IPTV, das Fernsehen per Internet, ist ein Trendbegriff dieses Jahres. Telekom und Co. testen das Konzept in der Praxis, und Premiere seit Montag gar unter verschärften Bedingungen. Der Start in die TV-Zukunft verlief alles andere als reibungslos. Ändern will Premiere aber nichts.Montagabend war es so weit: Zum ersten Mal in der Geschichte von Premiere übertrug der Bezahlsender alle Champions-League-Begegnungen live im Internet. Kurz zuvor wurde der Livestream dem Publikum noch einmal beim Free-TV-Partner DSF - bei dem die Münchener im Rahmen ihrer Champions-TV-Produktion das Spiel Bayern München gegen Spartak Moskau übertrugen - vorgestellt.
Die zusätzliche Werbung vor durchschnittlich rund 3,1 Millionen Zuschauern zeigte die gewünschte Wirkung: Der Ansturm auf das Internetfernsehen war enorm. Offenbar sogar zu groß, denn der Server von Premiere konnte die vielen Anfragen der Nutzer nicht bewältigen, viele Fußballfans konnten noch nicht einmal die Internetseite öffnen. Immer wieder erschien die Meldung: "Server too busy".
Dabei hat der Bezahlsender die Internetübertragungsrechte an den 125 Champions-League-Begegnungen gemeinsam mit den Fernsehrechten schon im August 2005 erworben. Zur Vorbereitung gab es also genügend Zeit. Für Premiere hat das IPTV potenziell große Bedeutung, bietet es den Münchnern doch die Möglichkeit, den Fuß im Fußball-Markt zu halten. Wird Premiere also nachbessern?
Anscheinend nicht. "Sicherlich, es gab hier und da ein paar Zugangsprobleme, trotzdem sind wir mit der ersten Live-Übertragung sehr zufrieden", erklärte Premiere-Vorstand Carsten Schmidt gegenüber manager-magazin.de. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Probleme in der nächsten Zeit in den Griff bekommen."
Kein Serverausbau geplantDie Serverkapazitäten erweitern will Premiere vorerst jedenfalls nicht. "Wir sind nicht von dem Ansturm überrascht worden, insofern gibt es momentan noch keinen Handlungsbedarf", so Schmidt. Offenbar vermutet der Premiere-Vorstand, dass viele Fußballfans die erste Live-Übertragung einfach mal ausprobieren wollten, aber kein nachhaltiges Interesse am Internetfernsehen haben.
Mit wie vielen Aufrufen des Livestreams der Bezahlsender insgesamt gerechnet hat, verrät der Premiere-Vorstand derzeit jedoch ebensowenig wie die tatsächliche Zahl der Zugriffe. Erst Mitte Oktober, wenn sich eine gewisse Routine eingespielt hat und die Probleme ausreichend analysiert worden sind, wollen die Münchner schauen, ob die Kapazitäten angepasst werden müssen. Dann sollen auch erste Zahlen veröffentlicht werden.
Bis dahin müssen sich Internetnutzer wohl noch in Geduld üben - oder auf die Fernsehübertragung ausweichen. Dort ist die Qualität der Champions-League-Sendung momentan besser und vergleichsweise günstiger: Während die User im Internet pro Spiel sechs Euro und für die Konferenz sogar neun Euro zahlen müssen, kostet das Champions-League-Fernsehabo monatlich 9,90 Euro.
Wer dann als Premiere-Kunde spaßeshalber den Livestream ausprobieren möchte und mindestens über einen Breitbandanschluss mit zwei Megabit pro Sekunde verfügt, muss immerhin nur noch drei Euro für eine Begegnung beziehungsweise sechs Euro für die Konferenz zahlen - sofern er das Angebot empfangen kann. Abonnenten werden sich jedoch sicherlich zweimal überlegen, ob sie ein Fußballspiel auf ihrem PC-Monitor sehen und dafür auch noch extra zahlen oder sich die Begegnung doch lieber auf ihrem Flachbildschirm in voller Größe und guter Qualität anschauen.
Quelle :
www.spiegel.de