-
Paukenschlag für Technofans: Die alljährlich im Fernsehen übertragene "Loveparade" fällt in diesem Jahr komplett aus. Die Kapazität der Ruhrgebietsstadt Bochum reiche für die erwarteten Besuchermassen nicht aus, teilten Veranstalter und Stadtverwaltung am Donnerstag mit. "Sie wird 2009 nicht in Bochum stattfinden und auch an keinem anderen Ort", erklärte der Sprecher des Veranstalters Lopavent, Björn Köllen. "Zur getroffenen Entscheidung gab es nach intensiver und mehrfacher Prüfung keine Alternative", sagte Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD).
Die Veranstaltung sei in den vergangenen Jahren zu stark gewachsen, hieß es in der Pressemitteilung. Wegen umfangreicher Gleisbauarbeiten in Bochum könnten gar nicht alle Besucher die Veranstaltung erreichen. Zur Loveparade 2008 in Dortmund waren im vergangenen Juli nach Schätzungen 1,6 Millionen Besucher gekommen. Diese Mengen könne der nur teilweise nutzbare Bochumer Hauptbahnhof nicht fassen.
Ruhrgebiet soll Austragungsort bleiben - Duisburg im Jahr 2010
Der Veranstalter will dem Ruhrgebiet aber treu bleiben: "Wir werden jetzt die Zeit nutzen, und die kommenden Städte eingehend prüfen, um bei Ruhr 2010 wieder dabei zu sein", hieß es. Im Jahr 2010 ist das Ruhrgebiet als Region Kulturhauptstadt Europas. Für 2010 und 2011 sind die Städte Duisburg und Gelsenkirchen für die Loveparade vorgesehen.
Zuletzt war die Loveparade 2004 und 2005 wegen fehlender Sponsorengelder ausgefallen. Im Jahr 2007 hatte die Loveparade ihren Gründungsort Berlin "aufgrund fehlender Planungssicherheit" verlassen und als neue Heimat die Metropole Ruhr gewählt. Unter anderem der Musiksender Viva hatte im vergangenen Jahr mehrere Stunden live von der Veranstaltung übertragen (SAT+KABEL berichtete).
Quelle: http://satundkabel.magnus.de/
-------------------------------------------------------------------------
und das wo ich da jetzt auch ein Bett stehen hab :'( :'(
-
Wundenlecken am Tag danach. Die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) gerät nach der Absage der Loveparade schwer unter Druck. Der Rückzieher sei zwar „peinlich”, aber vernünftig, rügt die SPD-Ratsfraktion ziemlich geschraubt. Mit der Benennung von Verantwortlichen für dieses Desaster tut sich die Partei schwer. Ein solcher Patzer im Krisenmanagement vor einer Kommunalwahl ist natürlich der größte vorstellbare Unfall.
Roland Mitschke, Sprecher der CDU-Ratsfraktion, sagte der WAZ gegenüber, es sei dilettantisch, „wie diese Nachricht verkauft wurde”. Die OB habe den Rat in dieser so weitreichenden Entscheidung übergangen, kritisiert Mitschke. Schließlich habe der Rat im Jahr 2007 mehrheitlich den Beschluss gefasst, man wolle die Loveparade, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: „Da hieß es noch, jawoll, wir wollen das.”
Oberbürgermeisterin verteidigt sich
Der enge Kreis der Entscheider, die Dezernenten Paul Aschenbrenner, Diane Jägers und Dr. Ernst Kratzsch steht besonders im Blickpunkt. Aschenbrenner, der als Wirtschaftsdezernent federführend mit den Planungen betraut war, sagt: „Mit mir hätte es diese Loveparade nicht gegeben.” Er habe das immense Sicherheitsrisiko nicht verantworten können. Die CDU kritisiert den Alleingang der Verwaltungsspitze heftig. Man habe sich zu allem Überfluss auch noch hinter dem Veranstalter Lopavent versteckt.
„Ich habe nicht im Alleingang entschieden,” wehrte OB Scholz der WAZ gegenüber diese Einschätzung ab. „Das ist absolut falsch.” Nach ihrer Darstellung habe es einen „Konsens aller Beteiligten” gegeben. Beim Thema Loveparade sei sie zwar „immer am Rande oder mittendrin” gewesen, doch bei der „großen Behördenrunde” u.a. mit Kreis- und Bundespolizei war sie nicht dabei. Das sei nicht nötig gewesen, weil es da um das operative Geschäft gegangen sei. Offenbar, so heißt es, soll dabei Rechtsdezernentin Diane Jägers (CDU) keinen Hehl daraus gemacht haben, dass sie mit der Loveparade wenig im Sinn hat. OB Scholz räumt ein: „Es hat Phasen gegeben, wo sie gesagt hat: Brauchen wir das?” Dass die Dezernentin dabei gegen die Loveparade gestänkert habe, könne sie nicht bestätigen: „In meiner Gegenwart nicht.”
Veranstalter hat Verständnis
Zwar kann der Loveparade-Veranstalter die Entscheidung der Stadt „nachvollziehen, das Event abzusagen”. Doch im gleichen Atemzug macht Lopavent-Sprecher Björn Köllen deutlich: „Wir hätten uns vorstellen können, die Loveparade mit einem anderen Konzept trotzem in Bochum stattfinden zu lassen.” Im Gespräch sei etwa gewesen, auf die große Abschlusskundgebung zu verzichten und sich mehr auf die Floats, die Paradewagen, zu konzentrieren. Bei jeder anderen Loveparade habe es ebenfalls Hürden gegeben, in Bochum seien „diese offenbar zu hoch gewesen”.
Mit rund 100 000 Euro an Planungskosten und ungezählten Vorbereitungsstunden gingen die Berliner Spaßprofis bereits ernsthaft ans Werk. Lopavent denkt bis jetzt aber nicht darüber nach, Regress-ansprüche an die Stadt Bochum heranzutragen: „Das ist nun Mal unserer Risiko als Veranstalter.”
Polizei sah Risiken
Ganz andere Risiken bewegen Martin Jansen. Dem Leitenden Polizeidirektor wäre die Rolle zugefallen, den wohl größten Polizeieinsatz aller Zeiten in Bochum zu koordinieren. „Wir hätten die Loveparade nur unter Zurückstellung erheblicher Sicherheitsbedenken vertreten.” Knackpunkt ist nach seiner Einschätzung der Bochumer Hauptbahnhof.
Maximal 16 000 Menschen pro Stunde können von dort befördert werden. Zum Vergleich: Der Dortmunder Hauptbahnhof hat mit 40 000 Menschen mehr als die doppelte Kapazität. „Bis zu 15 Stunden hätten tausende Besucher warten müssen”, so Jansen. Da sei die Sicherheit nicht mehr zu garantieren. Im vergangenen Jahr hätten in Dortmund plötzlich rund 1000 Menschen auf den Schienen gestanden. Ein unkalkulierbares Risiko. Dabei ist Jansen sich des Imageverlustes für die Stadt bewusst: „Ich bin aber froh, dass die Oberbürgermeisterin diese Entscheidung so getroffen hat.”
Die bestätigt, sieht sich nicht etwa in einer Beobachterfunktion: „Ich habe mitentschieden,” beschrieb Ottilie Scholz ihre Rolle. „In einer Telefonkonferenz gemeinsam mit Herrn Brauser von der Wirtschaftsmetropole Ruhr und mit dem Veranstalter.” Am selben Tag habe sie den Ältestenrat informiert. Gern hätte sie dafür einen Ratsbeschluss gehabt, sagte sie der WAZ. „Aber es hatte einen so großen Pressedruck gegeben – ich hätte das nicht bis zur nächsten Ratssitzung hinziehen können.”
Quelle : www.derwesten.de
-
Bochum: Auch Oliver Wittke kann die Loveparade nicht retten. Der Vorschlag des Landesverkehrsminister, die Parade statt in Bochum ersatzweise auf der A 40 stattfinden zu lassen, sei charmant, aber keine Lösung, heißt es bei den Veranstaltern. Damit ist die Loveparde endgültig vom Tisch.
Die Loveparade 2009 fällt definitiv aus. Das versicherte Montag Morgen auf WR-Nachfrage Björn Köllen, Sprecher des Loveparade-Veranstalters, der Lopavent GmbH. Die Option A 40 sei schon lange vor dem Vorschlag des Verkehrsministers von Lopavent geprüft und wieder verworfen worden, so Köllen. Im Kern würden mit einem Ausweichen auf die Autobahn die Probleme nicht gelöst, kurz: „Die Leute kommen da einfach schlecht hin”, der Veranstaltungsort bzw. der Platz der Abschlusskundgebung müsse fußläufig und zentral zu erreichen sein. Dafür sei der Nahverkehr nicht ausgelegt.
Hinzu komme: Ein anderer Ort ändere nichts daran, dass die Bahnhöfe in Bochum oder auch in Dortmund wegen der im Sommer anstehenden Modernisierungs- und Gleisbauarbeiten - wie berichtet - nur begrenzt nutzbar seien. „Das gibt nur Chaos, das wollen wir nicht.”
Auch der Vorschlag, kurzfristig auf ein dezentrales Konzept zu setzen, also die Loveparade an mehreren Standorten wie etwa Dortmund, Bochum, Essen gleichzeitig steigen zu lassen, stößt bei den Veranstaltern auf wenig Gegenliebe. Würde man beispielsweise drei kleine Paraden veranstalten, müssten auch drei Bühnen aufgebaut werden, drei Verkehrs- und Sicherheitskonzepte entwickelt werden. „Viel zu aufwändig und zu teuer”, kommentiert Köllen. Bei Lopavent konzentriere man sich auf 2010 und 2011, also auf Duisburg und Gelsenkirchen, hier liefen jetzt die (Strecken-)Prüfungen an. Und noch mal: „Für 2009 ist der Zug definitiv abgefahren, alle Optionen sind durch.”
Dass die Loveparade nicht stattfindet, bewertet der Dortmunder Szene-Kenner und Techno-Forscher Prof. Dr. Ronald Hitzler als „peinliche Blamage fürs Ruhrgebiet”. Er sei fassungslos, dass man in Bochum so spät abgesagt habe und damit, nach zwei so erfolgreichen Paraden in Essen und Dortmund, die Zukunft des ganzen Projektes in frage stelle. Die ewigen Kritiker in Berlin würden sich nun zu recht „auf die Schenkel klatschen”, ahnt Hitzler, der 2007 einer der großen Fürsprecher der „Metropole Ruhr” war.
Quelle : www.derwesten.de
-
Sie wurden erdrückt oder stürzten beim Fluchtversuch in die Tiefe: Bei der Love Parade in Duisburg sind 15 Menschen gestorben, Dutzende wurden verletzt. In der Stadt hatte es heftige Debatten gegeben, ob eine Mega-Party mit mehr als einer Million Ravern zu verantworten sei - doch Bedenken wurden ignoriert.
Aus dieser Falle gab es kein Entkommen. Zigtausende Menschen drängten sich an diesem Samstagnachmittag in Duisburg in einem 300 Meter langen Tunnel. Einen Ausweg gab es nicht. Kein Vor, kein Zurück.
Es war gegen 17.30 Uhr, viele Raver versuchten noch zur Abschlussveranstaltung der Love Parade zu kommen. Doch das Gelände war schon rappelvoll, gerade hatten die Polizisten den Zugang aus Sicherheitsgründen geschlossen. Per Lautsprecher wurden die Menschen aufgefordert, zum Hauptbahnhof gut zwei Kilometer nördlich zurückzugehen.
Doch wer will schon abziehen, bevor der Spaß begonnen hat? Sie wollten tanzen, zu den wummernden Beats, zu den Powerbässen.
Was dann passierte, beschreiben Augenzeugen so: Als das Gedränge immer dichter wurde, seien Menschen in der Menge kollabiert, in Panik geraten, hätten geschrien, versucht, den Kopf oben zu behalten. Luft zu bekommen.
Quelle : www.spiegel.de
-
Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) ändert anlässlich der Katastrophe zur "Love Parade" in Duisburg sein Programm.
Am Sonntagabend sollen in einer "ZDF Spezial"-Ausgabe die Ereignisse aufgearbeitet, kündigte der Mainzer Kanal in seiner Sendung "Blickpunkt" an, zunächst ohne genaue Angaben zur exakten Sendezeit und dem geplanten zeitlichen Umfang.
Bei einer Massenpanik waren 19 Menschen verstorben und über 300 verletzt worden. Live übertragen hatten das Spektakel unter anderem das WDR-Fernsehen, Hörfunksender sowie die "Bild"-Zeitung mit Moderator Oliver Pocher und seiner Lebensgefährtin Sandy Meyer-Wölden.
Die ARD hatte in einem "Brennpunkt" am Samstagabend zur Primetime berichterstattet, über sechs Millionen (26 Prozent Marktanteil) schalteten ein. Das ZDF thematisierte die "Love Parade" unter anderem im "heute journal".
Quelle : SAT & KABEL
-
Auf der Duisburger Love Parade gab es nach aktuellem Stand mindestens 19 Tote und über 340 Verletzte
Bei einer Massenpanik in einem Tunnel gab es auf der gestrigen Love Parade in Duisburg mindestens 19 Tote und 340 Verletzte. Am frühen Samstagabend hatte die Polizei noch von wenigstens 10 Toten und 15 Verletzten gesprochen. Als ein unmittelbarer Auslöser der Panik gilt mittlerweile, dass Menschen über steile Wände aus der dicht gedrängten Masse zu entkommen versuchten und auf sie herabstürzten. Allerdings werden auch zunehmend kritische Fragen zur Planung der Veranstalter und der kommunalen Sicherheitsbehörden laut.
In den Internetforen der WAZ sprachen (http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-das-Risiko-war-schon-vorher-bekannt/forum-183152/msg-18881311/read/) Teilnehmer anhand der Größe des Geländes und des Tunnels bereits am 21. Juli von "Chaosplanung" und der Gefahr von Todesfällen. Am 23. Juli zitierte ein "Alex" einen Feuerwehrmann, der meinte, dass die Veranstaltung "eigentlich gar nicht erlaubt sein dürfte" und man nicht wisse "wie [...] im Falle einer Panik reagiert werden soll". Ein User mit dem Nick "HIFI" vermutete am selben Tag, dass Veranstalter und Stadtverwaltung sich wohl nicht blamieren und Verträge einhalten wollten und riet allen Lesern, zuhause zu bleiben.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
-
Meine aufrichtige Teilnahme an die Angehörigen der Verstorbenen!
Da können sich wohl einige Leute einen neuen Job suchen. Sicher wie immer aber wieder mal nicht die wirklich Verantwortlichen. Unglaublich auf so kleinem Raum solche Menschenmassen unterbringen zu wollen.
Von dem was Feuerwehr, TÜV und alle anderen Institutionen über solche Arten von Grossveranstaltungen wissen kann ich mir sehr gut vorstellen das es dort sicherlich (schriftliche) Warnungen gegeben hat. Nur war die Profitgier wohl mal wieder grösser.
Wenn ich das im Rahmen der Besucherzahlen während der Kieler Woche sehe und das bei dem Platz der in der Stadt ist.... wir haben sogar da immer noch ein riesen Gedränge.
Einzig erreicht wurde wohl das endgültige Ende der Love Parade. Herrscht endlich wieder Ruhe in Deutschland :'(
-
Wie Spiegel Online meldet, wurden bei diversen Einsatzstellen sämtliche Unterlagen zur tödlichen Massenpanik am Samstag vernichtet. Der „ganz große Staubsauger“ sei aktiv gewesen und diverse Daten von den E-Mail-Accounts der Beamten seien gelöscht worden. Auch von rund 1,4 Millionen anwesenden Musikfans ist keine Rede mehr. Man zählt lediglich die mit der Bahn angereisten 140.000 Personen.
Nachdem bereits in den letzten Jahren jeweils über eine Million Interessenten zu den Events angereist waren, war mit weniger Teilnehmern kaum zu rechnen. Das Gelände in Duisburg war aber für maximal 250.000 Menschen geeignet und auch nur für diese Menge freigegeben worden. Als (wie erwartet) die fünffache Menge anreist, versagen sämtliche Sicherheitskonzepte. Die ursprünglichen Pläne von Polizei und Feuerwehr sind indes aus Kostengründen verworfen worden. Demnach wollte man unbedingt den Tunnel als einzigen Zugang verhindern, was allerdings sehr viel mehr Einsatzkräfte bedurft und deutlich höhere Kosten nach sich gezogen hätte.
Dr. Motte, der frühere Organisator der Berliner Loveparade, geizt auf seinem Blog nicht mit Kritik. Es sei ein Fehler gewesen, dass man das Gelände überhaupt abgesperrt hätte. „Die Loveparade war immer offen für alle in Berlin, mit Rückzugsmöglichkeiten in den Tiergarten… Wir hatten immer Sani’s ohne Ende (und) Wasser. Ein einziger Zugang durch einen Tunnel birgt die Katastrophe in sich. Ich bin sehr traurig…“ In Berlin war es stets möglich, das Festivalgelände von allen vier Himmelsrichtungen aus zu betreten und auch zu verlassen. In Duisburg strömten die Mengen aus zwei Richtungen zum Tunnel. Geplant war, dass die Menschenmassen das Gelände ausschließlich durch diesen betreten oder verlassen sollten.
Die gestrige Pressekonferenz begann bereits mit dem Hinweis, dass man im Anschluss daran nicht für Einzelgespräche zur Verfügung stehen würde. Offenbar bestand wenig Interesse daran, unter vier Augen kritische Rückfragen von Journalisten zu beantworten. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland bezeichnete das Sicherheitskonzept der Stadt als „stichhaltig“. Er versuchte „individuelle Schwächen“ der Teilnehmer als Ursache auszumachen. Eine der Schwachstellen war sicherlich auch der extreme Alkoholkonsum vieler Besucher.
Ein derartiges Verhalten hatte sich aber bereits auf der Loveparade in Essen im Jahr 2007 abgezeichnet, bei der zahlreiche jugendliche Besucher bereits am Nachmittag stark alkoholisiert waren. Die Musik wird leider nicht von allen Besuchern als einzige Droge angesehen. Oberbürgermeister Sauerland bat weiterhin darum, „den ermittelnden Behörden ihre Zeit zu lassen.“ Zum Schutze seiner Mitarbeiter könne er an dieser Stelle nicht mehr sagen. Er sieht den Vorfall als „tragisches Unglück“ an. Auch der Leiter des Krisenstabes wollte die Einzelheiten des Vorfalls bis zur vollständigen Aufklärung nicht weiter kommentieren.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft DPolG gab auf dem Polizeiportal Cop2Cop bekannt, dass bereits vor Jahren Stimmen laut wurden, dass der Duisburger „Veranstaltungsort eigentlich ungeeignet sei.“ So wie in Essen oder Berlin hätte „ein derartiges Mega-Event nur auf weitläufigen Flächen mit rückwärtigen offenen und großen Reservebereichen ausgerichtet werden (dürfen).“ Die DPolG weiter: „Eine Loveparade ist von ihren Teilnehmern her auch nicht mit anderen Großveranstaltungen vergleichbar. Setzt man hier auf Lautsprecherdurchsagen, denen in großer Breite Folge geleistet wird, ist man wohl einem Irrglauben verfallen.“
Kritik wird im Verlauf der Pressemitteilung auch an den Organisatoren laut. Die Sicherheit dürfe nie zugunsten des Kommerzes auf der Strecke bleiben. Auch wenn die Party gut ins Konzept der Feierlichkeiten zur Kulturhauptstadt gepasst hätte, so hätte man diesen Aspekt stets im Blickwinkel behalten müssen.
Bei uns im gulli:board wurde die Veranstaltung im Bereich für Politik & Gesellschaft aufgrund der hohen Zahl der Opfer mittlerweile zur „Deathparade“ umbenannt. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse die Ermittlungen der örtlichen Staatsanwaltschaft zutage bringen werden. Die Sprecher der Pressekonferenz versuchten zumindest die begangenen Fehler zu beschwichtigen und die eigene Sicherheitsstrategie zu stärken. So wurde auch behauptet, angeblich seien nur 140.000 Personen anwesend gewesen. Ein kurzer Blick auf die Bilder oder Videos der Veranstaltung stellt diese Aussage klar infrage. Lediglich die Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmittel zu zählen reicht als Anhaltspunkt nicht aus. Bei Demos ist es sonst kein Problem der Ordnungshüter, die Zahl der Anwesenden verlässlich zu schätzen. Ausgerechnet jetzt scheint man damit Probleme zu haben.
Der springende Punkt ist aber, dass bei nur 140.000 Personen die eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen der Stadt Duisburg ausreichend gewesen wären. In dem Fall könnte man den Schwarzen Peter zurück an die Besucher und deren Fehlverhalten schieben. Unter einer wie angekündigt „vorbehaltlosen Aufklärung“ mag sich indes so mancher Leser etwas anderes vorstellen. Wir werden in jedem Fall über den weiteren Verlauf berichten. Schon aus Respekt vor den Opfern muss jede Vertuschung oder Beschwichtigung ausbleiben.
Quelle : www.gulli.com
-
Bei uns im gulli:board wurde die Veranstaltung im Bereich für Politik & Gesellschaft aufgrund der hohen Zahl der Opfer mittlerweile zur „Deathparade“ umbenannt.
Na, da haben die wohl fleissig "Warpi's Plauderecke" mitgelesen:
http://beta.dvbcube.org/index.php?topic=28957.new#new (Antwort #375)!
-
Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, von Rechnern der Bundespolizei seien Unterlagen zur Love Parade gelöscht worden. Dies ist nach unseren Recherchen auch der Fall - in mindestens einer Dienststelle, aber nicht unbedingt flächendeckend bei der gesamten Bundespolizei. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen.
Bei uns im gulli:board wurde die Veranstaltung im Bereich für Politik & Gesellschaft aufgrund der hohen Zahl der Opfer mittlerweile zur „Deathparade“ umbenannt.
Na, da haben die wohl fleissig "Warpi's Plauderecke" mitgelesen:
http://beta.dvbcube.org/index.php?topic=28957.new#new (Antwort #375)!
oder warpi hat 5h vorher http://board.gulli.com/thread/1580645-loveparade-wird-zur-deathparade-18-tote/ gelesen ;).
-
Nee, das Copyright an so'nem makabren Titel möcht' ich nicht haben! :'(
Mich schaudert immer noch, wenn ich die Bilder seh' und an die Dutzenden von Betroffenen und Angehörigen denke, die jetzt mitten im Elend sitzen...
-
In und um Duisburg spielen die Behörden schwarzer Peter
Die Polizei und die Rettungsdienste haben großartige Arbeit geleistet. "Aber eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen einer Stadt als Genehmigungsbehörde und ihrer Polizei stelle ich mir anders vor." – So der neue NRW-Innenminister Ralf Jäger auf seiner Pressekonferenz im SPD-Fraktionssaal des Landtages gestern Nachmittag.
Stadtverwaltung und Veranstalter verantwortlich?
Der Veranstalter der Loveparade Rainer Schaller, die Stadtverwaltung Duisburg, Polizei und Feuerwehr spielen im Moment ein unwürdiges Spiel. Ihr Handeln scheint nur davon bestimmt zu sein, eins zu vermeiden – die Verantwortung übernehmen (müssen) für die inzwischen 21 Toten und um die 500 Verletzte vom Wochenende in Duisburg. Während Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der die Loveparade unbedingt in seiner Stadt haben wollte, der Polizei "Fehlverhalten" vorwirft, und auch der Veranstalter, Rainer Schaller, die Polizei beschuldigen, sie habe mit ihren Beamten den Stau im Tunnel mitverursacht, ging der neue Landesinnenminister zu Gunsten der Polizeibeamten heute in die mediale Offensive.
Innenminister Jäger und der Inspekteur der Polizei, Dieter Wehe, machten deutlich, dass aus ihrer Sicht der Veranstalter der Loveparade, die Firma Lopavent GmbH, Berlin und die Stadt Duisburg einen Großteil der Verantwortung trügen – auch wenn sie eine klare Schuldzuweisung aufgrund der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen vermieden.
Gleich zu Beginn seines Statements erklärte Jäger, er fände es "unerträglich, dass Verantwortung auf Seiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben werde – und das bevor überhaupt alle Fakten bekannt sind.".
Der Minister und sein Polizist zogen für ihren Zuständigkeitsbereich eine rundum positive Bilanz. Die Polizei sei schließlich nur dafür zuständig "sicherzustellen, dass die Besucher möglichst reibungslos und sicher über die öffentlichen Straßen und Wege auf das Veranstaltungsgelände gelangen können. Das heißt, die Polizei übernimmt die Kontrolle für den nicht abgesperrten Bereich außerhalb des Veranstaltungsgeländes."
Das habe auch alles prima funktioniert. Auch die spätere Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten sei reibungslos und effektiv verlaufen. Auch habe die Polizei im Vorfeld der Veranstaltung Sicherheitsbedenken für den nicht zu ihrem Verantwortungsbereich gehörenden Tunnel und Rampenbereich vorgetragen. Diese Bedenken, so der Minister, "haben die zuständige Genehmigungsbehörde, also die Stadt Duisburg und der Veranstalter, entgegen genommen". Sie hätten "entsprechende Änderungen der von ihnen erarbeiteten und zu verantwortenden Sicherheitskonzeption angekündigt und zugesagt".
Die Stadt Duisburg "ist die zuständige Genehmigungsbehörde für die Love-Parade. Der Polizei wurde die Genehmigung erst am Samstagmorgen, also am Veranstaltungstag, auf eigenes Verlangen übergeben. Auch auf Nachfrage vom Freitag erhielt die Polizei die Genehmigung nicht." Erst am Samstag um 9.00 Uhr habe sich die Polizei die Genehmigung "durch ihren Verbindungsbeamten beim Stab der Feuerwehr übermitteln lassen".
Dem Minister zufolge erhielt die Polizei in Duisburg also erst zu einem Zeitpunkt, als die ersten Teilnehmer schon in Duisburg anreisten, Kenntnis vom Wortlaut der die Genehmigung und damit auch die Rahmenbedingungen für ihr polizeiliches Handeln. Schwer zu glauben.
Da stellt sich die Frage, warum die Polizei nicht die Veranstaltung spätestens Freitagabend aus Sicherheitsgründen untersagt hat? Liegt es vielleicht daran, dass es zuvor einen Personalwechsel in der Position des Polizeipräsidenten gab. Rolf Cebin, der Amtsvorgänger des amtierenden Chefs der Duisburger Polizei (die Funktion des Polizeipräsidenten ist im offiziellen Organigramm weiterhin mit "NN" gezeichnet – also vakant) ging im Mai 2010 in Pension, nachdem er erhebliche Sicherheitsbedenken gegen die Durchführung der Love-Parade auf dem vorgesehenen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs äußerte.
Polizeipräsident warnte frühzeitig
Cebin hatte frühzeitig, nämlich bereits am 6. Februar 2009, Sicherheitsbedenken hinsichtlich einer Großveranstaltung in Duisburg mit mehr als 500.000 Teilnehmern geäußert. Drei Tage später richtete der damalige Duisburger CDU-Bundestagsabgeordnete und heutige CDU-Kreisvorsitzende einen Beschwerdebrief an den damaligen NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP, in dem er – auch unter Hinweis auf frühere (unbestreitbare) Polizeiskandale in Duisburg, wie etwa dem Flaggenstreit um eine israelische Fahne während einer Palästina-Demo in Duisburg", die Abberufung Cebins forderte. Zitat aus dem Schreiben Mahlbergs:
Am vergangenen Wochenende ließ die Duisburger Polizei erklären, eklatante Sicherheitsmängel stünden einer Durchführung der Love-Parade in Duisburg im Jahr 2010 entgegen...
Mahlberg bat den Minister, die Stadt von einer schweren Bürde zu befreien und den personellen Neuanfang im Polizeipräsidium Duisburg zu wagen.
Der frühere Polizeipräsident von Bochum, Thomas Wenner, dessen Sicherheitsbedenken gegen die Durchführung der Love-Parade in Bochum zu deren Absage für 2009 führten, hat mittlerweile Strafanzeige gegen den Duisburger OB Sauerland, seine leitenden Beamten und die Loveparade-Veranstalter wegen fahrlässiger Tötung erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen aufgenommen und alle Unterlagen zur Loveparade im Duisburger Rathaus beschlagnahmt. Die strafrechtlichen Ermittlungen werden von der Kripo in Köln geführt, mit der sachlichen Lageauswertung der Ereignisse in Duisburg wurde die Polizei in Essen beauftragt.
Seltsame Zahlenspiele
Normalerweise sind Veranstalter stolz auf große Besucherzahlen. Bei der Duisburger Horrorparade ist das jetzt ganz anders. Jetzt rechnet Veranstalter Rainer Schaller die Zahlen niedrig. War zuvor von einer Millionen Teilnehmern und mehr die Rede, sprechen die Veranstalter nun von höchstens 200.000, die verteilt über Stunden auf dem Gelände gewesen seien. Auch die Polizei spricht von höchstens 350.000 bis 400.000 Menschen, die sich in ganz Duisburg bewegt hätten.
Der NRW-Innenminister unterstützt diese Darstellung. Er habe die Szenerie aus dem 18. Stock eines Gebäudes beobachtet und Flächen gesehen, auf denen sich überhaupt keiner aufhielt. Das Gelände sei nie ganz voller Menschen gewesen. Die Genehmigung ging von höchstens 250.000 Teilnehmern aus.
Seltsam, Mitglieder der Polizeigewerkschaft werden in der WAZ mit der Aussage zitiert, Rainer Schaller "500.000 Teilnehmer" angemeldet und eine Genehmigung für 250.000 Teilnehmer erhalten. Auf der Pressekonferenz des Innenministers wurden die mit Schaller in Verbindung gebrachten Angaben, wonach eine Million Teilnehmer erwartet würden, als "PR-Zahlen der Veranstalter" bezeichnet. Wie viele waren es? War die eine Million nur Fiktion, gedacht als wohlklingende Worte für die Ohren der Sponsoren? In Duisburg ist noch viel aufzuklären.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
-
Offenbar hat der Veranstalter mit Duldung der Verantwortlichen in den Städten die Zahlen schon für die Loveparade in Essen und Dortmund weit übertrieben
Bislang war es ein Rätsel, wie viele Menschen nun tatsächlich an der Loveparade in Duisburg teilgenommen haben. Die Rede war gar von bis zu 1,4 Millionen Teilnehmern, was die Panik auf der Rampe plausibel machen würde, schließlich war die Veranstaltung nur für 250.000 Menschen genehmigt worden. Die Veranstalter Lopavent kürzte die Teilnehmerzahl auf 200.000 herunter, die Polizei ging von höchstens 350.000 bis 400.000 Menschen in ganz Duisburg für den ganzen Tag aus.
Wie DerWesten nun berichtet, hat der Veranstalter schon seit Jahren mit falschen Zahlen gehandelt, um das Image der Loveparade aufzuwerten. So sollen auf der Loveparade 2007 in Essen 1,2 Millionen Menschen gewesen sein, in Dortmund sogar 1,6 Millionen. Aber nach einem "streng vertraulichen" Dokument, aus dem DerWesten zitiert, hätten die wirklichen Zahlen "keinen Bezug zur offiziellen Besucherzahl für mediale Zwecke". Für die "öffentliche Besucherzahl" habe man einfach die Zahl der erwarteten Besucher verdreifacht, während man die wirklichen Zahlen geheim hielt.
Das wüssten auch die Verwaltungen, meint DerWesten. Und das klingt plausibel, schließlich schätzt nicht nur der Veranstalter große Zahlen, weil das mehr Aufmerksamkeit und mehr Geld bringt, sondern auch für die Städte sind solche Meta-Ereignisse eine Imagewerbung, wie man das ja nun auch wieder an Duisburg feststellen konnte. In Dortmund will die Stadtverwaltung an den 1,6 Millionen festhalten, aus dem Papier gehe aber hervor, dass dort die Fläche noch kleiner war als Duisburg. Erwartet wurden in Dortmund maximal 480.000 Menschen bei schönem Wetter, während es dann aber regnete. In Dortmund sollten es mehr Besucher sein als in Essen, daher habe man einen "Sicherheitsaufschlag" gemacht, wobei in Essen mit maximal 235.000 Besuchern gerechnet worden ist.
Angeblich hat der Veranstalter die Verantwortlichen der Stadt Duisburg gebeten, die wirklichen Zahlen geheim zu halten: "Eine Veröffentlichung dieser Zahlen könnte dem öffentlichen Ansehen der Veranstaltung immensen Schaden zuführen, was sicher weder im Interesse des Veranstalters liegt noch im Interesse der Stadt Duisburg", so soll es im Papier heißen. Das ist dann wohl im in Interesse des Veranstalters und dem scheinbaren Interesse der Stadtoberen auch so passiert.
Es geht nicht nur um Irreführung der Öffentlichkeit, sondern mit den weitaus niedrigeren Zahlen werden die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen noch einmal in einem anderen Licht dargestellt. Bislang ging man oft davon aus, dass man auf die vielen Besucher nicht eingestellt war, jetzt müsste man, nachdem tatsächlich nicht mehr, sondern eher weniger Menschen als genehmigt auf dem Platz waren, davon ausgehen, dass man nicht einmal für den erwarteten Besucherstrom vorgesorgt hat. Und man könnte sich denken, dass die Verantwortlichen dachten, dass angesichts der realistisch zu erwartenden Menge das Sicherheitsproblem der Unterführung und nur eines Zu- und Abganges über die Rampe wohl keine Rolle spielen sollte.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
-
Nach der Tragödie auf der Loveparade in Duisburg sollen bislang 230 Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen sein.
Bei mehr als 200 geht es um die Berichterstattung von "Bild" und "Bild.de" über das Unglück mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten, berichtet dass Nachrichtenmagazin "Focus". So hatte die Website von "Bild" Fotos abgedeckter Leichen gezeigt, auf denen aber teilweise noch Gliedmaßen zu erkennen waren. Das löste im Internet eine Welle der Empörung aus.
"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann sagte zu "Focus": "Dass nach einem solchen Unglück viele Menschen aufgewühlt sind, ist verständlich. Aber so wenig, wie ein Notarzt in solchen Situationen seine Arbeit aus Gründen der Erschütterung einstellen kann, können sich Medien ihrer Berichtspflicht enthalten". Er erwartet laut "Focus" "die Zurückweisung sämtlicher Beschwerden".
Der langjährige WDR-Intendant und jetzige Chefplaner der Veranstaltungsreihe "Kulturhauptstadt 2010", Fritz Pleitgen, wird unterdessen die Bilder von dem dramatischen Ende der Duisburger Loveparade nicht mehr los. Vor allem die Aufnahmen der jungen Menschen, die Hilfe suchend und voll panischer Angst die Arme aus der Masse reckten, werde er im Kopf behalten, sagte Pleitgen in einem Interview mit den Magazin.
Er habe es als Geschäftsführer der Kulturinitiative stets begrüßt, dass die Loveparade im Ruhrgebiet bleibe. Daher wolle er sich jetzt auch nicht "moralisch abseilen", sagte Pleitgen. Er zermartere sich derzeit den Kopf und frage sich, was er zur Verhinderung des Unglücks hätte tun können. "Ich habe bis jetzt keine Antwort", so Pleitgen zu "Focus".
Quelle : www.digitalfernsehen.de
-
Die Debatte um einzelne Verantwortliche nach der Loveparade-Katastrophe muss gestellt werden. Sie lenkt aber auch ab
Tagelang war das Thema in der Blogosphäre diskutiert worden, nun hat es die etablierte Presse erreicht: Nachrichtenagenturen und überregionale Tageszeitungen berichten gestern und heute über eine mögliche finanzielle Motivation, die den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) von dem viel geforderten Rücktritt abhält. Die äußerst emotional geführte Debatte verläuft quer durch die politischen Lager – und hält womöglich von einer umfassenden Aufklärung ab.
Während am Samstag Zehntausende in Duisburg zusammenkamen, um der inzwischen 21 Opfer der Loveparade-Katastrophe zu gedenken, war von dem 55-jährigen Sauerland nichts zu vernehmen. Aus Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen der Opfer wolle er der Trauerfeier fernbleiben, ließ der Christdemokrat im Vorfeld verlauten. Tatsächlich dürften auch Sicherheitsbedenken eine Rolle gespielt haben. Drei Tage nach der Katastrophe waren die ersten Morddrohungen gegen Sauerland geäußert worden. Der Lokalpolitiker und seine Familie stehen seither unter Polizeischutz.
Angesichts der massiven Kritik wuchs in der Woche nach der tödlichen Massenpanik das Unverständnis über die beharrliche Weigerung des Oberbürgermeisters, von seinem Amt zurückzutreten. Lange bevor die etablierten Medien einen möglichen Grund aufgriffen, stand er im Internet zur Debatte. Ein freiwilliger Rücktritt des CDU-Politikers würde mit massiven finanziellen Einbußen einhergehen. Im Nachrichtensender N24 versuchte sich Sauerländer zu verteidigen. "Ich werde ich dieser Verantwortung stellen, ja", sagte er: "Aber diese Verantwortung kann erst dann übernommen werden, wenn wir wissen, was passiert ist." Versucht der Duisburger Oberbürgermeister also einen womöglich mit verursachten Schaden zu heilen, oder geht es ihm darum, seine Privilegien zu schützen?
Profitabler Beamtenstatus
Nach dem Bundesbeamtengesetz, so erklärt der Jurist und Telepolis-Autor Goedart Palm, kann der Staatsbedienstete "jederzeit seine Entlassung verlangen". Damit würden aber auch alle Sonderleistungen entfallen. Bei einer Entlassung Sauerlands aus dem Beamtenstatus würde der Staat ihm für die Dauer seiner Dienstzeit die Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung nachentrichten. "Der Beamte ist in der Rentenversicherung so zu stellen, als wäre er in der Beamtendienstzeit versicherungspflichtig beschäftigt gewesen", schreibt Palm. Ansprüche auf die Beamtenversorgung aber würden erlöschen. Dies könne bei einer Verurteilung nach dem Strafrecht bei einer mindestens zwölfmonatigen Haftstrafe auch zwangsweise geschehen.
Nach der Entlassung hat der frühere Beamte keinen Anspruch auf Dienstbezüge und Versorgung, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist. Neben den Ansprüchen auf finanzielle Zuwendungen wie Dienst- und Versorgungsbezüge entfallen Übergangsgeld, Unterhaltsbeiträge oder die Abgeltung etwaigen Resturlaubs.
Goedart Palm
Einmal aus dem Dienst entlassen, müsste Sauerland sich selbst um einen Job kümmern. Nach den Schlagzeilen der vergangenen Woche wäre das sicher kein leichtes Unterfangen.
Ganz anders stellt sich die Lage bei einer Abwahl des Oberbürgermeisters - die der CDU-Mann angeblich anstrebt. "Wenn jedoch der Rat der Stadt Sauerland abwählen sollte, bekommt er eine Luxuspension", erläuterte Heiner Cloesges, Haushaltsexperte des Bundes der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Dies wären nach neuesten Zahlen mindestens 35 Prozent von 10.709,29 Euro, der Besoldungsgruppe B 10 des Oberbürgermeisters."
Suche nach Sündenbock könnte Aufklärung verhindern
Die Wut richtet sich vor diesem Hintergrund nicht nur gegen Sauerland. Die "Hartz-IV-Plattform gegen Armut" greift in einer Stellungnahme die Vertreter der Linkspartei an. Diese hatten sich zuvor für eine – wie erklärt für Sauerland profitable – Abwahl ausgesprochen. Es sei ein Skandal, "dass nun die Linke vorgeprescht ist, um ihm durch Abwahl den Weg für einen folgenlosen Abgang frei zu machen und seine rund 7.600,- Euro-Pension zu retten", schreibt die Sprecherin der Initiative, Brigitte Vallenthin, in einem emotional aufgeladenen Kommentar: "Ausgerechnet die Linke will Sauerland vor Hartz IV bewahren", erbost sich die Aktivistin.
Dabei könnte die Fokussierung auf Sauerland, der auf einer Demonstration Mitte der Woche vor dem Duisburger Rathaus schon einmal symbolisch an einen Galgen geknüpft wurde, von einer wahren Suche nach den Verantwortlichen ablenken. Immerhin waren mehrere staatliche Institutionen und der private Veranstalter involviert. Doch während der stellvertretende Unionsfraktionschef Günter Krings vor der Jagd auf einen Sündenbock warnte, distanzierten sich andere hochrangige Unionspolitiker von Sauerland. Die Welle der Wut gegen ihren Parteifreund – so mögen sie befürchten – könnte sich gegen die Union in Gänze richten. Insofern droht auch die Wut gegen den Lokalpolitiker bundespolitisch in populistischer Manier genutzt zu werden.
Zugute kommt der Verlauf der öffentlichen Debatte dem Millionär und Veranstalter Rainer Schaller. Auch für ihn steht in diesen Tagen viel auf dem Spiel, kursieren im Internet doch zahlreiche Boykottaufrufe gegen die von ihm gegründete Sportstudiokette McFit. Einen anderen Akzent setzte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. In Deutschland sollten die Menschen "unser Wertesystem überdenken", sagte sie in ihrer Trauerrede und folgte damit der Bitte des Vaters eines der Opfer. Der Mensch müsse wieder "Leitlinie unseres Handelns sein. Das muss, das wird, unsere gemeinsame Verpflichtung sein", versprach Kraft. Das System, das zur Katastrophe geführt hat zu verändern, ist allerdings schwerer als einzelne Verantwortliche auszumachen.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
-
Bei YouTube wurde kürzlich das Video eines Betroffenen der Katastrophe veröffentlicht, das unter die Haut geht. Das Video zeigt sehr eindrucksvoll, welcher Angst die Besucher ausgesetzt waren. Manche werden die Motive von User pizzamanne nicht nachvollziehen können und bezeichneten seine Veröffentlichung als Vorlage für die Sorte Zuschauer, die sich am Elend Dritter ergötzen.
Seit dem Drama in Duisburg sind zahlreiche Videos veröffentlicht worden. Die meisten davon zeigen das Drama aber aus mehr oder weniger sicherer Entfernung. Der neue Mitschnitt besteht aus vier Teilen und zeigt leider sehr genau, dass kleinere Teilnehmer so gut wie keine Chance auf ein Entkommen hatten. Manche Menschen schreien sich ihre Angst aus dem Leib und hofften so, Aufmerksamkeit bei den Polizeibeamten zu erregen, die hilflos an der Treppe standen. Den Kommentaren auf YouTube ist nicht nur ungeteilte Freude über die neuen Bilder zu entnehmen. Der Autor hätte zumindest die Gesichter der Teilnehmer anonymisieren sollen, bevor er seine Filme ins Netz stellte. Die vier Teile sind mittlerweile nur noch in eingebetteter Form oder mit einem gültigen YouTube-Account einsehbar und wurden auf +18 Jahre gesetzt.
Der Betreiber vom Blog Hackerinfo (http://hackerinfo.posterous.com/loveparade-2010-chronologie-einer-katastrophe) kommentierte die neuen Videos mit den Worten: „Ich bin gespannt, wann das besagte Video von der Plattform verschwindet, bzw. gelöscht wird. Ich hoffe im Sinne des Uploaders, das er oder seine Youtube Videos gelöscht werden und die "Werke" der Polizei zur Verfügung gestellt werden. Solche Videos haben auf Youtube nichts zu suchen." Andere Kommentatoren haben sich für diesen Bericht bedankt. Teil 1 des Videos findet sich hier (http://www.youtube.com/watch?v=OwmFhNuxS1w&feature=related) und der zweite Teil kann an dieser Stelle (http://www.youtube.com/watch?v=8aQuTaMbS38&feature=related) eingesehen werden.
Seit dem Drama in Duisburg sind zahlreiche Videos veröffentlicht worden. Die meisten davon zeigen das Drama aber aus mehr oder weniger sicherer Entfernung. Der neue Mitschnitt besteht aus vier Teilen und zeigt leider sehr genau, dass kleinere Teilnehmer so gut wie keine Chance auf ein Entkommen hatten. Manche Menschen schreien sich ihre Angst aus dem Leib und hofften so, Aufmerksamkeit bei den Polizeibeamten zu erregen, die hilflos an der Treppe standen. Den Kommentaren auf YouTube ist nicht nur ungeteilte Freude über die neuen Bilder zu entnehmen. Der Autor hätte zumindest die Gesichter der Teilnehmer anonymisieren sollen, bevor er seine Filme ins Netz stellte. Die vier Teile sind mittlerweile nur noch in eingebetteter Form oder mit einem gültigen YouTube-Account einsehbar und wurden auf +18 Jahre gesetzt.
Der Betreiber vom Blog Hackerinfo kommentierte die neuen Videos mit den Worten: „Ich bin gespannt, wann das besagte Video von der Plattform verschwindet, bzw. gelöscht wird. Ich hoffe im Sinne des Uploaders, das er oder seine Youtube Videos gelöscht werden und die "Werke" der Polizei zur Verfügung gestellt werden. Solche Videos haben auf Youtube nichts zu suchen." Andere Kommentatoren haben sich für diesen Bericht bedankt. Teil 1 des Videos findet sich hier und der zweite Teil kann an dieser Stelle eingesehen werden.
Die WAZ will mittlerweile in Erfahrung gebracht haben, dass der Oberbürgermeister von Duisburg erste Konsequenzen gezogen hat. Er will sich vom Stadtrat abwählen lassen. Aus Angst um seine Pensionsansprüche will Adolf Sauerland aber nicht freiwillig zurücktreten. Vor die Kamera möchte er auch nicht. Statt einer Pressekonferenz ist lediglich die Veröffentlichung einer schriftlichen Stellungnahme geplant. Auch Organisator Rainer Schaller drohen nun empfindliche Konsequenzen, zumal sein Event nur mit einer Versicherungssumme von 7,5 Millionen Euro abgesichert war. Alle zu erwartenden Forderungen der Hinterbliebenen und Verletzten werden allerdings auf eine dreistellige Millionensumme geschätzt. In der Konsequenz kann er entweder die Lopavent GmbH insolvent gehen lassen oder aber McFit übernimmt die anfallenden Forderungen. Sein Privatvermögen bleibt so oder so unangetastet.
Der Berliner Loveparade-Gründer Dr. Motte hatte am Wochenende in einem offenen Brief an Angela Merkel gefordert, einer externen Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zu übergeben. Er wirft der ortsansässigen Staatsanwaltschaft Befangenheit vor. Seine Kritik galt auch dem Kreisparteivorsitzenden der Duisburger CDU, Thomas Mahlberg. Dieser soll sich in einem Brief abfällig über den ehemaligen Polizeipräsidenten von Duisburg geäußert haben, der den Standort für zu unsicher befunden hatte. Offenbar wurde von vielen Seiten aus Druck auf die Verantwortlichen ausgeübt.
Quelle : www.gulli.com
-
Im Innenausschuss des NRW-Landtages wurde über das Desaster von Duisburg diskutiert
Dem Landtagsinnenausschuss lag ein 32seitiger Zwischenbericht der Stadt Duisburg vor, der mit Hilfe einer Düsseldorfer Rechtsanwaltskanzlei erstellt und nach der Übergabe an den Landtagsausschuss auch veröffentlicht wurde.
Darin weißt die Stadtverwaltung wiederum jede Verantwortung für die Sicherheit auf der Loveparade von sich. Wörtlich heißt es: "Für Sicherheit und Ordnung auf dieser Fläche war sie am Veranstaltungstag nicht zuständig. Insbesondere die Passierbarkeit des Tunnels oblag Veranstalter und Polizei." Die Verantwortung der Polizei wies Innenminister Jäger erneut zurück.
Fortgesetzt wird auch das Zahlenspiel. So heißt es im Zwischenbericht der Stadt Duisburg: Im Vorfeld der Veranstaltung und auch am Tag selbst "wurde in den Medien von Besucherzahlen von über 1 Mio. berichtet". Die prognostizierten und tatsächlichen Zahlen "lagen jedoch weit unterhalb dieser Zahl". Dem Duisburger Ordnungsamt "lag eine detaillierte Besucherprognose des Veranstalters sowie ein Bewegungsmodell des Publikums der Loveparade 2010 vor". Die lokalen Besucher wurden auf 100.000 geschätzt. Der Individualverkehr auf 50.000 Besucher und die ÖPNV-Nutzer auf 335.000 Besucher. Aus den Zahlen habe sich nach der Besucherprognose "eine maximale Auslastung des Geländes von 235.000 Besuchern" ergeben.
Demzufolge muss der Veranstalter von einem deutlichen Besuchereinbruch ausgegangen sein. Denn sowohl die Pressestellen der Stadt Dortmund wie auch der Stadt Essen bleiben bei ihren seinerzeit genannten Besucherzahlen der in ihren Städten durchgeführten Loveparade in Höhe von 1,6 bzw. 1,4 Millionen. Die Stadt Dortmund erklärte auf Fragen von Telepolis, sie habe die Besucherzahl von "1, 6 Millionen zuletzt in einem abschließenden Bericht an den Rat der Stadt Dortmund im Februar 2010" mitgeteilt.
Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland braucht keine Abwahl durch den Rat zu fürchten. Denn nach seiner Partei CDU lehnen auch die Duisburger Grünen es "aufgrund der derzeitig vorliegenden Erkenntnisse ab, jetzt ein Abwahlverfahren des Oberbürgermeisters einzuleiten". Die Grünen beteiligen sich nicht "an Vorverurteilungen", heißt es in ihrer Erklärung.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
-
Fehler wurden sicherlich gemacht, und es ist zweifelsfrei richtig, diese vollständig feststellen, gegebenenfalls abzustrafen und hoffentlich bei zukünftigen Massenveranstaltungen vermeiden zu wollen.
Schuld aber haben meiner Ansicht nach die rücksichtslosen Drängler, die letztlich die Opfer zerquetscht haben. Ob in drogenbedingtem Wahn, grenzenloser Amüsiersucht, in schon im Kindergarten eingeübter Hysterie oder weshalb auch immer, das ist den Opfern am Ende sicherlich egal.
Wenn es also irgendetwas zu lernen gibt, dann nur eines:
NICHT DRÄNGELN!
Nicht wirklich zeitgemäss, aber Erziehung tut not.
Rücksichtslosigkeit tötet, auf der Autobahn, auf dem Rave, überall...
-
Der Organisator Schaller hat übrigens gestern vielleicht gerade einen Fingerzeig von ganz oben (http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/schaller-faehrt-lamborghini-zu-schrott/1899140.html) bekommen ...
-
Schuld aber haben meiner Ansicht nach die rücksichtslosen Drängler, die letztlich die Opfer zerquetscht haben
das unterschreibe ich zu 100%.
-
So zu 100% kann ich das nicht unterschreiben. Das liegt zum einen an der noch nicht sehr "durchsichtigen" Rekonstruktion des Geschehens unter dem Tunnel und an der Treppe, andererseits daran, dass Massenphänomene abseits des einzelnen Intellekts ablaufen (s. Freud, Reich, le Bon für Grundlegendes und jüngst Brudermann für Agentenbasierte Modelle). Ich kann mich da auch nicht mit Norris R. Johnsons Analyse der Tragödie während des Who-Konzerts in Cincinnati (Riverside Coliseum, 1979) anfreunden, dass es der Helfer-Instinkt gewesen sei, der die "Stampede" erst verschlimmert hätte. Ich denke eher an endemische Panik-Attacken, fehlende Organisation und ungeeignete Platzverhältnisse im Wechselspiel. Ob man da dem Drängeln noch auskommen kann, wenn man erstmal drinsteckt?
-
mal theoretisch, von vernunftbegabten Lebewesen erwarte ich, daß eine Lücke von einem Meter Breite ausreicht um ALLE passieren zu lassen, egal wie hoch die Anzahl der Wartenden ist.
AUSER hinten tobt die Katastrophe (Feuer, Wasser usw) das der Selbsterhaltungstrieb einsetzt. Hier war die Katastrophe eine gewisse Anzahl Besucher die es anscheinend nicht abwarten konnten, besoffen oder bekifft waren. Das kann man immer wieder beobachten, egal ob man beim Einchecken am Flugplatz, vorm Stadion, auf der Autobahn usw ist.
Das die Organisatoren die Bedingungen nicht so gestaltet haben, daß dieses Phenomen verhindert werden konnte ist meines Erachtens nicht primär.
Es wird auf das Recht nach "schnellem Vorankommen" gesetzt. Setzt man einfach Achtung und gegenseitige Rücksichtnahme ALLER zugrunde könnte sowas nicht passieren.
Leider sind die Opfer meist nicht die Verursacher, die dann auch in der Anonymität nicht gefunden werden.
-
Vernunftbegabt???
Heute am späten Nachmittag hat's hier etwas geregnet.
Ich wollte auf dem Rad ganz in Ruhe nachhause, die Freundin folgte direkt dahinter.
Der Witterung entsprechend langsam, natürlich. Und auf dem Radweg.
Nun stelle man sich folgende Situation vor:
Unter einer Eisenbahnbrücke.
Radweg etwa 1,50 m breit. Fussweg rechts daneben etwa 2,50 m breit.
Links vom Radweg nach ca. 50 cm Geländer, die das Beschreiten der Fahrbahn verhindern sollen, dazwischen die Brückenpfeiler.
Rechts vom Fussweg eine Mauer für die Widerlager.
Also etwa 4.50 m Platz in der Breite, für Fussgänger und Radfahrer insgesamt.
Wie in Hamburg üblich, besteht der Radweg aus kleinteiliger roter Pflasterung, die eigentlich nicht zu übersehen ist.
Nun stehen in voller Breite verteilt sechs bis acht Menschen, ausgestattet mit fast ebensovielen grossen Regenschirmen, die Köpfe komplett darunter versteckt.
Schnatternd, teils telefonierend. Alle etwa zwischen 20 und 35 Jahre alt.
Allerdings fällt einziger kein Tropfen auf die Schirme, man steht ja direkt unter der Brücke.
Es bleibt absolut kein Platz zum Passieren dieser Gruppe, weder links noch rechts.
Also geklingelt und rechtzeitig angehalten.
Noch etwa zehnmal habe ich meine Klingel zunehmend heftig verwendet, meine Freundin und mittlerweile nachfolgende Radler ebenso, aber ohne jede Reaktion.
Dann habe ich mein Stimmorgan eingesetzt, geschätzte 10 Beaufort:
"Dürfen wir bitte einmal hindurch?"
Wieder keinerlei Reaktion.
Also nochmalige Ansprache, gefühlte 10 auf der nach oben offenen Richterskala:
"HEY, BITTE ALLE EINMAL AUFWACHEN!
Ihr seid nicht allein auf der Welt!"
Was soll man erwarten, zwei Schirme bewegen sich schliesslich doch leicht, ungläubige Augenpaare scheinen langsam in die Realität zurück zu finden.
Ein Mädel tritt etwas zur Seite, steigt dabei einem der Kerle mit ihrem Espandrillo leicht auf den grossen Turnschuh. Der springt daraufhin heftig zur Seite, reisst einen zweiten Kerl um, der wiederum zwei weitere Mädel zu Fall bringt. Eines davon stösst sich den Schädel heftig an der Mauer und fängt an ziemlich stark zu bluten. Bildschöne Platzwunde an der Schläfe, ohne jeden wirklichen Grund...
Wir haben während der ganzen Szene auf den Rädern etwa zwei Meter vor der Gruppe und der Brücke auf dem Radweg gestanden.
Mitarbeiter der benachbarten Bäckerei eilten mit Verbandskasten zur Stelle, leisteten sofort erste Hilfe und riefen einen Rettungswagen, der nach wenigen Minuten eintraf.
Kaum länger hat es dann gedauert, bis sich die Sanis durch die inzwischen zahlreichen Schaulustigen zu der Verletzten durchgekämpft hatten.
Wir haben dann einen anderen Heimweg gewählt...
Fazit:
Meine Klingel war wieder einmal viel zu leise...
Autismus-ähnliches Verhalten kann offensichtlich auf verschiedenste Art ausgelöst werden:
- Handy am Ohr
- Regenschirm vor'm Gesicht
- belangloses Schwatzen mit Bekannten
- ...
...oder jede mögliche Kombination davon.
Und bei'm Erwachen genügt der allerkleinste Anlass, wie z.B. eine unerwartete Bewegung oder Berührung, um eine völlig übertriebene Reaktion auszulösen, verbunden mit erheblichen Gefahren für sich und andere.
Nochmal Glück gehabt...
Jürgen
-
sag ich doch, deshalb hab ich meinen Ausführungen ein "mal theoretisch" vorangestellt. ;)
-
Die Stadt Duisburg hat gegen das Blog "Xtranews" eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Köln erwirken können. Das Blog hatte Teile des Gutachtens zur Loveparade veröffentlicht. Mit dem Paragraf 97 des Urheberrechtsgesetzes hat man die weitere Verbreitung der Dokumente untersagt.
Wer kritische Stimmen mundtot machen möchte, hat dazu durchaus Möglichkeiten. Wenn sich sonst kein Weg findet: Das Urheberrecht bietet einen. Das Blog "Xtranews" darf dies aktuell erleben. Vor wenigen Tagen hatte man Teile des Loveparade-Gutachtens veröffentlicht. Darin war unter anderem auf Sicherheitsaspekte eingegangen worden. Mit einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Köln vom gestrigen Mittwoch ist dem Blog die weitere Verbreitung untersagt worden.
Antragssteller ist dabei die Stadt Duisburg selbst. Diese erklärte, dass die Verbreitung rechtswidrig geschehe. Als Grund hierfür hat man jedoch keinen "Geheimnisverrat" oder dergleichen ins Feld geführt. Vielmehr muss Paragraf 97 des Urheberrechtsgesetzes als Stütze fungieren. Entsprechend dieses Paragrafen beansprucht die Stadt Duisburg ein Urheberrecht für die Anlagen des Gutachtens.
Das Gutachten selbst hatte man nämlich vor wenigen Tagen bereits im Netz veröffentlicht. Die dazugehörigen Anlagen jedoch nicht. Ein nachvollziehbarer Schritt, wenn man die Anlagen kennt. In diesen finden sich Hintergründe zum Gutachten. Die Stadt Duisburg steht dabei in keinem besonders guten Licht. Da Xtranews die Verbreitung untersagt wurde, hat sich die Netzgemeinde bereits solidarisch gezeigt.
Auf diversen Filehostern und dergleichen werden die Anhänge gegenwärtig verbreitet. Jedoch nicht nur die vier Anhänge, die von der einstweiligen Verfügung kassiert wurden, sondern meist alle 43 Stück. Der berüchtigte "Streisand-Effekt" ist also in vollem Maße eingetreten. Der DJV hat inzwischen zugesagt, dem Blog Xtranews juristisch beizustehen. Fraglich ist auch nach wie vor, ob die Stadt Duisburg überhaupt ein Urheberrecht an diesen Dokumenten geltend machen kann. Die Rechtsprechung in der Vergangenheit bestätigt eigentlich das Gegenteil.
Die Dokumente können unter anderem von der Homepage des DJV Brandenburg heruntergeladen werden (http://www.djv-brandenburg.de/cms/nachrichten/2010-08-17_Sauerland-Dokumente.php).
Quelle : www.gulli.com
-
Nachdem die Dokumente in diversen BitTorrent-Portalen und One-Click-Hostern aufgetaucht waren, gab die Stadtverwaltung gestern bekannt, dass man die Verbreitung nun nicht mehr unterbinden könnte. Die Stadt Duisburg würde nicht weiter gegen die Veröffentlichung der Dateien vorgehen.
Selbst für die Beteiligten war die Lage in den vergangenen Tagen recht unübersichtlich. Der Pressesprecher der Stadt Duisburg sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass die Begründung mit dem Urheberrecht „unglücklich“ formuliert wurde. Er selbst wisse nicht, warum die Juristen diesen Weg gewählt hätten. Er sei sich aber sicher, dass es dabei stets um den verletzten Datenschutz gegangen sei. Möglicherweise hatte man schon im Vorfeld geahnt, dass man die Verbreitung der Dateien letztlich nicht verhindern kann. Mit dem Schriftsatz wegen des Verstoßes gegen das Urheberrecht hätte man immerhin die Verursacher des Leaks zur Rechenschaft ziehen können.
Angreifbar ist der Blog aber aus einem anderen Grund. Auf der Hauptseite von xtranews.de findet sich kein Hinweis oder direkter Link zum Impressum. Schon alleine deswegen könnte der Betreiber eine Abmahnung kassieren.
Quelle : www.gulli.com
-
...Auf der Hauptseite von xtranews.de findet sich kein Hinweis oder direkter Link zum Impressum.
Das ist so offenbar nicht richtig.
Ein Link auf eine Impressum-Unterseite ist vorhanden, nur führt der aktuell in's Leere, was durchaus nur ein technischer Fehler sein kann.
Vielleicht hätte man den Betreiber einfach mal kontaktieren sollen.
Denic kennt die Kontaktdaten.
Und auf folgender und ebenfalls direkt verlinkter Unterseite sind die Namen der Verantwortlichen sowie ein Mailkontakt der Redaktion klar aufgeführt:
h**p://www.xtranews.de/wer-oder-was-ist-xtranews/
Etwas Sorgfalt und Recherche kann nie schaden...
Jürgen
-
Im Falle des Bloggers, der das komplette Gutachten zur Duisburger Loveparade samt Anhängen veröffentlicht hatte, scheint eine außergerichtliche Einigung in den Bereich des Möglichen zu rücken. Wie Rechtsanwalt Udo Vetter, der gegen dieses Vorgehen Widerspruch eingelegt hatte, berichtet, unterbreitete die Stadt Duisburg am gestrigen Freitag ein Vergleichsangebot.
Die Stadt Duisburg hatte sich auf das Urheberrecht berufen, um dem Blog xtranews die weitere Verbreitung der Dokumente zu untersagen. Dagegen hatten der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter und sein Kölner Kollege Dominik Boecker Widerspruch eingelegt. Die Verhandlung sollte am 8. September stattfinden.
Nun ist es fraglich, ob es dazu überhaupt kommen wird. Vetter zeigt sich durchaus angetan von dem unterbreiteten Kompromissvorschlag. "Das Vergleichsangebot, welches auch gleich auf der Homepage der Stadt verkündet wurde, geht in die richtige Richtung. In der Tat entspricht es weitgehend dem, was wir uns auch von unseren Mandanten als Verhandlungsmasse für Vergleichsgespräche erbeten hatten. Danach darf auch xtranews die Dokumente veröffentlichen, sofern personenbezogene Daten geschwärzt werden. Wir waren mit den Machern von xtranews schon früh einig, dass dies bei der Erstveröffentlichung ohnehin hätte gemacht werden können – und sollen. Wir hätten jedenfalls dazu geraten und xtranews wäre dem Rat auch gefolgt," berichtet er auf dem von ihm betriebenen "law blog". Die Stadt Duisburg behauptet momentan, sie habe von Anfang an nur den Datenschutz für ihre Mitarbeiter sicherstellen wollen. Auch wenn diese Darstellung fragwürdig ist - auch Vetter deutet an, dass es sich um eine Schutzbehauptung handeln könnte - bedeutet das Kompromissangebot als solches ein großes Entgegenkommen.
Vetter berichtet, sein Kollege und er würden xtranews raten, auf das Vergleichsangebot einzugehen. Aus juristischen sowie finanziellen Gründen hält er es für sinnvoll, trotz eines eventuell möglichen Präzedenzurteils auf eine Fortführung des Verfahrens zu verzichten.
Mit den Anwälten der Stadt Duisburg hat Vetter nach eigenen Angaben bereits Kontakt aufgenommen. Er berichtet, es seien noch weitere Details zu klären. Er erwartet für Anfang nächster Woche die endgültige Entscheidung, ob eine außergerichtliche Einigung möglich ist.
Quelle : www.gulli.com
-
Heute wurden die Aufnahmen der Überwachungskameras vom Gelände der Duisburger Loveparade vom Veranstalter im Internet veröffentlicht. Der Unternehmer Rainer Schall will damit aufzeigen, dass das Handeln der Polizei vor Ort zum Unglück geführt hat.
Drei Tage, bevor der Innenausschuss des Landtages erneut zum Thema der Katastrophe auf der Loveparade tagt, sollen die veröffentlichten Videodokumente (http://www.dokumentation-loveparade.com/) Aufschluss über die Ursachen geben. Seit dem Morgen ist es möglich, sich diese unter "loveparade.de" selbst anzusehen. Die mehrere Stunden Bildmaterial sind ungeschnitten und stammen von sieben Kameras an unterschiedlichen Standorten und mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Es wurden, aus "Rücksichtnahme auf die Opfer", wie Veranstalter Lopavent verlauten ließ, nur die Aufnahmen bis 16.40 online gestellt, da es ab dieser Uhrzeit zu den meisten Toten gekommen wäre. "Jeder soll sich ein eigenes Bild machen können", erwiderte eine Sprecherin von Lovapent auf die Frage nach dem Grund für die Publikmachung am heutigen Tag. Außerdem wurde ein Film veröffentlicht, der mittels kurzen Ausschnitten und Computeranimationen die Sichtweise des Veranstalters untermauern soll. Hiernach sei es ausschließlich durch das Fehlverhalten der Polizei zu den tödlichen Vorfällen gekommen. Sie hätte die Bewegungen der Besuchermassen fehlerhaft gesteuert und dadurch einen "Pfropf" am Zu- und Abgang zum Gelände des Festivals verursacht. Nicht erwähnt wird die Arbeit der Loveparade-Ordner sowie die Tatsache, dass im Konzept neben einen kleineren Ausgang nur ein zentraler Ein- und Ausgang vorgesehen war.
Zwei weitere Aspekte müssen wohl auch noch in die Beurteilung des Unglücks einfließen. Einerseits kam es während der Geschehnisse im gemeinsamen Lagezentrum laut Aussage einer Sicherheitsfirma zu Ausfällen bei den Kameras, wie das Magazin Westpol am Sonntag im WDR berichtete. "Es gab Kamerabilder, die plötzlich verschwanden. Das heißt: In den Splitscreen-Monitoren verschwanden verschiedene Ausschnitte", so Robert Ahrle von der Sicherheitsfirma RAD Sicherheit, der zum fraglichen Zeitpunkt dort anwesend war. Grund hierfür war vermutlich, dass Kameras während der Massenpanik unabsichtlich beschädigt wurden. Andererseits läge, nach heutigen Berichten der WAZ-Mediengruppe, die Schuld daran, dass es im Konzept mit dem Tunnel nur einen großen Zugang gab, auch beim NRW-Verkehrsministerium, das ein Führen der Besucherströme über die A59 aus Kostengründen abgelehnt hätte. "Das ist so nicht richtig", erklärte die Sprecherin des Ministeriums, Mirjam Grotjahn. Es hätte zum Veranstaltungszeitpunkt dort eine Baustelle gegeben, die eine Gefahr für die Teilnehmer der Loveparade dargestellt hätte, daneben hätte die Baufirma Schadensersatz für den Betriebsausfall verlangen können.
Die Reaktionen auf die Veröffentlichung des Videomaterials waren unterschiedlich. "Aus strafrechtlicher Sicht gibt es an der Veröffentlichung nichts zu beanstanden", kommentierte Rolf Haferkamp, ermittelnder Duisburger Staatsanwalt. Eine Beeinflussung von Zeugen durch die Publikmachung schloss er aus. "Dann wäre das längst durch die Berichterstattung in den Medien geschehen. Beeinflussung gibt es in dieser Hinsicht immer". Schärfer kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, die öffentlich zugänglichen Videos: "Herr Schaller manipuliert und verdunkelt, wo er kann. Ihm geht es offenbar nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, seinen eigenen Hals zu retten."
Ungeklärt bleibt auch, ob Schaller persönlich zur Sitzung des Innenausschusses am Donnerstag erscheint oder ob er sich vertreten lässt.
Quelle : www.gulli.com
-
Zwischen der Stadt Duisburg und dem Blog xtranews ist es zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen. Die Stadt hatte xtranews per Gerichtsbeschluss verbieten lassen, Dokumente - namentlich Anlagen zu einem veröffentlichten Gutachten - zur Loveparade-Katastrophe zu veröffentlichen. Ursprünglich war für den 8. September eine Gerichtsverhandlung geplant.
Duisburg hatte sich auf das Urheberrecht berufen, um xtranews die veröffentlichung der als nicht öffentlich eingestuften Dokumente zu untersagen.
Wie der beteiligte Rechtsanwalt Udo Vetter in seinem Blog berichtet, kam die Stadt Duisburg dem Blog nun sehr weit entgegen. xtranews darf sämtliche Dokumente veröffentlichen; es müssen lediglich bestimmte persönliche Daten von Mitarbeitern der Stadt Duisburg geschwärzt werden. Eine entsprechende außergerichtliche Einigung begann sich bereits in der letzten Woche abzuzeichnen (gulli:News berichtete). Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch unklar, ob die Bedingungen der Stadt Duisburg in den Einzelheiten für die Gegenseite akzeptabel sein würden. Offenbar ist dies der Fall.
Die für den 8. September geplante Gerichtsverhandlung wird aufgrund des Vergleichsschlusses ausfallen.
Quelle : www.gulli.com