Die Abschaltung der BitTorrent-Seite "OiNK.cd" sollte ein großer Erfolg für die britischen Strafermittlungsbehörden sowie die Musikwirtschaft werden. Der Freispruch des OiNK-Betreibers war dabei definitiv nicht das angestrebte Ziel. Viel interessanter sind jedoch die Kosten der Ermittlungen, die von britischen Steuerzahlern gestemmt wurden.
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Mehrere Jahre ermittelte die Cleveland Police im Rahmen der Operation "Ark Royal" gegen die BitTorrent-Seite OiNK.cd. Was diese jahrelangen Ermittlungen gekostet haben, läßt sich nur erahnen. Trotz aller Bemühungen verließ Alan Ellis den Gerichtssaal als freier Mann. Ursprünglich hatte die Polizei von Cleveland die Aktion als "großartige Zusammenarbeit mit der Musikindustrie" bezeichnet. Es habe sich "um die erste derartig internationale Operation im Land" gehandelt. Nach dem Freispruch hörte man davon nicht mehr viel.
Umso interessanter sind nun einige Veröffentlichungen, die The Register im Zuge des Freedom of Information Act durchführen konnte. Als das Strafverfahren beendet war, stellte das journalistische Portal eine Anfrage an die Cleveland Police. Man wollte Auskunft über sämtliche Kosten der Operation erhalten. Im Rahmen des Freedom of Information Act hätte die Polizei dieser Anfrage nachkommen müssen.
Zweimal hintereinander lehnte man das Ersuchen von The Register jedoch ab. Immer mit einem offiziellen Schreiben: "Ich gehe davon aus, dass die Offenlegung sämtliche gegenwärtigen und zukünftigen Ermittlungen untergraben könnte und potenziell schädlich für den strafrechtlichen Prozess ist", so die Behörde. Erst nachdem sich das Information Commissioner Office eingeschaltet hatte, teilte man The Register harte Fakten mit. Diese haben es durchaus in sich.
Für die Ermittlungen gegen OiNK.CD musste der Steuerzahler tragen:
* Rund 7.800 Britische Pfund für Überstunden (ca. 9.300 Euro)
* Rund 15.200 Britische Pfund für forensische Maßnahmen (ca. 18.200 Euro)
* Rund 4.300 Britische Pfund für Reisen und Verpflegungskosten für Ermittler (ca. 5.100 Euro)
Insgesamt also ein Betrag von 27.300 Britischen Pfund (ca. 32.600 Euro). Wie die Behörde gegenüber The Register jedoch bestätigt, liegen die wahren Kosten der Ermittlungen signifikant höher, als aus diesen Aufzeichnungen deutlich wird. Dies ließe sich darauf zurückführen, dass über "normale" Dienststunden keinerlei Aufzeichnungen geführt werden. Auch über weitere Dienststellen, die in die Ermittlungen involviert wurden, habe man keinerlei Daten.
Der Rechtsbeistand von Alan Ellis, Alex Stein, betonte bereits während des Prozesses, dass die Behörden der Musikindustrie auf den Leim gegangen wären. "Jeder von uns hier wird manipuliert im Rahmen einer Art Marketing-Strategie der IFPI. Wenn hier jemand unehrlich handelt, dann sind es sie", so Stein damals gegenüber dem Gericht. Der Kreativwirtschaft bleibt trotz einer fehlenden strafrechtlichen Verurteilung von Ellis noch der Weg über die zivile Gerichtsbarkeit.
Quelle : www.gulli.com