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Info Corner / Internet-via-Sat, Datendienste / IPTV / Videoportale / Internet TV & Radio => # News diverses ... => Thema gestartet von: SiLæncer am 29 Januar, 2005, 15:37

Titel: Sozialsysteme: Neues Milliardenloch in der Rentenkasse
Beitrag von: SiLæncer am 29 Januar, 2005, 15:37
In der Rentenkasse klafft eine neue Finanzlücke. Die Reserve könnte nach Informationen des SPIEGEL bereits im Oktober soweit aufgebraucht sein, dass Finanzminister Eichel mit Bundeszuschüssen aushelfen muss.

Ursache der neuesten Finanzmisere der Rentenkasse ist ein angekündigtes Veto des unionsbeherrschten Bundesrats gegen das Regierungsvorhaben, der Rentenversicherung im nächsten Jahr mehr Zeit für gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichszahlungen an die Kranken- und Pflegeversicherung einzuräumen. Dadurch fallen die liquiden Mittel in der Reserve der Rentenversicherung in diesem Jahr nach Schätzung des Sozialministeriums um rund 1,5 Milliarden Euro niedriger aus als bislang angenommen.

Nun wird es wieder wahrscheinlicher, dass die gesetzlichen Alterskassen spätestens im Oktober nicht mehr genügend Geld haben, die laufenden Renten fristgerecht auszuzahlen. In diesem Fall müsste Bundesfinanzminister Hans Eichel mit so genannten vorgezogenen Bundeszuschüssen aus Steuermitteln aushelfen. Zudem müsste der Rentenbeitrag ausgerechnet für das Wahljahr 2006 angehoben werden. Vor wenigen Wochen erst hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gemeldet, dass die Finanzlage der Rentenkasse derzeit besser sei als erwartet und keine außerplanmäßigen Steuerzuschüsse erforderlich seien.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: LIQUIDITÄTSENGPASS : Rentenkasse geht im Sommer das Geld aus
Beitrag von: SiLæncer am 07 Mai, 2005, 12:14
Um die Renten auszahlen zu können, muss Bundesfinanzminister Hans Eichel erstmals schon im September mehr Steuermittel an die gesetzliche Alterskasse überweisen als geplant. Bereits im Juni ist die Liquidität der Rentenversicherung nur "noch knapp gesichert".

Berlin - Wie prekär die Lage ist, geht laut SPIEGEL aus einem aktuellen Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung zum Thema "Situation der Rentenkasse" hervor, der am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Bundestags verhandelt werden soll. Bereits in dieser Woche wird die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte eine aktuelle Einschätzung und einen möglichen Finanzbedarf melden.

Grundlage für die neuen Berechnungen ist eine korrigierte Konjunkturprognose der Regierung, die von 1,0 statt 1,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr ausgeht. Danach rechnet Sozialministerin Ulla Schmidt nur noch mit einem Anstieg der Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung um 0,2 Prozent. Geplant war für 2005 ein Zuwachs von 1,2 Prozent.

Diskussion um Erhöhung der Mehrwertsteuer

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, spricht sich für eine deutliche Mehrwertsteuererhöhung aus, um die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland auf eine andere finanzielle Grundlage zu stellen. Er erwarte "in der nächsten Legislaturperiode eine Erhöhung der Mehrwertsteuer", sagte Rürup dem "Focus". Mit den Mehreinnahmen sollte man aber keine Haushaltslöcher stopfen, "sondern unsere Sozialversicherungen umfinanzieren".

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen schloss nun auch Eichel in der "Bild am Sonntag" nicht gänzlich aus. Er selbst "will und wollte nie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Aber fragen Sie doch mal die CDU-Ministerpräsidenten. Nach Jahren der Blockade beim Subventionsabbau müssen sie endlich sagen, wie sie die Unterfinanzierung des Staates beenden wollen." Klar sei, dass man weder ständig neue Schulden machen noch unbegrenzt Staatseigentum versilbern könne. Der "Königsweg" bleibe der Abbau von Subventionen.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: FINANZEN : Rentenkasse bei Krankenversicherern in der Kreide
Beitrag von: SiLæncer am 26 November, 2005, 11:37
Die gesetzliche Rentenversicherung ist noch klammer als bislang bekannt. Kommenden Monat benötigen die staatlichen Alterskassen nicht nur eine zusätzliche Finanzspritze aus dem Bundesetat von 600 Millionen Euro. Ihnen fehlt auch das Geld, um fällige Zahlungen an die Krankenkassen zu leisten.

Hamburg - Bislang streckt die Rentenversicherung monatlich rund eine Milliarde Euro für den internen Ausgleich zwischen finanzstarken und finanzschwachen Kassen vor. Im Dezember aber fehlen der Rentenversicherung dafür erstmals in der Nachkriegsgeschichte die nötigen Reserven, berichtet der SPIEGEL. Sie wird das Geld deshalb zwei Wochen später als bisher üblich auszahlen, wie aus einer Anweisung der zuständigen Aufsichtsbehörde hervorgeht.

Betroffen sind rund ein Viertel von gut 250 gesetzlichen Krankenversicherungen, die einen Teil ihrer monatlichen Einnahmen verspätet erhalten. Einige, so schätzen Experten, werden dadurch selbst in Zahlungsschwierigkeiten geraten und zusätzliche Kredite aufnehmen müssen.

Anfang kommenden Jahres wird sich die Finanzlage der Sozialkassen dann wieder entspannen, weil die Unternehmen ihre Beiträge künftig zwei Wochen früher abliefern müssen als bisher. Dies hatte die alte rot-grüne Koalition noch im April verabredet - zunächst unter heftigem Protest der damaligen CDU/CSU-Opposition.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Bundestag beschließt Rente mit 67
Beitrag von: SiLæncer am 09 März, 2007, 13:44
Nach heftigen Diskussionen hat der Bundestag mit großer Mehrheit die umstrittene Rente mit 67 beschlossen. Damit soll langfristig der Anstieg des Rentenbeitrags gedämpft werden.

Berlin - Für das Gesetz von Union und SPD votierten in namentlicher Abstimmung von 581 anwesenden Politikern 408 Abgeordnete, dagegen waren 169 Parlamentarier. Es gab vier Enthaltungen. Da die Opposition unter den insgesamt 614 Abgeordneten nur 167 Mandate hat, müssen also Gegenstimmen aus Union und SPD dabei gewesen sein. Jetzt muss der Bundesrat noch zustimmen.

Das Rentenalter soll ab 2012 schrittweise angehoben werden. Ab 2029 soll es bei 67 Jahren liegen. Die Jahrgänge 1964 und jünger betrifft die Neuregelung also voll. Zwar kann man nach 35 Beitragsjahren auch künftig schon mit 63 in Rente gehen, allerdings mit erheblichen Einbußen.

Ebenfalls beschlossen wurde vom Bundestag ein Gesetz zur weiteren Umsetzung der Initiative 50plus. Das Programm soll die Beschäftigungschancen für ältere Menschen verbessern.

Vor der Abstimmung hatte es im Plenum eine länger als geplant dauernde Aussprache gegeben.

Sozialminister Franz Müntefering warb dabei noch einmal nachdrücklich für die Anhebung des Rentenalters auf 67. Dieser Schritt sei unabdingbar zur Sicherung des Rentensystems. "Wir haben die Verantwortung für morgen und für kommende Generationen, wir müssen handeln", sagte der SPD-Politiker. "Die heutigen Entscheidungen sind richtig. Es gibt keinen Grund, den Menschen in Deutschland Angst zu machen."

Opposition: Köhler soll Unterschrift verweigern

Müntefering räumte ein, dass nicht jeder bis 67 Jahre arbeiten könne. Doch lasse sich mit Prävention und aktivem Arbeitsschutz dazu beitragen, dass Belastungen verringert würden. Der Minister gab auch zu, dass bei einem früheren Renteneintritt erhebliche Einbußen zu erwarten sind. Nötig sei zum einen ein Ausbau der betrieblichen und der privaten Vorsorge. Letztlich gehe es aber vor allem darum, den Wohlstand in Deutschland zu sichern.

Die Unionsexperten Ilse Falk und Ralf Brauksiepe unterstützten Münteferings Konzept. Sie sei dem Sozialminister dankbar, dass er die Initiative zu diesem notwendigen Schritt ergriffen habe, sagte Falk. Münteferings SPD-Fraktionskollege Klaus Brandner betonte zwar auch seine Unterstützung, zeigte sich aber sehr nachdenklich wegen des massiven Widerstands der Gewerkschaften. Die heftigen Angriffe gerade auf die SPD seien nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.

Die Opposition lehnte die Regierungspläne ab. Die Große Koalition betreibe eine "Politik zu Lasten der Leute", sagte der Linksfraktionsvize Klaus Ernst. "Was Sie hier machen, ist eine Politik gegen die große Mehrheit der Bürger unseres Landes", warf Ernst der Regierung vor. Es sei nicht klar, wo die älteren Menschen in Zukunft arbeiten und wie sie dies auch in fortgeschrittenem Alter schaffen sollen.

Auch die Grünen, die die Zielrichtung des Gesetzes grundsätzlich unterstützten, kündigten ihre Ablehnung an. Ihre Abgeordnete Irmingard Schewe-Gerigk verwies ebenfalls auf rechtliche Bedenken. Sie forderte Bundespräsident Horst Köhler deswegen auf, dem Gesetz die Unterschrift zu verweigern.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Bundesrat stimmt Rente mit 67 zu
Beitrag von: SiLæncer am 30 März, 2007, 10:24
Nach dem Bundestag hat jetzt auch der Bundesrat für die Rente mit 67 gestimmt. Ab dem Jahr 2012 wird das Renteneintrittsalter schrittweise erhöht.

Berlin - Der Bundestag hatte die Erhöhung bereits am 9. März zusammen mit einem Gesetz zur Verbesserung der Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer Beschlossen. Gewerkschaften und Sozialverbände lehnen die Anhebung des Renteneintrittsalters ab.

Das Renteneintrittsalter wird von 2012 an bis 2029 in einzelnen Schritten über die derzeit gültige Grenze von 65 Jahren hinaus erhöht. Die Rente mit 67 gilt dann für alle, die 1964 oder später geboren wurden.

Ebenfalls beschlossen wurde die Initiative 50 plus, die die Beschäftigungschancen Älterer über Kombilöhne und Eingliederungszuschüsse verbessern und das reale Renteneintrittsalter erhöhen soll.

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) sagte, er wolle das ursprünglich ins Auge gefasste Beschäftigungsziel ehrgeiziger fassen: Bis 2010 solle die Beschäftigungsquote Älterer bis auf 55 Prozent erhöht werden. Bislang waren dafür 50 Prozent im Gespräch.

Der Bundesrat stimmte heute auch der Ausweitung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes auf die rund 850.000 Gebäudereiniger in Deutschland zu - damit ist diese Berufsgruppe künftig besser vor Lohndumping geschützt. Der Bundestag hatte die Ausweitung bereits vor drei Wochen beschlossen.

Mit dem bislang auf den Bau beschränkten Gesetz können Tariflöhne per Rechtsverordnung für allgemein verbindlich in dieser Branche erklärt werden. Im Gebäudereiniger-Handwerk gilt ein tariflicher Mindestlohn von 7,87 Euro pro Stunde im Westen und 6,36 Euro im Osten. Auf die Einbeziehung der Branche in das Gesetz hatten sich Union und SPD bereits im Koalitionsvertrag verständigt.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re: Bundestag beschließt Rente mit 67
Beitrag von: Chrisse am 30 März, 2007, 10:34
Und wieder sind die Baby-Bommer die gear....ten.

Ein ausdrückliches DANKE an unsere Unfehlbaren  8) .
Titel: Re: Bundestag beschließt Rente mit 67
Beitrag von: Jürgen am 31 März, 2007, 06:35
So isses.

Schon als Schüler hat man unter besonders grossen Klassen gelitten, dann folgten diverse Schulreformen und die Abschaffung der Lehrmittelfreiheit.
Später die Einführung des numerus clausus und die Abschaffung des elternunabhängigen Bafög, dann die teilweise Umstellung auf Kredit, oft mitten im laufenden Studium. Einseitige Vertragsänder8ung, sowas kann sich eben nur der Staat anmassen.
Auch die Ausbildungsplatz-, Job- und Wohnungssuche waren wirklich nicht einfach unter den 'geburtenstarken Jahrgängen'.

Offensichtlich hat man uns noch nicht genug diskriminiert...

Schuld daran trägt allerdings die Generation unserer Eltern, denn die haben sich - statistisch gesehen - vergleichsweise kurze Lebensarbeitszeiten und anschliessend recht komfortable Altersversorgung zugeschanzt, damit allein schon das System fast an die Wand gefahren, sich selbst aber vor den meisten Auswirkungen des nachfolgenden Sozialabbaus freigehalten.

Die erwähnte Generation hat derzeit auch noch an vielen Stellen das Sagen, wie man merkt...
Titel: "Die Deutschen müssten bis 77 arbeiten"
Beitrag von: SiLæncer am 22 November, 2007, 09:50
Rente mit 67 - wer bietet mehr? Unter Politikern und Wirtschaftsforschern ist eine neue Debatte über die Anhebung des Pensionsalters ausgebrochen. Ein Promi-Ökonom bringt die Rente mit 70 ins Gespräch - ein anderer nennt sogar eine noch höhere Zahl.

Hamburg - Unterstützung für Wolfgang Schäuble: Der Bundesinnenminister erhält für seine jüngste Forderung nach einer weiteren Anhebung des Renteneintrittsalters Unterstützung von Volkswirten.

In der "Bild"-Zeitung sprachen sich mehrere Ökonomen für eine zusätzliche Erhöhung aus. Der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise, sagte der Zeitung: "Wenn die Lebenserwartung weiter so steigt wie in den vergangenen 30 Jahren, wird langfristig ein Renteneintrittsalter auch über 67 notwendig. Sonst ist das System nicht bezahlbar. Wer länger Rente bezieht, muss länger einzahlen."

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, verlangte eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre. "Es ist längst klar, dass nur die Rente mit 70 langfristig Entlastung bringt. Nur wenn sie bis 2030 eingeführt wird, sind größere Leistungskürzungen oder Beitragserhöhungen vermeidbar", sagte Zimmermann.

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, brachte sogar eine Rente mit 77 ins Spiel. "Nach Berechnung der Uno müssten die Deutschen bis 77 arbeiten, wenn man das heutige Rentenniveau ohne Erhöhung der Beitragssätze und Steuern beibehalten wollte", sagte Sinn der Zeitung. Natürlich sei die Zahl absurd. "Sie zeigt aber, wie wenig wir die Lage im Griff haben und dass die 'Rente mit 67' nicht ausreicht."

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re: "Die Deutschen müssten bis 77 arbeiten"
Beitrag von: Jürgen am 22 November, 2007, 13:42
Die Zahl ist nicht nur absurd, sondern weist auf Betrug und reine Abzocke hin.

Ein Renteneintritt erst bei'm statistischen Ableben macht jedwede staatlich geregelte Zwangsvorsorge zu einer reinen und verbotenen Kopfsteuer.

Und es ist, sowohl aus biologischen als auch aus Arbeitsmarkt-Gründen, absolut nicht zu erwarten, dass eine beitragspflichtige Beschäftigung bis in so ein hohes Alter regelmässig erfolgen kann.

Anscheinend läuft in diesem Lande ein hektischer Wettbewerb um den Rekord an Asozialität  :o
Titel: Oettinger gegen Schäuble-Vorstoß für höheres Rentenalter
Beitrag von: SiLæncer am 23 November, 2007, 13:01
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hat den Vorstoß von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) für eine weitere Anhebung des Rentenalters strikt abgelehnt. "Ich will uns dringend raten, jetzt nicht mit 70 oder 72 zu arbeiten, sondern die Rente mit 67 mit Leben zu erfüllen", sagte Oettinger am Donnerstagabend im ZDF. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, forderte dagegen in der "Passauer Neuen Presse", das Rentenalter bis zum Jahr 2020 auf 70 Jahre anzuheben.

Die von der großen Koalition beschlossene Rentenreform müsse erst einmal umgesetzt werden, "und zwar nicht nur im Gesetz, sondern in der Tat", sagte Oettinger. "Wir müssen alles tun, dass die Arbeitswelt den über 60-Jährigen mitnimmt und die Rente mit 67 für alle die Praxis wird", fügte Oettinger hinzu. Er stellte den heutigen Senioren zugleich Rentenerhöhungen in Aussicht. "Ich glaube, dass wir gute Chancen haben, in den nächsten Jahren 1,7 bis zwei Prozent Rentensteigerung seriös zu finanzieren", sagte der Ministerpräsident. Wenn bei weiter wachsender Wirtschaft die Zahl der Beschäftigten und damit das Beitragsaufkommen stiegen, stiegen auch die Renten.

Die Vizevorsitzende der Partei Die Linke, Katja Kipping, forderte in der ZDF-Sendung eine Rücknahme aller Rentenreformen seit 2001. Wenn alle beschlossenen Kürzungen bereits wirksam wären, wäre eine Rente von 1000 Euro nur noch 750 Euro wert, kritisierte sie.

Dagegen sagte Walter: "Wir müssen schneller vorangehen und das Rentenalter der steigenden Lebenserwartung anpassen". Rente mit 67 reiche nicht aus. Die Rentenreform müsse bereits zu Beginn der nächsten Legislaturperiode weiterentwickelt werden.

Der sozialpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Max Straubinger, nannte Forderungen nach einer weiteren Rentenreform in der "Passauer Neuen Presse" einen "kompletten Schmarrn". "Wir sollten die Menschen nicht ständig verunsichern", forderte Straubinger. "Wir haben eine Rentenreform gemacht und die wird jetzt umgesetzt."

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der "Passauer Neuen Presse", es gebe eine "regelrechte Todeszone" der Rentenversicherung. Die jetzt 45- bis 55-Jährigen verzichteten oft auf eine private Zusatzversicherung - in dem Glauben, dass die gesetzliche Rente genüge, um ihren Lebensstandard zu halten.

Den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" sagte Lauterbach, Nachbesserungsbedarf gebe es bei Geringverdienern. Weil Einkommensschwache niedrigere Renten erhielten als früher, drohe wachsende Altersarmut.

Quelle : http://de.news.yahoo.com
Titel: Ackern bis zur Gruft
Beitrag von: ionti am 25 November, 2007, 13:23

Ackern bis zur Gruft
 
Die Sozialpolitik der Zukunft setzt auf den reibungslosen Übergang von der Werkbank ins Leichenschauhaus
 
Einer muß den Bluthund machen. Und da sich Franz Müntefering (SPD) aus dem politischen Tagesgeschäft zurückgezogen hat, war es Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorbehalten, eine erneute Anhebung des nominellen Renteneintrittsalters, diesmal auf 70 Jahre, vorzuschlagen. Daß es sich dabei nicht um einen Schuß ins Blaue handelte, zeigen die Reaktionen von Kapitalvertretern und Politikern. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank AG, Norbert Walter, forderte in der Passauer Neuen Presse (Freitagausgabe), spätestens zu Beginn der nächsten Legislaturperiode im Herbst 2009 eine Anhebung auf 70 Jahre bis zum Jahr 2020 festzuschreiben. Rente mit 67 reiche nicht aus, um die steigende Lebenserwartung auszugleichen, so Walter.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann. Seinem Amtskollegen vom Münchner Ifo-Institut, Hans-Werner Sinn, ist das allerdings viel zu wenig. Er verwies auf Berechnungen der UN, wonach die Deutschen bis 77 arbeiten müßten, wenn das heutige Rentenniveau ohne Erhöhung der Beitragssätze und Steuern beibehalten werden solle. Sinn verschweigt dabei geflissentlich, daß eine Erhöhung des Renteneintrittsalters angesichts der schlechten Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt, keineswegs die durchschnittlichen Anwartschaften erhöhen, sondern lediglich die Rentenbezugsdauer verkürzen würde. Schon jetzt erreichen die wenigsten abhängig Beschäftigten jene 45 Versicherungsjahre, mit denen man abschlagsfrei in die Rente gehen kann.

In der CSU stieß Schäubles Vorstoß auf wenig Gegenliebe. Sowohl Verbraucherminister Horst Seehofer als auch der sozialpolitische Sprecher der Bundestagsgruppe, Max Straubinger, distanzierten sich. Und auch Sozialdemokraten wollten angesichts des Ärgers, den ihnen Münteferings »Rente mit 67«-Coup eingebracht hatte, nicht auf den Zug aufspringen. Ihr »Sozialexperte« Karl Lauterbach vertrat in mehreren Zeitungen die Auffassung, daß man die weitere Absenkung der gesetzlichen Rente in Kauf nehmen und im Gegenzug die private Vorsorge ausbauen sollte. In der Passauer Neuen Presse sprach der Politiker von einer »regelrechten Todeszone« der Rentenversicherung bei den jetzt 45- bis 55jährigen. Diese verzichteten oft auf eine private Zusatzversicherung – in dem Glauben, daß die gesetzliche Rente genüge, um ihren Lebensstandard zu halten. Die Riester-Rente müsse als Pflichtversicherung eingeführt werden, eine weitere Alternative sei die betriebliche Altersvorsorge, sagte der »Experte«.

Wer wie Lauterbach als Abgeordneter über eine staatliche Pensionsgarantie von mehreren tausend Euro pro Monat verfügt, kann sich anscheinend nicht vorstellen, daß es Zeitgenossen gibt, die nicht zu dämlich sind, um privat vorzusorgen, sondern denen ganz schlicht das nötige Geld dafür fehlt. Und daß Millionen Menschen, die sich zwischen Erwerbslosigkeit und prekärer Beschäftigung durchs Leben wurschteln, betriebliche Altersversorgung nur vom Hörensagen kennen, scheint ihm auch entgangen zu sein.

Viele Politiker und Medien betreiben angesichts des sich anbahnenden sozialen Desasters bei den Alterseinkommen eine Art vorsorgendes Armen-Bashing. Der Tenor lautet: Wer nicht vorsorgt, ist selber schuld. Und muß dann sehen, wie er bis zum Ende seiner Tage mit der an die »Hartz IV«-Sätze gekoppelten sogenannten Altersgrundsicherung klarkommt.

Quelle: jungewelt.de
Titel: Re: "Die Deutschen müssten bis 77 arbeiten"
Beitrag von: Jürgen am 25 November, 2007, 17:17
Mit denen habe ich nichts zu tun, aber der Grundgedanke ist mir ja nicht fremd:
Ein Renteneintritt erst bei'm statistischen Ableben macht jedwede staatlich geregelte Zwangsvorsorge zu einer reinen und verbotenen Kopfsteuer.


Hinzuzufügen ist, dass jegliche eigene Vorsorge für die Katz' ist, sobald ihr Ergebnis am Ende doch nicht ausreicht. Dann frisst's nämlich das Sozialgeld doch wieder komplett auf.

Und der Bedarf im Alter ist niemals exakt prognostizierbar, weil z.B. Krankheit und Pflege, aber auch Wohnkosten und Lebensunterhalts-Aufwand völlig unkalkulierbar sind.

Hinzu kommt noch, dass ein grundsätzliches Problem jeder Altersversorgung unlösbar ist, egal ob privat oder staatlich:
Die Leistungen und Dienste müssen stets von den jeweils Aktiven in Echtzeit aufgebracht werden.
Geld oder sonstiges Anlagevermögen ist immer nur das wert, was man im Moment der Verwertung dafür erhält.
Und das bestimmen dann nicht die Bedürftigen.

Nur 'mal angenommen, es käme irgendwann eine Menge Gold auf den Markt.
Was würde geschehen?
Es gäbe dadurch kein einziges Stück Brot mehr zu verteilen.
Der Goldpreis würde drastisch sinken, weil man Gold nicht essen kann, und die Leute ganz andere Sorgen haben, als sich sowas hinzulegen.
Allenfalls wäre der Verteilungsschlüssel damit etwas zu beeeinflussen, solange das nicht fast jeder tut.
Wenn's allerdings alle machen, war's komplett für'n Ar***...

Somit dürfte klar sein, eine zusätzliche allgemeine Altersversorgung kann überhaupt nicht funktionieren.
Weil's nicht mehr zu verteilen gibt.
Privatwirtschaftlich schon garnicht, denn dann wollen ausserdem die Versicherer einen ordentlichen Schluck aus der ohnehin kleinen Pulle.
Titel: Re: "Die Deutschen müssten bis 77 arbeiten"
Beitrag von: BananaJoe am 25 November, 2007, 18:37
 ??? Pappsärge direkt im Erste-Hilfe-Kasten des Arbeitgebers sollte man einführen

In Zeiten wo immer mehr Arbeit von Computern und Robotern übernommen wird, reden die von Rentenbeitrittsaltererhöhung. Bis ich in das Alter komme leben die schon zweimal nicht mehr. (Erster Tod wegen mir, weil ich wenns so weiter geht Amok lauf <-- im Notfall bitte zensieren Silencer :) )

Ich bin dafür das wir die Rente abschaffen, die Schulen und Unis schließen und uns als Dritte Weltland alles von den anderen Ländern schenken lassen.
Titel: Re: "Die Deutschen müssten bis 77 arbeiten"
Beitrag von: Jürgen am 26 November, 2007, 01:23
Die ersten drei von Deinen vier Vorschlägen werden sicherlich demnächst umgesetzt.

Für den vierten fehlt ein zweites dusseliges Deutschland...
Titel: Spanien beschließt "freiwillige" Verlängerung des Rentenalters auf 70 Jahre
Beitrag von: SiLæncer am 28 November, 2007, 14:39
In ganz Europa wird an der Verlängerung der Lebensarbeitszeit gestrickt, die Konzepte werden unterschiedlich verkauft und durchgesetzt

"Denn eins ist sicher: die Rente." Wer erinnert sich noch an den berühmten Ausspruch von Norbert Blüm, der bis 1998 Arbeitsminister der CDU-Regierung war. Heute darf man sich allerdings fragen, ob man noch vor dem Ableben in ihren Genuss kommen darf. Nach der Rente mit 67 setzte Wolfgang Schäuble (CDU) zum Wochenende nach und will das Eintrittsalter weiter anheben, was allerdings voresrt auf das Veto der Bundeskanzlerin stieß. In Spanien hat die sozialdemokratische Regierung beschlossen, die Menschen "freiwillig" bis 70 arbeiten zu lassen. Doch das müssen sie, wenn sie eine Rente wollen, die minimal den Unterhalt sichern soll. In Griechenland wird gegen eine Rentenreform gestreikt, während es in Frankreich Sarkozy zunächst gelungen ist, den Streik auszuhebeln.

Rentenreformen sind derzeit europaweit in Mode. Bisweilen kommt es auch zu heftigem Widerstand dagegen. Alle Grundschulen und Gymnasien waren am Montag in Griechenland geschlossen, weil die Lehrer streiken. Auch etliche Hochschulen sind vom Streik betroffen. Am Dienstag streiken auch die Journalisten und für den 12. Dezember haben die beiden Gewerkschaftsverbände ADEDY und GSEE, die rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer vertreten, zum Generalstreik aufgerufen. Damit soll eine Rentenreform der Regierung verhindert werden, die eine Erhöhung der Beitragsjahre um zwei Jahre vorsieht.

Bisher können viele Griechen schon mit 58 Jahren in die Rente gehen, wenn sie 35 Jahre lang Beiträge eingezahlt haben. Deshalb mahnen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung , die Weltbank und der Internationale Währungsfond und die EU seit langem auch für Griechenland eine Reform an, da die Rentenkassen in die Zahlungsunfähigkeit zu schlittern drohen.

Nach Ansicht von Experten, droht dem Versicherungsfonds der Selbstständigen (OAEE) schon im nächsten Sommer dieses Schicksal. Dann müsste der Staat einspringen, weil das die Verfassung so vorsieht. So will Ministerpräsident Kostas Karamanlis nun handeln, weil auch die Finanzen des Staates in Gefahr seien. Schaut man sich die offiziellen Zahlen der griechischen Regierung an, ist zu erkennen, dass sich die Staatsverschuldung in den letzten Jahren sogar verringert hat. Von 2003 bis 2006 ist die Staatsschuldenquote zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von knapp 98 Prozent auf 95,3 Prozent gefallen. Das hängt mit den allgemeinen Sparmaßnahmen zusammen, die auch in Griechenland durchgeführt wurden, wogegen sich die Gewerkschaften mit den Streiks ebenso wenden.

Zwang zur Freiwilligkeit

In Spanien läuft die Reform gerade ohne Widerstand durch. Mit viel Widerstand der großen spanischen Gewerkschaften müssen die Sozialdemokraten (PSOE) ohnehin nicht rechnen, da sie zum Teil, wie die UGT, ein Ableger der Partei ist. Um dem Zorn der Arbeitnehmer zu entgehen, wurden mit der Rentenreform, die in der vergangenen Woche im Parlament verabschiedet wurde, zahlreiche Nebelkerzen gezündet. So sticht das Unwort "freiwillig" hervor, mit der die faktische Anhebung der Lebensarbeitszeit eingenebelt wird. Unter Modernisierung der Sozialversicherung wird die Reform bisweilen auch behandelt.

Damit bis zum 70. Lebensjahr weiter gearbeitet wird, gibt es Anreize: Wer schon 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, bekommt für jedes weitere Jahr einen Zuschuss von drei Prozent, das über das 65. Lebensjahr hinaus gearbeitet wird. Die Höchstgrenze liegt bei 15 Prozent. Der Großteil der Arbeitnehmer, der 40 Beitragsjahre nicht erreicht, erhält nur einen Zuschuss von zwei Prozent pro länger gearbeitetes Jahr.

Angesichts der Erwerbsbiografien, die sich seit vielen Jahren entwickeln, in denen sich Beschäftigte von einem prekären Minijob zum nächsten hangeln, wird die Zahl derer immer kleiner, die auf 40 Beitragsjahre kommen. Denn die Sozialisten haben, trotz ihrer Versprechungen, die Unsitte nicht beendet, dass befristete Arbeitverträge Urstände feiern und der Abschluss eines Festvertrags wie ein Lottogewinn angesehen wird. Nur noch wenige Verträge werden unbefristet geschlossen, auch wenn die Zahl durch Anreize bei der letzten Arbeitsmarktreform leicht gestiegen ist. Allerdings handelte es sich oft um Umwandlungen von Verträgen. Trotz allem sind heute gut ein Drittel aller Verträge befristet, bei den unter 30-Jährigen sind es mehr als die Hälfte. Es gibt mehr Zeitverträge in Spanien, als in Italien, Großbritannien, Belgien und Schweden zusammen, weit über fünf Millionen, obwohl es einen Kündigungsschutz praktisch nicht gibt.

Angesichts der Rahmenbedingungen bedeutet die Reform für die große Mehrzahl der Menschen eine Anhebung der Lebensarbeitszeit, weil sonst die absolute Altersarmut droht. Von Freiwilligkeit kann keine Rede sein. Schon jetzt leben Millionen Rentner in Spanien in Armut. Bei der Betrachtung des jetzigen Rentenniveaus wird das mehr als deutlich. Im November liegt die Durchschnittsrente im spanischen Staat bei knapp 678 Euro und das sind, wegen der massiven Anhebung der Mindestrenten durch die Sozialisten, vor den Wahlen im kommenden Frühjahr, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Etwas besser sieht es in Katalonien und dem Baskenland aus, weil dort Zuschüsse von den Regionalregierungen gezahlt werden.

Rechnet man zu der Durchschnittsrente die mögliche maximale 15prozentige Erhöhung hinzu, wären das knapp 780 Euro monatlich, die erreicht werden könnten. Auch so bezeichnet man Armut! Denn nach der Europäischen Sozialcharta wird die Armutsgrenze unterschritten, wenn 60 Prozent des Durchschnittslohns im Land nicht erreicht werden. Das wären in Spanien 850 Euro. Dabei sollte beachtet werden, dass noch vor einigen Jahren 68 Prozent als Berechnungsgrundlage benutzt wurden. Nach offiziellen Angaben leben in Spanien derzeit knapp 19 Millionen Menschen, das sind 42 Prozent der Bevölkerung, unter oder nur knapp über der Armutsgrenze. Das hat mit dem niedrigen Mindestlohn zu tun, der trotz überdurchschnittlicher Anhebungen durch die Sozialisten nun mit 665 Euro knapp über der Hälfte des französischen Mindestlohns liegt. Damit erreicht man natürlich auch keine Rente, selbst durch Arbeit bis 70, die vor Armut schützt. Und für private Rentenpläne fehlt bei einem solchen Einkommen das Geld. Heute liegt die große Mehrheit der 8,2 Millionen Rentner unter der Armutsgrenze und 4,5 Millionen Pensionisten erhalten nicht einmal 600 Euro im Monat. Und das sind meist Frauen, die von der schmalen Rente des Ehegatten oft nur noch 52 Prozent Witwenrente erhalten.

So ist strukturell angelegt, dass nicht davon gesprochen werden kann, dass die Spanier demnächst "freiwillig" länger arbeiten. Diese Freiwilligkeit wird zum Zwang, wenn man im Alter nur einigermaßen über die Runden kommen will. Und das hängt dann von guter Gesundheit und dem Bedarf der Arbeitgeber ab. Interessant ist auch, dass mit der Reform die ohnehin relativ gut gestellten alten Stammbelegschaften einen besonderen Bonus erhalten, die am ehesten noch über gesicherte Arbeitsverhältnisse verfügen. Das war wohl das Bonbon für die Zustimmung der großen Gewerkschaften zur Reform, die vor allem die Interessen dieser Klientel vertreten.

Absurd wäre der Hinweis in Spanien auf leere Kassen, wie er in Griechenland gerne gemacht wird. Erneut rechnet die Sozialversicherung 2007 mit einem dicken Überschuss von acht Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es sogar fast 12 Milliarden Euro. Das war sogar doppelt soviel als zunächst erwartet. Dafür war vor allem die Regulierung von Hunderttausenden Einwanderern verantwortlich, die viel Geld in die Sozialkassen gespült hat.

Eintrittsalter von 70 Jahren und mehr anvisiert

In Spanien spricht aber kaum jemand neidisch die "Privilegien" der Stammbelegschaften an, die mit der Reform auch noch Rentenprivilegien erhalten. Mit diesem Argument ist es der Regierung Sarkozy nun aber offenbar gelungen, die Streiks gegen seine Rentenreform zu brechen. Die einzelnen Gruppen wurden gegeneinander ausgespielt. Zum Beispiel wurde den Lokführern vorgehalten, dass sie oft schon mit 50 in Rente gehen können. Dass sie besonderen Arbeitsbedingungen unterliegen und große Renteneinbußen hinnehmen, weil Sonderzahlungen für stressige Nacht-, Feiertags- und Sonntagsarbeit nicht in die Rentenberechnung einbezogen werden, wurde vergessen. Angesichts der europaweiten Diskussion um die Anhebung des Rentenalters, werden sich noch einige die Augen reiben, wenn auch sie länger oder mehr arbeiten sollen. Die Streiks sind zunächst ausgesetzt, jetzt wird verhandelt. Falls es Sarkozy wirklich gelungen ist, diesen Streik zu brechen, dann werden sich andere Gruppen, die sich die Regierung einzeln vornehmen wird, kaum in einen Arbeitskampf stürzen können, dessen Erfolgsaussichten gering sind. Denn gespart werden soll auch mit der Schließung von zahlreichen Gerichtshöfen. Insgesamt sollen im Öffentlichen Dienst im kommenden Jahr 20.000 Stellen wegfallen.

In Deutschland hat sich gerade gezeigt, dass angesichts des schwachen Widerstands gegen die Rente mit 67 die Diskussion noch längst nicht beendet ist. Es war wieder einmal Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der vorpreschte. Mit der Reform "sind wir noch nicht am Ende", meinte er. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, setzte sofort nach und forderte eine weitere Rentenreform bis zum Beginn der nächsten Legislaturperiode. "Die Rente mit 67 reicht nicht aus", blies er in Schäubles Horn. Die Reform müsse schon zu Beginn der nächsten Legislaturperiode weiterentwickelt werden, weil das Rentenalter der steigenden Lebenserwartung angepasst werden müsse. Bis zum Jahr 2020 gelte es, das Rentenalter auf 70 Jahre anzuheben, meinte Walter. Dem stimmte auch der Klaus Zimmermann, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu. Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut verwies auf Einschätzungen, die von einem Renteneintrittsalter von 77 Jahren ausgehen. Die Bundeskanzlerin hat nun die Diskussion – vorerst - abgeblockt: "Das wird es mit uns nicht geben."

Quelle : www.heise.de
Titel: Riester zahlt sich für Millionen nicht aus
Beitrag von: SiLæncer am 10 Januar, 2008, 16:27
Millionen Geringverdiener müssen befürchten, im Alter trotz Abschluss einer privaten Riester-Rente kein zusätzliches Geld zu erhalten. Ursache: Einkünfte aus der Riester-Rente werden auf die Grundsicherung angerechnet.

Der Präsident des VdK-Sozialverbandes, Walter Hirrlinger, forderte eine Änderung der Rechtslage. Es sei nicht hinzunehmen, dass Rentnern, die aufgrund ihrer niedrigen Rente im Alter auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen seien, die staatliche Unterstützung um den Betrag der Riester-Rente gekürzt werde, sagte Hirrlinger beim VdK-Landesverband NRW. Hirrlinger verlangte einen hohen Freibetrag für Riester-Renten oder den völligen Verzicht auf deren Anrechnung auf die Grundsicherung. Nach internen Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung haben selbst Durchschnittsverdiener, die 32 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, im Jahr 2030 - ohne Rechtsänderung - keinen Nutzen aus der Riester-Rente.  Derzeit liegt die „Armutsgrenze”, bis zu der Grundsicherung bezahlt wird, bei 876 Euro monatlich. „Je weniger Beitragsjahre der Versicherte hat und je geringer seine Beiträge sind, desto weniger lohnt sich „Riestern”, klagte Hirrlinger. Altersarmut könne so nicht vermieden werden.  Aus Sicht des VdK-Präsidenten kann nur über einen hohen Freibetrag verhindert werden, „dass sich Menschen bei der Riester-Rente übers Ohr gehauen fühlen”. Derzeit lohne sich die Riester-Rente aber nur für Versicherte, die möglichst lange und hohe Beiträge gezahlt haben.

Quelle : http://www.derwesten.de
Titel: Re: Riester zahlt sich für Millionen nicht aus
Beitrag von: spoke1 am 10 Januar, 2008, 20:26
Mir hat man die tolle Riester Rente vor Jahren nahegelegt. Auf meine dreiste Frage: "wie viel krieg ich da nachher raus" bekam ich als Antwort: "das kann jetzt noch keiner sagen".  ??? ??? ???

Für so was zahle gerade ich gerne ein!!!
Titel: Re: Riester zahlt sich für Millionen nicht aus
Beitrag von: Chrisse am 10 Januar, 2008, 23:10
Ein kleiner Fund aus den Weiten des I(nteressiert deinen Staat was Du da machst)-net

Es waren einmal Arbeiter, Rentenversichert in der LVA, die in jungen Jahren ins Beamtenverhältnis gewechselt sind, Polizei oder Feuerwehr. Diese hatten die Möglichkeit, durch Eigenleistung, über 15 Jahre, ihren Mindestrentenanspruch bei der LVA sich selbst zu bezahlen, durch eigene Beiträge jeden Monat. Dazu gab es das Versprechen, das zur Pensionszahlung im Alter selbstverständlich die eigenhändig angesparte LVA – Rente dazu bezahlt wird. Klar, wird jeder sagen, denn immerhin haben sie ja auch mit ihrem eigenen Geld in die Versicherung eingezahlt.

Nun haben die aber nicht mit dem bösen, gierigen Staatswolf gerechnet, dann es begab sich, das als die Zusatzrentenzahlungen viel Jahre später spruchreif wurden, da hatte Väterchen Staat schon längst eine kleine Gesetzesänderung wie nebenbei und unbemerkt sich ausgedacht, nämlich in der Form, das die Pensionäre tatsächlich ihre Rente ausgezahlt bekommen haben, aber nicht auf die Pension oben drauf, sondern diese LVA - Zahlungen wurde von ihren Pensionsansprüchen zum gleichen Betrag wieder abgezogen.
 
Und genau so haben sie es wieder einmal mit der Riesterente hinbekommen und ausgerechnet noch bei denen, die ohnehin nur wenig Rente im Alter zu erwarten haben. Toll, lieber Gerhard, lieber Genosse Riester, toll gemacht. Die SPD, die Partei der kleinen Leute.


Iss so....

Gruß

Chrisse
Titel: Re: Riester zahlt sich für Millionen nicht aus
Beitrag von: ionti am 10 Januar, 2008, 23:56
Die Riester-Rente lohnt sich für genau die Leute nicht, die das Geld im Alter gebrauchen könnten und das ist ja auch
beabsichtigt: Wer arm ist muss früher sterben, weil der kauft sowieso nichts und ist also 'überflüssig'.
Wer trotzdem einzahlt, spart nur für das Sozialamt.
Gesundes Misstrauen dem Staat gegenüber ist auch hier mehr als angebracht.

Ähnliches läuft mit dem Erziehungsgeld ab: die 'Unterschichtenkinder' sind unerwünscht für das System deshalb kriegen
die weniger ab. Frau Studienrätin soll sich fortpflanzen schliesslich vererbt sich 'Intelligenz'.

Wohin man sieht (z.b. ein kleiner Blick in dieses Forum) : lauter Fehler im System? Nein! Das ist das System.

ionti
 
Titel: Sozialverband fordert Änderungen bei Riester-Rente
Beitrag von: SiLæncer am 12 Januar, 2008, 18:30
In der Debatte um die Anrechnung der Riester-Rente auf die soziale Grundsicherung hat der Sozialverband VdK Änderungen bei der staatlich geförderten Altersvorsorge gefordert. Die Altersarmut werde ein zunehmendes Problem für künftige Generationen, warnte VdK-Präsident Walter Hirrlinger in der "Berliner Zeitung". Vor diesem Hintergrund sei es "paradox, die Einkünfte aus Riester-Renten mit der Grundsicherung zu verrechnen". "Deshalb muss hier eine Änderung eintreten." Auf die Anrechnung der Riester-Rente müsse ganz verzichtet oder zumindest ein hoher Freibetrag vorgesehen werden.

Wegen möglicher Nachteile für Geringverdiener bei der Riester-Rente hatte zuvor bereits die Opposition im Bundestag auf Nachbesserungen gedrängt. Hirrlinger forderte in der "Passauer Neuen Presse", es müsse sichergestellt werden, dass sich die Riester-Rente "für jeden lohnt, der sie abschließt". "Die Leute sind beunruhigt", bekräftigte der VdK-Chef im Magazin "Focus". "Sie dachten, dass sie die Riester-Rente voll bekommen." Eine Anrechnung der Riester-Rente bei künftigen Senioren mit niedrigen gesetzlichen Bezügen führe dazu, dass jeder Ansatz zum Extra-Sparen wegfalle. Die Politik sei "zum Handeln gezwungen". Zugleich kündigte Hirrlinger an, Druck auszuüben: "Wir werden keine Ruhe geben. Das würde sich als Wahlkampfthema eignen."

Auch die Deutsche Versicherungswirtschaft forderte die Freistellung der Riester-Rente von der Anrechnung auf die Grundsicherung. Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Freiherr Frank von Fürstenwerth, sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Wir fordern seit längerem die Vollanrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung im Alter aufzuheben. Es sind schnelle politische Maßnahmen erforderlich um sicherzustellen, dass sich Eigenvorsorge immer lohnt", betonte der Verbandsfunktionär. Gleichzeitig sei es aber "unverantwortlich, nun von der Riester-Rente abzuraten".

Die Unions-Arbeitnehmergruppe will derweil die jüngste Debatte um die Riester-Rente zu einem grundsätzlichen Umbau des Rentensystems nutzen. Der Bundestagsabgeordnete und Vizevorsitzende der Unions-Arbeitnehmergruppe im Bundestag, Uwe Schummer, sagte der Zeitung: "Wir brauchen ein neues Drei-Säulen-Modell für die Altersversorgung: Eine über das Steuersystem und Abgaben finanzierte Grundrente für alle, die paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragene klassische Sozialversicherungsrente und als dritte Säule die Riester-Rente für alle."

Quelle : http://de.news.yahoo.com
Titel: Re: Riester zahlt sich für Millionen nicht aus
Beitrag von: kater am 12 Januar, 2008, 19:45
die wirkliche Brisanz liegt für mich, neben der naheliegenden Hinterlist des Gesetzgebers, in der Tatsache darin, daß das Signal lautet, "wer vorsorgt ist selber Schuld, verbrate dein (kleines) Geld zu Lebzeiten und geh anschliesend zum Staat". Selbst wenn es keine Absicht war, das Gesetz so wirken zu lassen, ist es zumindest wieder ein Beleg wie unprofessionel in Deutschland Gesetze gemacht werden. Die schnelle, empörte und heftige Reaktion lässt allerdings einen ertappten Täter vermuten.
Titel: Steuerzahlerbund attackiert Rentengarantie
Beitrag von: SiLæncer am 12 Juli, 2009, 07:28
Die Debatte um die Rentengarantie verschärft sich: Der Bund der Steuerzahler hat die Zusage der Bundesregierung als zu kostspielig für Jüngere kritisiert. Auch der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm äußert Bedenken. Er bezeichnete die Rentenpolitik der letzten Jahre als "Pfusch".

Berlin - Die Rentengarantie sorgt unmittelbar vor der Bundestagswahl für Diskussionen: "Die Rentenerhöhung und die Aussetzung der Rentenformel sind auf lange Sicht Fehler, die für spätere Generationen sehr teuer werden", sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl Heinz Däke, der "Bild am Sonntag" (BamS). "Schon jetzt werden ja fast 80 Milliarden Euro Steuermittel jährlich für die Rente ausgegeben. Das entspricht 25 Prozent des Bundeshaushalts, und der Anteil wird weiter steigen", erklärte Däke.

Auch der Renten-Experte Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge, kritisierte in der Zeitung die Garantie. Er sprach von einem "eklatanten Bruch des Gleichbehandlungsgrundsatzes zwischen Erwerbstätigen und Rentnern". Die Lohnsteigerungen der Arbeitnehmer würden zwar 1:1 an die Senioren weitergegeben, die aktuellen Lohnsenkungen aber nicht.

Für den früheren Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) ist die Rentengarantie "nichts als ein Ablenkungsmanöver. Die Rentenpolitik der letzten Jahre ist Pfusch, und Pfusch wird nicht durch Vertuschung besser." Blüm sagte der "BamS": "Die Renten sollten den Löhnen in guten wie in schlechten Zeiten folgen, allerdings bräuchten wir dazu die Rückkehr zum alten soliden System. Auf einer falschen Grundlage ist alles falsch."

Die Rentengarantie war Ende April von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) ausgesprochen und im Juni vom Bundestag beschlossen worden. Zum 1. Juli waren die gesetzlichen Altersbezüge im Westen um 2,41 Prozent und im Osten um 3,38 Prozent angehoben worden. Auch für die kommenden Jahre sind sinkende Renten nun ausgeschlossen, selbst wenn die Löhne der Beschäftigen sinken. Die Rentengarantie könnte aber zu einem langsameren Anstieg der Renten ab 2011 führen.

Bereits Ende vergangener Woche hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SDP) die Garantie kritisiert. "Ich habe große Zweifel, ob das für nachfolgende Generationen das richtige Signal ist", hatte Steinbrück erklärt. Der heutigen Rentnergeneration gehe es "so gut wie niemals einer zuvor". Während andere Menschen angesichts der Wirtschaftskrise um ihren Arbeitsplatz bangen müssten, stiegen die Renten so stark wie seit Jahren nicht. "Die Gekniffenen sind die 25- bis 35-Jährigen, die Kinder in die Welt setzen wollen", sagte Steinbrück. "Um diese Generation müssen wir uns stärker kümmern."

Arbeitsminister Scholz hingegen hatte die Rentengarantie verteidigt: Fast jeden Tag rechne "ein neuer schlauer Professor oder ein neues schlaues Institut" aus, was alles schief gehen könne, hatte der SPD-Politiker erklärt. "Diesen Panikmachern, die bei vielen Millionen Rentnern Unsicherheit verbreiten, wollen wir mit der eindeutigen Sprache des Gesetzes Einhalt gebieten."

Quelle : www.spiegel.de (http://www.spiegel.de)
Titel: Rente mit 67 verschärft Altersarmut
Beitrag von: SiLæncer am 21 September, 2010, 12:48
DGB und VdK kritisieren von der Leyens Angaben zur Altersarbeit. Neue Forderungen von FDP und BA-Chef Becker zur Verkürzung des Arbeitslosengeldes für Ältere

Künftig sollen Arbeitnehmer mit 67 Jahren in Rente gehen. Damit verlängert sich das Arbeitsleben um zwei Jahre. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen verkündete dazu vor einigen Tagen, dass immer mehr Ältere noch in Beschäftigung seien. Das hört sich gut an und suggeriert, dass die Rente mit 67 kein größeres gesellschaftliches Problem sein dürfte.

Doch haben die Zahlen von der Leyens einen kleinen Schönheitsfehler. Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund zusammen mit dem Sozialverband VdK in einem jetzt herausgegebenen Monitoring-Bericht herausgefunden hat, wurden in von der Leyens Statistik auch reine Teilzeittätigkeiten von nur einer Stunde täglich mitgezählt. Hier kann man wohl kaum von einer Erwerbstätigkeit sprechen, von der der Arbeitnehmer leben kann. Reell haben, nach Angaben des DGB, nur 9,2 Prozent der 63-Jährigen und 6,3 Prozent der 64-Jährigen noch eine Vollzeitbeschäftigung. In einigen Berufsgruppen sind es noch weniger.

Bereits heute ist die Rente mit 65 für viele Arbeitnehmer ein eher illusorisches Ziel. In bestimmten Berufen, wie z.B. im Handwerk und in Pflegeberufen, haben nur wenige Prozent der Beschäftigten über 60 noch eine Vollzeitstelle. In "Knochenjobs" wie dem Straßenbau dürften die über 60-Jährigen ein eher seltenes Phänomen sein. Aber auch in anderen Bereichen wie der Pflege sind Arbeitnehmer über 60 aus gesundheitlichen Gründen oft nur noch in Teilzeit beschäftigt oder bereits in Frühverrentung. Hohe Abschläge beim Rentenbezug sind schon heute die Folge.

Laut den Angaben des DGB gehen bereits 47% der Rentner mit Abschlägen in den Ruhestand. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft mit der Rente ab 67 noch verschärfen. Schon heute steigt die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter stark an. Nach Erhebungen der EU sind aktuell 17% der Rentner von Armut bedroht.

Nun hat das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Raimund Becker, angeregt, die Beschäftigten nicht länger zum "frühzeitigen Ruhestand" zu animieren. "Langfristig ist es strategisch sinnvoll, alle Anreize zur Frühverrentung abzuschaffen. Dazu gehört die Verlängerung der Laufzeit von Arbeitslosengeld genauso wie die Altersteilzeit", sagte Becker in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Er lässt dabei unbeachtet, dass die Frühverrentung in vielen Fällen gesundheitlich bedingt ist. Ins gleiche Horn stößt auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner, der die verlängerte Zahlung von Arbeitslosengeld für Ältere abschaffen möchte. Bisher wird älteren Erwerbslosen bis zu 24 Monate lang Arbeitslosengeld gezahlt, damit diese kurz vor Erreichen des Rentenalters nicht noch in den Hartz-IV-Bezug abrutschen.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, ist entgegen davon überzeugt, dass die Rente mit 67 die ohnehin drohende Altersarmut zusätzlich verschärfen würde. "Die Gefahr der Arbeitslosigkeit im fortgeschrittenen Alter steigt. Für die Betroffenen verlängert sich nicht die Lebensarbeitszeit, sondern die Zeit der Arbeitslosigkeit mit allen Folgen, wenn man nach kurzer Zeit schon auf Hartz-IV-Niveau abstürzt", kritisiert Mascher die aktuelle Entwicklung.

Hält die Entwicklung an, dann stehen älteren Arbeitnehmern, die auf dem Arbeitsmarkt oft nicht mehr vermittelbar sind, in Zukunft enorme Probleme bevor. Die sozialen Spannungen im Land dürften sich damit verschärfen. Eine Zunahme der Altersarmut ist zu befürchten.

Quelle : http://www.heise.de/tp/
Titel: Oops, she did it again oder: Renteneinstiege und simples Denken
Beitrag von: SiLæncer am 22 November, 2010, 13:17
Neues aus der "Alles ist einfach"-Fabrik aka Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Diesmal: glückliche Rentner mit Nebenverdienst.

Nein, es verwundert nicht wirklich, dass die ehemalige Bundesfamilienministerin auch im Ministerium für Arbeit und Soziales weiter das Freudenfeuer der Einfachheiten zündet. Die Dame, die aus einer erhöhten Anzahl von Konsumenten schon einmal eine erhöhte Anzahl von Anbietern macht, stellt freudig fest, dass eine hohe Anzahl von älteren Menschen und Rentnern bereits arbeitet. Grund genug, das Renteneinstiegsalter von 67 Jahren weiter zu promoten. Aber könnte da vielleicht etwas fehlen?

Die Chancen für Ältere stehen besser denn je, heißt es denn auch begeistert seitens des Ministeriums. Grund für die Freude ist ein Bericht namens "Aufbruch in die altersgerechte Arbeitswelt". Dort wird festgestellt, dass die Erwerbsquote bei den älteren Menschen steigt - und dies wird auch entsprechend hervorgehoben. Die Menschen wollen also länger arbeiten und sie arbeiten bereits länger, scheint der Bericht auszusagen.

Jedoch spricht der Bericht lediglich von Erwerbstätigen. Und auch wenn vereinzelt die Quoten der sozialpflichtig beschäftigten Personen berichtet werden, sind größtenteils alle Formen der Erwerbstätigkeit zusammengemischt worden: 1-Euro-Jobber, 400-Euro-Kräfte sind ebenso enthalten wie diejenigen, die z.B. noch im höheren Alter von den Arbeitsagenturen in (entgeltfreie) Praktika gesteckt werden, oder Selbständige bzw. Freiberufler. Ebenso fehlt eine Erhebung darüber, _wieso_ gearbeitet wird. Gerade bei Selbständigen und Freiberuflern ist eine Tätigkeit bis hin zu einem hohen Alter schlichtweg eine Notwendigkeit, nicht jedoch automatisch eine freie Entscheidung aus lauter Freude an der Arbeit.

Gleichermaßen gibt es viele Rentner, deren Rente sehr schmal bemessen ist, so dass sie nach dem Eintritt in die Rente hinzuverdienen müssen, nicht jedoch wollen. Aspekte, die aber seitens des Bundesministeriums nicht weiter berücksichtigt werden. So wird dann Altersarmut, die durch einen Nebenjob kompensiert werden soll, zur Begründung für ein höheres Renteneinstiegsalter, was letztendlich nur bedeuten kann, dass die Spirale sich weiter dreht. Je länger die Menschen arbeiten (müssen), desto öfter wird es heißen: "Schaut euch an, wie viele noch viel länger als früher arbeiten." Das Wörtchen "müssen" wird dabei ausgeklammert.

Quelle : http://www.heise.de/tp/
Titel: "Suppenküchen, Sozialkaufhäuser und Tafeln können nicht unsere Zukunft sein"
Beitrag von: SiLæncer am 14 August, 2011, 13:19
Sozialverbände sehen immer mehr Rentner in Armut. Schlechte Aussichten auch für die kommende Rentnergeneration

Für viele Rentner ist der Rentenbezug nicht mehr identisch mit dem Ruhestand. Denn ihre Rente ist so gering, dass sie mit diversen Nebenjobs ihre Rente aufbessern oder Grundsicherung im Alter beantragen müssen, um zu überleben. Die in seichten Filmen präsentierten Senioren, die sich auf dauernder Kreuzfahrt in der Karibik befinden oder den Traum vom Leben auf einer Finca im sonnigen Süden verwirklichen, sind selten.Was man allerdings in deutschen Städten häufiger sehen kann, sind jene Alten, die sich mit dem Sammeln von Pfandflaschen ein Zubrot verdienen oder bei den "Tafeln" anstehen.

"Experten rechnen damit, dass sich der Anteil der über 65-Jährigen, die auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen sind, bis zum Jahr 2025 vervierfachen wird", erklärt der VdK. Doch schon heute zeigen sich deutliche Auswirkungen. Ein männlicher Erstrentner bezieht heute durchschnittlich 820 Euro und liegt damit deutlich unter dem Satz von 935 Euro, bei dessen unterschreiten man als arm gilt. Auch in der vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle herausgegebenen Studie Altersarmut und soziales Befinden in Deutschland 1995 und 2009, wird die Lage deutlich. Lag der Anteil der männlichen Rentner mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze 1995 in Westdeutschland noch bei 7,0%, so sind es 14 Jahre später bereits 10,2%. In Ostdeutschland stieg der Wert von 2,4 auf 6,7%.

Dieser Trend wird in den kommenden Jahren noch zunehmen, befürchten die Sozialverbände. Während ein Erstrentner 1996 noch mit 70% des letzten Bruttogehaltes in den Rentenbezug wechselte, wird es für kommende Rentnergenerationen bitter. Wer 2030 in Rente geht, erhält nur noch 43% aus der staatlichen Rentenkasse und das bei steigenden Lebenshaltungskosten. Ein Grund vorzusorgen. Doch wer nur Geringverdiener ist oder zwischenzeitlich arbeitslos wird, dürfte nur schwerlich Geld für Riester-Rente und Co. locker machen können.

Dass die Situation sich drastisch entwickelt, weiß man auch beim Arbeitnehmerflügel der CDU. Angesichts drohender Altersarmut forderte deren Bundesvorsitzender Karl Josef Laumann erneut die Einführung einer gesetzlichen Mindestrente. Die Gründe für das Ansteigen der Altersarmut sind freilich nicht unbekannt. Leiharbeit, Niedriglohn und Mini-Jobs sowie der Ausstieg aus der paritätischen Finanzierung von Renten und Gesundheitssystem. "Das ist Sozialpiraterie zu Lasten der Schwächsten in unserer Gesellschaft. Die Folge wird grassierende Altersarmut sein", befürchtet man bei der Arbeitsgemeinschaft AWO Südwest. "Suppenküchen, Sozialkaufhäuser und Tafeln können nicht unsere Zukunft sein", so deren Vorsitzende Rudi Frick, Klaus Stalter und Paul Quirin.

Quelle : http://www.heise.de/tp/