einer Textverarbeitung durch die Seiten scrollen. Letzteres geht allerdings auch mit dem mitgelieferten Stift ganz hervorragend und vor allem schnell.
Dank der hervorragende Schrifterkennung von Windows Vista macht das handschriftliche Schreiben mit dem Bamboo richtig Spaß. Selbst liebloses Gekrakel wird meist zuverlässig erkannt. Ein kurzer Vergleich mit der in Apples Mac OS X integrierten Handschrifterkennung Inkwell förderte zutage, das Mac-Anwender sich derzeit noch um eine Schönschrift bemühen müssen, damit ihre Eingaben erkannt werden.
Natürlich ist das Bamboo auch zum Zeichnen und Bilder bearbeiten geeignet. Allerdings fehlen ihm hier etliche Eigenschaften seiner großen Brüder. So registriert der Stift beispielsweise nicht, in welchem Winkel er gehalten wird. Egal, für einfache Skizzen reicht es allemal.
Eine Bamboo-Alternative für Hobbymaler könnte das Hyperpen 1200U von Aiptek sein. Das gibt es schon für 59 Euro und es bietet eine bedeutend größere Arbeitsfläche als das Wacom-Gerät. Und selbst aus dem eigenen Hause gibt es Konkurrenz: Dem Wacom Volito2 fehlen zwar Funktionstasten und der Touch Ring, dafür ist es aber auch schon für 39 Euro zu bekommen.
Pearls digitaler NotizblockIm Preiswert-Segment bewegt sich auch der Digitale Notizblock von Pearl und konkurriert mit seinem Ladenpreis von 39,90 Euro beispielsweise mit dem Volito2. Bei dieser Variante ist besonders charmant, dass man auf herkömmlichem Papier schreibt und nicht auf einer Kunststofffläche. Einzige Voraussetzung, damit das funktioniert: Das Papierformat darf DIN A4 nicht überschreiten und man muss den mitgelieferten Spezial-Kugelschreiber verwenden.

Um das Pearl-System benutzen zu können, klemmt man einfach ein beliebiges Stück Papier in den mitgelieferten Plastik-Klemmblock und fängt an zu schreiben oder zu zeichnen. Alles, was man dabei zu Papier bringt, wird augenblicklich auf den Bildschirm übertragen. Trotzdem muss man beim Schreiben nicht auf den Bildschirm starren. Da der Spezialstift mit einer stinknormalen Kugelschreibermine ausgestattet ist, hat man bereits auf dem Papier eine gute Kontrolle über den Erfolg der Kritzelei.
Das macht unheimlich Spaß, schränkt aber die Nutzungsmöglichkeiten des digitalen Notizblocks ein. Denn als Mausersatz taugt dieses System nicht. Einzig mit der mitgelieferten Software kann man die Stiftbewegungen auf den PC übertragen. Zudem ist dabei auf ausreichend Druck zu achten. Feine Linien werden vom Spezialstift nicht wahrgenommen, also auch nicht an den Rechner übertragen.
Doch die Bedienung des PCs mit einem Stift anstelle der Maus ist ohnehin nicht jedermanns Sache.
100 Stunden Laufzeit verspricht Pearl für die beiden Knopfzellen, die man dem Stift in den Kopf drücken muss. Wie lange die Kugelschreibermine hält, hängt naturgemäß von der Nutzungsintensität ab. Wenn die allerdings alle ist, wird's schwierig, einen Ersatz hat Pearl nicht im Programm.
Unterm StrichOb man sich denn nun für das eine oder das andere System entscheidet, ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch eine Frage der Experimentierfreudigkeit. Pearl liefert ein einfach zu bedienendes, sehr leichtes und dank seiner Kombination von Papier und Kugelschreiber auch sinnlich ansprechendes Produkt - aber eine Insellösung. Wacoms Neuling hingegen dient sich jenen an, die mal etwas Neues ausprobieren und noch ein wenig Platz auf ihrem Designer-Schreibtisch haben. Nach etwas Eingewöhnung kann die Steuerung des PCs per Stift und Tablett sogar schneller vonstatten gehen als mit der Maus.
Quelle :
www.spiegel.de