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Diverse DVB Software für verschiedene Karten => # Progdvb => Thema gestartet von: Croromano am 20 Juni, 2005, 23:38

Titel: Signalstärke-Differenz
Beitrag von: Croromano am 20 Juni, 2005, 23:38
Seitdem ich neuerdings auch einen Digitalreciver habe, ist mir aufgefallen, dass mein ProgDVB bei der Signalstärke bzw. der Signalqualität stets 25% weniger angibt als der Reciver. Woran könnte das liegen? 25% sind ja immer hin nicht wenig...
Titel: Re:Signalstärke-Differenz
Beitrag von: Jürgen am 21 Juni, 2005, 01:37
Die Skalierung ist in keiner Weise "geeicht", daher auch meist in % und nicht in dB/µV oder ähnlich, Bezug für 100% kann z.B. eine AGC-Regelspannung sein, aber auch ein irgendwie aus dem Signal digital berechneter Wert. Eine Schaltung zur direkten Messung der Transponder-Feldstärke (auf der ZF-Ebene) ist in den üblichen Tunerpacks nicht verbaut.
Auch für die Bewertung der BER oder sonstwie erfassten Signal-Qualität gilt dasselbe. Zudem lassen sich z.B. die Bitfehlerraten kaum in % sinnvoll handhaben, im Falle guten Empfangs einfach zuviel Nullen...
Die angezeigten Werte werden also - je nach Empfängerkonzept - auf verschiedene Art und Weise gewonnen, sind daher zwischen verschiedenen Geräten oder auch nur Softwareprodukten am selben Gerät nicht wirklich vergleichbar. Selbst zwischen baugleichen Geräten sind erhebliche Unterschiede in der Anzeige möglich, ohne dass das irgendetwas bedeuten muss, schliesslich sind die Teile in der Hinsicht nicht kalibrierbar.

Die Anzege-Funktion soll ja auch nur bei der Schüssel-Ausrichtung behilflich sein bzw. der Überwachung im laufenden Betrieb dienen. Echte Messtechnik ist richtig teuer und selbst damit wäre der Einfluss des LNB(-Ausgangs), der Kabel usw. noch nicht erfasst, dazu bräuchte man noch einen passenden präzisen Mess-Sender...

Praktisch lassen sich die Empfangsleistungen der Geräte zuhause normalerweise nur vergleichen bei sehr schwchem Signal, z.B. bei Transpondern, die einen anders gerichteten Beam nutzen als der grösste Teil (z.b. den England-Beam auf 28.x° Ost) oder bei schwach einfallenden Schmalband-Signalen. Dabei zählt aber kein %-Wert, sondrn die noch erreichbare Bild-Qualität bzw. -Stabilität.
Die tatsächliche Eingangs-Emfindlichkeit der heutigen Tunerpacks unterscheidet sich meist um nicht mehr as +/- 2 dB, also  ~ 50% der Feldstärke, Unterschiede durch Kabel-Länge und -Qualität / -Frequenzgang, Schüssel und Justage sind da oft viel dramatischer.
Titel: Re:Signalstärke-Differenz
Beitrag von: Croromano am 21 Juni, 2005, 16:49
Bei mir ist alles folgendermaßen aufgebaut:

LNB --> Rotor --> Reciver --> PC DVB-Karte (insgesamt ca. 25m)

Mir ist gestern Abend erstmals aufgefallen, dass die Bildqualität bei einigen Sendern über DVB-Karte durchaus schwächer ist, als über Reciver. Z.B: BBC World auf 1°W kriege ich über Reciver mit perfektem Bild rein (58%). Schalte ich es über ProgDVB ein, so ist das Bild allerdings von Interferrenzen und Quietschtönen durchsetzt. Hab allerdings noch nicht getestet, wie es über SkyView läuft.

BBC One Channel Islands auf 28,x°O kriege ich mit meiner Schüssel je nach Tageszeit gerade noch soweit herein, das man es über Reciver schauen kann; über ProgDVB ist daran nicht zu denken...

Den Rest kriege ich (sofern der Beam auf Mitteleuropa ausgerichtet ist) so rein, wie es sein sollte.

Apropos Beam: Wie funktionieren diese eigentlich, ich meine wie werden diese Signale auf bestimmte Gebiete der Erde "gelenkt"? Gibt es da auf der Erde irgendwelche speziellen Empfänger, die das Signal "anziehen" oder was? Mich wundert es, wenn man den Beam für die spanischen Sender anschaut, dass es um die Kanarischen Inseln herum eine "Empfangsinsel" gibt...
Titel: Re:Signalstärke-Differenz
Beitrag von: Jürgen am 22 Juni, 2005, 05:43
Zum einen sind die Antennen an Bord der Satelliten teils speziell geformt, also mit bewusst eingebauten Neben-Keulen versehen, zum zweiten gibt's dann unterschiedlich plazierte Feed-Hörner daran, manche haben auch mehrere "Schüsseln" an Bord, zuletzt sind manchmal sogar Feed oder (Zwischen-)Reflektor beweglich.
Die Tatsache, dass da oben mit "verbeulten Schüsseln" gearbeitet wird, lässt natürlich keinesfalls den Schluss zu, dass das hier unten auch so sinnvoll wäre...
Bei den kurzen Wellenlängen im Bereich von ~ 3 cm kann man schon fast soviel zaubern wie mit Licht. Vorausgesetzt natürlich, man kann die Ausrichtung des Satelliten entsprechend genau regeln. Netterweise ist das ohne Treibstoff-Verbrauch machbar, per Kreiselstabilisierung, die nur mit Solarstrom läuft, im Gegensatz zur Positions- bzw. Bahnregelung.
Insbesondere ist kaum mit äusseren Einflüssen zu rechnen, die eine ungewollte Drehung bewirken könnten, somit ist auch die notwendige Nachregelung eher geringfügig.
Das ungleichmässige Schwerefeld der Erde, z.B. durch den Himalaya, der zieht unsere Satelliten leicht nach Osten, sowie der Sonnenwind verursachen zwar eine Drift, die mit Treibstoff korrigiert werden muss und daher ungünstig auf die Lebensdauer wirkt, aber die differenzielle Komponente, die zu einer ungewollten Drehung führen würde, ist demgegenüber sowieso verschwindend gering. Einflüsse durch die stetige Nachführung der Solarsegel sind sicher deutlich stärker. Der Mond wird wohl zu einer Art von Kreisbahn um die Ideal-Position führen, aber die Ausrichtung nicht beeinträchtigen.
Natürlich wird die Ausrichtung von den Bodenstationen peinlichst überwacht, ebenso die Feldstärke bzw. Sendeleistung. Die Pegelschwankungen im Zielgebiet liegen normalerweise bei wenigen zehntel dB, selbst wenn eine der Bodenstationen 'mal wegen Unwetters o.ä. ausfällt. Nur ein Ausfall des Uplinks ist damit allein nicht beherrschbar, der betrifft aber i.d.R. nur einzelne Transponder und nicht einen ganzen Satelliten.Die Kontrolle des Satelliten an sich muss solche Ereignisse natürlich unbeschadet überstehen, denn falls die abreisst, ist mit einem Ausfall für etwa einen Tag oder schlimmstenfalls sogar für ein Jahr zu rechnen. Für solche Pannen haben heutige Satelliten Sensoren, um sich selbstständig auf die Erde oder -falls das nicht klappt, wenigstens zwecks Erhalts der Energieversorgung - nach der Sonne auszurichten. So ist selbst im schlimmsten Falle theoretisch eine Chance zur Wiederaufnahme des Kontakts gegeben.