Wenige Tage nachdem die EU-Kommission ihre Untersuchung gegen die Gebührenfinanzierung von ARD und ZDF beendet hat, eröffnen führende ARD-Köpfe die Diskussion um künftige Freiheiten. Im Web und On-demand könne man sich über die GEZ-Gebühr hinaus zusätzliche Gebühren vorstellen.Die ARD ließ erstmals durchblicken, wie ihre künftige, für Juni 2007 angekündigte Online-Strategie aussehen könnte: Im öffentlich-rechtliche Sendernetzwerk denkt man fleißig über Bezahlangebote im Internet nach. Führende Köpfe der ARD-Hierarchien nutzten am Mittwoch das öffentliche Forum des Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig, um schon einmal die Diskussion um künftige Freiheiten zu beginnen - und klar zu machen, wofür man bald mehr Geld braucht.
Ausgemacht ist, dass das On-demand-Angebot im Internet ausgebaut werden soll. Die ARD plant, große Teile des Programms jeweils bis zu eine Woche im Web anzubieten. Dafür, so Michael Albrecht, ARD-Koordinator für Digital Video Broadcasting, sei es auch vorstellbar, Inhalte "schon vor ihrer Ausstrahlung im TV ins Netz zu stellen". Ähnliches plant das ZDF. Bis zum Herbst sollen rund 50 Prozent des Mainzer Programmes im Web zum Abruf bereit stehen.
Zur Verfügung stehen im ARD-Angebot vorerst aber vor allem Informationssendungen, da in Bezug auf Unterhaltungsangebote zunächst die Lizenzen und Rechte abgeklärt werden müssten. Im Klartext: Zu verhandeln ist unter anderem, wie viel Geld für die in den ursprünglichen Verträgen nicht vorgesehene Zweitverwertung fließen darf, muss und soll.
MDR-Intendant Udo Reiter zeigt den Weg auf, wo das Geld dafür herkommen soll: "Vorstellbar ist zum Beispiel 'Video on demand', bei dem der Nutzer einen Kosten deckenden Beitrag zahlt. Wir wollen damit aber keine großen Geschäfte machen."
Carpe diem: ARD nutzt Frist der EUDas wäre allerdings auch ein Problem, denn noch ist gar nicht geklärt, ob öffentlich-rechtliche Sender so etwas überhaupt dürfen. Die EU-Kommission hatte erst Ende April ihre Untersuchung der Gebührenfinanzierung von ARD und ZDF gegen Auflagen eingestellt. Dazu gehört der Auftrag, bis 2009 klar zu definieren, auf welche Weise sich die öffentlich-rechtlichen Sender digital engagieren dürfen - ohne dabei privatwirtschaftlichen Unternehmen unfair Gebühren-gedeckt Konkurrenz zu machen. Kritiker der Brüsseler Entscheidung hatten befürchtet, dass die zwei Jahre lange Frist ARD und ZDF Gelegenheit geben könnte, da schon einmal vollendete Tatsachen zu schaffen.
Dazu scheinen die Sender entschlossen. Auch der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sagte, kostenpflichtige Angebote seien künftig nicht auszuschließen. Raff: "Ich halte es für eine Illusion zu glauben, dass wir in der digitalen Welt ohne Mischkonzepte auskommen." Neben Zahlungen für On-demand-Inhalte wären das weiterhin Werbeeinnahmen sowie die GEZ-Gebühr, die ARD und ZDF ab 2009 gern weiter erhöhen würden.
Derzeit haben die Sender rund sieben Milliarden Euro im Jahr zur Verfügung, um die sogenannte Grundversorgung zu gewährleisten. Der Begriff soll nun neu definiert werden, um auch digitale Vertriebs- und Dienstleistungsformen einzuschließen. Bisher beschränken die Öffentlich-rechtlichen ihre Ausgaben für Internet-Engagements auf 0,75 Prozent des Gesamt-Gebührenvolumens (rund 52 Millionen Euro pro Jahr). Auch dieses Budget möchten die Intendanten gern deutlich erhöhen.
Den eigenen Medien-Mix erweiterte die ARD am Mittwoch auch um ein Handy-TV-Angebot. Über den "watcha"-DMB-Dienst der MFD Mobiles Fernsehen GmbH wird ab sofort das vollständige ARD-Programm ausgestrahlt, ein DVB-H-Dienst soll bald folgen. Das Angebot ist von ARD-Seite her kostenlos, der Anbieter verlangt aber Zusatzgebühren, die auf die jeweiligen Handy-Vertragskosten aufgeschlagen werden ("TV Flatrate" bei mobilcom, debitel oder simply: 5 Euro pro Monat).
Zu sehen ist das watcha-Programm bisher in Berlin, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg, Regensburg, Saarbrücken und Stuttgart. Neben der ARD gibt es Programmangebote von ZDF, N24, MTV Music und ProSiebenSat.1 Mobile.
Quelle :
www.spiegel.de