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Info Corner / Internet-via-Sat, Datendienste / IPTV / Videoportale / Internet TV & Radio => # WWW, Telefon, Provider & Co => Thema gestartet von: SiLæncer am 11 November, 2005, 13:52

Titel: Der Kampf um die Macht im Netz
Beitrag von: SiLæncer am 11 November, 2005, 13:52
IANA-Aufgaben sollen angeblich in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden

Die USA planen angeblich die Aufgaben der Internetverwaltung, die derzeit von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) verantwortet werden, in einer öffentlichen Ausschreibung zu vergeben. Für die ICANN als "Netzverwaltung" könnte damit das Ende bevorstehen, titelt Spiegel Online.

Dabei beruft sich Spiegel Online auf entsprechende Unterlagen, die der Redaktion vorliegen. In die gleiche Richtung geht ein Bericht der USA-Website Computer Bussiness Review.

Dabei geht es um die Aufgaben der Internet Assigned Numbers Authority (IANA), die die Vergabe von IP-Adressen, Top Level Domains und IP-Protokollnummern regelt und derzeit unter dem Dach der ICANN arbeitet. Grundlage dafür ist ein Vertrag der ICANN mit dem US-Handelsministerium, der bislang ohne Ausschreibung vergeben wurde. Dieser läuft im März 2006 aus und soll nun in einer öffentlichen Ausschreibung neu vergeben werden. Wichtige Teile der Verwaltung des Internets könnten damit in Zukunft anderweitig organisiert werden.

Eine offizielle Ankündigung in dieser Richtung gibt es aber noch nicht.

Quelle : www.golem.de
Titel: WSIS: Der Kampf um die Macht im Netz
Beitrag von: SiLæncer am 12 November, 2005, 13:56
Auf dem zweiten UN-Weltgipfel der Informationsgesellschaft steht nach fünf Jahren der Diskussion das Thema internationale Netzverwaltung ganz oben auf der Agenda und verdrängt andere Themen – angesichts des Streits um die Macht im Internet scheint ein Scheitern des WSIS möglich.

Am 13. November startet der zweite UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis (WSIS) mit der Wiederaufnahme der Vorbereitungskonferenz 3, um dann nahtlos in die eigentliche WSIS-Tagung ab Mittwoch, den 16. November überzugehen. Die UN hatte den zweigeteilten Gipfel ursprünglich gestartet, um die Revolution der Kommunikation durch das Internet für die so genannten Millennium-Entwicklungsziele fruchtbar zu machen. Die Vereinten Nationen haben sich darin unter anderem zum Ziel gesetzt, die Ausbreitung von HIV/AIDS zu bremsen und bis 2015 die Zahl der von extremer Armut betroffenen Menschen zu halbieren und möglichst vielen Zugang zu Bildungsmöglichenkeiten zu verschaffen

Nun steht nach fünf Jahren der Diskussion das Thema internationale Netzverwaltung ganz oben auf der Agenda. Am Sonntag wird der letzte Versuch gestartet, den Streit um die Aufsicht über DNS und Rootserver beizulegen. Ab Montag präsentieren im "Kram Parc des Exposition" in weit über 300 Veranstaltungen Regierungen, Unternehmen, internationale Organisationen und Bürgerrechtler ihre Vorstellungen von der Informationsgesellschaft.

Die Palette der Veranstaltungen reicht von täglichen Seminaren der französischen Regierung zur Regulierung im Netz über Vorstellungen des IT-Einsatzes in Peru durch das Tropeninstitut Alexander von Humboldt bis zu Veranstaltungen großer IT-Unternehmen wie Cisco oder Sun zu ihren Projekten in Entwicklungsländern. Als deutsche Unternehmen sind Siemans, SAP und dieses Mal auch die Deutsche Telekom mit von der Partie. War der erste Gipfel in Genf ein Megaevent, darf man angesichts von Tausenden von Regierungs- und allein 600 bis 700 Medienvertretern dieses Mal bedenkenlos von einem Gigaevent sprechen, von dem viele Veranstaltungen auch ins Web übertragen werden.

Doch das Getöse um den "Kampf um die Kontrolle des Internet" hat in den vergangenen Wochen fast alles übertönt. Schwadronierende US-Senatoren warnten in den dunkelsten Farben vor einer Übernahme des Internet durch die UN. UN-Generalsekretär Kofi Annan konterte damit, dass die Revolution des Internet morgen anderswo stattfinde. Dass die EU sich auf die Seite derer geschlagen hat, die eine geänderte "Weltordnung" in der DNS-Aufsicht wünschen, hat den Ton der Auseinandersetzung noch schärfer werden lassen. Auch bei der ICANN blickt man mit einer gewissen Nervosität nach Tunis. Der zuständige Vertreter im deutschen Wirtschaftsministerium stellte gegenüber heise online allerdings klar, dass man keine neue Weltregulierungsbehörde wolle.

Fast untergegangen ist darüber, dass die internationalen Regierungen inzwischen, wenn auch auf kleinster Flamme, auf die Anerkennung des Digital Solidarity Fonds (DSF) geeinigt haben. Entwicklungspolitisch Engagierte können künftig nach dem DSF-Label Ausschau halten: Prangt es aus dem Rechner in der Stadtverwaltung, dann ging von jeder IT-Investition der Stadt ein Prozent in den vom senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade initiierten DSF.

Eine wirkliche Bereitschaft zur Überwindung der digitalen Spaltung durch Bereitstellung entsprechender Finanzmittel sei nicht zu erkennen, fürchten die Vertreter der deutschen Zivilgesellschaft, also der jenseits von Parteien, staatlichen Organisationen und Industrieverbänden organisierten Gruppen. Das Ziel, 0,7-Prozent des Bruttosozialprodukts für Entwicklung der Länder des Südens auszugeben, werde kaum eingehalten, auch nicht von Deutschland. Im vorgelegten Abschlussdokument fehle zudem die "überzeugende politische Gestaltungskraft für eine Informationsgesellschaft, die diesen Namen als Gesellschaft des freien, gerechten und nachhaltigen Umgangs mit Wissen und Information auch verdient", heißt es in einer Voraberklärung zum Gipfel. Ein totales Scheitern des Gipfels angesichts der aufgeheizten Situation hält man angesichts des Streits um die Macht im Netz für möglich.

Zudem fürchten die Nichtregierungsorganisationen Einschränkungen für ihren als alternative Veranstaltung geplanten Bürgergipfel (CSIS ). Der muss sich fast schon auf eine Art Guerilla-Veranstaltungstaktik verlegen, nachdem das gebuchte Hotel den Veranstaltern auf Grund "unvorhergesehener Bauarbeiten" gerade die Räume gekündigt hat. Ähnlich erging es der Heinrich-Böll-Stiftung mit ihrer Veranstaltung. Die verschiedenen CSIS-Veranstaltungen sollen nun unter dem Banner des "Citizen Summit" an vielen verschiedenen Orten in Tunis, in anderen tunesischen Städten, anderen Ländern und oder virtuell übers Internet stattfinden, raten die Organisatoren. Die Nicht-regierungsoffizielle Informationsgesellschaft geht also in den Untergrund Internet ...

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/66055
Titel: WSIS: Schwere Konflikte um Internationalisierung der Internet-Verwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 14 November, 2005, 13:07
Der Streit um die Zukunft der Internet-Verwaltung beim UN-Weltgipfel der Informationsgesellschaft in Tunis (WSIS) hat begonnen. Verhandlungsführer internationaler Regierungen haben sich am gestrigen Sonntag im Prinzip auf die Einrichtung eines internationalen Forums für Fragen der Netzpolitik geeinigt. Bis Mitternacht tagte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der kanadischen Delegation. Doch schon am Montagmorgen zeigte sich in den Fragen der eigentlichen Aufsicht über die Netzverwaltung, wie weit die USA und Australien einerseits und andererseits die Länder des Südens, vorsichtig unterstützt von der EU, noch auseinander liegen.

Die USA bezogen am heutigen Montag eindeutig Position, ohne auf kursierende Berichte einzugehen, zumindest die Adressverwaltungsaufgaben der IANA würden im nächsten Jahr in den USA neu ausgeschrieben: Regierungen können an der Netzverwaltung innerhalb der ICANN mitwirken, ein neues Gremium zur Aufsicht über die Verwaltung der Kernressourcen im Internet wie DNS-Namensraum oder IP-Adressen sei nicht notwendig. Die Aufsicht über die eigenen Länderdomains könnte ebenfalls von Regierungen über den ICANN.Mechanismus wahrgenommen werden. "Wir halten die Verabschiedung eines 'neuen Kooperationsmodells' für das falsche Signal, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass dieser Begriff belastet ist durch die Nähe zur Aufsicht durch eine internationale Organisation." Im Klartext bleiben die USA damit dabei, dass man ein Forum zur Netzpolitik ohne Entscheidungsbefugnisse gerade noch akzeptieren würde – eine internationalisierte Aufsicht über die DNS- und IP-Adressenverwalter komme aber nicht in Frage.

Der Vertreter der EU sagte, man sei zwar bereit, auf den Begriff zu verzichten, keinesfalls aber auf das dahinter liegende Konzept einer neuen internationalisierten Aufsicht. Die EU hatte ein solches neues Kooperationsmodell für Netzfragen gefordert, sehr zum Ärger der USA. Dabei gehe es aber keineswegs um einen Superregulator, sondern doch vielmehr eher um eine "variable Geometrie, die auf bestehenden Strukturen aufbaut". Einflussnahme aufs Tagesgeschäft hatte auch der Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums Bernd Weismann kurz vor dem Gipfel abgelehnt. Die EU distanzierte sich mit diesen Hinweisen von weiter gehenden Positionen, wie sie etwa Länder wie Iran oder Saudi Arabien einnehmen. Dass die USA aber keine Zugeständnisse in der Frage der Internationalisierung machen, will man auf Seiten der EU auch nicht hinnehmen.

Länder wie Iran, Saudi Arabien oder China, die "Taten statt leerer Worte forderten", gehen in ihren Ansprüchen tatsächlich weiter als die EU. Sie befürworten einen regierungsamtlichen "Welt-Internet-Rat". Daher warnte die USA mit Blick auf die Position der EU, diese könnte zur Einrichtung einer neuen internationalen Regierungsorganisation führen. Genau das aber müsse unbedingt verhindert werden. Schon jetzt hätten die Regierungen im Übrigen ein Gremium für die Mitsprache, und zwar den Regierungsbeirat (GAC) der ICANN. Im Dezember werde der GAC ohnehin seine weitere Rolle besprechen, Verbesserungen seien durchaus auf der Agenda, meinte US-Vertreter Richard Beaird.

Eine rein beratende Rolle der Regierungen wie beim GAC sei aber nicht ausreichend, meinte daraufhin der brasilianische Verhandlungsführer. Die Idee eines von ICANN losgelösten GAC, der ICANN effektiver kontrolliert, hatte auch die EU schon einmal vorgelegt. Wollte man diesen Weg beschreiten, dann, betonte der Vertreter der Schweiz, müsse es aber "rechtliche Festlegungen" dazu geben. "Sonst wird das wohl nicht passieren."

Die US-Gegner befürchten, dass die USA einfach auf Zeit spielen, zumal Fragen nach den Grenzen möglicher Veränderungen von den US-Vertretern ebenfalls nicht klar beantwortet werden. Die Uhr für die Verhandlungen tickt jedenfalls: Am morgigen Dienstagnachmittag muss ein gemeinsames Papier zur Netzverwaltung vorliegen, soll der Gipfel, der offiziell am Tag darauf von UN-Generalsekretär Kofi Annan eröffnet wird, nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Die Diplomaten dürfen sich also auf eine weitere lange Nacht vorbereiten.

Zum bevorstehenden 2. WSIS und zum Streit um die Oberaufsicht im Internet siehe auch:

    * Special cyber-weltgipfel in Telepolis

    * Deutsche Delegation für Internationalisierung der Netzverwaltung
    * Der Kampf um die Macht im Netz
    * Kofi Annan: UN will keineswegs "das Internet übernehmen"
    * Forscher fordern "ent-nationalisierte" ICANN
    * US-Präsident greift in Streit um Internet-Kontrolle ein
    * Keine Einigung über Root-Aufsicht
    * USA und EU im Clinch über Internet-Regulierung
    * US-Regierung gibt Kontrolle über DNS-Rootzone nicht her
    * US-Handelsministerium verlängert Vertrag mit ICANN

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/66124
Titel: NETZVERWALTUNG : Wie die USA die Weltherrschaft im Web verteidigen
Beitrag von: SiLæncer am 14 November, 2005, 19:42
Von der Öffentlichkeit weithin unbemerkt eskaliert der Kampf um die Kontrolle des nur vermeintlich anarchischen Internet. Die Fronten sind eindeutig: die USA gegen den Rest der Welt. Beim Informationsgipfel in Tunis stehen diese Woche harte Auseinandersetzungen bevor.

Wer in diesen Tagen nach Tunesien reist, wird schon im Flughafen-Terminal von Postern und Plakaten mit merkwürdigen Abkürzungen begrüßt. Das "Tor zum Orient", bekannt für die Strände von Djerba oder Monastir, für seine spektakulären Ausgrabungsorte und Kamel-Safaris, begrüßt darauf stolz und großflächig die Teilnehmer des "WSIS 2005", des Weltgipfels der Informationsgesellschaft. Der wird nach jahrelangen Vorbereitungen von Mittwoch an in Tunis tagen, um ein paar Grundfragen der globalen Informationsgesellschaft zu klären.

Zu der Regierungskonferenz eingeladen haben die Vereinten Nationen. Sie rechnen im "Parc des Expositions du Kram" der Hauptstadt mit mehr als 10.000 Teilnehmern aus mindestens 120 Ländern von Australien bis Zypern, darunter rund 50 Staats- und Regierungschefs, hochrangige Emissäre aus der Wirtschaft sowie zahlreiche Vertreter von Verbänden und von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Als ranghöchster Ringrichter wird der eigentliche Gipfelgastgeber anreisen: Uno-Generalsekretär Kofi Annan.

Moderierende Stimmen werden dringend notwendig sein. Schon im Vorfeld des Klassentreffens der globalen Info-Elite, die sich in den vergangenen drei Jahren mit Fragen von Cyberkriminalität über das Spam-Problem und dem geistigen Eigentum bis zum offenen Zugang zum Internet beschäftigte, kam es zum Eklat: In einer der zentralen Zukunftsfragen für das 21. Jahrhundert liegen die Positionen der entscheidenden Akteure kurz vor dem Gipfel trotz aller diplomatischen Bemühungen so weit auseinander wie selten zuvor.

Der Kern des Konflikts ist so simpel wie brisant: Es geht um das Thema der "Internet Governance" - also schlicht darum, wer künftig die entscheidenden Ressourcen des faszinierenden globalen Netzwerks kontrolliert, in dem mittlerweile rund eine Milliarde Nutzer E-Mails versenden, nach Informationen suchen, einkaufen, spielen, chatten oder telefonieren.

Für die USA ist der Fall klar, sie votieren, schon aus Tradition, für die einzige Macht, der sie wirklich vertrauen: sich selbst - und erklärten diese Position im Oktober zur Sicherheit schon mal als "nicht verhandelbar". Dies wiederum findet eine große und recht heterogene Allianz absolut nicht akzeptabel. Sie reicht von China und Iran über Brasilien und Südafrika bis zur EU, und das ist neu. Vor zwei Jahren stärkten die Europäer ihren amerikanischen Freunden noch den Rücken. Nun verlangt auch Brüssel mehr Mitspracherechte für die internationale Staatengemeinschaft und ein Ende der amerikanischen Hegemonie über den Cyberspace.

"Die 25 EU-Nationen fordern einstimmig ein neues Kooperationsmodell für das Internet, bei dem alle interessierten Länder an einem Tisch sitzen", sagt EU-Kommissarin Viviane Reding, die als Verhandlungsführerin der Kommission nach Tunis reist.

Jenseits des Atlantiks reagiert man auf die Ansprüche so verschreckt wie verstockt: Keinesfalls, ließ die Bush-Administration verlauten, werde man auf seine herausgehobene historische Rolle verzichten. Selbst das einflussreiche Magazin "Foreign Affairs" kritisiert die US-Position in seiner aktuellen Ausgabe heftig.

Macht? Kontrolle? Governance? Geht es nicht um das Internet, jene anarchischen, nicht zu regulierenden virtuellen Weiten? Die Vorstellung ist immer noch verbreitet, sehr romantisch, nur leider ziemlich fern der Realität. In den Anfangsjahren, als vor allem Akademiker die Ausläufer des ursprünglich vor allem militärisch genutzten Arpanets ausbauten, mag es noch eher zwanglos zugegangen sein - über Jahrzehnte war mit dem rauschebärtigen Computer-Guru Jon Postel bis zu dessen Tod 1998 faktisch ein einzelner Mann für die zentralen technischen Standards zuständig.

Mittlerweile gibt es zwei Milliarden Internet-Adressen - und das Netz ist längst nicht nur zum kritischen Faktor für die Weltwirtschaft geworden, sondern spielt auch in Bildung, Kultur und Wissenschaft eine kaum zu überschätzende Rolle. Schon heute machen Geschäfte im, mit und über das Internet knapp neun Prozent des gesamten Welthandels aus.

Mehr (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,384560-2,00.html)

Quelle : www.spiegel.de
Titel: WSIS: Alle sind Sieger geblieben
Beitrag von: SiLæncer am 17 November, 2005, 19:16
Im offiziellen Gipfelbeitrag der Bundesregierung zum 2. Weltgipfel der Informationsgesellschaft hat Bernd Pfaffenbach noch einmal unterstrichen, dass alle Regierungen, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft gleichberechtigt an der politischen Fragen der Internetaufsicht beteiligt werden müssen. "Regierungen müssen bei der bei den anstehenden politischen Fragen, dazu gehören auch die schwierigen Fragen der Aufsichtsstrukturen im Bereich der Netzverwaltung, die Rolle ausfüllen, die ihnen die Nutzer ihnen gegeben haben."

Die Europäer reklamieren dabei durchaus den Sieg in der Internet-Governance-Debatte für sich, ebenso überzeugt wie die US-Amerikaner. "Lesen Sie den Paragraph 63 des Abschlussdokuments, in dem klargestellt wird, dass kein anderes Land Kontrolle über die Länderdomain eines anderen Landes haben soll", sagte EU-Kommissarin Vivianne Reding gegenüber heise online. Reding hatte noch unmittelbar vor dem Gipfel klar gegen die unilaterale US-Rolle gewettert. Nun sagt sie: "Ich bin sehr zufrieden mit mit dem Paragraphen 63 und den beiden Prozessen, die von Kofi Annan in Gang gesetzt werden sollen." Dabei bezieht sie sich auf das neue Internet Governance Forum und einen Prozess zur besseren Zusammenarbeit.

Michael Gallagher, Chef der National Telecommunication and Information Administration (NTIA), meinte dagegen gegenüber heise online: "Es gibt nichts anderes als das Forum. Ich gehe jetzt zurück an meine Arbeit, ohne mir über eine zusätzliche Aufsicht sorgen zu machen." Beim Modell für die verbesserte Zusammenarbeit gehe es auch nur darum, dass die "Welt über das Internet reden kann, denn die Welt hat Schwierigkeiten darüber zu reden". Den Weltgipfel bezeichnete er als ersten "Trainingkurs", bei dem das erfolgreiche US-Internetmodell erklärt werde.

Offensichtlich sind die Parteien sich in den politischen Fragen wenig näher gekommen. Ein größeres Einverständnis herrscht dagegen bei der Betonung, dass es für die Entwicklung der Telekommunikation in den ärmeren Ländern vor allem darum gehe, die Märkte zu deregulieren. "Entwicklungshilfe allein kann das Problem nicht lösen", sagte Pfaffenbach. "Wir brauchen die Kooperation mit dem privaten Sektor, die ICT-Märkte müssen geöffnet werden."

Vertreter von Nichtregierungsorganisationen kritisieren auch bei diesem Gipfel das Markt-Mantra der Regierungen des Nordens. "Der Markt kann manches bewirken," sagt Karen Banks von der Association of Progressive Communication (APC). "Doch in den ärmsten Ländern funktioniert das nicht." Norbert Klein vom Open Forum of Cambodia bekräftigte: "Wir sind kein Markt."

Einig sind sich dagegen die Nichtregierungsvertreter mit ihren Kollegen von der Regierungsbank, dass der Weltgipfel geholfen hat, das Thema IT für die Entwicklung viel nachhaltiger auf die Agenda zu setzen. Auch Unternehmen, die sich zwischenzeitlich zurückgezogen hätten aus entwicklungspolitischen Aktivitäten, hätten im Verlauf des Gipfelprozess neue Anstöße erhalten.

Zufrieden darf die Zivilgesellschaft über die Unterstützung bei Protesten gegen die tunesische Regierung sein. Auch Pfaffenbach kritisierte in seinem Gipfelbeitrag noch einmal die Ausschreitungen gegenüber Menschenrechtlern und Journalisten zu Beginn des Gipfels. Das Gastgeberland, so Pfaffenbach, habe eine ganz besondere Verantwortung bei der Einhaltung der verbrieften Meinungsfreiheit. Man habe sich aufgrund der Behinderung des deutschen Botschafters der EU Protestnote angeschlossen.

Zum zweiten UN-Weltgipfel siehe auch:

    * Special cyber-weltgipfel zum 2. WSIS in Telepolis

    * Das Recht zu kommunizieren statt des Rechts zu regieren
    * Regierungen einigen sich auf Forum zur Diskussion von Internet-Fragen
    * Angriffe auf Bürgerrechtler überschatten Weltgipfel der Informationsgesellschaft
    * Schwere Konflikte um Internationalisierung der Internet-Verwaltung
    * Deutsche Delegation für Internationalisierung der Netzverwaltung
    * Der Kampf um die Macht im Netz
    * Kofi Annan: UN will keineswegs "das Internet übernehmen"
    * Forscher fordern "ent-nationalisierte" ICANN
    * US-Präsident greift in Streit um Internet-Kontrolle ein
    * Keine Einigung über Root-Aufsicht
    * USA und EU im Clinch über Internet-Regulierung
    * Scharfe Kritik an Gipfelgastgeber Tunesien
    * USA für einen Gipfel ohne Folgen
    * Die Regierungen, die UNO und das Internet
    * US-Regierung gibt Kontrolle über DNS-Rootzone nicht her
    * US-Handelsministerium verlängert Vertrag mit ICANN

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/66330
Titel: WSIS: Tunesien protestiert gegen Schweizer Kritik
Beitrag von: SiLæncer am 18 November, 2005, 06:07
Die kritischen Äußerungen des Schweizer Bundespräsidenten Samuel Schmid und ein Interview des Schweizer Bundesrates Moritz Leuenberger anlässlich des zweiten Weltgipfels der Informationsgesellschaft haben ein Nachspiel. Mehrere tunesische Journalisten störten die offizielle Schweizer Pressekonferenz und beschuldigten Leuenberger und Schmid lautstark, sie würde moralische Lektionen erteilen anstatt bei sich zu Hause über den Missbrauch des Bankgeheimnisses nachzudenken. Leuenberger berichtete auch von einem offiziellen Protest des tunesischen Botschafters in der Schweiz.

Leuenberger, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), reagierte gelassen: "Ich bin auch nicht dafür, dass wir bei jedem Land aufstehen und sagen, was man verbessern könnte. Aber da geht es um fundamentale Sachen, um die Einhaltung der Menschenrechte." Man habe im übrigen deutlich auch immer alle Länder genannt, in denen Menschenrechtsverletzungen gibt und sich keineswegs auf Tunesien konzentriert. Schmid hatte in der Eröffnungsrede gegenüber dem tunesischen Präsidenten Ben Ali die Einhaltung der Meinungsfreiheit als eine Vorbedingung für den Erfolg des Gipfels genannt. "Wir haben unsere Meinung gesagt, schließlich hat dieser Gipfel diese Meinungsäußerung auch zum Gegenstand und es wäre ein Verrat an der Grundidee des Gipfels, wenn wir etwas ausblenden würden."

Leuenberger sagte gegenüber Schweizer Journalisten von Swiss.Info, dass eine Ausfilterung von deren Webseiten ebenfalls eine klare Verletzung der Meinungsfreiheit darstellen würde. "Dagegen würde ich auch protestieren." Im Netz des Konferenzzentrums Kram installierten Netz werden laut Beobachtung der Nichtregierungsorganisationen offensichtlich verschiedene Seiten gefiltert, der Zugang vom riesigen Medienzentrum der Konferenz aus funktioniert dagegen ohne Probleme.

Leuenberger bedauerte nach der angeheizten Stimmung während seiner Pressekonferenz gleichzeitig, dass man bald nur noch über das Thema Menschenrechte rede und die anderen Themen des aus seiner Sicht zufriedenstellenden Gipfels dadurch in den Hintergrund gedrängt würden. "Wir sind auch nicht hierher gekommen, um nur über diese Probleme zu sprechen. Aber sagen muss man das schon."

Die Episode mit Leuenberger ist nicht der einzige weitere Zwischenfall. Laut einem dpa-Bericht wurde der Generalsekretär der Organisation Reporter ohne Grenzen, Robert Ménard, an der Einreise nach Tunesien gehindert. Als Grund wurde angeführt, dass er nicht beim Gipfel akkreditiert sei. Das Pariser Außenministerium bedauerte es, dass "keine Lösung" für eine Einreise Ménards gefunden worden sei.

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/66333
Titel: WSIS: Tunesische Bürgerrechtler beenden Hungerstreik
Beitrag von: SiLæncer am 18 November, 2005, 22:24
Sieben Gewinner hat der Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) schon: Wie einen Sieg haben die sieben tunesischen Hungerstreikenden, die mit ihrer verzweifelten Aktion für die Freilassung tunesischer politischer Gefangener und gegen die Einschränkungen der Bürgerrechte protestieren wollten, das Ende ihres Hungerstreiks gefeiert. "Unsere Botschaft an den Weltgipfel der Informationsgesellschaft war, dass es hier in Tunesien eine Scheindemokratie gibt", sagte der Anwalt und Sekretär der Tunesischen Liga für die Menschenrechte, Ayachi Hammami bei einer Pressekonferenz in seiner Wohnung im Zentrum von Tunis.

Am Hungerstreik beteiligt waren neben Hammami der Chef der Partei für den Demokratischen Fortschritt, Nejib Chebby, der Richter Mokhtar Yahyaoui, Abderraouf Ayadi, Mitglied der Parti communiste ouvrier tunesien, Mohamed Nouri, Präsident der internationalen Vereinigung für die Unterstützung politischer Gefangener, Lotfi Hajji, Präsident der tunesischen Journalistenvereinigung und der Anwalt Samir Dilou.

Dilou und seine Mitstreiter kündigten am heutigen Freitag gleichzeitig die Gründung eine Komitees an, dass den Streit für die Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit und zudem eine Grundsatzdebatte über eine "echte Demokratisierung" im Land fortsetzen soll. Das Komitee sei für jedermann offen. Man will das Recht einfordern, Politik mitbestimmen zu können, sagte Dilou. Auch innerhalb der politischen Gremien der tunesischen Diktatur sei dies nicht gewährleistet.

Helene Flautre, Mitlied im Europäischen Parlament (Les Verts) war zur Pressekonferenz geeilt und sagte den Aktivisten weitere Unterstützung zu. Das Parlament habe in seiner Sitzung diese Woche in Straßburg anlässlich der Behinderungen in Tunis bereits reagiert. "Viele Abgeordnete haben einen WSIS-Aufkleber mit dem Label 'Weltgipfel der Desinformation' getragen," sagte Flautre. Das Parlament werde die Einschränkungen und die bekannt gewordenen Behinderungen der Meinungs- und Pressefreiheit während des Gipfels zum Anlass nehmen, das Thema in seiner nächsten Sitzung erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Außerdem forderten einige Abgeordnete eine Sondersitzung des zuständigen Gremiums, um über eine Kündigung des bestehenden Assozierungsabkommens mit Tunesien zu diskutieren.

Flaute sagte allerdings, die Teilnahme am Gipfel habe sich trotz der großen Bedenken als richtig erwiesen, habe sie doch die Situation der Bürger in Tunesien eine Woche in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt. "Hat der Gipfel uns geholfen? Natürlich", sagte Hammami. Die Leiterin des Unterstützerkomitees der Hungerstreikenden sagte, die Aufmerksamkeit in der vergangenen Woche sei überwältigend gewesen.

Die abschließende Demonstration vor dem Haus von Hammami wurde zwar von Sicherheitskräften in Zivil auf beiden Seiten abgeriegelt und kam so nicht vom Fleck. Es kam aber bislang außer zu einigem Gerangel und Anfeindungen zu keinen Übergriffe wie in der vergangenen Woche. Auch das ist ein gewisser Fortschritt, wenn auch ein winziger. Doch der parallel zum WSIS geplante Bürgergipfel in der Stadt konnte aufgrund der Behinderung durch die Behörden nicht stattfinden. Es gelang den Nichtregierungsorganisationen einfach nicht, einen Raum zu finden.

Quelle : www.heise.de
Titel: WSIS: Das Internet der Dinge
Beitrag von: SiLæncer am 18 November, 2005, 22:28
Statt der Menschen werden bald die Dinge übers Netz miteinander kommunizieren. Diese Vision entwarf Nicholas Negroponte vom MIT-Lab gemeinsam mit Cheftechnologen von Alcatel, Sun, Nokia und Microsoft. Sie stellten einen voluminösen Berichts der International Telecommunication Union (ITU) zum "Internet der Dinge" (PDF-Datei der Zusammenfassung, Bestellformular der ITU) beim zweiten Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) in Tunis vor.

"Nehmen wir einmal an, Sie wären ein Türgriff, verbunden mit dem Internet", erklärte Negroponte seine Vorstellungen. "Sie wären ein smarter Türgriff, der Türgriff an der Eingangstür. Dieser Türgriff würde wissen, wenn Sie zuhause sind. Er wäre so schlau, dass er den Hund rauslassen würde und wieder hinein, er würde aber eben nicht sechs andere Hunde ins Haus lassen. Er würde Fedex-Päckchen annehmen und signieren, wenn Sie nicht da sind."

Solche Szenarien sind nach Ansicht von Negroponte realisierbar – und zwar mit einer im ITU-Bericht beschriebenen Synthese von RFID-Technik, Sensorik, Embedded Intelligence und Nanotechnologie. Er hoffe, dass man von "dummer" RFID-Technologie schnell wegkomme. Auch die Zeiten, in denen beim Mobilfunksystem Sendemasten an Geräte funken und diese sich dann wieder zurückmelden, seien alt. "Das ist Geschichte." Beim "Internet der Dinge" würden Mesh-Netze gebildet "in denen Dinge über andere Dinge mit Dingen reden. Ein Netzwerk ist nicht mehr notwendig". Das Telefon, das klingelt, wenn man gar nicht in der Nähe ist, sei doch zum Beispiel eine blöde Idee, meinte der MIT-Wissenschaftler. Stattdessen sollte das Telefon wie ein guter alter Butler nach dem Adressaten des Anrufs suchen und das Ding, das in der Nähe ist, sollte ihm dann die Nachricht übermitteln. Die Mesh-Technologie soll auch bei der Vernetzung von Negropontes 100-Dollar-Laptop eingesetzt werden.

Alcatels Chief Technology Officer Olivier Baujard meinte dazu, vom smarten Türknauf in Negropontes Szenario sei man schon noch etwas entfernt. Durchaus verbreitet in fünf bis zehn Jahren könnten dagegen Mikrosensoren sein, die etwa Körperfunktionen überprüfen und im Falle anormaler Werte Warnungen senden. Auch das Bezahlen von Metrotickets per Mobiltelefon sei bereits im Test und werde sich durchsetzen. "Grundlegend für diese Technologie werden Standardisierungsprozesse sein", betonte Baujard

Jonathan Murray, CTO und Vizepräsident von Microsoft EMEA, sagte, sein Unternehmen teile die Vorstellung Negropontes und des ITU-Berichtes, wo es in der Zukunft hingehe. Aus Sicht von Softwareunternehmen sei das eine Chance. "Smarte Dinge brauchen Software, das ist es, was sie smart macht." Allerdings müssten sich die Entwickler auf völlig geänderte Paradigmen einstellen, etwa lange Laufzeiten bei minimalstem Stromverbrauch. Zudem müssten selbstverständlich die Datenschutzfragen geklärt werden. "Wir kennen die Datenschutzprobleme, aber Lösungen dafür haben wir noch nicht. Und das kann eine entscheidende Barriere bei der Einführung sein."

Schon jetzt sprechen die Geräte hinter dem Rücken der Nutzer miteinander, sagte John Gage, Direktor des Bereichs Wissenschaft bei Sun Microsystems. "Mobiltelefone der WSIS-Teilnehmer sagen dem tunesischen Netz, wo sie sind und wohin sie gehen." Murray meinte, dem "Ozean dieser neuen Wellen" stünden traditionelle Ansprüche etwa von Seiten der Polizei gegenüber. Die Nutzung all dieser Daten könne leicht den Einstieg in eine andere Gesellschaft bedeuten. Ein Minority-Report-Szenario müsse aber auf jeden Fall verhindert werden sagte Lara Srivastava, Programmdirektor Neue Initiativen der "ITU Strategy and Policy Unit".

Allerdings wirken manche Beispiele im ITU-Report nicht ohne weiteres vertrauenerweckend, etwa die Kennzeichnung von genetischem Material für die künstliche Befruchtung per RFID-Tags. Und was geschieht eigentlich, wenn der schlaue Türknopf versagt oder gerade mit Falschnachrichten versorgt wurde? Baujard sagte, Ausfallsicherheit und Fallback-Möglichkeiten seien entscheidend. Eine Art Technologie-Diversität, ähnlich der Biodiversität, könne ebenfalls für Robustheit sorgen. Negroponte sieht das viel optimistischer: Wenn der Türknopf nicht mehr weiter weiß, dann hat er ja die Möglichkeit, das Nachbarobjekt um Hilfe zu bitten.

Quelle : www.heise.de
Titel: WSIS: Nach dem Weltgipfel ist vor dem Internet-Forum
Beitrag von: SiLæncer am 19 November, 2005, 12:04
Der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, mit rund 30.000 Teilnehmern der größte UN-Gipfel überhaupt, ist beendet. Nach der Annahme der 122 Paragraphen der Tunis Agenda für die Informationsgesellschaft schloss der tunesische Präsident Ben Ali in Tunis die zweite Gipfelphase. Die letzte Stunde des vor sieben Jahre gestarteten Gipfels entbehrte nicht einer gewissen Ironie: im großen Saal dankten die Regierungen mit vielen Worten Ben Ali. Im kleinen Pressesaal bewertete die für die Zivilgesellschaft angetretene Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi die Gipfelergebnisse mit deutlich kritischeren Tönen.

"Never again", hatten vorher Vertreter der sogenannten Cris Campaign gefordert, sollte ein Gipfel in einem Land stattfinden, das grundlegende Rechte nicht beachte. Der Bürgergipfel, der außerhalb der offiziellen Konferenz hätte stattfinden sollen, musste abgesagt werden. "Was in Peking im Jahr 1995 (beim Weltfrauengipfel, d. Red.) möglich war, war zehn Jahre später in Tunis nicht möglich", klagte Meryem Merzouki, vom Human Rights Caucus der Zivilgesellschaft. Die Bürgerrechtler fordern eine Untersuchung der Behinderungen und Attacken am Rande des Gipfels. Ebadi fordert die Einrichtung eines UN-Komittees, das sich um verhaftete Autoren kümmern soll.

Die ganz großen Sprünge hat der Gipfel eigentlich nicht gemacht. Bei den Finanzierungsfragen wurde die Hauptarbeit, so sagen Beobachter, schon in Genf geleistet. Der Digitale Solidaritätsfond ist aber gegen anfänglichen Widerstand als ein neues Finanzierungsmittel anerkannt, wenn auch mit derzeit 7 Millionen US-Dollar Einlage noch bei weitem nicht ausreichend gut bestückt. Auf Seiten der Zivilgesellschaft wurde anerkannt, dass in der Tunis Agenda doch auch anerkannt werde, dass es an manchen Stellen deutlicher staatlicher Unterstützung bedürfe. Den Wunsch nach größeren finanziellen Zusagen aber haben die Regierungen abgelehnt. Ebadi machte in ihrer Pressekonferenz allerdings auch darauf aufmerksam, dass manche Regierungen den digitalen Graben gar nicht schließen wollen. "Es ist leichter eine weniger gut ausgebildete Bevölkerung zu dominieren."

Beim härtesten Brocken der Verhandlungen, dem Thema Aufsicht über die Netzverwaltung, haben sich die Regierungen in letzter Minute auf einen Kompromiss geeinigt, der zunächst keine neue internationale Institution benennt. Aber sie haben doch zwei Prozesse durch UN Generalsekretär Kofi Annan in Gang gesetzt: Erstens soll die Zusammenarbeit zwischen und mit Internetverwaltern verbessert werden, was die gegnerischen Parteien - USA einerseits, Entwicklungsländer und auch EU andererseits - schon jetzt sehr unterschiedlich interpretieren. Zweitens soll bereits im kommenden Jahr das Internet Governance Forum in Griechenland gestartet werden.

Das Forum wurde allseits begrüßt. Regierungen hoffen hier auch die Debatte um die Netzverwaltung weiterführen zu können, ebenso wie über andere Fragen wie Cybercrime oder Spam. Die Zivilgesellschaft sieht im Forum die Anerkennung ihrer Beteiligung. Renata Bloem vom Dach der bei der UN akkreditierten NGOs (Conference of NGOs in Consultative Relationship with the United Nations, Congo) nannte den Prozess in dieser Sicht historisch. Nicht nur waren Nichtregierungsorganisationen in vielen Verhandlungsgruppen anwesend, mancher kluge Vorschlag fiel zudem auf fruchtbaren Boden. Der pakistanische Botschafter Masood Khan hob die Bedeutung des sogenannten Multistakeholderprozesses in der Abschlussrede der asiatischen Länder besonders hervor.

Fast noch mehr Anstrengungen hat die veranstaltende ITU sich bei der Übertragung des Gipfelereignisses ins Web gemacht. Verbesserungsbedarf gibt es freilich selbst da. Olaf Mittelstädt vom Hörbuch-Fördergremium Daisy-Forum nannte die WSIS-Webseiten nicht eben barrierefrei.

"Der Gipfel ist kein Event, er ist ein Prozess," sagte der Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger in seinem Schlusswort. Es gebe zwei Möglichkeiten für einen erfolgreichen Gipfel, entweder erklärten sich alle für Gewinner oder alle erklärten sich zu Verlierern. Leuenberger nannte die Debatten teilweise hart, das Ergebnis aber einen guten Ausgangspunkt. Khan sagte: "Wir sehen uns alle in Griechenland wieder."

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/66407
Titel: WSIS: Die Vereinten Nationen sollen Übergriffe und Zensur untersuchen
Beitrag von: SiLæncer am 25 November, 2005, 18:59
Die beim UN-Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) vertretenen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wollen Polizeiübergriffe während des Gipfels nicht auf sich beruhen lassen. In einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan dringen die NGOs noch einmal nachdrücklich auf eine lückenlose Aufklärung der Angriffe beziehungsweise verbalen Attacken auf Journalisten, Bürgerrechtsaktivisten und Delegierte beim Gipfel. Betroffen waren unter anderem auch der deutsche UN-Botschafter in Genf und die Schweizer Delegation. Sowohl von Seiten der EU wie auch von Schweizer Seite wurde Protest gegen die Behinderung der eigenen Delegierten eingelegt.

Die NGOs fordern in ihrem Brief, der noch bis Sonntag zur Unterschrift ausliegt, bevor er an Annan geht, die Menschenrechtssituation in Tunesien weiter im Auge zu behalten. Die sieben Anwälte und Richter, die zum Abschluss des Gipfels einen über einmonatigen Hungerstreik beendeten, hatten bei ihrer Pressekonferenz in Tunis erklärt, sie würden mit weiteren Repressalien von Seiten der Behörden rechnen. Darauf seien sie vorbereitet, man werde sich nicht von der weiteren politischen Arbeit, einer Grundrechtedebatte in einem neu gegründeten Komitee, abhalten lassen.

Die NGOs bitten Annan in ihrem Brief auch, die Anerkennungspraxis für NGOs bei UN-Veranstaltungen und im Rahmen der Arbeit des UN-Wirtschafts- und Sozialrats (Economic and Social Council, ECOSOC) zu ändern. Anerkennungen dürften nicht von der Zustimmung von Regierungen abhängig gemacht werden. Zudem bedürfe es einer Berufungsmöglichkeit. Während der Vorbereitungen zum Gipfel war etwa die Organisation Human Rights in China mehrfach mit ihrem Akkreditierungswunsch gescheitert. Tunesische NGOs hatten von einer Teilnahme am offiziellen Gipfel vor allem aus Solidarität mit in ihrem Land nicht zugelassenen Bürgerrechtsorganisationen Abstand genommen.

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/66668
Titel: Weltgipfel der Informationsgesellschaft: Thema verfehlt?
Beitrag von: SiLæncer am 20 Dezember, 2005, 13:20
Spät kommt es, doch es kommt, das Resümee zivilgesellschaftlicher Gruppen zum Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS). Die Organisationen, die sich unabhängig von Regierungen, Parteien und Verbänden organisiert haben, kritisieren, dass der WSIS keine echten Impulse für die Entwicklung durch den Einsatz von IT gegeben hat. Ingesamt habe der Gipfelprozess damit die an den Megaevent gestellten Erwartungen nicht erfüllt. Man sei besorgt, heißt es in der einen Monat nach dem Abschluss des Gipfels veröffentlichten Abschlusserklärung der zivilgesellschaftlichen Gruppen, dass es keine klaren Zusagen von Regierungen oder der Wirtschaft gebe, den beschlossenen Entwicklungsfonds die notwendige materielle Unterstützung zuzusichern.

Dass die zivilgesellschaftlichen Gruppen dieses Mal so lange für ihre Abschlusserklärung brauchten, habe vor allem daran gelegen, dass die Erklärung in einem globalen Online-Konsultationsprozess verfasst wurde, erklärte Ralf Bendrath, einer der federführenden Autoren der Erklärung aus Deutschland und Redakteur der WSIS2005-Plattform. Zwischendurch habe man auf französische und spanische Übersetzungen warten müssen und zudem habe es zu verschiedenen Punkten längere inhaltliche Auseinandersetzungen gegeben.

Die Frage der Finanzierung von Maßnahmen gegen den Digital Divide hätte zuallererst beantwortet werden müssen, erklärten die zivilgesellschaftlichen Gruppen nun in ihrer Erklärung. An zweiter Stelle nennen sie die Versäumnisse bei den Vorgaben zur Umsetzung grundlegender Menschenrechte in der digitalen Welt. Der Datenschutz, in der ersten Gipfelerklärung aus Genf zumindest noch erwähnt, ist aus den Tunis-Gipfeldokumenten völlig verschwunden. Stattdessen wird die Notwendigkeit des Kampfs gegen Cyberkriminalität hervorgehoben, "als wäre Privatheit eine Bedrohung der Sicherheit".

Andererseits hat sich das explizite Bekenntnis zu Rechten wie der Meinungs- und Informationsfreiheit in den Gipfeldokumenten in Genf und Tunis kaum in der Praxis bemerkbar gemacht: "diese (Rechte) werden de facto täglich verletzt", heißt es in der Erklärung. Der Gipfel habe auch dort versagt, wo es um die aktive Umsetzung und Kontrolle gehe. Die Abschlusserklärung der zivilgesellschaftlichen Gruppen macht den Vorschlag, eine unabhängige Kommission einzurichten, die nationale und internationale Informations- und Kommunikationstechnikregelungen und deren Umsetzungspraxis auf ihre Vereinbarkeit mit internationalen Menschenrechtsstandards überprüfen soll.

Wie auch bei den Regierungen auf dem WSIS war das Thema Internet Governance unter den NGOs ein heftig diskutiertes Thema. Ein Caveat legen die Organisationen beim Thema Länderhoheit über Länderadresszonen (ccTLDs) ein. So verständlich die Hoheitsansprüche seien, die ccTLDs müssten aber auch unter Wahrung grundlegender Menschenrechte betrieben werden. Der Entzug einer Adresse wegen Kritik an der Regierung – eben in Kasachstan praktiziert – dürfte davon beispielsweise nicht gedeckt sein.

Grundsätzlich begrüßt wird von den NGOs die Einrichtung des Internet Governance Forum zur Diskussion aller Fragen der Internetpolitik; sie kündigten eine engagierte Mitarbeit an. Ein vorbereitendes Treffen dafür soll schon bald in Genf stattfinden. Eine neue Arbeitsgruppe soll Vorschläge für das Forum machen, neben dem bislang mit den DNS-Aufsichtsthemen betrauten Internet Governance Caucus.

Das weitere Engagement "auf gleicher Augenhöhe" in den Gipfelfolgeprozessen ist aus Sicht der zivilgesellschaftlichen Gruppen die zentrale Aufgabe für die kommenden Monate. Auf keinen Fall will man sich mit einer beratenden Rolle abspeisen lassen. Für die künftige Akkreditierung im UN-Prozess, den man zwar für verbesserungswürdig, aber derzeit die beste aller Möglichkeiten in der globalen Politik betrachtet, fordert man mehr Unabhängigkeit von der Meinung von Einzelregierungen: So würden tunesische oder chinesische NGOs zum Teil bei der Zulassung blockiert. Für die Zukunft will sich die Zivilgesellschaft zudem eine eigene Charta geben.

Siehe zum zweiten Weltgipfel der Informationsgesellschaft auch:

    * Special cyber-weltgipfel zum 2. WSIS in Telepolis

    * ICANN bilanziert den Weltgipfel der Informationsgesellschaft
    * Die Vereinten Nationen sollen Übergriffe und Zensur untersuchen
    * Schweiz protestiert gegen Zensur beim Weltgipfel der Informationsgesellschaft
    * Tunesische Bürgerrechtler beenden Hungerstreik
    * Das Internet der Dinge
    * Tunesien protestiert gegen Schweizer Kritik
    * Alle sind Sieger geblieben
    * Negroponte hofft auf Mitarbeit der Open-Source-Gemeinde beim 100-Dollar-Laptop
    * Das Recht zu kommunizieren statt des Rechts zu regieren
    * Regierungen einigen sich auf Forum zur Diskussion von Internet-Fragen
    * Angriffe auf Bürgerrechtler überschatten Weltgipfel der Informationsgesellschaft
    * Schwere Konflikte um Internationalisierung der Internet-Verwaltung
    * Deutsche Delegation für Internationalisierung der Netzverwaltung
    * Der Kampf um die Macht im Netz
    * Kofi Annan: UN will keineswegs "das Internet übernehmen"
    * Forscher fordern "ent-nationalisierte" ICANN
    * US-Präsident greift in Streit um Internet-Kontrolle ein
    * Keine Einigung über Root-Aufsicht
    * USA und EU im Clinch über Internet-Regulierung
    * Scharfe Kritik an Gipfelgastgeber Tunesien
    * USA für einen Gipfel ohne Folgen
    * Die Regierungen, die UNO und das Internet
    * US-Regierung gibt Kontrolle über DNS-Rootzone nicht her
    * US-Handelsministerium verlängert Vertrag mit ICANN

Zu den Ergebnissen des 1. WSIS siehe auch:

    * UN-Konferenz verabschiedet Deklaration zur Informationsfreiheit

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/67560
Titel: Die Internet-Verwaltung und die Netzpolitik: Machtfrage ungelöst
Beitrag von: SiLæncer am 10 Februar, 2006, 09:40
Der Auseinandersetzung um die Machtverteilung im Netz geht in die nächste Runde. Eine direktere Einflussnahme aller Regierungen und nicht allein der USA forderte Michael Leibrandt vom Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi). Dort, wo öffentliche Interessen berührt sind, sollten alle Regierungen mitentscheiden, betonte er beim Domainpulse-Treffen der deutschsprachigen Domain-Registries DeNIC, Switch und Nic.at. Leibrandt nannte die aktuelle Beraterrolle, die Regierungsvertretern innerhalb der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zugestanden wird, eine "Umleitung". Es sei besser, die Bereiche Regulierung, Standardisierung und Entwicklungsfragen als Hauptaufgabenbereiche der ICANN zu etablieren. Statt der Arbeit innerhalb der verschiedenen Interessensvertreter-Gruppen solle dann in diesen Bereichen Regierungen und Wirtschaft zusammenarbeiten.

Eben diesen Vorschlag hat die deutsche Regierung in der auch im Rahmen der Debatte um den Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) bei der International Telecommunication Union (ITU) vorgelegt. Darin wird der ITU eine größere Rolle bei der Nachbereitung des Weltgipfels und der Fortführung der WSIS-Ziele zugewiesen. Auch eine mögliche Übernahme des Sekretariats des ICANN-Regierungsbeirats GAC durch die ITU hält die Bundesregierung aus Kostengründen für denkbar. Zudem wird das Thema Aufsicht über die DNS-Rootzone und Aufsicht über ICANN, die derzeit immer noch bei der US-Regierung liegen, wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

Entgegen anderslautender Interpretationen, meinte Leibrand in Berlin, spreche der in den WSIS-Abschlussdokumenten vorgesehene "Public Policy Development Process" die beiden "bösen Worte" klar an. Sowohl Leibrandt als auch sein österreischischer Kollege Christian Singer vom Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, der in Berlin auch für die EU Ratspräsidentschaft sprach, betonten jedoch auch, alles gemeinsam mit den US-Kollegen angehen zu wollen. Die hatten nach dem WSIS das Thema Aufsicht für erledigt erklärt.

Die Vorschläge der EU zur "verbesserten Zusammenarbeit" im Bereich Netzverwaltung und zu dem demnächst startenden Internet Governance Forum (IGF) seien gründlich missverstanden worden, meinte Singer. Damit, dass man von Regierungszusammenarbeit gesprochen habe, habe man große Ängste hervorgerufen. Die EU sei aber bei der Frage, wie die "verbesserte Zusammenarbeit" ganz konkret gestaltet werden sollen, noch ganz am Anfang.

Bedenken angesichts der deutschen Position äußerten in Berlin Vertreter der Branche. Die DeNIC-Chefin Sabine Dolderer fragte nach einem versteckten Paradigmenwechsel: "Wir dachten, es geht eigentlich darum, die Sonderrolle der USA zu Gunsten eines Beteiligungsmodells für alle aufzugeben. Jetzt sieht es so aus, als sollten stattdessen die Regierungen insgesamt eine stärkere Rolle bekommen." ICANN-Direktor und Ex-Telekom-Vorstand Hagen Hultzsch warnte vor möglichen negativen Konsequenzen allzu großer staatlicher Einmischung. "Auf Geheiß der Regierungen sollten wir in der Frühphase des Internet einmal X.25 und OSI nutzen und haben dabei enorme Ressourcen vergeudet, anstatt uns darauf zu konzentrieren, was die Kunden wollen."

Leibrandt nannte demgegenüber die Telekommunikationsunternehmen die einstmals größten Feinde des Internet, die sich nun als Gralshüter aufspielten: "Es stimmt so aber einfach nicht, dass das Internet ein Kind des privaten Sektors ist." Auch die Aussage, dass die Industrieselbstverwaltung Demokratie und Freiheit bedeute, sei falsch. "Wer spricht denn mit der Regierung von China über Menschenrechte, die Unternehmen sind es nicht", kommentierte er lapidar. Dass das Internet und auch ICANN funktionierten und daher keine Änderungen notwendig seien, konterte Leibrandt mit dem Hinweis, das Internet funktioniere vor allem deshalb gut, weil Tausende von Einzelakteuren zusammenarbeiteten. ICANN müsse sich dagegen fragen lassen, ob es tatsächlich alle Betroffenen ausreichend beteilige, von unten nach oben durchlässig sei und dabei auch kosteneffektiv. Ihm komme die Organisation aber doch eher wie eine "Mischung aus einer ausgelagerten Regulierungsbehörde und einem Industrieverband" vor, der dabei vor allem US-Interessen vertrete.

Die Debatte über die globale Netzverwaltung hat sicherlich gerade erst begonnen, sagte Markus Kummer, Schweizer Diplomat, der für die UN gerade die Vorbereitungen für die erste Zusammenkunft des Internet Governance Forum trifft. Das soll sich dann nicht nur über die künftige Zusammenarbeit in der Netzpolitik verständigen, sondern über viele Themen einschließlich dem zentralen entwicklungspolitischen Projekt des WSIS: mehr Zugang zu den Netzen. Neben der Aussicht auf einen schnellen Konsens fehlt dazu aber das nötige Geld. Selbst für seine Vorbereitungen zum Internet Governance Forum ist Kummer auf Finanzspritzen angewiesen. Im deutschen ITU-WSIS-Dokument heißt es aber schon deutlich, Deutschland könne keiner Reform des ICANN-Regierungsbeirats zustimmen, die mit Kosten verbunden sei. Mehr Einfluss ja, mehr Kohle nein, lautet die Devise.

Siehe dazu auch:

    * Internet-Regulierung: Darf's ein bisschen weniger sein?
    * Vorbereitungen für das Internet Governance Forum laufen an
    * WSIS: Alle sind Sieger geblieben
    * Regierungen einigen sich auf Forum zur Diskussion von Internet-Fragen
    * Schwere Konflikte um Internationalisierung der Internet-Verwaltung

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/69431
Titel: Verhandlungen zur DNS-Aufsicht hinter verschlossenen Türen
Beitrag von: SiLæncer am 18 Februar, 2006, 12:55
Das vom Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) beschlossene Internet Governance Forum (IGF) soll sich mit Spam, Cybercrime und Multilingualismus sowie dem großen Thema "IT und Entwicklung" beschäftigen. Die heiß umstrittenen Fragen zur technischen und politischen Aufsicht über das Internet und das Domain Name System, also etwa die künftige Aufsicht über die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), wollen die USA, die EU, Australien und weitere einzelne Regierungen hinter verschlossenen Türen verhandeln. Entwicklungsländer, die die Sonderrolle der USA bei der DNS-Aufsicht am meisten kritisiert hatten, sollen draußen bleiben. Der Vertreter der australischen Delegation sagte zum Abschluss von Verhandlungen über die erste IGF-Sitzung im Herbst in Athen: "Ein unabhängiger Parallelprozess wurde zu diesen Fragen gestartet und man sollte sich am besten dieses Prozesses bedienen." Das umstrittene Aufsichtsthema innerhalb der offenen IGF zu diskutieren, würde diesen Parallelprozess lediglich beeinträchtigen.

"Wenn es diesen zweiten Prozess gibt, möchten wird ihn gerne offengelegt haben und hätten auch gerne gewußt, wie der Rest von uns sich daran beteiligen kann," kritisierte US-Kommunkationsforscher Milton Mueller, Gründer des Internet Governance Project. Mueller kritisierte, dass das Nebengleis von vornherein die Legitimität des IGF-Prozesses in Frage stelle. Mehrere Regierungen hatten befürwortet, das Forum solle sich auf nicht-kontroverse Themen konzentrieren. Die nicht mehr ganz geheimen "Geheimverhandlungen" erklären auch die Zurückhaltung der EU- und US-Delegation in den IGF-Vorverhandlungen. Brasilien hatte demgegenüber gefordert, das Thema Aufsicht über Internetressourcen und "verbesserte Zusammenarbeit" innerhalb der IGF auf die Tagesordnung zu setzen.

Dem IGF dürfe auf keinen Fall auf Dauer die Möglichkeit zur Behandlung kontroverser Themen vorenthalten werden, forderten zudem Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen. Der Themen Spam und Cybercrime hätten sich zudem längst andere internationale Gremien von der OECD bis zur ITU angenommen. Das IGF zum Anfang lediglich mit diesem Themen zu beschäftigen, widerspreche der allseits wiederholten Forderung, das neue Gremium solle keine Themen aufgreifen, die bereits anderweitig behandelt würden. Unterstützt wird die Idee, wenig kontroverse Themen zu diskutieren, allerdings auch von den verschiedenen Netzverwaltungsorganisationen, etwa den IP-Adressverwaltern der Regional Internet Registries (RIR), die damit offenbar auf ruhigeres Fahrwasser für die eigene Arbeit hoffen.

Geringer Beliebtheit erfreut sich übrigens auch das andere Reizthema des Weltgipfels der Informationsgesellschaft, die Frage der Menschenrechte im Cyberspace. Rikke Frank Jorgensen vom dänischen Institute of Human Rights forderte dringend, dass das IGF eine Studie zur Vereinbarkeit neuerer Internetüberwachungsgesetzgebung und verbriefter Grundrechtsstandards in Auftrag geben solle. Das Menschenrechtsthema sei in den IGF-Diskussionen unterbelichtet, betonte auch ein Vertreter des Europarates gegenüber heise online.

Vorrangig wird das kleine IGF-Sekretariat Entscheidungen zu den Daten und dem Format des Treffens in Athen im Herbst vorbereiten und UN-Generalsekretär Kofi Annan unterbreiten. Dem Gastgeber Griechenland sagte Nitin Desai, Annans Sonderbeauftragter für das Thema WSIS und Internet Governance, man rechne mit 500 bis 600 Teilnehmern. Innerhalb der nächsten 10 Tage sollen sich alle Beteiligten noch einmal schriftlich dazu äußern, wie das dringend einzusetzende Programmkomitee besetzt werden soll. Regierungen wie private Gruppen befürworteten in Genf mehrheitlich ein einziges Gremium unter Beteiligung von Regierungs-, Wirtschafts- und NGO-Vertretern. In die Hände dieses Programmkomitees will Desai dann auch die leidige Themenfrage legen. "Das sollte nicht von der UN in New York entschieden werden", meinte Desai.

In welchem Maß das IGF künftig an die Vereinten Nationen angebunden sein wird, wurde in Genf ebenfalls verhandelt. Einigkeit herrscht dabei weitgehend darin, dass das IGF nach ganz eigenen Regeln, und nicht wie die eher schwerfälligen UN-Prozesse funktionieren soll. Wie das nun aber genau aussehen soll, dürfte auch beim ersten offiziellen Meeting in Athen noch Thema sein. "Ein bißchen wie die OECD" werde das IGF arbeiten, meint der OECD-Vertreter: weil es nur Empfehlungen machen und keine Verträge aushandeln soll. Ein bißchen wie die IETF soll man arbeiten, mit ad hoc zusammentretenden Arbeitsgruppen, empfahl Sebastian Ricciardi von der Internet Society Argentina.

Die Internet Society ihrerseits will Desai gerne für mögliche Briefings zu internetbezogenen Themen während der Sitzungen einspannen. Er forderte zudem, dass besser betuchte Nichtregierungsorganisationen und die Wirtschaft nicht nur geistig, sondern auch finanziell Beiträge liefern sollten. Geld fehlt nicht zuletzt für die Beteiligung von NGOs und Unternehmen aus Entwicklungsländern, die vom ganzen Internet-Governance-Konferenzzirkus, der durch das IGF noch eine Runde mehr dreht, praktisch ausgeschlossen sind. Je attraktiver die Programme, desto interessantere Leute werde das Forum anziehen, sagte der australische Regierungsvertreter. "Damit wird auch die Finanzierung wieder leichter." Wenn sich allerdings in Zukunft zeigt, dass das IGF tatsächlich zur "Laberbude" wird, geht das Kalkül wohl nicht auf. Brasilien hat angesichts der möglichen Unterschlagung der harten Netzverwaltungsthemen einfach die Flucht nach vorne angetreten und zum Abschluss des Forums die zweite IGF-Konferenz nach Rio de Janeiro eingeladen.

Siehe dazu auch:

    * Internet Governance Forum: Wer bestimmt was im Internet?
    * Quatschbude oder Kreativitätstube? in Telepolis
    * WSIS: Alle sind Sieger geblieben
    * Regierungen einigen sich auf Forum zur Diskussion von Internet-Fragen
    * Schwere Konflikte um Internationalisierung der Internet-Verwaltung
    * Der Kampf um die Macht im Netz
    * US-Präsident greift in Streit um Internet-Kontrolle ein
    * Keine Einigung über Root-Aufsicht
    * US-Handelsministerium: Kein DNS-Management durch die Vereinten Nationen
    * US-Handelsministerium verlängert Vertrag mit ICANN

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/69794
Titel: Initiative kämpft für gefährdete Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 26 April, 2006, 18:51
"Save the Internet Coalition" will Netzneutralität erhalten

Einzelne Internet-Provider würden künftig gerne selbst entscheiden, welche Web-Inhalte ihre Kunden zu Gesicht bekommen. Auch in Deutschland hat die Telekom eine entsprechende Diskussion angestoßen. In den USA bildet gegen solche Bestrebungen nun eine breite Koalition.

Das Gebot der Gleichbehandlung aller Internet-Inhalte, die so genannte Netzneutralität, wird in den USA derzeit scharf debattiert. Mehrere große Internet Service Provider machten Schlagzeilen mit ihrer Forderung, das aktuelle Internet-Prinzip umzukehren. Statt nur die Nutzer für Zugangsabos zahlen zu lassen, sollten künftig auch Website-Betreiber wie Google oder eBay dafür Gebühren entrichten, dass die Provider ihre Kunden auf ihre Seiten lassen.

Die "Save the Internet Coalition", der unter anderem der Vater des Internet-Protokolls , Vint Cerf, als Galionsfigur angehört, wehrt sich nun massiv gegen diese Vorstöße - sie will den US-Kongress davon überzeugen, Gesetze einzubringen, die die Netzneutralität in Bundesrecht festschreibt.

Derzeit gehören der Initiative vor allem unabhängige US-Organisationen wie Verbraucherverbände und liberale Netzaktivisten an. "Save the Internet" ist aber auch offen für Firmen - so hat sich die eBay-Tochter Craigslist, der populärste Anzeigendienst im US-Internet, ebenfalls angeschlossen. Vint Cerf arbietet zudem für Google und vertritt in dieser Sache auch die Interessen des Suchmaschinen-Anbieters.

Save the Internet will nun versuchen, bestehende Gesetzentwürfe, die die Netzneutralität zerstören könnten, zu stoppen. Unterstützen erhalten sie auch von Amazon, Google, eBay, IAC und Microsoft - die Netzunternehmen äußerten sich gegenüber dem US-Senat bereits besorgt über die Pläne der Provider.

Auch in Deutschland ist die Netzneutralität inzwischen ein Thema. Telekom-Chef Ricke sagte vor zwei Monaten gegenüber der Wirtschaftswoche, sein Unternehmen plane im neuen High-Speed-VDSL-Netz ebenfalls, Websites zur Kasse zu bitten.

Quelle und Links : http://www.golem.de/0604/44950.html
Titel: Netzneutralität: USA debattieren, EU wartet ab
Beitrag von: SiLæncer am 16 Juli, 2006, 13:27
Trotz taktischer Manöver und großem Druck von Telekommunikationsunternehmen wird noch einige Zeit vergehen, bevor das neue US-Telekom-Gesetz zur "Netzneutralität" verabschiedet wird. Bürgerrechtsgruppen wie Common Cause monierten diese Woche, dass der vom Abgeordnetenhaus verabschiedete Entwurf HR 5252 anders aussehe als der ebenfalls in HR 5252 umbenannte Text, der derzeit von verschiedenen Senatskomitees debattiert wird. Das Gesetz des Abgeordnetenhauses war enger gefasst und vor allem auf Lizenzen für Videoangebote fokussiert worden. Der Senatsentwurf dagegen enthält laut Experten der Organisation Free Press auch noch Bestimmungen zu Geldern für Notfallkommunikation, zum Schutz digitaler Inhalte, zu schädlichen Inhalte und zur Medienkonzentration. "Die Betitelung ist gleich, aber die Texte sind sehr verschieden," sagte Celia Wexler von Common Cause gegenüber heise online.

Auch die EU-Kommission hat sich des Themas Netzneutralität in der Überprüfung der Rahmenrichtlinie "elektronische Kommunikationsnetze und -dienste" angenommen. In einem aktuellen Arbeitspapier (PDF) schreibt die Kommission, dass ein funktionierender Markt Netzneutralitätsregeln verzichtbar mache. "Im allgemeinen wird bei funktionierendem Wettbewerb ein Provider mit offenerem Angebot auftreten, sobald ein anderer Anbieter versucht, Nutzerrechte einzuschränken." Im übrigen erlaube der Regulierungsrahmen in Europa den Anbietern, unterschiedlichen Kundengruppen unterschiedliche Dienste anzubieten. Kunden in vergleichbarer Situation unterschiedlich zu behandeln, kann dagegen durch den Regulierer auch jetzt schon unterbunden werden, vor allem wenn ein Unternehmen den Markt beherrscht.

Ein mögliches Blocken bestimmter "Dienste der Informationsgesellschaft" durch marktbeherrschende Unternehmen könne vor allem durch die Zugangs- und Verbindungsregeln im Artikel 5 (1) der Zugangsrichtlinie verhindert werden, schreibt die Kommission. Allerdings sieht man trotzdem immerhin ein gewisses Risiko, dass die Qualität der Dienste durch Diskriminierungsmaßnahmen unter ein bestimmtes Level sinken könnte. Daher schlägt man vor, dass die nationalen Regulierungsbehörden Mindestanforderungen an die Dienstegüte festlegen sollen. Damit könnte aus Sicht des Kunden ein Mindestmaß an Übertragungskapazität eingefordert werden.

Großen US-Breitbandanbietern -- und mittlerweile auch einigen europäischen Carriern wie der Deutschen Telekom -- geht es darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die zugesicherte oder besonders rasche Übertragung von Content zur Kasse zu bitten. Sie wollen Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones schaffen, abhängig beispielsweise von Quelle, Dienst und Bandbreitenhunger. So könnten sie etwa den Datenverkehr von besser zahlenden Kunden bevorzugt behandeln. Kritiker befürchten, dass zum Beispiel die Deutsche Telekom auf diesem Wege auch VoIP-Angebote, unliebsame Konkurrenz zum Festnetzgeschäft, an den Rand drängen könnte.

Webgrößen wie Google, Amazon, eBay, Microsoft oder Yahoo gehören zu einer Gruppe von Verfechtern strenger Netzneutralitäts-Regeln. Zusammen mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe zivilgesellschaftlicher Organisationen werben sie online etwa als "It's Our Net"-Koalition für ihre Ziele. Sie fürchten dass Telekommunikationskonzerne und TV-Kabelanbieter das Internet in teure, mit Mautstationen abgesperrte Luxusbahnen und holprige Feldwege aufteilen wollen.

Die Berliner Juristin und Informatikerin Barbara van Schewick empfiehlt im Interview mit heise online klare Regeln zur Netzneutralität. Ohne solche fürchtet sie um die Innovationsfähigkeit im Netz. Newcomer im Dienstebereich würden sich schwer tun, wenn sie nur unter bestimmten Bedingungen oder gegen finanzielle Mehrleistung ihre Dienste ins Netz bringen könnten.

Quelle : www.heise.de
Titel: USA bestehen auf Oberaufsicht über DNS-Rootzone
Beitrag von: SiLæncer am 27 Juli, 2006, 12:21
Die US-Regierung will die generelle Aufsicht über die private Netzverwaltung durch die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in der Zukunft zwar abgeben, aber nicht die Aufsicht über Änderungen in der Rootzone des Domain Name System (DNS). Die Rootzone ist die oberste Ebene des hierarchischen DNS-Systems, das unter anderem für die Umsetzung der einfacher zu handhabenden Domainnamen auf die numerischen IP-Adressen zuständig ist: Die Rootzone bildet die Wurzel für den Stamm des Namensbaums im DNS.

Die US-Haltung zur ICANN und zur Rootzone-Aufsicht erläuterte John Kneuer, Chef der beim US-Handelsministerium für die ICANN zuständigen National Telecommunications and Information Administration (NTIA), bei der mit Spannung erwarteten Anhörung der ICANN-Aufsichtsbehörde zur Zukunft der DNS-Verwaltung. "Diese Anhörung zeigt nicht zuletzt, dass wir uns der Privatisierung von ICANN verpflichtet fühlen", betonte Kneuer. Die Stellungnahme, die der damalige NTIA-Chef Michael Gallagher vor einem Jahr abgegeben hatte, sei in dieser Hinsicht überinterpretiert worden, sagte Kneuer. "Wir wollen nicht alle Aufgaben, die wir historisch übernommen hatten, behalten", sondern "nur" die Aufsicht über Veränderungen in der Rootzone, "die IANA-Funktion, die klar davon getrennt ist", führte der US-Offizielle weiter aus. Die Internet Assigned Numbers Authority (IANA), die die maßgeblichen Unterlagen und Datenbanken über das DNS und die IP-Adressen betreut, veranlasst Änderungen in der Rootzone, die von VeriSign als Dienstleister umgesetzt werden. Auch mit VeriSign als technischem Dienstleister für das Rootzonen-Management hat die US-Regierung einen eigenen Vertrag.

Eine klarere Stellungnahme der US-Regierung, was Internationalisierung bei der Aufsicht genau bedeute, forderte Bill Graham, Director International Telecommunications Policy im kanadischen Wirtschaftsministerium. Er war als einziger ausländischer Regierungsvertreter auf eines der Diskussionspanel während der Anhörung geladen. Die US-Regierung könne festhalten, dass sie die Aufsicht über die Rootzoneb behalte, meinte Graham: "Wir sind nicht unglücklich über die aktuelle DNS-Aufsicht." Allerdings sollte sich die US-Regierung gleichzeitig festlegen, dass man sich "auf die Fälle beschränkt, in denen Sicherheit und Stabilität dies erforderlich machen." Auf eine Frage der US-Anwältin Becky Burr, die eine Art Sicherheitsrat für die Rootaufsicht vorgeschlagen hatte, nannte Graham eine solche multilaterale Aufsicht mit kurzen Deadlines für Entscheidungen denkbar. Eine UN-Aufsicht lehnte Graham ab, "einfach weil das zu groß und zu kompliziert wird."

Innerhalb des Regierungsbeirates der ICANN sei es wichtig, sich vom Muster klassischer diplomatischer Verhandlungen zu lösen und stärker auf den Austausch mit den verschiedenen Interessengruppen zu setzten, betonte Graham. Eine sofortige Privatisierung nach dem Auslaufen des Memorandum of Understanding zwischen US-Regierung und ICANN lehnte er ebenso wie die Mehrheit der bei der dreistündigen Anhörung geladenen Experten ab. ICANN müsse vorher wesentliche Fortschritte etwa bei der Transparenz machen. ICANN fälle bindende Entscheidungen und müsse diese dementsprechend dokumentieren und dafür auch klare Prozesse haben.

Vor allem die Vertreter verschiedener US-Unternehmen und Verbände warnten vor einer sofortigen Privatisierung von ICANN. Und wenn es nach Michael Heltzer, Manager bei der International Trademark Association, geht, sollten künftig Unternehmensgruppen und Markeninhaber mindestens ebenso viel zu sagen haben wie Registrare und Registries. Vertreter von Verbraucherschutz- und Bürgerrechtsorganisationen konterten allerdings, dass derzeit die so genannten Business-Nutzer ein Übergewicht innerhalb der ICANN-Gremien hätten.

David McGuire vom Center for Democracy and Technology wandte sich allerdings wie die Unternehmensvertreter gegen eine Privatisierung. Seine Befürchtung richtet sich allerdings mehr gegen eine mögliche Übernahme der ICANN durch andere Regierungen oder die UN. Für eine sofortige oder doch zumindest rasche Privatisierung sprachen sich dagegen die Akteure im Netz der ICANN-Organisationen, darunter Ray Plzak, Präsident der amerikanischen IP-Adressvergabestelle ARIN und derzeitiger Chef der Number Resource Organisation (NRO), und die DNS-Entwicklerin Suzanne Woolf vom Internet Systems Consortium. Das ISC betreibt einen der 13 Root-Nameserver; Woolf betonte das Erfolgskonzept: keine zentrale Kontrolle und Diversität der Systeme.

Siehe zur Diskussion um die Zukunft der Internet-Verwaltung auch:

    * Ein Sicherheitsrat für die DNS-Rootzone?
    * Netzverwaltung ist ein "halbfertiges Haus"
    * Alte und neue Begehrlichkeiten bei IANA
    * ICANN kündigt Konsultation zur Zukunft der privaten Netzverwaltung an
    * Stoff für den Streit um die Internet-Verwaltung
    * Neue Runde im Streit um die Internationalisierung der Internet-Verwaltung
    * ICANN reif für vollständige Privatisierung?
    * Kofi Annan benennt neue Beratergruppe für Internet Governance Forum
    * US-Regierung verlängert ICANN-Vertrag über IANA-Betrieb
    * Verhandlungen zur DNS-Aufsicht hinter verschlossenen Türen
    * WSIS: Nach dem Weltgipfel ist vor dem Internet-Forum
    * WSIS: Alle sind Sieger geblieben
    * Regierungen einigen sich auf Forum zur Diskussion von Internet-Fragen
    * Schwere Konflikte um Internationalisierung der Internet-Verwaltung
    * US-Präsident greift in Streit um Internet-Kontrolle ein
    * US-Regierung gibt Kontrolle über DNS-Rootzone nicht her
    * US-Handelsministerium: Kein DNS-Management durch die Vereinten Nationen
    * ICANN, WSIS und die Selbstständigkeit der Internet-Verwaltung
    * US-Handelsministerium verlängert Vertrag mit ICANN
    * ICANN darf weiterregieren
    * DNS-Root-System soll unter US-Aufsicht bleiben

Quelle und Links : http://www.heise.de/newsticker/meldung/76017
Titel: Demonstranten in 25 US-Städten fordern Netzneutralität ein
Beitrag von: SiLæncer am 03 September, 2006, 13:00
Wenige Tage vor dem Ende der Sommerpause des US-Kongresses hat die "Save the Internet"-Koalition Abgeordnete bei Kundgebungen in 25 US-Städten aufgefordert, das Prinzip des offenen Internet gesetzlich zu verankern und so auch im Breitbandsektor zu sichern. Besorgte Bürger und Kleinunternehmer postierten sich bei der Aktion Mitte der Woche gezielt vor den Bürogebäuden ihrer Volksvertreter und versammelten sich für direkte Gespräche mit ihnen in den Wahlkreisen. Mit Schildern warben sie dabei für eine Festschreibung der so genannten Netzneutralität, die das Errichten von Mauthäuschen auf den Hochgeschwindigkeitsdatenbahnen der Zukunft verhindern soll. Einzelne Demonstranten sahen gar die Demokratie bedroht, falls das Internet nicht weiter ein allen offen stehendes Medium für Aktivismus und Innovationen bleibt. Die Protestkundgebungen erstreckten sich von Orten wie Buffalo über Denver und New York sowie Orlando bis nach Seattle.

Hinter der Vereinigung Save the Internet steht eine bunte Gruppe zivilgesellschaftlicher Organisationen aller politischer Couleur. Sie macht sich gemeinsam mit Netzgrößen wie Amazon.com, eBay, Google, Microsoft und Yahoo für strenge gesetzliche Netzneutralitätsregeln stark. Ihr Lager fürchtet, dass Telekommunikationskonzerne und TV-Kabelanbieter das Internet in teure, mit Mautstationen abgesperrte Luxusbahnen einerseits und holprige Feldwege andererseits aufteilen wollen. Großen US-Breitbandanbietern und einigen europäischen Carriern wie der Deutschen Telekom geht es darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die zugesicherte oder besonders rasche Übertragung von Daten zur Kasse zu bitten. Sie wollen Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones erhalten, abhängig etwa von Quelle, Dienst und Bandbreitenverbrauch. So könnten sie den Datenverkehr von besser zahlenden Kunden bevorzugt behandeln oder beispielsweise VoIP-Anbieter, die ihrem Festnetzgeschäft Konkurrenz machen, benachteiligen.

Im Kongress mussten die Befürworter des offenen Internet bereits zwei schwere Niederlagen einstecken, sodass sie nun den Druck auf die Abgeordneten verstärken. Im federführenden Wirtschaftausschuss des Senats scheiterte Ende Juni ein Änderungsantrag zur geplanten Reform des Telekommunikationsgesetzes, mit dem die "Netzneutralität" festgeschrieben werden sollte, knapp an der Mehrheit der Republikaner. Der durchgefallene Vorschlag wollte es Breitbandanbietern untersagen, den Zugang zu bestimmten Inhalten zu blockieren. Die Netzbetreiber sollten auch daran gehindert werden, spezielle Vereinbarungen mit Inhalteanbietern für die schnellere oder garantierte Übertragung ihrer Daten abzuschließen. Im US-Repräsentantenhaus hatte zuvor ein Antrag für eine umfassende Netzneutralitätsregelung des Demokraten Ed Markey keine Mehrheit gefunden.

Während der Sommerpause haben sich die Fronten zu dem Streit-Thema entlang der Parteilinien weiter verfestigt. Im Senat wird es innerhalb des nächstens Monats erneut um den Internet Freedom Preservation Act (PDF-Datei) gehen, den die republikanische Senatorin Olympia Snowe gemeinsam mit ihrem Kollegen Byron Dorgan von den Demokraten bereits im Mai ins Rennen geschickt hatte. Nach wie vor ist Snowe aber die einzige Befürworterin des Entwurfs unter den Republikanern. Laut der "Save the Internet"-Koalition unterstützen dagegen inzwischen 26 demokratische Senatoren das Papier. Obwohl die Demokraten in der Minderheit sind, können sie so die Verabschiedung der kompletten Novelle des Telekommunikationsrechts verhindern. Senator Ron Wyden aus Oregon hat sein Veto bereits angekündigt und will davon nach wie vor Gebrauch machen, sollte in den Reformvorschlag nicht doch noch eine starke Netzneutralitätsklausel eingebaut werden. Für das Finden von Kompromissen bleibt kaum noch Zeit, da der Senat angesichts der im November anstehenden Wahlen zum US-Kongress nur noch bis zum 6. Oktober tagen will.

Die Allianz zur "Rettung des Internet" hat derweil 1,1 Millionen Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt und wirbt auch in fast 200 Videos auf YouTube für ein offenes Breitbandnetz. Aber auch die Gegenlobby setzt auf den viel beschworenen "Grassroots"-Aktivismus. So haben laut Mike McCurry, dem Co-Vorsitzenden der Koalition "Hands off the Internet", der vor allem Telcos und Kabelanbieter angehören, auch viele Mitarbeiter von Breitband-Netzbetreibern und Mitglieder einer Branchengewerkschaft die Gesetzgeber angeschrieben und die bisherigen Regeln zur Aufrechterhaltung des Wettbewerbs als ausreichend beschrieben für das weitere Gedeihen des Internet. McCurry ist sich zudem sicher, dass die meisten Verbraucher mit dem Label "Netzneutralität" trotz der Kampagnen der anderen Seite nichts anfangen können. Ihnen würde es ausreichen, wenn sie eine größere Auswahl bei Breitbandanbietern hätten.

Quelle : www.heise.de
Titel: Drei weitere Jahre ICANN und US-Aufsicht über Adressierung im Netz
Beitrag von: SiLæncer am 30 September, 2006, 17:15
Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) und das US Department of Commerce (DoC) haben gestern die Verlängerung des so genannten Memorandum of Understanding (MoU) bekannt gegeben. Pünktlich zum Auslaufen des bisherigen MoU zum heutigen 30. September wurde damit ICANN erwartungsgemäß in ihrer Rolle als private Netzverwaltung bestätigt. Das DoC behält seine international viel kritisierte Aufsichtsrolle zunächst für weitere drei Jahre.

ICANN betonte allerdings, dass die neue Vereinbarung ein beträchtlicher Schritt in Richtung Abkoppelung von der US-Aufsicht sei. "Es ist eine wirkliche Veränderung des Verhältnisses," sagte der Vorsitzende des ICANN Vorstandes Vint Cerf gegenüber Heise Online, "ICANN erhält im Vergleich zu den früheren MoUs deutlich mehr offizielle Autorität über ihre Zielsetzungen. Bislang wurden spezifische Zielsetzungen vom DoC festgelegt". Seit der Gründung von ICANN im Jahr 1998 wurde das MoU, das ICANN an die US-Verwaltung bindet, sechsmal verlängert. Mit der jetzt wirksamen siebten Verlängerung verzichte das DoC unter anderem auf einen Großteil spezifischer Vorgaben für die weitere Arbeit.

"ICANN und die ICANN-Gemeinschaft legt selbst fest, wie sie arbeitet und was sie tut", heißt es in einer offziellen ICANN-Stellungnahme. Künftig müsse man lediglich allgemeine Jahres- statt speziell fürs DoC gefertigter Halbjahresberichte abliefern, und schließlich verzichte das DoC auf regelmäßige Rechenschaftsberichte gegenüber dem Ministerium. Von nun an "wird sich das DoC einfach von Zeit zu Zeit mit der ICANN-Spitze treffen".

Cerf erklärte darüberhinaus: "Ich glaube, das DoC hofft darauf, dass wir zu einem Abschluss kommen, wenn diese Vereinbarung ausläuft, oder sogar noch vorher. Und wir teilen diese Erwartung." Er glaube fest daran, dass die US-Regierung, vertreten durch das DoC, "ehrlich bemüht ist, ICANN zu einer erfolgreichen, unabhängigen Organisation zu machen, die von den verschiedenen Interessenvertretern getragen wird".

Das Statement kommentiert eine kontroverse Debatte, wie es denn mit der US-Kontrolle über die ICANN weitergehen solle. "Ich hoffe, dass die Regierungen, die die historisch bedingte Beziehung zwischen ICANN und der US Regierung kritisch betrachten, dies als einen wesentlichen Schritt auf dem Weg anerkennen, diese Beziehung derjenigen anzugleichen, die ICANN mit anderen Regierungen hat oder haben könnte", ergänzte Cerf. Dennoch bleiben Prioritäten der US-Politik sehr deutlich sichtbar. So steht der von US-Politikern nachdrücklich geforderte offene Zugang zu den Whois-Daten prominent in einer Liste von Aufgaben, zu denen sich ICANN in einem Zusatzdokument verpflichtet. Europäische Unternehmen setzen sich dagegen seit Jahren für ein datenschutzfreundlicheres Whois ein, um eigenen Gesetzen entsprechen zu können.

Quelle : www.heise.de
Titel: ICANN stellt neue Konzepte für Whois-Daten vor
Beitrag von: SiLæncer am 28 November, 2006, 19:56
Wie viele Daten muss der Inhaber einer Toplevel-Domain preisgeben? Bisher werden in der für jedermann zugänglichen Whois-Datenbank persönliche Daten von Domaininhabern für bis zu drei Jahre nach Auslaufen der Domain aufbewahrt. Über die Frage nach Datenschutz bei Whois-Abfragen wurde bereits mehrfach gestritten und debattiert. Heute hat das für generische Top Level Domains zuständige Gremium GNSO der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zwei alternative Whois-Konzepte vorgestellt. Bis zum 15. Januar 2007 bittet die GNSO nun um Stellungnahmen der Öffentlichkeit.

Das erste Konzept beinhaltet einen datenschutzfreundlicheren "Operational Point of Contact" (OPoC). Dieses Konzept sieht vor, die Whois-Daten auf Namen und Nationalität des Domain-Inhabers zu beschränken. Der OpoC-Datensatz soll die bisherigen Angaben zu Tech-C, Admin-C und Billing-Contact ersetzen. "Die Trennung der verschiedenen Funktionen ist veraltet und heutigen Nutzern kaum noch vermittelbar", meint GNSO-Ratsmitglied Tom Keller von Schlund&Partner. Mit dem OPoC könne gewährleistet werden, dass Whois-Anfragen sofort den richtigen Ansprechpartner preisgeben.

Diesem Ansatz widersprechen vor allem die Marken- und Rechteinhaber in der ICANN. Sie befürworten den zweiten Vorschlag, der sich für eine Beibehaltung des aktuellen Systems ausspricht, das um eine Sonderregelung für die Geheimhaltung der Daten einiger Domaininhaber erweitert wird. Sie wollen einen direkten Kontakt zum Endnutzer und eine Sonderregelung für "besondere Umstände" – beispielsweise für Personen, die Angst vor der Verfolgung durch "Stalker" haben.

Allerdings sei nicht klar, wer in den Genuss des Datenschutz-Privilegs kommen solle und zudem "schwierig, jemanden zu finden, der die Validierung übernimmt", so Keller weiter. Für Registrare entstünde ein beträchtliches Haftungsrisiko, würde man die Entscheidung auf sie abwälzen: "Mal angenommen, ein Registrar versagt einer Privatperson das Privileg und diese Person wird dann Opfer eines Stalkers", warnt Keller. "Letztlich sind die Befürworter der datenschutzfreundlichen Lösung angesichts der Pattsituation in der ICANN wohl auf die Unterstützung durch Regierungen mit entsprechenden Datenschutzgesetzen angewiesen."

EU-Registrare, die seit langem auf die Unvereinbarkeit der gegenwärtigen Regelung mit EU-Datenschutzrecht verweisen, haben inzwischen die Option auf eine Ausnahmeregelung für ihre Kunden durchgesetzt. Aber auch dafür bedürfe es klarer Ansagen von Seiten der Datenschutzbehörden des jeweiligen Landes, fordert Keller. "Wir können nur reagieren, wenn uns die Datenschützer entsprechend auffordern." Diese Ausnahmeregelung sei trotzdem der wichtigste Erfolg in Sachen Whois, nur müsse sie noch mehr genutzt werden.

Ob es nach der Anhörung über die Whois-Alternativen zu einer endgültigen Entscheidung komme, sei angesichts der aktuellen Dominanz der von Rechteinhabern und der für den Verbraucherschutz in den USA zuständigen Federal Trade Commission (FTC) getriebenen US-Position fraglich. Auch der Vorstand der ICANN werde es kaum wagen, sich gegen die US-Regierung zu entscheiden, fürchtet Keller. Die bei ICANN vertretenen internationalen Regierungen haben derweil ebenfalls einen Bericht zum Whois-Thema angekündigt.

Quelle : www.heise.de
Titel: Demonstration für Netzneutralität in den USA
Beitrag von: SiLæncer am 29 November, 2006, 10:40
Die Koalition SaveTheInternet protestierte am gestrigen Dienstag in Lansing, Michigan, gegen ein Gesetz, das Carrier nicht auf strikte Netzneutralität verpflichtet. Die Organisation macht sich gemeinsam mit Netzgrößen wie Amazon.com, eBay, Google, Microsoft und Yahoo für strenge gesetzliche Netzneutralitätsregeln stark. Ihr Lager befürchtet, dass Telekommunikationskonzerne und TV-Kabelanbieter das Internet andernfalls in teure, mit Mautstationen abgesperrte Luxusbahnen und holprige Feldwege aufteilen. Großen US-Breitbandanbietern und einigen europäischen Carriern wie der Deutschen Telekom geht es darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die zugesicherte oder besonders rasche Übertragung von Daten extra zur Kasse zu bitten. Sie wollen Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones erhalten, abhängig etwa von Quelle, Dienst und Bandbreitenverbrauch.

Das Michigan Video Franchising Gesetz (HR 6456), das am heutigen Mittwoch vom Ausschuss Technologie und Energie des Senats von Michigan beraten wird, sei von den Lobbyisten der großen Carrier geschrieben worden, beklagt die Initiative in ihrem Demonstrationsaufruf. Die Internet Innovation Alliance, zu der unter anderem AT&T, Level 3, die Infomation Technology Alliance of America und die American Conservative Union gehören, begrüßte das Gesetz dagegen, denn es begünstige den Aufbau von technischer Infrastruktur und den Eintritt neuer Konkurrenten in den Markt für Kabelanbieter. Das Gesetz soll einen einheitlichen Rechtsrahmen schaffen für die Belieferung der Bürger Michigans mit Videodiensten und IPTV vor allem über die Kabelnetze; dabei würde den großen Carriern erlaubt, mit eigenen Angeboten auf dem lokalen Fernsehmarkt aufzutreten. Die Carrier könnten mit großen Stationen Verträge auf Bundes- oder Bundesstaatsebene abschließen, deren Angebote gegen entsprechende Gebühren in ihren Netzen bevorzugen, lokale Fernsehstationen, die nicht so finanzstark auftreten können, dagegen unberücksichtigt lassen oder gar nicht in ihren Netzen transportieren. Das Gesetz würde AT&T unabhängig von lokalen Lizenzvergaben fürs IPTV-Geschäft machen und ihm eine TV-Lizenz für ganz Michigan erteilen. Das Unternehmen hat für diesen Fall den Aufbau eines Glasfasernetzes für Highspeed Internet und Fernsehen angekündigt.

Das Gesetz sei der Traum von AT&T, für Verbraucher aber ein Albtraum, meinte Frannie Wellings von FreePress gegenüber heise online. "Wenn das Gesetz durchgeht, würde der Verbraucherschutz samt und sonders in den Mülleimer wandern, AT&T könnte sich bestimmte, reichere Gegenden für Angebote auszusuchen, die Finanzierung von Angeboten im öffentlichen Bereich, Bildungssektor und beim Staat ruinieren, und gleichzeitig würde es keinerlei Schutz für die Neutralität des Netzes geben." Als massiven Ausverkauf an AT&T und gegen Verbraucherinteressen und wirtschaftliche Innovation gerichtet, bezeichnete auch David Pettit von der Verbraucherschutzinitiative Public Interest Research Group in Michigan (PIRGIM) den Vorschlag.

Unterstützt wurde die Kundgebung von einem breiten Bündnis von Organisationen unterstützt, darunter dem Michigan Chapter der National Association of Telecommunication Officers and Advisors, der Consumer Federation of America, der Alliance for Community Media und dem Grand Rapids Community Media Center. Mit von der Partie war auch Google: für den Suchmaschinenprimus meinte Andrew McLaughlin, man hätte es nie geschafft, mehr als eine Garagenfirma zu werden, hätten die Internetanbieter den individuellen Zugang zu Google blockieren oder langsamer machen können. Die SavetheInternet-Initiative überreichte den Senatoren insamt 18.000 Unterschriften für die Einfügung einer Netzneutralitätsregel.

Man habe AT&T und seine Verbündeten (dazu gehört unter anderem auch Verizon) nicht erfolgreich im US-Kongress aufgehalten, nur damit sie jetzt auf der Ebene der Bundesstaaten eine Netzneutralitätsregel verhinderten. "Wenn sie in Michigan gewinnen, bedeutet das einen schweren Rückschlag für unsere Arbeit in Washington", schreiben die Koalitionäre. "Ein Bundesgesetz könnte die Gesetzgebung auf der Ebene der Bundesstaaten vorwegnehmen", meinte Wellings.

Die Carrier hätten allerdings angekündigt, dass sie jetzt bundesstaatliche Regeln anstelle eines Bundesgesetzes favorisieren: "Sie sind voller Zuversicht, dass sie in den Bundesstaaten mit ihren Vorschlägen durchkommen", kommentierte Wellings. "Aber wir folgen ihnen auf dem Fuß und werden die Gesetze dort bekämpfen und die Schlacht dann im nächsten Jahr auf Bundesebene zu Ende bringen." Ihre Organisation erwarte nicht, dass das im auslaufenden Jahr so heiß umstrittene Gesetz HR 5252 zur Netzneutralität noch jetzt vom Kongress verabschiedet werde. Das Gesetz in Michigan habe aber bereits das Abgeordnetenhaus passiert und müsse nur noch im Senat verabschiedet werden. Das könne noch in dieser Woche passieren.

In beiden Fällen – im US-Kongress und im Senat von Michigan – warnen die Befürworter von Netzneutralität davor, die Gesetze noch schnell vor der neuen Legislaturperiode und damit unter der abgewählten Republikaner-Mehrheit über die Bühne zu bringen. Die Sitzung, in der die abgewählte Mehrheit noch einmal das Szepter führt, werden als "Lame Duck"-Sitzungen bezeichnet. Von der neuen, demokratischen Mehrheit im Kongress erhoffen sich die Netzneutralitäts-Befürworter mehr Unterstützung.

Quelle : www.heise.de
Titel: Netzneutralität: Der Kampf geht weiter
Beitrag von: SiLæncer am 27 Januar, 2007, 10:42
Für die Freunde des freien Internet hat 2007 eigentlich gut begonnen. Das Thema Netzneutralität, also die neutrale Behandlung jeder Art von Internet-Datenverkehr ohne "Schnellstraßen", die sich nur einzelne Provider sichern, scheint in den USA auf dem Vormarsch. Blockierten sich die verschiedenen Gesetzesinitiativen 2006 im US-Kongress noch gegenseitig, gibt es nun neue Ansätze, die Daten-Gleichbehandlung erfolgreich gesetzlich festzuschreiben. Gleichzeitig scheinen auch die mächtigen Telekomkonzerne, die noch im vergangenen Jahr auf neuen Netz-Mautstellen und Vorfahrt für den eigenen Datenverkehr pochten, ein Einsehen zu haben – so will etwa der große Backbone-Betreiber AT&T zumindest temporär weiterhin alle Datenpakete gleich behandeln.

Doch der Kampf ist keineswegs vorbei. Es ist weiterhin möglich, dass es in naher Zukunft zu einem so genannten "Tiered Internet" kommt, bei dem nur noch die Websites an die Endkunden besonders schnell ausgeliefert werden, für die die Betreiber extra bezahlen. Der Grund sind politische wie geschäftliche Realitäten.

Die öffentliche Diskussion zum Thema Netzneutralität begann bereits 2002. Damals warnten die im Internetrecht bewanderten Juraprofessoren Tim Wu (Columbia University) und Lawrence Lessig (Stanford) gemeinsam mit anderen bekannten Online-Persönlichkeiten, dass große Endkunden-Provider dazu übergehen könnten, ihrer Meinung nach weniger lukrative Internet-Nutzungsmuster einzuschränken, um dann anderswo mehr zu verlangen. Doch die Gefahr blieb über Jahre eher theoretischer Natur – die meisten Nutzer erhielten nach wie vor das "vollständige" Netz. Erst Ende 2005 äußerte sich Ed Whitacre, Chef des US-Telekomkonzerns SBC, konkret: In einem Interview mit der "Business Week" spielte er mit den Muskeln und deutete an, er wolle künftig Geld von Internet-Unternehmen wie Yahoo, Google oder dem VoIP-Anbieter Vonage sehen, damit diese ihre Daten an die SBC-Breitbandkunden weiterleiten dürften – obwohl die Online-Anbieter doch längst für ihre Anbindung und ihren Datenverkehr an ihre eigenen Provider zahlten. Whitacres inzwischen berühmt gewordener Satz lautete damals sinngemäß wie folgt: "Diese Jungs würden gerne meine Rohrleitungen kostenlos benutzen, in die wir Unmengen an Kapital investiert haben. Das werde ich nicht zulassen. Wir wollen einen Return on Investment."

Bemerkungen dieser Art, die neben Whitacre auch andere Vertreter von Telko-Giganten inklusive der Deutschen Telekom inzwischen wiederholten, elektrisierten die Internet-Gemeinde. Inhalteanbieter und Free Speech-Aktivisten taten sich zusammen, um von der Politik zu verlangen, die lange Zeit für selbstverständlich genommene Netzneutralität zu verteidigen. Sie forderten, dass kein Provider Daten anhand ihrer Quelle unterschiedlich behandeln dürfe. "SavetheInternet.com", eine bunte Netzneutralitäts-Koalition mit einer Spannbreite vom liberalen Demokratieaktivisten bis zum konservativen Religionsführer, setzte 2006 auf Lobby-Arbeit. Das Ziel: Netzneutralitäts-Gebote sollten in das zur Überarbeitung anstehende US-Telekommunikationsgesetz. Die Telekom- und Kabelkonzerne wehrten sich, steckten Millionen in eigene Lobbykampagnen. Das führte schließlich dazu, dass die Big Business-freundlichen Republikaner mit ihrer damaligen Macht in beiden Häusern des US-Parlaments entsprechende Regelungen blockierte. Letztlich wurde das Vorhaben dann vertagt.

Dann bekamen die Netzneutralitäts-Aktivisten kurz vor dem Jahreswechsel noch eine nachträgliche Weihnachtsüberraschung, als der dank mehrerer Megadeals inzwischen als AT&T auftretende SBC-Konzern beim Pokern um den ultimativen Zusammengang mit dem Konkurrenten BellSouth bei der US-Regulierungsbehörde FCC scheinbar klein beigab. Die zwei demokratischen Mitglieder der FCC zwangen AT&T, eine Anzahl von Zugeständnissen zu machen – darunter die Einhaltung der Netzneutralität. In der Übereinkunft, die am 29. Dezember veröffentlicht wurde, heißt es denn auch, dass AT&T nicht versuchen werde, Internet-Inhalteanbietern, Anwendungs- und Serviceprovidern Zusatzkosten abzuverlangen, damit deren Daten schneller (bzw. unausgebremst) an die eigene Kundschaft gelangten. Explizit war damit der DSL-Markt gemeint, den AT&T/BellSouth in den USA inzwischen deutlich dominieren.

"SaveTheInternet.com" und andere Gruppen feierten diese Zugeständnisse als wichtigen Sieg. Auch Columbia-Professor Wu hielt die Regelung für einen "Meilenstein in der Geschichte des Internet". Und tatsächlich: Es war eine erstaunliche Wende bei einem Unternehmen, dessen Chef vorher so vehement gegen die Netzneutralität polemisiert hatte.

Allerdings lässt sich mit der FCC-Übereinkunft keineswegs sagen, dass der Telko-Gigant sich ergeben hätten. AT&T muss sich nämlich nur maximal zwei Jahre an die Netzneutralitätsregelung halten, falls Washington kein eigenes Gesetz verabschiedet. Und obwohl der neue Riese AT&T/BellSouth den größten Teil der amerikanischen Breitbandinfrastruktur besitzen wird, wirkt sich die Regelung nicht auf die letzten verbliebeneen großen Konkurrenten Verizon und Qwest aus. Auch für Kabel-Anbieter wie Comcast, die in den USA sehr erfolgreich Breitband-Internet verkaufen, gilt der Kompromiss natürlich nicht.

Daneben existiert noch ein anderes Loch in dem Vertrag. Er gilt nämlich nur für heutige Technologien auf Basis der Kupferdrahttechnik DSL. AT&Ts neuer "U-Verse" TV- und Internet-Dienst, der an "T-Home" der Deutschen Telekom erinnert, wird in bis zu 30 US-Städten bis Ende des Jahres aber auf Glasfasertechnologie basierend aufgebaut und falle deshalb nicht unter das Netzneutralitätsgebot, wie die Cyberlaw-Expertin Susan Crawford von der Cardozo Law School anmerkt.

U-Verse verkauft sein Paket mit Fernsehen und High-Speed-Internet als Co-Branding-Deal mit Yahoo. Und weil die Glasfasertechnik nicht von der FCC-Übereinkunft abgedeckt wird, könnte AT&T sogleich damit beginnen, Deals mit Yahoo und anderen Internet-Firmen zu machen, deren Dienste dann plötzlich flotter (bzw. unverlangsamt) auf den Bildschirmen auftauchen. "AT&T sagt also faktisch, dass man die bisherigen Breitband-Dienste neutral behandeln werde. Bei den neuen Super-Duper-Highspeed-Glasfaser-Produkten mit U-Verse, Yahoo und Konsorten ist das aber eine ganz andere Sache", so Crawford.

Bliebe da noch die Gesetzesschiene. Im nun von den Demokraten beherrschten US-Kongress haben Netzneutralitäts-Regelungen wie erwähnt bessere Chancen. So haben bereits die Senatoren Byron Dorgan und Olympia Snowe (letzteres sogar eine Republikanerin) den "Internet Freedom Preservation Act" wieder eingebracht, der dem neuen Telekommunikationsgesetz bei Breitbandiensten eine strikte Netzneutralität verordnen würde.

"Wir haben es hier mit großen Geschäftsinteressen zu tun – Kabel- und Telefon-Firmen und andere, die gerne Gatekeeper sein wollen und dem Internet eine Mautgebühr auferlegen möchten", meint Dorgan. "Diese Firmen würden gerne zu den Inhalteanbietern sagen: Wenn Du auf meine Datenautobahn willst, dann zahlst Du mir bitte schön etwas dazu. Das halte ich für sehr gefährlich." Die innovativen jungen Leute mit großen Ideen, die das "nächste große Ding" vielleicht gerade in ihrer Garage zusammenbastelten, könnten dann plötzlich nicht mehr an die Nutzer gelangen, so der US-Sentator: "Innovationen im Internet funktionieren nur, wenn es keine Diskriminierung für neue Firmen gibt."

Das Dorgan-Snowe-Gesetz, das auch noch von drei anderen prominenten Demokraten (Hilary Clinton, Barack Obama und John Kerry) unterstützt wird, soll nun bald im Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Technologie behandelt werden. Im Repräsentantenhaus gibt es bislang keinen vergleichbaren Entwurf, aber der Demokrat John Dingell, der Vorsitzende im dortigen Ausschuss für Energie und Handel, hält Netzneutralitätsverfügungen für eine Toppriorität in diesem Jahr. Allerdings dürfte jeder neuerliche Ansatz für erneuten Lobbywirbel seitens der Telekommunikationsgiganten sorgen.

Darüber hinaus gibt es auch noch technische Argumente, die den US-Telcos womöglich in die Hände spielen. VoIP, Videos und Online-Spiele brauchen Bandbreite - und zwar deutlich mehr, als die Anwendungen der letzten Generation. Inzwischen entsteht der Datenverkehr auch nicht mehr nur zentralisiert durch Seiten wie YouTube, von denen Menschen stundenlang Videos herunterladen, sondern auch durch Endkunden, die Filme und andere gewichtige Daten über P2P-Tauschnetze miteinander teilen. Sie zahlen aber dennoch Pauschaltarife, die einst in der Kalkulation der Provider eigentlich von geringeren Nutzungsumfängen ausgingen.

Einige Beobachter halten es daher für unrealistisch, dass die Provider dies lange durchhalten können. Hui Zhang, der ein Netzwerk-Start-up gegründet hat, das Providern Dienste-basierte Filter anbietet, glaubt, dass die Provider künftig mehr Kontrolle über ihre Netze bräuchten. "Diese ganze Netzneutralitätsdebatte müsste eigentlich zu einer Diskussion über die Zahlung nach Nutzung führen." Dann wären wir allerdings wieder in einem Internet wie zu Omas Zeiten, als man noch minutenweise abrechnete. Und: Andere Netzwerkexperten halten Zhang entgehen, dass die Knoten der großen Provider längst nicht ausgelastet seien. Die Angst vor zu hoher Nutzung sei bei ständig fallenden Preisen für den Datenverkehr schlicht "Panikmache".

Quelle : www.heise.de
Titel: Netzneutralität: (K)eine Debatte in Europa
Beitrag von: SiLæncer am 27 Februar, 2007, 20:27
Um die in den USA heftig geführte Debatte um Netzneutralität ging es auch bei einer Konferenz des Münchner Kreises zum Thema "Infrastruktur und Services – Ende einer Verbindung" am heutigen Dienstag in der bayerischen Landeshauptstadt. Diese Debatte werde man in Deutschland und Europa nicht führen; die Marktsituation und existierendes Wettbewerbsrecht mache die Diskussion – anders als in den USA – unnötig. Diese Auffassung teilten Vertreter der Deutschen Telekom (DTAG) und des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Auch Christoph Baudis von Google Deutschland äußerte sich zurückhaltend zur Notwendigkeit einer Debatte in Europa; in den USA gehört Google zu den Fürsprechern einer gesetzliche Neutralitätsregelung.

Barbara van Schewick, Juristin und Informatikerin von der TU Berlin, empfahl mit Blick auf die anstehende Überprüfung des EU Rechtsrahmens zur Telekommunikation dagegen, eine klare Entscheidung zur Frage zur Netzneutralität auch in EU-Netzen zu treffen. Bei der Debatte geht es laut van Schewik, die zum Thema Netzneutralität in den USA und Europa forscht, um drei große Fragen: Dürfen Netzbetreiber Anwendungen, die mit eigenen Angeboten konkurrieren, vom Transport durch ihre Netze ausschließen oder diskriminieren, etwa verlangsamen? Ist auch eine Privilegierung beim Transport durch die viel diskutierte Quality of Service schon eine unzulässige Diskriminierung? Und darf der Netzbetreiber auch den Serviceanbieter für Quality of Service zur Kasse bitten oder nur den Accesskunden? Gesetzesvorschläge dazu liegen in den USA nach dem Wechsel der Mehrheit im Kongress derzeit noch auf Eis.

In den USA sei durch den Abbau der sektorspezifischen Regulierung die Situation eine andere, hieß es dazu von anderer Seite. "Wir wollen keine Debatte in der aggressiven Form wie sie in den USA geführt wird," sagte Christopher Schläffer, Corporate Product and Innovation Officer der Telekom. Die DTAG bekenne sich klar zu einem "offenen Internet", so Schläffer. "T-Mobile war das erste Mobilfunkunternehmen, das das mobile Internet geöffnet hat. Wettbewerb erzeugt unserer Meinung nach Fortschritt und wir spielen auf dieser Seite." Damit trat Schläffer früheren Äußerungen aus dem DTAG-Management entgegen, große Internetplattformbetreiber sollten für die "Durchleitung" durchs DTAG-Netz neben den Kunden zur Kasse gebeten werden. Auf keinen Fall werde man die Debatte dadurch anheizen, dass man sich auf eine Seite stelle, die der Internet-Evangelisten oder die der US-Netzbetreiber, sagte Schläffer.

Karl-Heinz Neumann, Chef des WIK in Bad Honnef, erklärte: "Die Vertreter und Propagandisten der Netzneutralität haben offenbar Schwierigkeiten, Marktergebnisse zu akzeptieren." Wenn etwa die Mobilfunkunternehmen in Europa VoIP-Verbindungen über ihre Netze verböten oder blockierten, sei dies Ausdruck von Marktentscheidungen. "Das haben wir zu akzeptieren." Den VoIP-Sündenfall der Mobilfunker hatte van Schewick als Beispiel dafür angeführt, dass es auch hierzulande bereits Verstöße gegen das Prinzip eines Diskriminierungsverbotes gebe. Van Schewick mahnte zur Überlegung, ob das Internet als Infrastruktur nicht anders zu behandeln sei als andere Güter.

Denn schaden könnten eine Diskriminierung im Netz nicht in erster Linie den großen Anwendern wie Google oder eBay. Diese hätten letztlich ausreichend Marktmacht und Kapital. Das zeigt laut van Schewick nicht zuletzt der Rückzug der Bank of America aus der Neutralitätsdebatte in den USA. Die Banken hätten sich zunächst auf die Seite der Befürworter einer Regelung stellen wollen, da sie befürchteten für besonders sichere Verbindungen gesondert zur Kasse gebeten zu werden. Doch dann habe man sich mit At&T zusammengesetzt und erfahren, dass man sich doch durchaus einigen und damit viele kleine Wettbewerber vom Hals halten könnte. So könnte es auch für künftige Herausforderer von Google oder eBay kommen. Daher müsse die EU entscheiden, ob sie die Anwendungsinnovationen, die das Netz ermögliche, besonders schützen wolle. Und Innovationen, so sagte der Regensburger Innovationsforscher Michael Dowling, seien in den vergangenen Jahren nicht von den großen TK-Betreibern, sondern von den YouTubes der Welt gekommen.

Van Schewick kann durchaus nachvollziehen, dass die Netzbetreiber derzeit nicht an einer größeren Debatte in Europa interessiert seien. Denn sei die anstehende Überprüfung der europäischen TK-Rahmenrichtlinie erst einmal abgeschlossen, wäre "der Status Quo erst einmal zementiert."

Quelle : www.heise.de
Titel: Web-Erfinder spricht sich für Netzneutralität und gegen DRM aus
Beitrag von: SiLæncer am 03 März, 2007, 20:05
 Sir Tim Berners-Lee, der "Vater" des World Wide Web, hat im US-Kongress nachdrücklich für den Erhalt des Prinzips des offenen Netzwerks geworben. "Ein Internet, das allen zu gleichen Bedingungen zur Verfügung steht, ist sehr, sehr wichtig für eine Web-basierte Gesellschaft", erklärte der Entwickler bei einer Anhörung über die "Zukunft des World Wide Web" im Unterausschuss für Telekommunikation und Internet im US-Repräsentantenhaus. "Ich glaube, dass das Kommunikationsmedium so wichtig ist, dass wir es besonders schützen sollten." Als er in Großbritannien aufgewachsen sei, habe die Briefpost als Schlüssel-Kommunikationsdienst gegolten, verdeutlichte der Gründer des World Wide Web Consortium (W3C) sein Anliegen. Die Regierung habe daher Eingriffe in den Postverkehr unter schwere Strafen gestellt. Beim Datenverkehr sollte daher genauso verfahren werden.

Das Gebot, den freien Informationsfluss zu gewährleisten, werde angesichts der globalen Natur des Internet und des Web immer bedeutsamer, führte Berners-Lee weiter aus. Die besonders vorsichtige Behandlung des Hypertextmediums, die bisher weltweit an den Tag gelegt worden sei, "entstammt unserer langen Tradition, wonach Demokratien ihre entscheidenden Kommunikationswege schützen müssen".

Berners-Lee griff damit erneut in die Debatte um die Netzneutralität ein, die in den USA seit über einem Jahr hitzig geführt wird. Großen US-Breitbandanbietern und einigen europäischen Carriern wie der Deutschen Telekom geht es seit längerem darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die zugesicherte oder besonders rasche Übertragung von Daten zur Kasse zu bitten. Verfechter strenger gesetzlicher Netzneutralitätsregeln wie Amazon.com, eBay, Google, Microsoft oder Yahoo fürchten dagegen, dass neue Geschäftsmodelle durch ein Mehr-Klassennetz behindert und innovativen jungen Netzfirmen Steine in den Weg gelegt werden sollen.

Berners-Lee zeigte sich überrascht, dass über die Beibehaltung des grundlegenden Prinzips der Netzneutralität in den USA überhaupt so lange diskutiert werde. In anderen Ländern werde der offene und allen zu gleichen Bedingungen zur Verfügung stehende Zugang zum Internet als gegeben und als Voraussetzung für die Entwicklung innovativer Netzdienste angenommen. Wenn er anderswo auf die US-Debatte hinweise, blicke er daher nur in fragende Gesichter. Er hoffe, dass sich daran nichts ändern werde. Generell machte Berners-Lee deutlich, dass der Erfolg des Internet auf offenen Standards beruhe. Suchmaschinenanbieter, Auktionshäuser oder andere innovative Online-Händler hätten ihre Dienste im Vertrauen darauf entwickeln können, dass jeder mit einem Netzzugang und einem Browser imstande sei, einfach auf diese zugreifen zu können. Dies sei auch die Bedingung für ein weiteres Wachstum und die Fortentwicklung des Internet.

Der Demokrat Ed Markey, der als eiserner Befürworter der gesetzlichen Festschreibung der Netzneutralität gilt und die Anhörung organisiert hatte, äußerte sich vergleichsweise zurückhaltend zu anstehenden Aktionen des Gesetzgebers. "Bis zum Jahresende werden wir das Thema von allen Seiten beleuchten", steckte er seinen gemächlichen Fahrplan zum weiteren Vorgehen im Kongress ab. Zuvor hatten führende Demokraten die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes bereits auf die lange Bank geschoben und Vorschlägen mit "ungewollten Konsequenzen" eine Absage erteilt. Allein im US-Senat brachten der Demokrat Byron Dorgan und die Republikanerin Olympia Snowe ihren Entwurf für einen Internet Freedom Preservation Act im Januar neu ein. Im vergangenen 109. US-Kongress waren insbesondere von den Demokraten vorangetriebene Bemühungen zur gesetzlichen Verankerung eine starken Netzneutralitätsprinzips wiederholt am Widerstand der Republikaner gescheitert.

Stirnrunzeln bei einzelnen Abgeordneten löste Berners-Lee mit seinem Pochen auf offenen Standards auch bei der Verbreitung von Inhalten über das Netz aus, für die sich Systeme zum digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM) als Hindernis herausgestellt hätten. Konkret bezeichnete der Web-Erfinder die von Apple bei iTunes eingesetzte "geschlossene, nicht Standard-basierte Technik für den Kopierschutz" als Ursache für das verlangsamte Wachstum beim Verkauf von Musikstücken über die Plattform aus. Apple-Chef Steve Jobs hatte sich zuvor selbst dafür ausgesprochen, DRM von den Songs zu verbannen, um das Inhaltegeschäft weiter anzukurbeln.

Die Republikanerin Mary Bono, eine strikte Verfechterin eines starken Schutzes geistiger Eigentumsrechte, fragte Berners-Lee daraufhin, wie Kreative in einer Welt ohne DRM ihr Geld verdienen sollen. Dieser verwies auf einen besser handhabbaren Ansatz, in dem digitale Inhalte mit Wasserzeichen markiert und so rückverfolgbar werden. Das wäre wie der Erlass eines Tempolimits ohne dessen Durchsetzung, bohrte Bono nach. Berners-Lee ging auf den Vergleich ein und bekundete, dass im Autoverkehr auch nicht jeder Temposünder sofort und automatisch gedrosselt würde: "Ich bevorzuge es, Software zu machen, die es einem an erster Stelle erlaubt, die richtigen Dinge zu tun."

Quelle : www.heise.de
Titel: Department of Homeland Security will den Masterschlüssel fürs DNS
Beitrag von: SiLæncer am 29 März, 2007, 16:58
Das US-amerikanische Department of Homeland Security (DHS), das nach den Anschlägen vom 11. September 2001 als eine Art US-Superbehörde für innere Sicherheit gegründet wurde, will den Schlüssel für die Signierung der DNS-Rootzone allein in der Hand der US-Regierungen sehen. Mit diesem ultimativen Masterschlüssel soll die per DNS Security Extensions (DNSSec) geschaffene Vertrauenskette lückenlos bis zu den Servern geschlossen werden, die die Rootzone des Namenssystems im Internet darstellen. Mit dem "Key Signing Key" wird der Zonenschlüssel signiert, der seinerseits in der Hand von VeriSign liegt. Beim Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in Lissabon machte Bernard Turcotte, Präsident der Canadian Internet Registration Authority (CIRA) als Vertreter der nationalen Länderdomainregistries (ccTLDs) auf den DHS-Vorstoß aufmerksam.

Das DHS hat offenbar ein Papier verfasst, in dem der US-Anspruch auf den Masterschlüssel erhoben wird. Turcotte sagte beim ICANN-Treffen am heutigen Donnerstag, die Manager der Länderregistries seien besorgt über die Entwicklung. Gegenüber heise online betonte Turcotte, die Länderregistries hätten ihren jeweiligen Regierungsvertretern die Information über die DHS-Pläne mitgeteilt. Die Angelegenheit werde mit den EU-Mitgliedsstaaten diskutiert werden, sagte ein Vertreter der EU-Kommission.

DNSSec wird als notwendige Maßnahme gesehen, um die wachsende Zahl von Manipulation im Netz besser in den Griff zu bekommen. Das DHS sponsert selbst eine Kampagne, die die Implementierung von DNSSec ankurbeln soll. In Lissabon präsentierte sich allerdings eine europäische ccTLD als Pioneer: In Schweden signieren demnächst TeliaSonera und die Swedebank ihre .se-Zonen. Das DHS hat das Papier offenbar an die 13 Rootserver-Betreiber weitergereicht und diese um Rückmeldungen gebeten. Drei der 13 Betreiber arbeiten derzeit außerhalb den USA, zwei davon in Europa. Lars-Johan Liman vom schwedischen Unternehmen Autonomica, das den I-Rootserver betreibt, hatte bereits im vergangenen Jahr auf die möglichen politischen Auseinandersetzungen hingewiesen. Liman hatte als mögliche andere Kandidaten für die Aufsicht damals die ICANN selbst genannt.

Auch die Internet Assigned Numbers Authority (IANA), die innerhalb der IANA für das Rootmanagement verantwortlich ist, könnte mit der Schlüsselverwahrung betraut werden. Der Vorteil einer ICANN/IANA-Lösung wäre, dass nicht eine weitere Institution direkt ins operative Geschäft mit integriert werden müsse, meinen einzelne Experten. Wenn es mit der Signatur Probleme im laufenden Betrieb gibt, muss rasch reagiert werden. Bleibt der Schlüssel bei der IANA, besteht allerdings das politische Problem der US-Aufsicht weiter. Denn nach wie vor behält sich die die US-Regierung die Aufsicht über ICANN/IANA vor. Mit der Schlüsselübergabe an ICANN/IANA dürfte der Anreiz, sich von der Aufsichtsrolle zu trennen, noch weiter schwinden. Der Streit um die US-Dominanz bei der Kontrolle von Internetressourcen könnte durch den Anspruch des DHS weiter angeheizt werden.

Quelle : www.heise.de
Titel: Re: WSIS: Der Kampf um die Macht im Netz
Beitrag von: Dragonix am 29 März, 2007, 17:06
Also ich bin dagegen, dass die Amerikaner den Schlüssel für irgendwas _alleine_ bekommen. Das hat nichts mit Contra Amerika oder ähnlichem zu tun, sondern damit, dass das Ding _INTER_net heisst. Und auch wenn das Inter vlt nicht für International steht, sollte es meines Erachtens ein INTERNATIONALES Netz sein. Und da _sollte_ keiner irgendwas was der andere nicht hat haben. Also soll den Schlüssel auch nicht Deutschland, Frankreich, ... haben. Warum sind die alle so Egoistisch? Wart ihr mal im Landtag? So geil! Sandkasten³. So ähnlich stell ich mir Länderpolitik auch vor...

Meine bescheidene Meinung.
Titel: Re: WSIS: Der Kampf um die Macht im Netz
Beitrag von: Chrisse am 29 März, 2007, 17:22
Zitat
Sandkasten³. So ähnlich stell ich mir Länderpolitik auch vor...

Iss genauso, nur die Zahlen sind größer (mehr Nullen ;D ;D ;D).....
Titel: ICANN diskutiert Einschränkungen der US-Aufsicht
Beitrag von: SiLæncer am 02 April, 2007, 16:01
Die Verwaltung der zentralen Rootzone soll etwas von der US-Regierung weggerückt werden. Diesen Vorschlag ihres Strategiekomitees hat die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in ihrer Sitzung vergangene Woche als Diskussiongrundlage angenommen. Der Vorschlag muss laut ICANN-Vorstandschef Vint Cerf allerdings noch diskutiert werden. Aus den USA kam postwendend der Hinweis, dass es ganz ohne Regierungen nicht geht. David Gross, im US-Außenministerium für das Thema Netzverwaltung zuständig, sagte gegenüber ICANNWatch am Rande einer Veranstaltung zum Thema Internet Governance, die USA wie auch andere Regierungen würden eine völlig regierungsunabhängige ICANN nicht befürworten.

Das ICANN-Strategiekomitee hatte zwei zentrale Vorschläge zu dem strittigen Thema Aufsicht über die Rootzone und über die Netzverwaltung gemacht. ICANN sollte demnach eine internationale private Organisation werden, etwa im Stil der FIFA oder ähnlicher Organisationen. Es sei aber nicht geplant, eine internationale Organisation mit Regierungen als Mitglieder zu schaffen, sagte Vorstandsmitglied Peter Dengate-Thrush.

Der zweite Vorschlag betrifft die Rolle, die das US-Handelsministerium derzeit bei der Rootaufsicht einnimmt. Das Komitee hatte vorgeschlagen, mit dem Handelsministerium über eine mögliche Vereinfachung und Klarstellung des Prozesses von Änderungen in der zentralen Rootzone zu erörtern. Eine Möglichkeit sei es, die Auditrolle, die die US-Regierung aktuell habe, auszulagern. Zunächst könne dieser private Auditor vertraglich vom Handelsministerium bestimmt werden, später könnte ICANN selbst diesen Vertrag mit der entsprechenden Stelle machen. "Im Prinzip geht es bei Zustimmung zu den Änderungen in der Rootzone um einen Audit", sagte Cerf gegenüber heise online. Der Vorteil wäre laut Cerf, die Rootaufsicht ein wenig von der staatlichen Verwaltung zu lösen. Zugleich wären die Vorgänge aber für alle einsehbar.

Cerf äußerte sich auf Nachfrage auch zu den Diskussionen um den vom US-Ministerium für innere Sicherheit vorgelegten Vorschlag, den Masterschlüssel für die DNSSEC-Signierung der Rootzone US-Behörden in die Hand zu geben. Es gebe rein operative Gründe, über Alternativen dazu nachzudenken. Kurzfristig könne man auch mit so genannten "Look aside tables" arbeiten. Über eine eigene Abfrage bei einer speziellen Datenbank ließen sich so die Schlüssel für die bereits DNSSEC-signierten Länderadresszonen abfragen. "Das skaliert zwar nicht, wenn es viele Zonen werden", erläutert Cerf. Vorerst aber sind lediglich die .se-Zone und bald auch die .bg-Zone signiert. Ein Vertreter von der .us-ccTLD sagte, man sei bei den Vorbereitungen, aber vom praktischen Einsatz, wie ihn die schwedische Registry vorgemacht hat, noch recht weit entfernt.

Quelle : www.heise.de
Titel: ICANN soll Signatur der DNS-Rootzone übernehmen
Beitrag von: SiLæncer am 14 Mai, 2007, 19:15
Adress-Spoofing und Phishing soll durch signierte Adressen erschwert werden. Doch sollten dafür nicht nur einzelne Domains oder Adresszonen mit einer Signatur versehen werden, sondern am besten gleich die Rootzone des Domain-Name-Systems (DNS). Daraus folgt die Frage, wer den Schlüssel halten soll. Beim turnusmäßigen Treffen des Réseaux IP Européen (RIPE) vergangene Woche in Tallinn schlugen die Mitglieder vor, dass die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die Rootzone signieren solle. Nach viel Diskussionen über den richtigen Schlüsselwächter beschlossen die RIPE-Mitglieder, der ICANN eine entsprechende Aufforderung zukommen zu lassen.

Die RIPE-Spitze soll nun formulieren, wie man auf ICANN zugeht. Da sich die Signierung der Rootzone auf jeden Fall noch hinziehen wird, empfehlen einige Mitglieder zusätzlich, die öffentlichen Schlüssel zu den bereits signierten Länderadresszonen zunächst beim RIPE NCC vorzuhalten. "Wir erwarten, dass es noch eine Weile dauert, bis die Rootzone signiert wird. Solange will die RIPE Community nicht warten", sagte Paul Rendek, beim RIPE NCC für Kommunikation und Training zuständig. "Der Mangel an Fortschritt beim Einsatz von DNSSEC unterminiert die Stabilität und Sicherheit des Internet", hieß es in dem der RIPE Generalversammlung vorgelegen Resolution. Betreiber und Anwender seien dazu gezwungen, auf kurzfristige Ad-Hoc-Lösungen auszuweichen, die sich langfristig negativ auswirken würden. Der Vorschlag, ICANN zu "drängen, die Anstrengungen zur Signierung der Rootzone zu beschleunigen und zu verbessern", wurde laut Rendek einstimmig vom Plenum angenommen.

Die Frage des zentralen Schlüsselmanagements für die Rootzone ist politisch ein heißes Eisen. Ein vom US-Heimatschutzministerium in Auftrag gegebenes Papier empfiehlt die Benennung eines zentralen Root Key Operators (RKO) dafür (siehe auch c't Nr. 11/2007). Die Ansiedelung des RKO mit je nach Modell unterschiedlichen Kompetenzen bei der US-Administration ist aus Sicht mancher Länderregistries und einiger Rootserver-Betreiber nicht neutral genug. Beim RIPE-Treffen sorgten sich viele Experten mehr um den Zeitverzug, der durch die politischen Fragen droht.

"Wer die Zone unterschreibt, ist letztlich auch zweitrangig, wenn die technischen Prozeduren klar sind", meint Peter Koch, einer der Vorsitzenden der DNS-Arbeitsgruppe beim RIPE und Vorsitzender der deutschen Internet Society. Faktisch habe schon jetzt das Handelsministerium "die Aufsicht". Der DNSSEC-Schlüssel ändere daran nichts. "Mit DNSSEC wird authentisiert, nicht autorisiert. Es ist also weniger die Unterschrift eines Königs als die des Notars."

Es gibt allerdings durchaus Gegenvorschläge zu einer zentralen Schlüsselaufbewahrung. In der Schweizer Botschaft in Washington etwa treffen sich in dieser Woche eine Reihe von Root-Server-Betreibern, darunter F-Server-Betreiber Paul Vixie, ein Vertreter von VeriSign und der für den von ICANN betreuten Rootserver zuständige IANA-Manager David Conrad mit einer Reihe von Wissenschaftlern, um über Alternativen zu sprechen. Bei der Internet Engineering Task Force (IETF) liegt bereits seit einiger Zeit ein Vorschlag für das Splitten des Schlüssels vor. Rootserver-Betreiber wie Vixie haben sich bereits vorsichtig skeptisch gegen die Zementierung der privilegierten Aufsichtsrolle der US-Administration ausgesprochen, diese würde kaum international akzeptiert werden. Conrad geht davon aus, dass es verschiedene so genannte "Vertrauensanker" für signierte Zonen geben wird.

Eine solche Lösung schlagen, wenigstens als Übergangsmodell, nun auch schon eine Reihe von ISPs vor. Beim RIPE-Treffen in Tallinn stellte Mats Dufberg von Telia Sonera eine der Möglichkeiten vor, bei der das RIPE NCC als zentrale Registry für signierte Zonen fungieren würde. "Die Rolle von RIPE wäre die Auflistung aller Key Signing Keys (KSKs) der bereits signierten Zonen und die Zertifizierung der Echtheit dieser Schlüssel", so Dufberg. Bis zum nächsten RIPE-Treffen soll dieser Vorschlag weiter ausgearbeitet werden. Würden übers RIPE zahlreiche ccTLD-Schlüssel hinterlegt, könnte das einer geteilten Lösung für die Rootzonen-Signierung wohl auch Auftrieb leisten.

Quelle : www.heise.de
Titel: Rootzone-Sicherung sorgt weiter für Debatten
Beitrag von: SiLæncer am 21 Mai, 2007, 18:15
Bei der Einführung des Sicherheitsprotokolls DNSSEC in der zentralen Rootzone des Domain Name Systems (DNS) sollte es nach Meinung des Internet Governance Project (IGP) nicht einen, sondern mehrere gleichberechtigte "Schlüsselverwalter" geben. Das schlagen die IGP-Experten in einem neuen Papier (PDF-Dokument) zur "Absicherung der Rootzone" vor. Der Vorschlag widerspricht damit einem vom US-Ministerium für Heimatschutz (Department of Homeland Security, DHS) finanzierten Papier, das für eine zentrale Hinterlegung des DNSSEC-Schlüssels für die Rootzone wirbt. Das IGP präsentierte den Gegenvorschlag in der vergangenen Woche vor auf einer Konferenz (PDF-Dokument), bei der unter anderem Vertreter von VeriSign und dem US National Institute of Standards and Technology ihre Einschätzungen zur Zukunft von DNSSEC präsentierten.

Das unter Beteiligung von US-Behörden entwickelte DNS Security Extensions Protokoll (DNSSEC) hat laut dem Chef der deutschen Internet Society und DNS-Experten Peter Koch den Vorzug, dass "der Empfänger von DNS-Daten sicher sein kann, dass er die Daten so empfängt, wie der ursprüngliche Absender sie auf den Weg geschickt hat." Bei DNSSEC wird ein öffentlich für eine Zone verteilter Schlüssel mit dem privaten Schlüssel des Domaininhabers verglichen. Passt er nicht, kann der Empfänger davon ausgehen, dass sich jemand zwischen seine Anfrage und die Antwort geschaltet hat. Die Manipulation von DNS Informationen auf dem Weg zwischen Quelle und Ziel werde so zwar nicht unmöglich, aber für den Empfänger erkennbar, erklärte Koch. Zwar gebe es bereits eine ganze Reihe anderer Sicherungsmöglichkeiten für Webdienste (wie etwa https), doch stützten sich mehr und mehr Dienste auf das DNS, für die es keine anderen Maßnahmen gegen Manipulationen gebe. Dazu gehört unter anderem VoIP.

Auch bei https und anderen Sicherheitsmassnahmen etwa im Bankenbereich warnen Experten vor Sicherheitsproblemen. Das Autorenquartett Stuart Schechter, Rachna Dahamija, Andy Ozment und Ian Fischer präsentiert auf der am heutigen Montag in Oakland (US Bundesstaat Kalifornien) beginnenden IEEE-Konferenz zu Privatsphäre und Sicherheit die Ergebnisse einer empirischen Studie, nach der die Internetnutzer die Anzeige von "https" in der Adresszeile ignorieren. "Kein Teilnehmer der Studie hielt sein Passwort zurück, wenn die Anzeige fehlte", heißt es in den Ergebnissen der Studie. "Der Einsatz des DNS Security (DNSSEC) Standards würde eine Verifizierung der Informationen erlauben, die ein Domaininhaber veröffentlicht hat." Die vom Domaininhaber – etwa einer Bank – verwendeten Sicherheitsstandards ließen sich dann darüber sicher abfragen, so die Idee der Autoren.

Mit dem Vorschlag, den DNS-Masterschlüssel nicht bei einer einzigen Organisation oder gar Regierungsstelle zu hinterlegen, will das IGP eine der politischen Hürden für die Einführung von DNSSEC angehen. Eine tragende Rolle der US-Regierung bei der Aufsicht über das Schlüsselmanagement wird von vielen Beobachtern, wenn auch nicht unbedingt aus der Technik-Fraktion, abgelehnt. Ein Vertreter des DHS hatte im April Befürchtungen widersprochen, das Heimatschutzministerium strebe selbst eine solche Rolle an. Nirgends in dem vom DHS finanzierten und als "geheim" klassifizierten Papier werde ein Vorschlag zur Identität des Root Key Operator gemacht, so der Vertreter gegen über einer US-Presseagentur.

Die Frage, wer der zentrale "Root Key Operator" (RKO) werden soll, bleibt also offen. IGP hält eine Dezentralisierung der Schlüsselverwaltung und eine Ansiedlung bei nicht-staatlichen Stellen für geboten. "Verschiedene, gleichberechtigte RKOs machen die DNSSEC Architektur widerstandsfähiger gegen zeitweilige Ausfälle," heißt es in dem ausführlichen Papier. Koch sieht in einer solchen Dezentralisierung die Schaffung mehrerer Angriffspunkte auf die Integrität der Schlüssel. Eher geeignet sei möglicherweise ein Split des zentralen Schlüssels. IGP hofft, durch seinen Vorschlag dabei auch den Weg zu weniger Regierungseinfluss bei der DNS-Verwaltung insgesamt zu ebnen.

Wie weit der Weg zur Umsetzung von DNSSEC in der Praxis noch ist, dazu gab es in der vergangenen Woche offenbar unterschiedliche Meinungen. Ein Vertreter von VeriSign sprach laut einem US-Bericht von notwenigen Millioneninvestitionen für die zeitnahe Signatur der .com- und .net-Zone. Große Adresszonen müssen laut Koch häufiger neue Schlüsselpaare generieren und propagieren, da sich ihre Schlüssel schneller abnutzen. Eine Umkehr gerade von VeriSign auf dem Weg zur Einführung von DNSSEC wäre erstaunlich, meint Koch.

Immerhin hat das Unternehmen mit seinem 100 Millionen-Dollar-Projekt namens Titan auch die "Einführung neuer Sicherheitsprotokolle" angekündigt. Im vergangenen Jahr nannte der selbe VeriSign-Vertreter 2007 als Start für DNSSEC in der .tv-Zone. .com und .net, so die damalige Aussage, "sollen bald folgen". Pionier beim Signieren ihrer Zone ist die schwedische Registry. Das schwedische NIC und andere Fachleute in Europa verabredeten auf dem jüngsten Treffen des Réseaux IP Européen (RIPE), die private Netzverwaltung zu drängen, auf eine Einführung von DNSSEC auf Root-Ebene hinzuarbeiten.

Quelle : www.heise.de
Titel: Kontrolle des Internet bleibt weiter ungeklärt
Beitrag von: SiLæncer am 30 Mai, 2007, 19:27
Wie die Konferenzen zur Informationsgesellschaft in Genf im Rahmen der WSIS-Agenda zeigten, bilden sich neue Koalitionen aus Regierungen, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft, aber nicht wenige Regierungen lauern darauf, Rechtfertigungen für eine stärkere nationale Kontrolle des Internet zu bekommen

Bei der jüngst stattgefundenen WSIS-Woche in Genf fanden zeitgleich 27 Informationsgesellschafts-Konferenzen zu verschiedenen Sachthemen - von Cybersicherheit bis zu Internet Governance - statt. Kaum einer hat jedoch noch den Überblick, was in den neunzehn Aktionslinien, dem Internet Governance Forum (IGF) oder dem Digitalen Solidaritätsfonds (DSF), die allesamt vor knapp zwei Jahren beim Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) in Tunis beschlossen wurden, diskutiert und entschieden wird. Die UN-Kommission für Wissenschaft und Technologieentwicklung (UNCSTD) ist mit den neuen Herausforderungen und der komplexen Koordinierung der ausufernden Aktivitäten offensichtlich überfordert und traut sich nur zögerlich in das neue Territorium. Dennoch gibt es Fortschritte zu vermelden, die jedoch weniger den Regierungen als vielmehr der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft zu verdanken sind.

Als im November 2005 der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis stattfand, konnten sich die Staats- und Regierungschefs der UN-Mitgliedstaaten zwar auf große Ziele wie die Überwindung der digitalen Spaltung in der Welt bis zum Jahr 2015 einigen, nicht aber darauf, wie denn der ganze Prozess bis 2015 zu organisieren ist. Insbesondere die US-Regierung lehnte jedwede Institutionalisierung eines WSIS-Folgeprozesses ab. Die Bush-Regierung setzte darauf, dass der Weg in die Informationsgesellschaft primär vom privaten Sektor vorangetrieben werden sollte, was bei der Dominanz der US-Unternehmen in dieser Branche - von Microsoft über Google bis zu VeriSign - ja für die USA auch nicht ungünstig ist.

Der Kompromiss, der letztlich angenommen wurde, sah vor, dass für jede der insgesamt 19 Aktionslinien jeweils eine UN-Organisation - bei den Medien und der kulturellen Vielfalt die UNESCO, bei Cybersicherheit und Infrastruktur die ITU, bei Entwicklung das UNDP, bei eLandwirtschaft die FAO etc. - den Hut aufsetzt und dann gemeinsam mit anderen Stakeholdern ein Arbeitsprogramm beschließt, das ins Jahr 2015 zielt. Eine übergeordnete Koordination wurde nicht vereinbart. Die Moderatoren der einzelnen Aktionslinien sollten sich lediglich regelmäßig treffen, um eine möglichst vergleichbare Methodologie bei der Erfüllung der WSIS-Beschlüsse zu garantieren.

Immerhin aber erhielt die bereits existierende UN-Kommission für Wissenschafts- und Technologieentwicklung (UNCSTD) ein "erweitertes Mandat", um sich mit den "horizontalen Themen" zu beschäftigen und als Bindeglied zwischen den einzelnen Aktivitäten und der UN-Vollversammlung zu dienen. Der ECOSOC, dem die Kommission untersteht, muss jährlich an den UN-Generalsekretär über den WSIS-Prozess Bericht erstatten.

WSIS-Woche

Als im vergangen Jahr die ersten Treffen in den verschiedenen Aktionslinien stattfanden, kam man auf die Idee, dass es möglicherweise sinnvoll sei, die ganzen Tagungen zeitlich und örtlich zu bündeln, um einen ausufernden Reisezirkus zu verhindern. Da der WSIS-Gipfel beschlossen hatte, den 17 Mai zum "Welttag der Informationsgesellschaft" zu ernennen, war es nur naheliegend, um diesen Tag herum ein ganzes Konferenzprogramm zu formieren. Neben acht Aktionslinientreffen entschied sich auch die UNCSTD und die Globale Allianz für ICT und Entwicklung (GAID), ihre Jahrestagungen in die Genfer Mai Woche zu legen. Auch das Internet Governance Forum (IGF) wollte die Gunst der Stunde nutzen und legte seine anstehenden Konsultationen für das 2. IGF in die WSIS-Woche.

Was zunächst als eine glänzende Idee erschien, entwickelte sich aber bald zum chaotischen Durcheinander. Diplomaten und Experten hetzen von Konferenzraum zu Konferenzraum, und verloren dabei zwangsläufig den Überblick. Kaum eine Regierung, und noch weniger Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft, haben die materiellen Mittel, um ganze Kohorten von Experten tagelang nach Genf abzustellen. So machten die nichtgouvermentalen Stakeholder allenfalls sachbezogene Stippvisiten bei den wichtigen Fachtagungen, während sich die Regierungen durch die ohnehin in Genf stationierten Diplomaten vertreten ließen. Letztere sind zwar diplomatisch gut geschult, aber alles andere als Experten der Informationsgesellschaft. Insofern hielt sich der kalkulierte Synergieeffekt der Tagungsbündelung in Grenzen, und in der Regel kam man über die Diskussion von Prozedurfragen nicht hinaus. Der enge Zeitraum blockierte mehr oder minder eine gründliche sachliche Diskussion und die Verabredung konkreter Maßnahmen gemäß der "Tunis-Agenda für die Informationsgesellschaft".

Herausforderung für UNCSTD

Nun rächte sich, dass es eben keinen Mechanismus gibt, bei dem schlussendlich alle Fäden zusammenlaufen. Die einfachste Lösung wäre sicher, wenn sich die UNCSTD darum bekümmern würde. Aber dieses Gremium ist erstens noch zerstritten, wie es seine Rolle zwischen dem alten und neuen Mandat findet und es hat zweitens noch erhebliche Probleme das vom WSI- Gipfel bekräftige Prinzip des Multistakeholderismus - d.h. das mehr oder minder gleichberechtigte Zusammenwirken von Regierungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft - zu verinnerlichen.

Zwar wird dieses neue Prinzip nicht wieder grundsätzlich in Frage gestellt, aber das Nachhaken von Diplomaten aus China, Russland oder den arabischen Staaten, wenn Sprecher der Zivilgesellschaft sich zum politischen Prozess äußerten, ob denn diese Äußerungen auch legitimiert seien, ist schon auffällig. Ein Fortschritt ist immerhin, das die Kommission ihre nach UN-Regeln aufgestellten Prozedurregeln für zunächst zwei Jahre etwas gelockert hat. Auch wurden Vertreter der Zivilgesellschaft, die an einer Sitzung des aus elf Regierungen bestehenden UNCSDT-Büros teilnahmen, nicht des Raumes verwiesen. Aber stabil ist diese neue Methode einer Politikentwicklung von unten noch lange nicht. In der letztendlich angenommen UNCSTD-Resolution heißt es denn auch, dass ungeachtet der Teilnahme von nichtgouvermentalen Stakeholdern die Natur des Prozesses weiterhin gouvermental ist, was immer das bedeuten mag.

Diese etwas schwammige diffuse Situation ist aber durchaus eine Chance. Mit konstruktiven Beiträgen kann es gerade die Zivilgesellschaft sein, die darauf drängt, Sachfragen - von Überwindung der digitalen Spaltung bis zur Respektierung der Menschenrechte - in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken. Der von einigen NGOs erstmals vorgestellte Jahrsbericht  Information Society Watch hat jedenfalls seinen Eindruck nicht verfehlt. Der Bericht enthält kritische Analysen über die Tätigkeit relevanter internationaler Organisationen wie ITU, WIPO, UNESCO und ICANN, sowie mehr als 30 Länderberichte, in denen die nationalen Politiken an den Zielen und Prinzipien der Tunis-Agenda gemessen werden. Wie die Jahresberichte von Amnesty International oder Transparency International zeigen, kann diese Form der konstruktiven Kritik durchaus Ergebnisse zeitigen.

Insofern bietet die etwas chaotische Situation auch die Chance, dass die beteiligten Stakeholder eine neue Kultur des Miteinander entwickeln, die auch zu neuen Governance-Modellen führen können. Dies zeigt sich z.B. an der Entstehung sogenannter "dynamischer Koalitionen" im Rahmen des Internet Governance Forums (IGF). Diese dynamischen Koalitionen zu Fragen wie Meinungsäußerungsfreiheit, Schutz der Privatsphäre, Zugang zu Wissen, Open Source etc. haben sich spontan von unten gebildet und vereinten Regierungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft.

Was dabei herauskommt, ist noch völlig offen. Aber einigen Regierungen schwant offensichtlich, dass die von unten sich entwickelnden neuen "Koalitionen der Willigen" den "intergouvermentalen Charakter des Prozesses" und damit ihre alleinige Entscheidungshoheit unterminieren können.

Ein Problem ist jedoch, dass die Zivilgesellschaft nach wie vor daran krankt, dass sie weder institutionell noch materiell stabil aufgestellt ist. Sie ist noch zu einem großen Teil abhängig vom guten Willen und der Einsatzbereitschaft einzelner Wortführer und vom Budget einiger NGOs. Das Risiko ist groß, dass den zivilgesellschaftlichen Aktivisten auf dem Weg ins Jahr 2015 der Atem ausgeht.

Risiko Re-Politisierung

Ebenso groß ist das Risiko, dass die unklare Situation von einigen Regierungen zu einer Re-Politisierung der WSIS-Debatte genutzt wird und ein neuer kalter Krieg über die Zukunft des Internet beginnt. Die große Kontroverse um "Interner Governance" war ja beim Tunis-Gipfel nicht gelöst, sondern nur vertagt worden. Damals beschloss man, ein neues Diskussionsforum zu gründen - das IGF anstelle einer neuen Internet-UNO - und die strittige Frage der Kontrolle der Internet-Kernressourcen in einem "Prozess der erweiterten Zusammenarbeit" (enhanced cooperation) schrittweise anzugehen.

Achtzehn Monate nach dem Tunis-Kompromiss aber hat sich der Prozess der erweiterten Zusammenarbeit im Niemandsland verlaufen. Insbesondere die Chinesen, aber auch die Russen, die Lateinamerikaner und die Inder sind damit alles andere als einverstanden, noch zumal sich mit neuen Fragen wie DNSSec die Kontrollfrage der Internet-Kernrressourcen auf einer neue Ebene stellt. Und so verirrte sich ein Paragraph in die UNCSTD-Resolution der noch für viel Ärger sorgen kann.

In diesem Paragraph 2 wird der neue UN-Generalsekretär aufgefordert, endlich umfassend Bericht zu erstatten, wie er der Prozess der erweiterten Zusammenarbeit weiterführen will. Er solle darüber jährlich der UN-Vollversammlung berichten. Das klingt zwar zunächst noch bürokratisch, kann aber sehr schnell politisch werden. Das Thema ist eine Zeitbombe. Nicht wenige Regierungen lauern darauf, Rechtfertigungen für eine stärkere nationale Kontrolle des Internet zu bekommen und etablierte Kommunikationsfreiheiten wieder einzuschränken. Insofern sind für Chinesen und Russen auch der amerikanische Patriot Act oder die europäischen Internet-Überwachungsmaßnahmen Steilvorlagen, um eigenes rigides Vorgehen gegen Cyberdissidenten zu begründen.

Im kommenden Jahr soll es erneut eine Genfer WSIS-Woche geben. Dazwischen findet im November 2007 in Rio de Janeiro des 2. Internet Governance Forum statt.

Quelle : www.heise.de
Titel: Whois-Datenschutz bleibt weiterhin ein Zankapfel
Beitrag von: SiLæncer am 24 August, 2007, 19:49
Keine Chancen auf eine baldige Schlichtung des seit Jahren anhaltenden Streits um einen datenschutzfreundlicheren Umgang mit Whois-Daten sieht der Vertreter der Internet-Nutzer Milton Mueller. Dies verdeutlicht der an der Universität Syracuse im US-Bundesstaat lehrende Professor, zugleich Mitglied im Internet Governance Project (IGP), in seinem jüngsten IGP-Blog-Eintrag über die Patt-Situation bei der Durchsetzung widersprüchlicher Interessen.

Darin wiederholt er seinen auf der ICANN-Tagung im März erhobenen Vorwurf, dass Vertreter von Markenrechteinhabern sowie Firmen, die letztlich vom Handel mit Whois-Daten lebten, verhindern wollen, dass ein effizient strukturierter Operational Point of Contact (OPoC) geschaffen wird, der gleichermaßen den Datenschutz gewährleistet und Interessen von Wirtschaftsunternehmen Rechnung trägt.

Die Idee, einen OPoC zu schaffen, gehe auf die Registrare zurück. Danach würden alle Whois-Daten in ihrem jetzigen Umfang verfügbar bleiben, zum Beispiel der bürgerliche Name und das Wohnsitzland des Domain-Inhabers. Lediglich seine Straßenanschrift wäre vor allgemeinem Zugriff geschützt worden, und der OPoC hätte eine Kontaktstelle – ähnlich der derzeit aufgeführten technisch-administrativen Ansprechpartner für die Website – herausgegeben.

Auf der jüngsten Telefonkonferenz der für die Entwicklung von Whois-Konzepten zuständigen ICANN-Arbeitsgruppe hätten die Lobbyisten der Markenrechteinhaber und Datenhändler jedoch den Versuch unternommen, den OPoC zu einer eigenständigen Institution aufzublähen, die das Recht erhalten hätte, Domains vom Netz zu nehmen. Zugleich hätte diese Konstruktion Datenschutzinteressen von Domain-Inhabern, die mit ihrer Website keinerlei wirtschaftliche Absichten verfolgten, zurückgeschnitten, aber kommerziell an Whois-Daten Interessierten Hintertüren zum Sammeln persönlicher Daten eröffnet. In den Augen von IGP-Repräsentant Mueller würde mit einem OPoC in dieser Form ein "Frankenstein-Monster" geschaffen, das überdies nicht das Geld wert sei, das es verschlingen würde.

Dem Vorsitzenden der ICANN-Arbeitsgruppe, Philip Shepherd, den Mueller als Repräsentanten einer europäischen Lobby-Organisation identifiziert, wirft der Professor vor, das Prinzip einer konsensualen Entscheidungsfindung in der Arbeitsgruppe zugunsten des Mehrheitsprinzips aufgegeben zu haben. Der darauf fußende Bericht der Arbeitsgruppe habe jedoch keine Chance, in der Generic Names Supporting Organisation (GNSO) die notwendige Zweidrittel-Mehrheit zu erlangen. Die GNSO entscheidet letztlich über Änderungen im Umgang mit Whois-Daten. Ausgangspunkt für ein kompromissfähiges Whois-Konzept wäre es Mueller zufolge, zwischen juristischen und natürlichen Personen zu unterscheiden, in welchem Grad Whois-Daten öffentlich zugänglich sind.

Quelle : www.heise.de
Titel: US-Justizministerium stellt sich gegen die Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 07 September, 2007, 12:54
Die US-Regierung hat keine Einwände gegen die Pläne von Breitbandanbietern, den Ausbau ihrer Netze mit einer Art Maut für eine besonders schnelle und zugesicherte Übertragung von Inhalten oder Applikationen zu finanzieren. Andernfalls "könnte die ganze Bürde der Implementierung teurer Netzwerkerweiterungen und Verbesserungen auf die Verbraucher abgewälzt werden", sorgt sich das US-Justizministerium in einer Eingabe an die Federal Communications Commission (FCC). Die US-Regulierungsbehörde führt zur Zeit eine Umfrage zur künftigen Regulierung von Breitbandnetzen durch, in dessen Rahmen sich bereits viele Bürger, Unternehmen und Lobbyverbände für eine gesetzliche Festschreibung des offenen Prinzips des Internets ausgesprochen haben.

Das Justizministerium warnt dagegen vor staatlichen Vorgaben zur Einhaltung der sogenannten Netzneutralität. Sollten die Breitbandanbieter keine höheren Preise für eine höhere Servicequalität verlangen dürfen, könnten sie ihre Investitionen in den Netzausbau nicht refinanzieren, heißt es bei dem US-Ministerium. Regulierer sollten keine Auflagen erlassen, welche die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher oder die Geldflüsse in Breitbandinfrastrukturen begrenzen könnten. Zur Begründung verweist das Ministerium darauf, dass auch bei der Brief- und Paketzustellung unterschiedlich schnelle Beförderungswege bestellt werden könnten. Die verschiedenen Service-Angebote seien dabei eine angemessene Antwort auf die Bedürfnisse des Marktes und würden die Auswahl an Dienstleistungen für die Konsumenten vergrößern.

Das Justizressort geht letztlich konform mit der Ansicht der US-Kartellbehörde FTC (Federal Trade Commission), dass der Wettbewerb unter den Anbietern selbst für die Aufrechterhaltung eines offenen Internets sorge. Die FCC sollte "äußerst skeptisch gegenüber Forderungen sein, die spezielle marktwirtschaftliche Regulierung des Internet im Rahmen eines freien, offenen und durch die Kartellgesetze kontrollierten Wettbewerb aufzugeben", schreibt das Ministerium. Es werde seinerseits im Gegenzug den Breitbandmarkt weiter kontrollieren und bei Wettbewerbsverzerrungen notfalls eingreifen.

Die US-Bürgerrechtsorganisation Public Knowledge hat die Stellungnahme der Bush-Regierung umgehend scharf kritisiert. Das Ministerium habe anscheinend vergessen, dass die beschworenen Marktkräfte beim Verbraucherschutz weitgehend versagen würden und die Nutzer nach wie vor wenig Wahlmöglichkeiten bei ihren Breitbandzugängen hätten. Eine belastbare Kartellrechtsanalyse hätte auch das Marktversagen im Breitbandsektor erkannt und für Regelungen analog zum zweijährigen Verbot der Einführung einer "Breitbandmaut" im Rahmen der Übernahme von BellSouth durch den US-Kommunikationsriesen AT&T geführt.

Angesichts der Untätigkeit der Demokraten im US-Kongress rund um vielfach angekündigte Gesetzesbestrebungen zur Absicherung des offenen Prinzips des Internets hat der US-Branchendienst CNet die Netzneutralität inzwischen gar für "tot" erklärt. Nicht nur in Washington finde demnach eine entsprechende Regulierung kaum noch Befürworter, auch die Phalanx der Kritiker in Unternehmen und in der Zivilgesellschaft bröckele.

Generell fürchten Verfechter einer Festschreibung des Prinzips des offenen Internet wie Amazon.com, eBay, Google, Microsoft oder Yahoo, dass Telekommunikationskonzerne und TV-Kabelanbieter das Internet in teure, mit Mautstationen abgesperrte Luxusbahnen einerseits und holprige Feldwege andererseits aufteilen wollen. Großen US-Breitbandanbietern und einigen europäischen Carriern wie der Deutschen Telekom geht es dagegen darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die zugesicherte oder besonders rasche Übertragung von Daten zur Kasse zu bitten. Sie wollen Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones erhalten, abhängig etwa von Quelle, Dienst und Bandbreitenverbrauch. So könnten sie den Datenverkehr von besser zahlenden Kunden bevorzugt behandeln oder VoIP-Anbieter, die ihrem Festnetzgeschäft Konkurrenz machen, benachteiligen.

Quelle : www.heise.de
Titel: US-Botschafter gegen Veränderungen an US-Aufsicht über die DNS-Rootzone
Beitrag von: SiLæncer am 16 November, 2007, 17:17
Keine Notwendigkeit zur Veränderung der Aufsicht der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) und der zentralen DNS-Rootzone sieht US-Botschafter David Gross, Koordinator des US-Außenministeriums für internationale Kommunikations- und Informationspolitik. Gross sagte am Rande des zweiten Internet Governance Forums (IGF) in Rio de Janeiro im Gespräch mit heise online: "Auf absehbare Zeit sehe ich keinen Bedarf für eine Änderung." Damit reagierte der US-Botschafter auch auf die kritischen Nachfragen und die zuletzt von Russland erhobene Forderung, der UN-Generalsekretär solle eine neue Arbeitsgruppe einsetzen, die an der Übergabe der Netzverwaltung in die Hände der internationalen Gemeinschaft arbeiten soll. Vom IGF-Prozess erhofft man sich keine Veränderungen in dieser Hinsicht; das gerade zu Ende gegangene IGF der UN war selbst aus einem heftigen Konflikt über die Internationalisierung der Internet-Verwaltung beim UN-Weltgipfel der Informationsgesellschaft entstanden.

Gross sagte, die USA und viele andere Länder seien sehr zufrieden mit der vom Privatsektor organisierten Netzwerwaltung, die Innovationen und Veränderungen am besten unterstützen könne. Gleichzeitig seien Stabilität und Verlässlichkeit der Systeme abzusichern. "Es ist anerkannt, dass es eine besondere historische Rolle der USA gibt, Stabilität und Verlässlichkeit des Systems zu garantieren, oder sagen wir, unser Möglichstes zu tun, um dies zu gewährleisten. Die meisten Beobachter haben auch anerkannt, dass von den Alternativen keine zufriedenstellend ist." Gross räumte ein, dass dabei durchaus ein Unterschied zu machen sei zwischen der Aufsicht über die DNS-Rootzone, die von der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) überwacht wird, und der Aufsicht über die ICANN selbst. Obwohl die IANA in der ICANN aufgegangen ist, hat die US-Regierung auch zwei verschieden lang laufende Verträge.

Während Gross mit Blick auf die ICANN-Aufsicht der nächsten Regierung nicht vorgreifen wolle, die noch vor dem Auslaufen des Joint Project Agreement (JPA) mit ICANN ins Amt komme, sieht Gross bei der IANA keinen Spielraum. Die Beendigung des ICANN-Vertrags bei gleichzeitiger Beibehaltung der IANA-Aufsicht ist mindestens nach Ansicht von Gross durchaus denkbar. Allerdings würde das auch bedeuten, dass ICANN immerhin noch durch die Vergabe des IANA-Vertrags an die US-Verwaltung gebunden wäre. Gelassen reagierte Gross auf Nachfragen zu den US-Reaktionen auf die Forderungen aus Brasilien, Russland und China, das ICANN-System durch eine internationale Aufsicht zu ersetzen. "Für uns ist das das, was das IGF leisten soll. Der Dialog hier soll uneingeschränkt sein und die Leute sollen sagen, was sie denken. Wir haben überhaupt kein Problem damit." Vorsicht gebot Gross lediglich bei Versuchen, das IGF zu etwas anderem als einem Dialogforum zu machen.

Er selbst sei von der Breite des Programmangebots und der großen Teilnehmerzahl des IGF beeindruckt gewesen, betonte der US-Diplomat. Verwundert habe ihn allerdings die starke Gewichtung des Themas "geistiges Eigentum". Zwar sei dies ein wichiges Thema, aber es gebe andere Foren wie die World Intellectual Property Organisation (WIPO) dafür. Ansichten, die rigide Rechtesysteme als ein Problem des Zugangs betrachten und kritisieren, stellte Gross die US-Position entgegen, dass Entwicklungsländer insbesondere für gute Wettbewerbsmöglichkeiten sorgen sollten.

Quelle : www.heise.de
Titel: Erster Vertrag über DNS-Root-Server
Beitrag von: SiLæncer am 05 Januar, 2008, 18:39
Die dreizehn Root-Server sind das Herzstück des DNS: Wenn ein anderer DNS-Server zum Beispiel die zum Namen www.heise.de gehörige IP-Adresse nicht in seinem Cache findet, beginnt die Abfrage bei den Root-Servern. Nur sie teilen authoritiativ mit, welcher untergeordnete Server für die Toplevel-Domain (im Beispiel .de) zuständig ist. Der abfragende Server kann sich so mit weiteren Abfragen zu einer gültigen Anwort durchhangeln. Derzeit beantworten die Root-Server insgesamt 100 000 Anfragen pro Sekunde.

Obwohl schon 1983 Root-Nameserver in Betrieb waren, fehlte bis gestern eine vertragliche Grundlage für ihren Betrieb. Nun hat als erster der Betreiber des F-Servers, das Internet Systems Consortium von Internet-Pionier Paul Vixie, einen Vertrag mit der ICANN geschlossen, der die gegenseitigen Rechte und Pflichten regelt. Die ICANN hofft, das er als Vorlage für Verträge mit den anderen zwölf Institutionen dient.

Quelle : www.heise.de
Titel: ICANN 3.0 wieder mit Nutzerdirektoren?
Beitrag von: SiLæncer am 01 März, 2009, 18:18
Vor sieben Jahren schaffte die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die Beteiligung von Nutzern in ihrem obersten Aufsichtsgremium, dem Vorstand, ab. Zu ihrem 34.Treffen hat die privaten Verwalterin des Domain Name System (DNS) nun etwa 90 Konsumenten- und Bürgerrechtsorganisationen aus aller Welt nach Mexico City eingeladen. Sie sollen beim ersten Gipfeltreffen der Nutzer (summit At-Large User Summit) Vorschläge für die künftige Beteiligung von Nutzerorganisationen erarbeiten. Ein Vorschlag knüpft an die früheren Mitbestimmungsrechte an: ICANN 3.0 soll wieder zwei eigene Mitglieder im Vorstand haben. Aktuell haben Registries, Registrare und Vertreter der IP-Adressregistries volle Stimmrechte bei der Entscheidung über neue Top Level Domains, Vertragsbestimmungen und Sanktionen gegen die vertraglich mit ICANN verbundenen DNS-Marktteilnehmer. Acht weitere stimmberechtigte Sitze vergibt ein ICANN-Nominierungskomitee.

Wolfgang Kleinwächter von der Universität Aarhus, Leiter einer von fünf Arbeitsgruppen des Nutzergipfels, rechnet fest damit, dass der Gipfel im Laufe der kommenden Woche die Forderung nach den Direktorensitzen und mehr Transparenz beschließt. Eine weitere Änderung, die die Nutzer anstrebten, sei eine Verpflichtung für den Vorstand, Entscheidungen in Sachfragen zu begründen, wenn dazu eingereichte Empfehlungen der Nutzer nicht berücksichtigt werden. Eine solche Rechenschaftspflicht gibt es bislang nur gegenüber den Regierungen, unter denen ebenfalls manche darüber murren, dass sie nur "beratend" tätig sein sollen.

ICANN-Vorstands und At-large-Gremium sind derzeit Gegenstand einer der üblichen ICANN-Evaluierungen, an der so genannten Generic Domain Name Supporting Organisation (GNSO) wird schon kräftig herum reformiert. Viele Interessengruppen nutzen dies, um Ansprüche auf bessere Mitspracherechte zu stellen. "ICANN ist ohne At-Large nichts anderes als eine weitere internationale Industrievertretung", sagt Lutz Donnerhacke, der den Verein FITUG beim Nutzergipfel vertritt.

Donnerhacke ist überzeugt: "Ohne den Bezug zum Endnutzer des Internets verliert ICANN die Berechtigung, für das 'Internet' zu sprechen." Der Gipfel stelle eine Möglichkeit dar, nachzuweisen, dass das komplizierte At-large-Konstrukt die richtige Art der Nutzerbeteiligung ist. Natürlich gebe es strukturell durchaus Raum für Verbesserungen, meint der ICANN-Neuling. Die mühevoll aus dem Boden gestampften regionalen At-large-Strukturen (RALO) – Dachorganisationen für die Verbände in einer der fünf Regionen – seien möglicherweise verzichtbar. Flachere Hierarchien und eine "kleinere" Rolle für die RALOs zugunsten der regionalen Verbände und Vereine und des zentralen At-large Advisory Committee (ALAC) seien wohl sinnvoll, meint auch Izumi Aizu, einer der alten Hasen der Nutzermitbestimmung bei ICANN.

Wichtigste Aufgabe für den Nutzergipfel und die Nutzervertreter in der ICANN seien "produktive Vorschläge" zur Arbeit der ICANN, sagte Donnerhacke, der sich als einer der Leiter der Gipfel-Arbeitsgruppe zur DNS Sicherheit engagiert. Wolf Ludwig von der Schweizer Organisation communica-ch sagte: "Ich sehe den Summit auch als Test, ob aus der Nutzerschaft herangetragene Themen wie Privacy und Konsumentenschutz auf ICANN-Agenden tatsächlich Platz haben und nicht nur Alibi-Übungen bleiben." Im Laufe des ICANN-Treffens, das am morgigen Montag beginnt, geht es in Fragen der neuen Top Level Domains, beim Dauerstreit "Datenschutz und Whois" sowie bei DNS-Sicherheit und DNS-Gaunereien wie Fast-Flux zur Sache.

Quelle : www.heise.de
Titel: Nutzer-Vertreter fordern mehr Einfluss auf die Netzverwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 06 März, 2009, 18:47
Vertreter der Internetnutzer sollen mehr Einfluss auf die Entscheidungen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) und zwei Direktorenposten im Vorstand der privaten Netzverwaltung bekommen. Das fordern in ihrer Abschlussdeklaration (PDF-Datei) die Teilnehmer des ersten Gipfeltreffens der Nutzer am Rande der 34. ICANN-Konferenz, die am heutigen Freitag in Mexico City zu Ende geht.

Die Kosten für die Nutzervertreter im At-Large Advisory Committee (ALAC) sollen im ICANN-Budget eingestellt werden, heißt es darüber hinaus in den Empfehlungen. Die regionalen Räte der Nutzerschaft (in Europa EURALO) sollen bei ihrer Arbeit und einem jährlichen Treffen ebenfalls finanziell von ICANN unterstützt werden. Erstmals hatten sich in Mexico City auch die verschiedenen Mitgliedsorganisationen (ALS) der fünf RALOs getroffen. Für den ersten internationalen Nutzergipfel hat ICANN eine halbe Million US-Dollar ausgegeben.

Vorschläge machen die Nutzervertreter nicht nur zu Mitspracherechten generell, sondern auch zur Rolle der User in ICANN-Gremien wie der von Registries, Registraren und Unternehmen dominierten Generic Name Supporting Organisation (GNSO). Die GNSO wird gerade runderneuert und es gibt verschiedene Anforderungen für die Aufnahme neuer Interessengruppen. Individuelle Internetnutzer, Städtedomains und Sicherheitsexperten wollen jeweils einen eigenen Platz. Der ALAC-Gipfel begrüßte die GNSO-ALAC Zusammenarbeit an einer "'Bill of Rights' für die Inhaber von Domains".

Zahlreiche Vorschläge machten die ALAC-Organisationen schließlich zur Einführung neuer Adresszonen (TLDs) und zur Sicherheit. Barrieren für TLD-Bewerbungen nicht-kommerziell arbeitender Organisationen oder aus Entwicklungsländern dürfe es nicht geben. Aus Sicht der Nutzervertreter macht die Zulassung verschiedener Klassen von Bewerbungen Sinn, die finanziell unterschiedlich behandelt werden. Zudem würden Städte-TLDs oder neue nicht-englische TLDs weniger Kontroversen mit sich bringen, unterstrich der französische Regierungsvertreter. Generische Domains von .web bis .music oder .news könnten dagegen heiß umkämpft sein und die ganze Einführung weiter verzögern.

Eine Studie zu den ökonomischen Effekten der Neueinführung, von der US-Regierung gefordert und von ICANN kurzfristig noch während des Treffens in Mexico City vorgelegt, erklärt die Einführung neuer TLDs rundweg für positiv für den Wettbewerb. Allerdings kamen die beiden als "vorläufig" bezeichneten Dokumente wegen ihrer recht kursorischen Betrachtung bereits sehr unter Beschuss.

Während die Nutzervertreter sich bei ihrem Abschlusstreffen trotz einiger organisatorischer Mängel zufrieden mit ihrem ersten Gipfel zeigten, gab es außerhalb auch ein bisschen Unbehagen. ICANNs Mandat dürfe nicht überspannt werden, sagte ein Beobachter des Gipfels. Wenn ICANN die Registrare zur Verhinderung von missbräuchlichem Verhalten bei der Domainregistrierung auffordere, werde ICANN mehr Kontrolle zugeschanzt.

Quelle : www.heise.de
Titel: EU-Kommissarin Reding will ICANN privatisieren
Beitrag von: SiLæncer am 04 Mai, 2009, 19:44
Reding will Neuanfang nach Ablauf des Abkommens der ICANN mit der US-Regierung

Am 30. September 2009 läuft das Abkommen zwischen der US-Regierung und der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) aus. EU-Kommissarin Viviane Reding hat US-Präsident Barack Obama aufgefordert, die Privatisierung der Internetverwaltung fortzusetzen.
Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, hat US-Präsident Barack Obama aufgefordert, die Privatisierung der Internetverwaltung, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), fortzuführen. Sie forderte zudem die uneingeschränkte Rechenschaftspflicht der Internetverwaltung.

Derzeit nutzten 1,5 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt das Internet, sagte Reding in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Das Internet ermögliche ihnen weltweite Kommunikation und Zugang zu wichtigen Informationen. Verwaltet werde das Netz von der ICANN, einem privaten, nicht kommerziellen Unternehmen, über das einzig dem US-Handelsministerium die Aufsicht habe. Das will Reding ändern.

Geregelt ist die Tätigkeit der ICANN durch ein Abkommen mit der US-Regierung, das am 30. September 2009 ausläuft. Nach Redings Vorstellung soll die ICANN ab 1. Oktober eine neue Organisationsform erhalten. Sie solle vollständig privatisiert und unabhängig werden. Daneben möchte Reding "ein multilaterales Forum, das Regierungen die Möglichkeit bietet, über allgemeine Fragen der Internet-Governance zu diskutieren", einrichten. Dem sollen 12 Mitglieder angehören. Nordamerika, Südamerika, Europa und Afrika sollen je zwei Vertretern entsenden, Asien und Australien sollen zusammen mit drei Delegierten vertreten sein. Hinzu kommt der ICANN-Vorsitzende als Mitglied ohne Stimmrecht. Die G-12 solle mindestens zwei Mal im Jahr zusammenkommen und "der ICANN bei Bedarf mehrheitlich angenommene Empfehlungen geben".

Die Clinton-Regierung habe mit der der ICANN-Privatisierung angefangen, sagte Reding. Nachdem die Bush-Regierung in den vergangenen acht Jahren wenig in dieser Richtung getan habe, hoffe sie, "dass Präsident Obama den Mut, die Klugheit und den nötigen Respekt für den globalen Charakter des Internet hat, um im September den Weg für eine neue Art der Internet-Governance frei zu machen und damit mehr Rechenschaftspflicht, mehr Transparenz, mehr Demokratie und eine stärkere multilaterale Ausrichtung zu ermöglichen". Es sei an der Zeit, zu handeln und Europa sei bereit, den US-Präsidenten dabei zu unterstützen.

Quelle : www.golem.de
Titel: Weiter Streit um US-Aufsicht über die Internet-Verwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 09 Juni, 2009, 18:33
Die mögliche Verlängerung des Vertrages zwischen der US-Regierung und der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) sorgt erneut für Diskussionen über Alternativen zur Einheits-Rootzone im Domain Name System (DNS). In der vergangenen Nacht endete die Konsultation des US-Handelsministeriums zur Zukunft der ICANN, deren Vertrag mit der US-Regierung Ende September ausläuft. Während ICANN die US-Regierung beschwört, das Modell der privaten Selbstverwaltung endlich abschließend anzuerkennen, pochten US-amerikanische Politiker und Wirtschaftsvertreter bei einer Anhörung im US-Kongress in der vergangenen Woche dafür, die US-Aufsicht nicht aufzugeben.

Jede noch so kurzfristige Verlängerung des Joint Project Agreement (JPA) – so der offizielle Titel des Vertrags – werde andere Regierungen veranlassen, nach Alternativen Ausschau zu halten, warnte der scheidende ICANN-Chef Paul Twomey. In der einer schriftlichen Stellungnahme unterstreicht ICANN nochmals die Gefahr einer Erosion des Vertrauens in das Modell der Internet-Verwaltung. ICANN wolle auch keineswegs "unabhängig werden", heißt es da. Die US-Regierung werde vielmehr weiterhin durch den Vertrag über den Betrieb der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) ihre Aufsichtsrolle wahrnehmen können. In IANA sind die technischen Kernaufgaben der DNS-Verwaltung verankert, allen voran der Betrieb der Rootzone. "Wenn das JPA ausläuft, ändert sich gar nichts", versuchte Twomey den kritischen US-Politikern das Szenario schmackhaft zu machen.

Die hielten bei der Anhörung allerdings kräftig dagegen und erklärten die ICANN-Aufsicht zu einer Angelegenheit der nationalen Sicherheit, mindestens aber US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen. Republikaner und Demokraten im Unterausschuss für Kommunikationstechnologie bestätigten sich gegenseitig darin, dass die "USA das Internet geschaffen" haben, die Aufgabe der Aufsichtsrolle käme nicht in Frage. Die Abgeordneten sprachen sich dafür aus, das JPA zu verlängern. Sie könnten ihre Auffassung mittels eines Gesetzes durchsetzen, das das Handelsministerium zur Verlängerung des Vertrags verpflichtet. Anfang April wurde im Senat bereits ein Entwurf für ein Cybersecurity-Gesetz vorgelegt, das der US-Regierung weitgehenden Einfluss über das DNS einräumen will.

Experten außerhalb den USA warnten angesichts der Entwicklung lautstark vor einem Zerfall der Rootzone. Wolfgang Kleinwächter, Experte für Netzverwaltung, schrieb ans Handelsministerium, die Verlängerung der Aufsicht berge die Gefahr alternativer Namens- und Nummerierungssysteme. Andere Interessengruppen bereiten eher still den möglichen Aufstand vor. Eine französische Initiative wirbt seit einiger Zeit für "konkurrierende Arrangements für Dienste im Namensraum". Andere Initiativen, die sich auf die Zulassung neuer TLDs vorbereiten, denken ebenfalls sehr konkret darüber nach, ihre Zonen testweise über eigene Server und Partner-Provider rooten zu lassen. Auch gegenüber der Einführung neuer TLDs hatten sich die US-Politiker äußerst skeptisch gezeigt. Diese brächten vor allem mehr Möglichkeiten, Nutzer zu betrügen, musste sich Twomey sagen und gleich noch fragen lassen, wie er seine 800.000 australischen Dollar Gehalt verdiene.

Quelle : www.heise.de
Titel: Ex-Chef des US National Cybersecurity Center ist künftiger ICANN-CEO
Beitrag von: SiLæncer am 13 Juni, 2009, 16:51
Bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), der internationalen Koordinations-Organisation, die häufig als "Weltregierung des Internet" bezeichnet wird, soll künftig der US-Amerikaner Rod Beckström auf dem Stuhl des CEO sitzen. Der Absolvent der Harvard University, Inhaber eines Bachelor- und eines MBA-Grades, wurde zunächst durch seinen organisationstheoretischen Bestseller "The Starfish and the Spider" (deutsche Fassung: "Der Seestern und die Spinne – Die beständige Stärke einer kopflosen Organisation") bekannt und machte während der vergangenen Monate dadurch von sich reden, dass er von März 2008 bis März 2009 das National Cybersecurity Center beim US-amerikanischen Heimatschutzministerium leitete.

Mitte der Woche hatte das Internet Governance Project auf "Gerüchte" zur möglichen Wahl Beckströms hingewiesen. Aus sicherer Quelle erhielt heise online nun die Bestätigung, dass der Ex-DHS-Offizielle vom ICANN-Vorstand als Nachfolger des Australiers Paul Twomey vorgesehen wurde.

Anfang März dieses Jahres hatte Beckström seinen Posten als NCSC-Chef nach nur knapp einem Jahr Amtszeit unter Protest aufgegeben. Der umtriebige Unternehmer kritisierte die mangelnde Kooperationsbereitschaft der National Security Agency (NSA). Als NCSC-Direktor war Beckström direkt dem Heimatschutzminister unterstellt, allerdings auch gehalten, mit dem Generalstaatsanwalt, dem National Security Council, dem Verteidigungsminister und dem Director of National Intelligence (DNI) zusammenzuarbeiten. Auch für den DNI hatte Beckström vor seinem Amtsantritt beim DHS als Berater gearbeitet. Aus diesen Tätigkeiten habe er die Erfahrung über die Arbeit der nicht selten miteinander konkurrierenden Behörden im Bereich Cybersecurity mitgebracht, schreibt Beckstrom auf seiner eigenen Webseite.

Vor der Übernahme der Ämter hatte Beckstrom mehrere Startup-Unternehmen im IT-Bereich gegründet oder mitgegründet, darunter CATS Software. Mit dem Verkauf von Mergent Systems für 200 Millionen Dollar verschaffte er sich finanziellen Spielraum; darüber hinaus engagierte er sich im Non-Profit-Bereich, etwa als Vorstandsmitglied beim "Environmental Defense Fund".

Die US-Politik dürfte die Wahl des ICANN begrüßen: Als "Home grown Leader", der bei Behörden, Organisationen und Regierungsvertretern bekannt ist, bringt Beckström gute Voraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit. In der ersten Juniwoche hatten US-Abgeordnete den scheidenden ICANN-CEO Twomey noch hart kritisiert, weil er Australien als seinen Wohnsitz angegeben hatte. Von außerhalb der USA dürfte nach Beckströms Wahl allerdings notgedrungenermaßen die Frage laut werden, ob die ICANN damit wieder ein Stück näher an die US-Administration heranrückt. Vielleicht erweist sich die Entscheidung aber auch als kluger Schachzug, um den ICANN-Kritikern in der US-Politik den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Darauf, wie Beckström als ehemals oberster Netzsicherheitschef im DHS die Frage nach der US-Verantwortung für die Rootzone beurteilt, darf man sicherlich gespannt sein. Das Auslaufen und die mögliche Neufassung des Vertrags zwischen der ICANN und der US-Administration sowie die Einführung neuer Top Level Domains sind die größten Brocken, die auf den neuen Chef der Organisation warten.

Eine erste Gelegenheit, Beckström der ICANN-Gemeinde vorzustellen, dürfte das ICANN-Treffen in der kommenden Woche in Sidney/Australien bieten. Paul Twomey wird dort, wenn die Verträge zwischen ICANN und Beckström unter Dach und Fach sind, seinen Abschied als ICANN-Chef auf heimatlichem Boden geben. Twomey soll noch für eine gewisse Übergangszeit als Berater bei ICANN bleiben.

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: EU will mehr Einfluss bei Internetverwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 19 Juni, 2009, 17:54
Die EU-Kommission hat sich in einer Mitteilung an EU-Parlament und Ministerrat für mehr Tranparenz und Unabhängigkeit der Internetverwaltung ausgesprochen, aber auch für mehr politische Kontrolle. Angesichts der Bedeutung des globalen Netzes als "kritische Ressource" für das alltägliche Leben und die Wirtschaft in der Europäischen Union habe die Internetverwaltung "zentrale politische Priorität", heißt es in dem am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Papier (PDF-Datei). Von den weltweit rund 1,5 Milliarden Internetnutzern seien rund 300 Millionen in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Die Kommission will Aufbau und Betrieb der Netzinfrastruktur weiter in den Händen der Privatwirtschaft lassen, fordert aber mehr Transparenz und politische Kontrolle der Internetverwaltung. Die wird bisher von der US-Organisation Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) übernommen, die nur der US-Regierung rechenschaftspflichtig ist. ICANN agiert auf Basis einer Betriebsvereinbarung mit dem US-Handelsministerium, die im September ausläuft. Die EU-Kommission sieht hier eine Chance, die ICANN auf eine neue rechtliche Grundlage zu stellen.

Dabei solle ein künftiges Regelwerk für die Internetverwaltung "die Schlüsselrolle widerspiegeln, die das globale Netz mittlerweile für alle Länder spielt", heißt es aus Brüssel. Da diese Rolle immer gewichtiger werde, käme es für die Staaten "nicht in Betracht", sich "weiterhin im Hintergrund zu halten". Die Länder sollten allerdings nicht in den laufenden Betrieb hineinregieren, sich aber "mit politischen Grundsatzfragen befassen".

Die offene Struktur der Internetarchitektur müsse erhalten bleiben, heißt es in dem Kommissions-Papier. Das sollen multilaterale Prozesse garantieren, in welche die Regierungen aller Länder einbezogen werden. Brüssel bemängelt, dass im ICANN-Beratungsausschuss der Regierungen bisher noch nicht alle Staaten vertreten sind. Die Internetverwaltung selbst solle den Regierungen der Länder künftig Rechenschaft über ihre Tätigkeit ablegen müssen.

Mit dem Papier will die Kommission nun den internationalen Dialog über die künftige zwischenstaatliche Zusammenarbeit bei der Internetverwaltung anregen. Dabei geht vor allem an die Adresse der USA die Forderung, die ICANN in die Unabhängigkeit zu entlassen. "Ich rufe die Vereinigten Staaten auf, mit der Europäischen Union zusammenzuarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen", bekräftigte Medienkommissarin Viviane Reding am Donnerstag in Brüssel.

Reding hatte sich ursprünglich für eine weitestgehende Unabhängigkeit der Internetverwaltung ausgesprochen. Die EU-Kommisarin für Informationsgesellschaft und Medien hatte einen Zwölfer-Regierungsrat vorgeschlagen, der sich zu Fragen der Internet-Governance austauschen und der ICANN "Empfehlungen" geben sollte. Das war bei Regierungsvertretern auf wenig Gegenliebe gestoßen. Die fürchteten dabei offenbar nicht nur diplomatische Verstimmungen im Verhältnis zu den USA, sondern auch Einflussverlust. Im April hatte sich Deutschland für mehr Einfluss der Regierungen eingesetzt.

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: ICANN-Sicherheitsexperten kritisieren das Umleiten von DNS-Anfragen
Beitrag von: SiLæncer am 22 Juni, 2009, 16:34
Der Sicherheitsausschuss der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) warnt vor der sich häufenden Praxis, Anfragen auf nicht aktive Domains auf eigene Seiten umzuleiten. Statt der korrekten Antwort, dass eine Domain nicht existiert, bekommt der Internetnutzer Webseiten mit alternativen Linkvorschlägen zu sehen. Diese werden von manchen Registries und vermehrt auch von Internetzugangsprovidern wie etwa T-Online zwischengeschaltet. So lassen sich Kunden auf ein eigenes Portal locken. Das US-Unternehmen VeriSign wurde vor einigen Jahren wegen dieser "Wildcards" von der ICANN abgemahnt.

Ram Mohan, CTO von Afilias, stellte heute zum Auftakt des in Sydney beginnenden Treffens der ICANN einen Bericht (PDF-Datei) des Sicherheitsausschusses vor. Er wies darauf hin, dass durch diese Umleitungen Kernfunktionen des DNS und viele klassische Dienste gestört würden. Nicht zustellbare E-Mails würden nicht mehr zurückgesandt. Dadurch würde nicht nur das Vertrauen ins DNS untergraben, es würden auch Schlupflöcher für bösartige Attacken geöffnet. Die ICANN müsse dem bei der Einführung neuer Internet-Adresszonen (TLDs) einen Riegel vorschieben. Auch bei bestehenden TLD-Registries sollten derartige Verbote die Regel werden, heißt es im Bericht. In Deutschland leitet unter anderem T-Online nicht auflösbare DNS-Anfragen auf die eigene Seite um.

Die ICANN könne die Einhaltung von Standards nicht erzwingen, das könnten nur lokale Regulierer, sagte Jaap Akkerhuis, Mitglied im Sicherheitsausschuss der ICANN. Eine Telefongesellschaft könne auch nicht in Eigenregie Rufnummern umleiten, ähnlich dürfte es seiner Meinung nach auch bei IP-Adressen sein. Akkerhuis erläuterte gegenüber heise online, dass auch die geplanten Stopp-Schilder gegen kinderpornographische Seiten "eine Art von Wildcarding" seien. Würde es richtig gemacht, gäbe es damit wohl kein Stabilitätsproblem.

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: Privatisierte Netzverwaltung: A und O des Internet oder überholte Vorstellung ?
Beitrag von: SiLæncer am 24 Juni, 2009, 15:23
Bereits für das Jahr 2000 versprach die US-Regierung, damals noch unter Bill Clinton, eine komplett privatisierte Internetverwaltung unter dem Dach der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN). Seither werkelte die ICANN vor sich hin, entwickelte byzantinische Strukturen und von außen nur schwer nachvollziehbare Entscheidungsfindungswege – und blieb unter Oberaufsicht der US-Regierung.

Mehr als ein Jahrzehnt nach der vollmundigen Ankündigung der Clinton-Regierung: Die ICANN hält eines ihrer regelmäßigen Treffen ab, dieses Mal in Sydney – und die Frage "Oberaufsicht durch Regierungen" oder "vollständige Privatisierung" wird wieder neu aufgerollt. Viele Experten halten den Verzicht auf eine Aufsicht durch Regierungen für überholt. Domain-Name- und IP-Adress-System gelten als kritische Infrastruktur. Im Streit darum, ob die US-Regierung der oberste Kontrolleur der Internet-Verwaltung bleiben soll, knirscht es zwischen der US-Regierung und dem Rest der Welt. Der ehemalige Chef des National Cyber Security Center des US-Departments for Homeland Security, Rod Beckstrom, soll als Nachfolger des Australiers Paul Twomey die ICANN durch die bevorstehenden Stürme steuern. Wie Beckstrom zur Loslösung der ICANN von der US-Regierung steht, wird spannend.

Am diplomatischsten haben es einmal wieder die Schweizer ausgedrückt. In der Pionierphase des Internet sei das mit der Aufsicht über die ICANN und auch die technischen Kernstücke, etwa die Rootzone, "eine einfache und effiziente Lösung gewesen", schrieb das Schweizer Bundesamt für Kommunikation (BAKOM), an die National Telecommunications and Information Administration (NTIA), die bis 8. Juni um Stellungnahmen zur Zukunft der ICANN gebeten hatte. Mit der Entwicklung des Netzes zur globalen Ressource von öffentlichem Interesse "glauben wir, dass diese schwere Verantwortung auf mehr als eine Schulter verteilt werden sollte". Es müsse ein Rahmen gefunden werden, in dem die ICANN der gesamten internationalen Gemeinschaft – kleinen wie großen Ländern – Rechenschaft zu geben habe, fordert das BAKOM.

Auf eine komplette Privatisierung der ICANN bestehen im Rahmen der NTIA-Anhörung nur noch wenige. Die Internet Society (ISOC) samt vieler ISOC-Landesverbände sowie Vinton Cerf (TCP/IP-Miterfinder, ISOC-Gründer, ehemaliger ICANN-Vorsitzender und heutiger Internet Evangelist von Google) raten dazu, den Vertrag über die US-Oberaufsicht bei der ICANN nach sieben Verlängerungen endgültig auslaufen zu lassen. Auch die ICANN selbst legte sich mächtig für ein Ende des Abkommens ins Zeug. Twomey beschwor noch Anfang Juni Abgeordnete des US-Kongresses in einer Anhörung, nicht auf eine Neufassung des Vertrages zu drängen. Die US-Regierung könne über die Vergabe der IANA-Funktion (also der Aufsicht über die Rootzone im DNS), weiter ihre Aufsichtsrolle wahrnehmen. Eine Verlängerung des ICANN-Vertrags sei daher nicht notwendig und würde im Übrigen dazu führen, dass andere Regierungen nach Alternativen zum privatwirtschaftlichen ICANN-Modell suchten, warnte Twomey.

Twomeys Vorgänger, der US-Internetexperte Michael Roberts, riet demgegenüber der US-Verwaltung doch eher dazu, endlich einzugestehen, dass die Idee von einer Marktlösung einfach nicht machbar sei. Schon in den ersten Jahren habe die US-Regierung erkannt, dass ein Herauslösen der Netzverwaltung aus der US-Aufsicht nicht funktionieren würde. Die Gründungsdokumente der ICANN müssten daher völlig neu überdacht werden, fordert Roberts – in Übereinstimmung mit der französischen Länderdomain-Registry AFNIC. Erst einmal müsse jedenfalls die Rootzone sicher in der Hand der USA bleiben, meint Roberts, oder doch wenigstens in der Hand einer Gruppe von Regierungen unter Führung der USA.

Von der Einbeziehung anderer Regierungen wollten US-Politiker beider Parteien bei der Anhörung im Kongress allerdings überhaupt nichts wissen. Die USA haben das Internet geschaffen, ja, seien Vater und Mutter des globalen Netzes, befanden die Abgeordneten. Daher gebühre den USA auch die Kontrolle. Insbesondere wetterten die Abgeordneten gegen mögliche Ansprüche aus Ländern wie China, Syrien oder Venezuela, von denen man Eingriffe in die Offenheit des Netzes befürchtet. Die Netzaufsicht muss unser bleiben – so der Tenor in Washington. Genau hier aber braut sich für die kommenden Monate ein diplomatisches Gewitter zusammen, in dem der jüngste Vorstoß von EU-Kommissarin Viviane Reding für mehr Internationalisierung nur der erste Donnerschlag war.

Gibt es noch einen Plan B? Immerhin ein paar Beobachter der Vorgänge rund um die Netzverwaltung halten ein Netz ganz ohne ICANN für eine Möglichkeit. Eine "schlankere Organisation" halten sie für wünschenswert, die Partner in anderen Jurisdiktionen nicht in rechtliche Kalamitäten bringt, nicht nur US-amerikanische und kommerzielle Interessen bedient und öffentlich-rechtliche sowie akademische Interessen besser abbildet bei der Regelsetzung für IANA, die die eigentlichen technischen Kernaufgaben im DNS innehat.

Wie der designierte CEO Beckstrom sich zu solchen Ideen stellt, bleibt abzuwarten. In Sydney soll der Cybersecurity-Experte und erfolgreiche Unternehmer der ICANN-Gemeinde vorgestellt werden.

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: Netzwerkbetreiber und Provider gegen Regierungskontrolle über Netzverwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 13 Juli, 2009, 16:54
Die Verbände European Telecommunications Network Operators' Association (ETNO), EuroISPA und GSM Europe warnen in einer Stellungnahme vor zu viel Regierungskontrolle über das Domain Name System. Die fürs DNS verantwortliche Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) solle ein privates Selbstregulierungsgremium bleiben, das allen Interessenvertretern gleichermaßen verantwortlich ist. Eine Ablösung der US-Aufsicht über die Netzverwaltung durch eine internationale Regierungsaufsicht lehnt die Branche entschieden ab.

Die drei Verbände reagieren mit ihrer Stellungnahme auf Beratungen in der Arbeitsgruppe "Internet Governance" des europäischen Rates, der in der vergangenen Woche erstmals unter schwedischer Präsidentschaft tagte. Die Ratsgruppe diskutierte dabei die Mitteilung der EU-Kommission zu dem umstrittenen Thema. Insbesondere der Vorstoß von EU-Kommissarin Viviane Reding, die ein Gremium von Regierungen (G12) als künftige ICANN-Aufsicht ins Spiel brachte, hatte für Irritationen auch innerhalb der Mitgliedsstaaten geführt. Eine Stellungnahme zur Debatte in der Ratsgruppe zum jetzigen Zeitpunkt lehnte der mit dem Dossier betraute Experte ab. Die Strategie des Rates zum Thema "Internet Governance" soll demnächst vom Ausschuss der Ständigen Vertreter verabschiedet werden.

Im September läuft das so genannte Joint Project Agreement ab, das die ICANN an die US-Regierung bindet. Die ICANN-Führung befürwortete bislang ein Ende des Vertrages. Der neue Geschäftsführer Rod Beckstrom hat sich bislang stets zurückhaltend zum Thema geäußert. Gegenüber der New York Times warnte er nun aber vor einer Fragmentierung der ICANN, sollte die Organisation einen zweiten Standort mit eigener Rechtsform etwa in der Schweiz anstreben.

Thierry Dieu, Sprecher des Verbands ETNO, unterstrich gegenüber heise online, sein Verband, EuroISPA und GSMA Europe befürworteten ein Auslaufen des JPA. Die ETNO habe dies in einer eigenen Stellungnahme gegenüber der US-Verwaltung ausgdrückt. Wenn Regierungen ohne Beteiligung von Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft über neue Regeln fürs DNS entschieden, würde das den Entscheidungen beim Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) von der gemeinsamen, gleichberechtigten Entwicklung solcher Regeln widersprechen.

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: IETF befasst sich mit Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 31 Juli, 2009, 19:59
Die Standardisierungsorganisation Internet Engineering Task Force (IETF) hat sich auf ihrem 75. Treffen in Stockholm im technischen Plenum des Internet Architecture Board (IAB) erstmals eingehend dem Thema Netzneutralität befasst. Mark Handley, Computerwissenschaftler am University College London meinte (PDF-Datei), die Organisation müsse nach Lösungen suchen, um allgegenwärtige Deep Packet Inspection (DPI) oder schlechte Regulierung zu verhindern, die Innovation entgegenstehen könnten.

Das Ausspähen der Pakete per DPI – das in zum Beispiel in Großbritannien, in den USA und Deutschland auf dem Vormarsch sei – löse nach Ansicht von Handley einen Teufelskreis aus: Weil Provider oder Internet-TV die Jagd nach freier Kapazität gegen den P2P-Verkehr in Hintertreffen gerieten, würden mittels DPI die P2P-Daten geortet und ausgebremst. Das führe im Gegenzug dazu, dass der P2P-Verkehr "Port-agiler, verschlüsselt oder verschleiert" werde, woraufhin die Netzwerkbetreiber bekannte Pakete privilegierten. Das sei ein völlig falscher Weg.

Die IETF habe den Providern nicht die richtigen Werkzeuge gegeben, um Kosten und Einkünfte innerhalb der Internetarchitektur aufeinander abzubilden, meint Handley. Es gebe aber in der IETF Ansätze, mit denen die Entwickler die Netzneutralititätsdebatte entschärfen könnten, zum Beispiel das Protokoll re-ECN, mit dem Informationen zu Engpässen im Netz auf dem gesamten Weg des Pakets dokumentiert werden können. Einen positiven Beitrag gegen die Überlastung der Netze könne etwa die in Stockholm gestartete Arbeit an "Multipath TCP" (PDF-Datei) leisten, bei dem der Datenverkehr gleichzeitig über mehrere Routen geleitet werde und dadurch überlastete Routen entlastet werden könnten.

Netzneutralitätsexpertin Barbara van Schewick von der Stanford Law School empfahl (PDF-Datei) den Entwicklern, bei der Erarbeitung der Standards die Wahlfreiheit der Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen. Auch dafür fehlten im Standardpool der Organisation noch die Werkzeuge. Die Technik ermögliche heute Providern, Applikationen und Inhalte zu kontrollieren. "Diese Entwicklung führt potenziell zu einer Machtverschiebung vom Nutzer hin zum Netzprovider", sagte van Schewick gegenüber heise online.

Ted Hardie, Mitglied des Board of Trustee der Internet Society (ISOC) und Forschungsexperte bei Qualcomm, erinnerte die IETF in einem persönlichen Statement an die Debatte über Standards für das Abhören im Netz, die von Strafverfolgern verlangt wurden. Die IETF habe sich damals im (RFC 2804) klar "für die Freiheit" entschieden. Es gebe daher auch keinen Grund, die Spezialinteressen derer zu bedienen, die das Netz aus Profitgründen kontrollieren wollten. Hardie plädierte dafür, dass die IETF Standards nicht machen solle für jene, "die Pakete weiterschieben", sondern für jene, "die den Datenstrom initiieren".

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: US-Abgeordnete fordern dauerhafte US-Kontrolle über Internet-Verwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 06 August, 2009, 12:58
Demokratische Abgeordnete des US-Kongresses fordern in einem Brief an Handelsminister Gary Locke, die Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) fest an die US-Regierung zu binden. Im September läuft der seit 1998 mehrfach verlängerte Vertrag (Joint Project Agreement, JPA) zwischen der privaten Netzverwaltung und dem US-Handelsministerium aus, der der US-Regierung die Oberaufsicht über ICANN und DNS gibt. Dann sei die Zeit für eine dauerhafte Regelung des Verhältnisses gekommen, schreiben zehn Demokraten unter Führung der Chefs des Energie- und Handelsausschusses, Henry Waxmann, und des Unterausschusses für Kommunikationstechnologie und Internet, Rick Boucher, in dem auf den 4. August datierten Brief. Ein solcher Kurs würde die endgültige Abkehr von der bei der Gründung der Netzverwaltung in Aussicht gestellten vollständigen Privatisierung bedeuten.

Dabei sind die Abgeordneten alles andere als zimperlich mit ihren Forderungen. Das US-Handelsministerium soll nicht nur regelmäßig ICANNs Leistungen in Bezug auf Transparenz, auf die Wahrung der Stabilität und Sicherheit im Netz und auf die Erfüllung seiner Koordinationsaufgaben für das Domain Name System überprüfen. Vielmehr soll die neue Regelung gleich auch ein System vorschreiben, nach dem neue Top Level Domains eingeführt werden sollen.

Eine weitere Forderung betrifft offene und korrekte Informationen in der Inhaberdatenbank für Domains, dem so genannten Whois. Wie ein solcher offener Zugriff etwa mit Datenschutzregelungen in anderen Ländern zu vereinbaren ist, gehört zu einer Dauerstreitfrage innerhalb der Netzverwaltung. Schließlich wollen die Abgeordneten auch, dass die USA als permanenter Sitz der ICANN festgeschrieben wird. Die Abgeordneten verstehen all ihre Forderungen als Anerkennung des ICANN-Modells und als Absicherung eines stabilen und sicheren DNS.

Im Ausland, das mehr oder weniger deutlich weitere Schritte zur längst überfälligen Privatisierung eingefordert hat (weit vor gewagt hatte sich etwa EU Kommissarin Viviane Reding), dürfte der Brief den Verdacht bestätigen, dass in den USA kein ernsthaftes Interesse an einer unabhängigen, rein privat organisierten Selbstverwaltung im Netz besteht. Wenn schon die Aufsicht über die ICANN noch weiter verstärkt werden soll, dürfte der 2011 auslaufende Vertrag über die Funktionen der Internet Assigned Numbers Authority (IANA), den ICANN aktuell innehat, noch viel weniger zur Diskussion stehen.

Der IANA-Vertrag sichert der US-Regierung die Aufsicht über die Rootzone, das Herzstück des DNS, aber auch über die Vergabe der IPv4- und IPv6-Nummernblöcke an die Regional Internet Registries (RIRs). Es sei nur verständlich, dass kein US-Abgeordneter als derjenige, "der das Internet verloren hat", in die Geschichte eingehen wolle, sagen langjährige ICANN-Beobachter. Reaktionen aus dem US-Ausland, das sich im Winter trifft, um über die Zukunft des bislang nur debattierenden Internet Governance Forum (IGF) zu diskutieren, stehen noch aus.

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: ICANN probt mehr Offenheit
Beitrag von: SiLæncer am 26 August, 2009, 18:53
Die Internetverwaltung ICANN erprobt ein System zur Online-Beteiligung der Mitglieder an Diskussionen und Entscheidungsfindungen. Sie erhofft sich davon mehr Effizienz und schnellere Ergebnisse. So hat due Organisation jetzt erstmals eine Diskussionsplattform für 30 Tage eröffnet, in der das Ergebnispapier des ICANN-Meetings im Juni in Sydney kommentiert werden soll. Zur Teilnahme ist eine Registrierung nötig.

Die Beiträge sollen sich auf die sechs bei dem Meeting herausgearbeiteten Hauptpunkte sowie auf die sieben vorgeschlagenen Lösungen beschränken. Am 24. September 2009 soll die Diskussionsseite wieder geschlossen werden. Nach der Auswertung will die ICANN die Ergebnisse berichten. Auch soll die Auswertung Aufschluss darüber geben, ob die neue Mitspracheeinrichtung mit Hilfe der verwendeten Software Jive funktioniert hat oder ob eine andere Lösung getestet werden soll.

Quelle : www.heise.de
Titel: USA wollen Netzneutralität vorschreiben
Beitrag von: SiLæncer am 19 September, 2009, 14:32
Die amerikanische Regierung steht laut einem Zeitungsbericht vor einer wichtigen Weichenstellung für die Zukunft des Internets. Die US-Telekomaufsicht FCC (Federal Communications Commission) wolle Internet-Providern und Mobilfunk-Betreibern vorschreiben, jeden Datenverkehr in ihren Netzen gleich zu behandeln, berichtet das "Wall Street Journal". Mit diesem sogenannten Prinzip der Netzneutralität dürften die Netzbetreiber zum Beispiel ressourcenhungrige Video- oder Spieledienste oder Konkurrenzangebote nicht mehr benachteiligen.

Die neue Regelung könnte Anbietern neuer Dienste zugute kommen und zugleich die zum Teil bereits knappen Kapazitäten der amerikanischen Netzbetreiber noch stärker auslasten. Da US-Unternehmen im Internet tonangebend sind, dürfte der Schritt auch Auswirkungen auf den Rest der Welt haben.

Der Chef der FCC, Julius Genachowski, wolle die Regelung am Montag vorstellen, schreibt das "Wall Street Journal". Angesichts der rasanten Entwicklung von Angeboten wie Online-Videodienste hatten die Gegensätze zwischen Internet- und Telekommunikations-Branche zugenommen. US-Netzbetreiber hatten immer wieder durchblicken lassen, sie könnten sich eine Art Internet-Steuer für besonders bandbreitenintensive Angebote vorstellen. Die FCC stritt auch mit dem Netzbetreiber Comcast, der eine Zeit lang Nutzern, die besonders hohe Datenmengen herunterluden, die Leitungen abbremste.

Quelle : www.heise.de
Titel: US-Regulierer stellt Plan zur Stärkung der Netzneutralität vor
Beitrag von: SiLæncer am 21 September, 2009, 19:24
Julius Genachowski, Chef der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC), hat sein Vorhaben zur Stärkung der Netzneutralität am heutigen Montag in einer Rede am Brookings Institute in Washington erläutert. Demnach will der FCC-Chef die bestehenden vier Prinzipien der Telco-Aufsicht für ein offenes Internet um zwei Punkte erweitern und als durchsetzbare Normen festschreiben lassen. "Der Schlüssel des Erfolgs des Internet ist seine Offenheit", erklärte Genachowski. Dieser Ansatz habe das Netz zu einem "unentbehrlichen" Faktor für Innovation und Wirtschaftswachstum gemacht. Es gelte daher, ihn jetzt zu formalisieren und zukunftsfest zu machen.

Als neuen Ansatz brachte Genachowski eine zusätzliche Vorgabe ins Spiel, wonach Breitbandanbieter Inhalte oder Anwendungen unterschiedslos durch ihre Netze leiten müssten. Dies bedeute, dass die Provider "rechtmäßigen Verkehr" nicht blockieren oder herabstufen dürften, führte der Behördenleiter aus. Es stehe den Zugangsanbietern nicht zu, über Gewinner oder Verlierer im Wettbewerb um die Nutzung von Content oder Applikationen zu entscheiden. Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Netzwerksicherheit oder das Filtern von Spam würden davon nicht berührt. Auch sei es wichtig, dass illegales Verhalten im Netz wie die Verbreitung geschützter Werke zurückgedrängt werde. In bestimmten Fällen, meinte der Kommissar, könnten auch Dienste der Betreiber zum Netzwerkmanagement vorteilhaft für die Innovation oder die Sicherung von Investitionen und somit zulässig sein.

Weiter sprach sich der FCC-Chef für die Verankerung eines Transparenz-Prinzips aus. Sollten Provider Techniken für das Netzwerkmanagement einsetzen, müssten sie ihre Kunden detailliert darüber in Kenntnis setzen. Dies sei nötig, damit die Nutzer auch sicher gehen könnten, dass sie "den Service erhalten, für den sie bezahlen". Auch der Gesetzgeber werde damit besser in die Lage versetzt, das Internet als Spielfeld mit gleichen Berechtigungen für alle Teilnehmer aufrecht zu erhalten. Personenbezogene Kundeninformationen oder Angaben, die die Sicherheit von Netzwerken kompromittieren könnten, würden von der Offenbarungspflicht nicht erfasst. Genachowksi betonte weiter, dass sich die Prinzipien zur Netzneutralität auch auf das mobile Internet oder Breitbandverbindungen über Satelliten beziehen sollten. Sie könnten aber je nach Plattform oder Technologie unterschiedlich angewendet werden.

Die FCC stellte 2005 unter Genachowskis Vorgänger Michael Powell bereits vier recht allgemeine Leitlinien zur Gewährleistung des offenen Internet auf. Sie sichern Nutzern unter anderem Rechte zum Zugang zu gesetzesmäßigen Inhalten, zur Nutzung entsprechender Anwendungen und Dienste sowie zum Anschluss eigener Geräte an ein Netzwerk zu. Zugleich soll damit der Wettbewerb zwischen Netz-, Dienste-, Programm- und Inhalteanbietern gefördert werden. Eine gesetzliche Festschreibung dieser Maßgaben gibt es bislang trotz vieler Anläufe im US-Kongress nicht. Die FCC will in den Entscheidungsprozess nun alle Interessierten einbeziehen und hat dafür die Diskussionsplattform "Open Internet" gestartet.

Kritik von großen Telcos und Kabelnetzbetreibern, aus deren Reihen es gerichtliche Klagen gegen die Anwendung der Netzneutralität-Vorgaben der FCC gibt, hielt Genachowski entgegen, dass es nicht um eine "Regulierung des Internet" gehe. Vielmehr müssten "faire Regeln" für alle gelten, die den Zugang zur Datenautobahn kontrollieren. Man kämpfe auch nicht gegen imaginäre Gefahren. Vielmehr seien konkrete Brüche und Bremsmanöver festzustellen, welche die fundamentale Architektur der Offenheit des Internet bedrohten. Die Bewahrung der Netzneutralität dagegen werde Verbrauchern und der Wirtschaft in gleichem Maße zugute kommen. US-Bürgerrechtsorganisationen und Internetrechtler wie Lawrence Lessig begrüßten in ersten Reaktionen den neuen Fokus der FCC.

Quelle : www.heise.de
Titel: Neue Zeitrechnung für die Internetverwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 30 September, 2009, 20:53
Mit dem Ablauf des 1998 vereinbarten alten Vertrags zwischen der US-Regierung und der ICANN beginnt am 1. Oktober eine neue Zeitrechnung für die private Netzverwaltung. Nach vielen Gesprächen einigten sich die im US-Handelsministerium zuständige National Telecommunications and Information Administration (NTIA) und die ICANN auf eine gemeinsame "Erklärung verbindlicher Vereinbarungen" (Affirmation of Commitments), die auslaufende Abkommen (Joint Project Agreement, JPA) ersetzen soll. Statt der Kontrolle durch das US-Handelsministerium sollen nun Vertreter der Regierungen sowie der betroffenen Interessengruppen und externe Experten regelmäßig überprüfen, ob ICANN die Aufgaben satzungsgemäß erfüllt.

Gestärkt wird insbesondere der Regierungsbeirat (GAC), dessen Vorsitzender gemeinsam mit ICANN-Chef Rod Beckstrom die Mitglieder der Prüferteams auswählt, denen beide Chefs von Amts wegen auch selbst angehören. Eine kleine Verbeugung gegenüber anderen Regierungen enthält auch ein Passus der Erklärung, der die wichtige Rolle des GAC im Entscheidungsprozess der ICANN unterstreicht. Eine Stärkung des GAC hatten zuletzt die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten in ihren Richtlinien zur Zukunft der Netzverwaltung noch einmal dick unterstrichen. Da kannten sie die neue Erklärung in Teilen schon.

Man müsse sich rasch Gedanken über die 10 bis 15 Mitglieder des ersten Prüferteams machen, sagte Beckstrom gegenüber heise online. Denn der erste Bericht zu ICANNs Leistungen in Sachen "Transparenz, Rechenschaftslegung und Arbeit im Sinn der internationalen Öffentlichkeit" muss bereits im Dezember 2010 abgeliefert werden. In diesem ersten Prüferteam haben sich die US-Behörden einen festen Sitz zusichern lassen, während sie bei den Prüfungen im Bereich Stabilität, Wettbewerb und Durchsetzung des nicht unumstrittenen Whois-Standards auf ein solches Privileg verzichteten.

"Es ist vorbei mit den Rechenschaftsberichten allein für das US-Handelsministerium. Von denen haben ICANN-Mitarbeiter 13 Stück in den vergangenen Jahren gemacht", lobte Beckstrom die neue Erklärung als einen "erfreulichen Schritt in die richtige Richtung". Die Berichte der Prüferteams sollen laut dem neuen Vertrag auch öffentlich kommentiert werden können. Kommt ICANN den Zusagen im Dokument hinsichtlich Transparenz und dem öffentlichen Interesse nicht nach, "werden wir dafür öffentlich an den Pranger gestellt, nehme ich an", meint Beckstrom.

Das stärkste Druckmittel bleibt wohl die Möglichkeit der US-Regierung, den Vertrag über die Administration der zentralen Rootzone (IANA-Vertrag) einfach neu auszuschreiben. In dieser Hinsicht hat sich an den Machtverhältnissen gar nichts geändert. IANA-Vertrag und ICANN-Abkommen seien "zwei völlig getrennte Dinge", versichert Beckstom. Auch die praktische Aufsichtstätigkeit des Handelsministeriums bei Änderungen in der Rootzone bleibt bestehen. Schließlich hat die ICANN auch noch zugesichert, dass das Hauptquartier der Organisation in den USA bleiben wird. Damit bleibt die Netzverwaltungsorganisation bis auf Weiteres unter US-amerikanischer Rechtsprechung.

Eine Reihe ehemaliger ICANN-Würdenträger und einzelne US-amerikanische Abgeordnete lobten in ersten Reaktionen die neue Vereinbarung. In der vergangenen Woche hatte es noch Kritik an der möglichen Einführung neuer Top-Level-Domains gehagelt. Die wollte man mit dem aktuellen Dokument auch keinesfalls unterstützen, heißt es in der Erklärung. Auch EU-Kommissarin Viviane Reding begrüßte die stärkere Unabhängigkeit der ICANN von den US-Behörden.

Quelle : www.heise.de
Titel: US-Vertreter sorgen sich um Einfluss auf Internetverwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 03 Oktober, 2009, 22:35
Der Verzicht der US-Regierung auf ihre hervorgehobene Aufsichtsrolle über die Internetverwaltungsorganisation ICANN gerät in die Kritik. Der frühere Chef der zuständigen National Telecommunications and Information Administration (NTIA), John Kneuer, beruhigte bei einer Informationsveranstaltung des Internet Caucus des US-Kongresses Abgeordnete und deren Vertreter. Die Frage, ob "die USA das Internet hergegeben" hätten, beantwortete Kneuer mit dem Hinweis, "wir haben gar nichts aufgeben". Der amerikanische Gesetzgeber müsse auch künftig einschreiten, wenn bei ICANN eine Entwicklung in die falsche Richtung gehe, forderte der US-Jurist und Markenrechtsvertreter Steve Metalitz.

NTIA und ICANN hatten in der vergangenen Woche den seit 1998 laufenden Vertrag zwischen US-Regierung und der privaten Netzverwaltungsorganisation nicht erneuert, sondern durch eine beiderseitige Verpflichtungserklärung (Affirmation of Commitments, AoC) ersetzt. Laut der Erklärung muss die ICANN nicht mehr regelmäßige Rechenschaftsberichte für die US-Regierung abliefern. Vielmehr sollen vom Regierungsbeirat und vom ICANN-Management gemeinsam besetzte Teams die satzungsmäßige Arbeit der Netzverwaltung überprüfen. Die US-Regierung behält sich nur einen festen Sitz in einem von vier solcher Teams vor.

Bereits am Mittwoch hatten die in der Coalition Against Domain Name Abuse (CADNA) vertretenen großen US-Unternehmen (darunter Dell, HP und Verizon) angehören ihr Missfallen an der größeren Unabhängigkeit der ICANN zum Ausdruck gebracht. Ohne eine richtige Aufsicht werde ICANN nicht gezwungen, sich an die in der Verpflichtungserklärung gemachten "Versprechungen" zu halten, warnte CADNA-Präsident Josh Bourne. Unter Experten wird bereits jetzt spekuliert, wie stark die Einflussmöglichkeit über die kalifornischen Gerichte ist, denen ICANN durch seinen Sitz in Marina del Rey untersteht, und welche Wirkung das Kündigungsrecht entfaltet, das ICANN und NTIA für die Verpflichtungserklärung geltend machen können. ICANN bleibt auf jeden Fall durch den Vertrag über den Betrieb der Rootzone an die US-Administration gebunden.

Den CADNA-Unternehmen und anderen großen Konzernen ist vor allem die mögliche unbeschränkte Zulassung neuer Top-Level-Domains ein Dorn im Auge. In eine andere Richtung zielte bei der Veranstaltung in Washington die Kritik von Brendon Kuerbis vom Internet Governance Project (IGP). Die Mitglieder der vier Teams, die künftig die ICANN-Arbeit überprüfen sollen, werden vom Chef des Regierungsbeirats und vom obersten ICANN-Management ausgewählt. Die "von oben" eingesetzten Teams beurteilen dann die Politik, die oft mühsam zwischen den verschiedenen Interessengruppen in der ICANN abgestimmt wurde. Die Akzeptanz der neuen Aufsicht hängt nach Ansicht vieler Beobachter letztlich davon ab, wie das neue Konzept umgesetzt wird.

Die französische Regierung meldete sich inzwischen mit der Aufforderung zu Wort, die neuen Aufsichtsverfahren und weitere, notwendige institutionelle Anpassungen innerhalb der ICANN  in einer breit angelegten Konsultation zu diskutieren. Gleichzeitig sollte dabei auch die Gesamtdebatte über das Thema "globales Management des Internet" nicht vergessen werden, die über ICANN und die Namen und Nummern im Netz hinaus gehe.

Quelle : www.heise.de
Titel: Umkämpfte Netzneutralität: für und wider Regeln für ein offenes Internet
Beitrag von: SiLæncer am 19 Oktober, 2009, 13:37
Nach Republikanern und Konzernen aus der Telco-Branche, darunter Cisco Systems, Alcatel-Lucen, Ericsson, Motorola oder Nokia, sehen nun auch 72 Abgeordnete der Demokraten die  geplante Festschreibung des Prinzips des offenen Internets durch den US-Regulierer skeptisch. Die einem konservativen Flügel der Regierungspartei angehörenden "Blue Dogs" geben laut US-Berichten in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Federal Communications Commission (FCC), Julius Genachowski, ihren Bedenken Ausdruck, dass dessen Vorhaben zur Stärkung der Netzneutralität Investitionen in Breitbandnetze verhindern könnte. Das gegenwärtige Regulierungsumfeld habe ein enormes "Wachstum und Innovationen bei neuen Anwendungen" ermöglicht, sodass jeder staatliche Eingriff mit Vorsicht zu behandeln sei.

Zu den Unterzeichnern gehören Angehörige des Repräsentantenhaus wie Elijah Cummings aus Maryland, Charlie Gonzalez aus Texas oder Loretta Sanchez aus Kalifornien, die ethnische Minderheiten vertreten. Fast parallel hatte auch eine Gruppe zivilrechtlicher Organisationen aus diesem Bereich die FCC in einem offenen  Brief (PDF-Datei) gebeten, ihren Fokus auf dem Ausbau von Netzzugängen zu halten. Auch sie befürchten, dass unter der Ausrichtung auf die Erhaltung eines "neutralen" Netzes der Ausbau der Internetversorgung in Ausländergemeinden leidet.

Befürworter der Netzneutralität wie die Präsidentin der Bürgerrechtsorganisation Public Knowledge halten dagegen, dass die Vertreter der ethnischen Minderheitengruppen falschen Behauptungen der Breitbandanbieter aufgesessen seien. Das derzeitige Regulierungssystem habe dazu geführt, dass gerade Einwanderergruppen die geringste Auswahl an Internetprovidern hätten und der Wettbewerb eingeschränkt sei. Sie würden mit den niedrigsten Geschwindigkeitsraten im Netz abgespeist. Ben Scott von der Medienvertretung Free Press betonte ebenfalls, dass die Vorteile eines offenen Internets für die freie Meinungsäußerung, die wirtschaftliche Innovation und die demokratischen Beteiligungsmöglichkeiten überaus wertvoll seien für die Bürger und Wähler.

Fünf Internetpioniere haben dem FCC-Chef ebenfalls den Rücken gestärkt. Vint Cerf, Stephen Crocker, David Reed, Lauren Weinstein und Daniel Lynch unterstrichen in einem gemeinsamen Schreiben vergangene Woche, dass vor allem das neu vorgeschlagene Prinzip der unterschiedslosen Durchleitung von Internetpaketen und die vorgesehene Transparenzverpflichtung "notwendige Bestandteile" einer auf Innovation ausgerichteten Agenda für die USA seien. Die gegenwärtige Internetlandschaft lasse den Bürgern zu wenig Wahlmöglichkeiten, sodass der freie Markt allein das Offenheitsprinzips des Internets nicht verteidigen könne. Es sei ein Mythos, dass gewisse Praktiken des Netzwerkmanagements durch Vorgaben zur Netzneutralität ausgeschlossen würden. Die FCC will am Donnerstag über das weitere Vorgehen und ein mögliches Festzurren der Vorschläge Genachowskis beraten.

Quelle : www.heise.de
Titel: US-Regulierer will Netzneutralität durchsetzen
Beitrag von: SiLæncer am 23 Oktober, 2009, 20:03
Die US-Regulierungsbehörde hat wie erwartet den von Behördenchef Julius Genachowski initiierten Entwurf für eine neue Regulierungspolitik verabschiedet. Die geplanten Maßgaben, die sich an den Prinzipien der Netzneutralität orientieren, stehen nun zur öffentlichen Kommentierung. Nach der Abstimmung der Spitzengremiums am Donnerstag in Washington hat die Federal Communications Commission (FCC) den schon vor Veröffentlichung umstrittenen Entwurf (PDF-Datei) auf ihrer Website zum Download bereitgestellt. Die FCC nimmt Stellungnahmen bis zum 14. Januar entgegen, bis Anfang März ist dann noch Zeit für Kommentare zu den Eingaben.

Mit dem Papier schlägt die FCC Eckpfeiler für eine Neuausrichtung der Regulierungspolitik in Sachen Internet vor. Grundsätzlich bekennt sich die Behörde zu einem offenen und freien Internet. Die FCC will bestehende Grundsätze für den freien Netzzugang in ein Regelwerk gießen und um weitere Prinzipien ergänzen. So soll Netzbetreibern, ob nun Festnetz oder Mobilfunk, verboten werden, den Austausch rechtmäßiger Inhalte oder die Nutzung rechtlich unbedenklicher Anwendungen zu unterbinden — oder bestimmte Übertragungen, etwa die besonders gut zahlender Kunden, zu bevorzugen.

Darüber hinaus sollen Netzbetreiber keine zugelassenen Geräte abweisen dürfen, solange sie den Netzbetrieb nicht stören. Die Infrastrukturanbieter dürfen den wirtschaftlichen Wettbewerb nicht beeinträchtigen, die FCC spricht hier ausdrücklich von Anwendungen, Diensten und Inhalten. Rechtmäßige Inhalte, Anwendungen und Dienste sollen zudem eine gleichberechtigte Behandlung erfahren. Dabei bleibt den Netzbetreibern ein "angemessenes Netzmanagement", das etwa zum reibungslosen Betrieb nötig ist, ausdrücklich vorbehalten — die FCC will die Branche dabei aber zu Transparenz verpflichten.

Die propagierte neue Offenheit gilt nur für legale Inhalte. So sollen die Provider weiter gegen illegale und "unerwünschte" Inhalte vorgehen können. Die Behörde nennt hier Spam und Kinderpornografie, aber auch "die unrechtmäßige Übertragung von Inhalten" die etwa gegen das Urheberrecht verstoßen. Dafür müssen sie gemäß geltender Rechtslage allerdings erst einmal Kenntnis erlangen. Über die Legalität von Inhalten bestimmen nicht die Provider.

Mit der Veröffentlichung des Entwurfs wird das Gezerre um die Netzneutralität in den USA, das schon im Vorfeld heftig genug war, unvermindert weitergehen. Die betroffene Branche wird ihre Lobby in Washington in Stellung bringen und dürfte im Kongress, aber auch vor Gericht, um jede Formulierung kämpfen. Schon jetzt gibt es eine Gesetzesinitiative vom republikanischen Senator John McCain, der das Netz frei von jeglicher Einflußnahme der Regierung halten will. Ähnliche Kritik kommt auch aus einer anderen Ecke: Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), an sich ein glühender Verfechter der Netzneutralität, sieht in dem Vorstoß der FCC vor allem einen Versuch, das Netz unter die Fuchtel der US-Regierung zu stellen.

Wie viel von Genachowskis Vorhaben am Ende des mehrere Monate währenden Konsultationsprozesses noch übrig bleibt, wird sich dann zeigen. Für den frischgebackenen FCC-Chef war zunächst wichtig, seine erste große Regulierungsmaßnahme unbeschadet durch die fünfköpfige Kommission zu bringen, deren Vorsitzender er ist. Dass das Netzneutralitätspaket vom demokratisch dominierten Gremium durchgewunken würde, stand dabei nie in Zweifel. Mit Interesse wurde in Washington aber das Abstimmverhalten der beiden republikanischen Kommissionsmitglieder beobachtet, deren Nein dem neuen Vorsitzenden schweren Schaden zugefügt hätte.

Am Ende entschied sich die Kommission einstimmig für die Aufnahme des Konsultationsverfahrens. Die beiden Republikaner gaben in der Sache eine abweichende Meinung zu Protokoll, lobten aber die offene und konstruktive Zusammenarbeit der Kommission unter Genachowski. Der hat damit sein Gesicht gewahrt. Doch die Probleme fangen für ihn jetzt erst an.

Quelle : www.heise.de
Titel: Machtpoker um die Vergabe von IP-Adressen und die DNS-Aufsicht
Beitrag von: SiLæncer am 22 November, 2009, 11:33
Die UN-Organisation International Telecommunication Union (ITU) will selbst IPv6-Adressen vergeben. Beim vierten Internet Governance Forum (IGF) der UN in Sharm El Sheikh sagte ein Vertreter der ITU gegenüber heise online: "Unser Vorschlag zu IPv6 liegt auf dem Tisch." Bereits Ende Oktober hatte das ITU Council grünes Licht gegeben, dass die ITU ein Modell für nationale IPv6-Adressvergabestellen entwickeln solle, mit dem die ITU zur zentrale Koordinierungsstelle der Country Internet Registries (CIR) würde.

Der neue Präsident der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) stellte dagegen die Notwendigkeit einer weitere IP-Adressvergabestelle in Frage. Bislang gibt es fünf IP-Adressvergabestellen (Regional Internet Registries, RIR), europäische Anlaufstelle ist das RIPE in Amsterdam.Vertreter aus dem ITU-Lager werben mit dem Hinweis auf "mehr Wettbewerb" für die zusätzliche Vergabestelle unter Aufsicht der Regierungen.

ICANN-Chef Beckstrom lieferte sich beim IGF einen Schlagabtausch mit dem Chef des von der ITU mit einer IPv6-Studie beauftragten NAV6-Instituts an der Universität von Malaysia, Sureswaran Ramadass. Laut Beckstrom funktioniert die Adressvergabe entgegen anders lautenden Aussagen gut.  "Wer hier im Saal Probleme damit hatte, IPv6-Adressen zu bekommen, kann sich bei mir melden", erklärte Beckstrom und warf den Befürwortern einer ITU-Adressvergabestelle politische Motive vor. Hinter vorgehaltener Hand meinen viele Gegner der ITU, sie suche nach neuen Aufgaben, da durch den Rückgang der klassischen Telefonnetze und der wachsenden Rolle der IP-Netze die Organisation an Bedeutung verliere.

Die NAV6-Studie bezeichnet eine sechste Adressvergabestelle als sinnvoll, technisch problemlos und ohne zusätzliche Fragmentierung umzusetzen. "Warum sollten wir keine zusätzlichen Organisationen für die Adressvergabe haben?", fragte Ramadass den ICANN-Chef. Mit dem alternativen Betreiber würde man ein "Monopol" bei der Adressvergabe vermeiden. Ramadass betonte, immerhin stehe derzeit einem Nutzer, dessen Adressantrag von seinem lokalen RIR abgelehnt werde, keine alternative Quelle zur Verfügung. Die RIRs vergeben laut eigenen Aussagen entsprechend dem Bedarf der Nutzer. Wer Adressen brauche, könne sie auch bekommen, unterstrich Beckstrom.

Der heikelste Aspekt bei den NAV6-Vorschlägen dürfte aus Sicht der Gegner der starke Einfluss der bei der ITU versammelten Regierungen auf die Vergaberegeln sein. Laut der Studie würden die Vergaberegeln im neuen IP-Adresszweig "in einer internationalen Organisation gemacht, in der alle Regierungen gleichberechtigt sind". Die Regeln könnten dann in Einklang mit nationalen Gesetzen durchgesetzt werden. Anstelle der Selbstregulierung, die bei den RIRs gepflegt wird, würden Regierungen Regeln für die in der zweiten Säule vergebenen Adressen festlegen.

Beim vierten Internet Governance Forum gab sich die ITU trotz dieser Pläne überaus diplomatisch. Entgegen der im Jahr zuvor geäußerten Kritik am IGF als eine Art "Quatschbude" lobte ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré das Forum als gutes "Interface" zwischen den verschiedenen zwischenstaatlichen und internationalen Selbstregulierungsorganisationen. Die Rolle der Internet-Verwaltung ICANN als zentraler Verwalter der DNS-Ressourcen bestätigte Touré ungewöhnlich deutlich. Dies verwunderte insbesondere diejenigen, die die ITU-Vorschläge für zwischenstaatliche Aufsichtsstrukturen auch für die Rootverwaltung der Länderadresszonen (ccTLDs), für die DNSSEC-Schlüsselverwaltung und auch für Fragen öffentlichen Interesses bei neuen, generischen Top Level Domains in einem Bericht des Economic and Social Council  der UN kannten. Die weitergehenden Machtgelüste der ITU haben offenbar einzelne Mitgliedsländer auf den Plan gerufen, denen das dann doch zu weit ging. Einzelne Mitgliedsstaaten hätten dazu Erklärungen verlangt, sagte ein ITU-Mitarbeiter gegenüber heise online.

Der Machtkampf zwischen ICANN und ITU geht vorerst wohl weiter, die nächste Runde ist im kommenden Jahr die so genannte Plenipotentiary Conference, das wichtigste Entscheidungsgremium der ITU. Bis dahin soll der beim ITU-Rat beschlossene Entwurf für die sechste Adressvergabestelle fertig sein.

Quelle : www.heise.de
Titel: Weiter Streit um Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 15 Januar, 2010, 17:40
Die Pläne der US-Regulierungsbehörde FCC, mit neuen Rahmenbedingungen für die Telekommunikationsbranche die Netzneutralität festzuschreiben, treffen weiter auf Widerstand. Wirtschaftsvertreter unterschiedlichster Branchen sowie zahlreiche Bürger nutzten die Gelegenheit, den im Oktober 2009 verabschiedeten Entwurf für einen neuen Regulierungsrahmen zu kommentieren. Bis zum Ablauf der Frist am gestrigen Donnerstag gingen nahezu 20.000 Stellungnahmen bei der Behörde ein.

Die Meinungen über die Neutralitätsprinzipien gehen dabei auseinander. Während sich Netzbetreiber gegen zuviel Einflussnahme der US-Regierung wehren und zu den schärfsten Kritikern des Vorhabens gehören, schlagen Diensteanbieter und Geräteproduzenten leisere Töne an. Sie können von festgeschriebenen Neutralitätsprinzipien durchaus profitieren. Allerdings warnen auch sie die Regierung vor einem zu strikten Regime. Bürgerrechtsgruppen und Verbraucherverbände befürworten die Pläne des neuen Chefregulierers Julius Genachowski.

Und dann ist da noch die US-Musikindustrie. Die macht sich offenbar Sorgen, dass festgeschriebene Neutralitätsprinzipien ihren "Kampf" gegen Urheberrechtsverletzungen im Netz behindern könnten. In einer knappen Stellungnahme mahnt der US-Verband RIAA, die FCC möge klarstellen, dass Netzbetreibern auch künftig erlaubt werde, Maßnahmen gegen eine "rechtswidrige Übertragung von urheberrechtlich geschütztem Material" zu ergreifen. Hintergrund sind Bemühungen der Branche, ein "Three Strikes"-Verfahren nach europäischem Vorbild auch in den USA zu etablieren. Der FCC-Vorschlag sieht den Schutz der Netzneutralität ohnehin nur für legale Aktivitäten vor.

Unterdessen könnte der Streit um eine ältere Entscheidung des Regulierungsbehörde aus der George-W.-Bush-Ära die Bemühungen von US-Präsident Barack Obama um einen Kurswechsel in der Regulierungspolitik unterminieren. In einem Rechtsstreit der FCC mit Comcast geht es um Maßnahmen, wie sie der RIAA offenbar vorschweben: Der Kabelnetzbetreiber hatte den Filesharing-Traffic seiner Kunden blockiert und sich dafür eine Rüge des Regulierers eingefangen. Gegen die Anweisung der FCC, die Blockade wieder aufzuheben, war das Unternehmen im vergangenen Jahr vor Gericht gezogen.

Während einer Anhörung vor der zuständigen Berufungskammer in der vergangenen Woche in Washington äußerten die Richter Zweifel an der Rechtmäßigkeit der FCC-Maßnahme. Die Behörde habe die gesetzliche Grundlage ihrer Anordnung noch nicht überzeugend dargelegt, monierte das Gericht. Sollte der FCC das im weiteren Verlauf des Verfahrens nicht gelingen, könnte das Genachowskis Pläne nachhaltig gefährden, meinen Beobachter.

Während im Wall Street Journal politische Analysten mit einer Niederlage der FCC rechnen und auch bei Kommissionsvertretern die Skepsis wächst, arbeitet die Behörde schon an einem Plan B. Das könnte eine grundsätzliche Überarbeitung der Regulierungspolitik bedeuten, meinte ein hoher Genachowski-Berater gegenüber der Zeitung, "oder der Kongress muss handeln". Der könnte die Befugnisse der Behörde von den Telefonnetzen explizit auch auf die Breitbandinfrastruktur ausdehnen.

Quelle : www.heise.de
Titel: Telekom will Diensteanbieter zur Kasse bitten
Beitrag von: SiLæncer am 21 Juli, 2010, 13:54
Die Deutsche Telekom will Anbieter von datenintensiven Diensten wie Google und Apple  künftig stärker zur Kasse bitten. "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig", sagte Telekom-Chef René Obermann einem dpa-Bericht zufolge dem Manager Magazin. Wenn die Telekom besondere Netzsicherheit oder höchste Übertragungsqualität zum Beispiel für Musik oder Video biete, müsse dies "auch differenziert bepreist werden". Entsprechende Diskussionen mit Diensteanbietern wie Google seien angestoßen.

Damit bezieht auch die Telekom in der auf beiden Seiten des Atlantiks heftig geführten Debatte um die Netzneutralität eindeutig Position. Als einer der ersten Vertreter eines großen europäischen Carriers hatte sich Anfang des Jahres Telefónica-Chef César Alierta aus der Deckung gewagt. "Die Suchmaschinen nutzen unser Netz, ohne dass sie irgendetwas dafür bezahlen", sagte er einer spanischen Zeitung. Das könne so nicht weitergehen.

Die Politik in den USA und Europa neigt derzeit dazu, die Neutralität der Netze zur Not auch regulatorisch zu gewährleisten. Die US-Regierung und die zuständige Aufsichtsbehörde FCC wollen Neutralitätsprinzipien festschreiben, stoßen dabei aber auf Widerstand. Auch die EU-Kommission hat sich zu den Prinzipien der Netzneutralität bekannt.

Dagegen beanspruchen die großen Netzbetreiber das Recht, die mit substanziellen Investitionen erweiterten Netzkapazitäten auch angemessen verwerten zu können. Wenn Diensteanbieter wie Google auf den Netzen der Carrier hohe Margen erwirtschaften, wollen die daran mitverdienen.

Kritiker warnen unterdessen davor, die Netze allein den Prinzipien des Marktes zu unterwerfen. Damit könnten große Diensteanbieter bevorzugt werden, die sich die teureren Datenautobahnen leisten können. Weniger finanzstarke Anbieter erhielten so erst gar keine Chance, sich im Markt zu etablieren. Das könne auch zu Nachteilen für die Verbraucher führen.

Quelle : www.heise.de
Titel: Netzneutralität: Vorfahrt für Google-Dienste gegen Bezahlung?
Beitrag von: SiLæncer am 05 August, 2010, 10:58
Google und Verizon stehen laut einem Bericht der New York Times  vor dem Abschluss einer Vereinbarung, wonach der US-Zugangsanbieter über seine Netzwerke Inhalte der YouTube-Mutterfirma gegen Zahlung einer Zusatzgebühr mit Priorität zu den Nutzern bringen könnte. Laut der Zeitung sprechen  die beiden US-Konzerne bereits seit zehn Monaten über neue Regeln zur Breitbandnutzung. Dabei hätten sich beide Seiten mit einer Lösung angefreundet, bei der Inhalteanbieter eine spezielle Gebühr für eine Sonderbehandlung ihres Contents zahlen könnten. Ein solches Modell würde gegen die bisherigen Vorstellungen des offenen Internets und der Netzneutralität verstoßen, demzufolge Dienste, Applikationen und Inhalte ohne gezielte Unterschiede – also unabhängig von Protokoll, Dienst, Quelle und Ziel der Datenpakete – behandelt werden.

Großen US-Breitbandanbietern und einigen europäischen Carriern wie der Deutschen Telekom geht es seit Längerem darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die zugesicherte oder besonders rasche Übertragung von Daten zur Kasse zu bitten. Sie wollen im Rahmen eines erweiterten "Netzwerkmanagements" Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones erhalten, abhängig etwa von Quelle, Dienst und Bandbreitenverbrauch. So könnten sie den Datenverkehr von besser zahlenden Kunden bevorzugt behandeln. Google gehörte dagegen bislang zu einer Allianz von Firmen gemeinsam mit Amazon, eBay, Microsoft oder Yahoo, die für eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität plädierten und diese sogar notfalls einklagen wollten. Sie fürchten gemeinsam mit Verbraucherschützern, dass Telekommunikationskonzerne und TV-Kabelanbieter das Internet einerseits in teure, mit Mautstationen abgesperrte Luxusbahnen und holprige Feldwege andererseits aufteilen wollen.

Google-Chef Eric Schmidt meinte nun am Rand der Techonomy-Konferenz in Kalifornien, dass es viele Missverständnisse über das Konzept der Netzneutralität gebe. Der Suchmaschinenbetreiber verstehe darunter, dass gleiche Datentypen (etwa bei Videos) nicht unterschiedlich behandelt werden dürften. Es gehe also nicht an, dass ein Clip einer Person gezeigt werde und die Aufnahme einer anderen zurückgewiesen werde. Zwischen verschiedenen Datenkategorien müsse aber eine Differenzierung möglich sein. Darüber gebe es ein prinzipielles Einverständnis zwischen Google und Verizon, auch wenn es bislang kein darauf basierendes Abkommen zu verkünden gebe. Kompliziert werde die Angelegenheit vor allem, wenn man das Prinzip des offenen Internets auch auf Mobilfunkverbindungen beziehen wolle. Google kooperiert in diesem Bereich mit Verizon beim Vertrieb von Smartphones mit dem Android-Betriebssystem.

Die Verhandlungen zwischen den beiden Größen im Internet- und Mobilgeschäft könnten sich auch auf die Bemühungen des US-Regulierers auswirken, Netzneutralitätsprinzipien festzuschreiben. Der Chef der Federal Communications Commission (FCC), Julius Genachowski, sucht seit dem Frühjahr nach einem "dritten Weg" zur Sicherung des offenen Internets. Demnach sollen Internetprovider künftig als klassische Telekommunikationsanbieter und Carrier eingestuft werden. Das damit theoretisch verfügbare umfangreiche Arsenal an Regulierungsmitteln will die FCC aber nur zum Teil auf die Zugangsanbieter anwenden. Die Regulierungsbehörde diskutiert über den Vorstoß derzeit mit Vertretern von Netzbetreibern, um einen Kompromiss zu finden und die Schmerzgrenzen auf allen Seiten auszuloten. Vertreter von Bürgerrechts- und Verbraucherschutzorganisationen sitzen nicht am Tisch und lehnen die geheimen Unterredungen daher ab.

Quelle : www.heise.de
Titel: Netzneutralität: Vorfahrt für Google-Dienste gegen Bezahlung? [Update]
Beitrag von: SiLæncer am 05 August, 2010, 17:29
Zumindest eine Vereinbarung mit Verizon über eine Bevorzugung von Internet-Traffic hat Google allerdings mittlerweile dementiert:. "We have not had any conversations with Verizon about paying for carriage of Google traffic. We remain as committed as we always have been to an open Internet." Wenn Eric Schmidt allerdings davon spricht, dass zwischen verschiedenen Datenkategorien aber eine Differenzierung möglich sein müsse, lässt dies weitere Fragen offen, wie seiner Ansicht nach Datenverkehr im Internet, besonders über Mobilfunkverbindungen, künftig behandelt werden soll.

Quelle : www.heise.de
Titel: US-Regulierer stoppt Runden Tisch zur Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 06 August, 2010, 10:17
Die Federal Communications Commission (FCC) hat ihre hinter geschlossenen Türen geführten Gespräche  mit Netzbetreibern und anderen Akteuren aus der Internetwirtschaft über die Aufrechterhaltung der Netzneutralität beendet. Die Verhandlungen seien zwar "an mehreren Fronten produktiv gewesen", erklärte der Debattenführer auf Seiten des US-Regulierers, Edward Lazarus, am gestrigen Donnerstag. Sie hätten aber nicht zu einem "robusten Rahmenwerk geführt, das die Offenheit und die Freiheit des Internets bewahrt". Ein solches sei aber nötig, um Innovationen, die Meinungsfreiheit und die Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher im Netz voranzutreiben und zugleich Investitionen zu fördern. Man halte sich alle Regulierungsoptionen offen, während man gleichzeitig weiter Stellungnahmen zu dieser wichtigen Frage einhole.

Behördenchef Julius Genachowski betonte, dass jedes Ergebnis und jegliche Absprachen, die das Internet nicht für Konsumenten und Unternehmer offen hielten, "unakzeptabel" seien. Der Demokrat sucht seit dem Frühjahr nach einem "dritten Weg" zur Festschreibung der Netzneutralität. Demnach sollen Internetprovider künftig als klassische Telekommunikationsanbieter und Carrier eingestuft werden. Das damit theoretisch verfügbare umfangreiche Arsenal an Regulierungsmitteln will die FCC aber nur zum Teil auf die Zugangsanbieter anwenden. Die Diskussionen mit Netzbetreibern und der Open Internet Coalition als Dachvereinigung der Befürworter eines offenen Internets sollten einen Kompromiss weisen, mit dem der bestehende Rechtsrahmen möglichst wenig zu ändern gewesen wäre.

Die Nachricht vom Ende des nicht-öffentlichen Runden Tischs platzt mitten in Gerüchte über einen Deal zwischen Google und Verizon über Vorfahrtsrechte auf der Datenautobahn. Beide US-Konzerne dementierten zwar mehr oder weniger nachdrücklich einen Bericht, wonach der Zugangsanbieter über seine Netzwerke Inhalte der YouTube-Mutterfirma gegen Zahlung einer Zusatzgebühr mit Priorität zu den Nutzern bringen könnte. Bei den seit Monaten laufenden bilateralen Gesprächen zwischen beiden Firmen gehe es nicht um Geld, das für die Übertragung von Googles Datenverkehr fließen solle, konstatierte der Suchmaschinenanbieter. Man trete für ein offenes und zurechenbares Netzwerk ein, solange dieses Investitionen und Innovationen beibehalte und die FCC über die Regeln wache, hieß es bei Verizon.

Keinen Widerspruch gab es derweil zu weiteren Meldungen, wonach die Telekommunikationsfirma zugesichert habe, im leitungsgebundenen Internet den Verkehr Googles nicht zu drosseln. Bewusst außen vor bleibe bei der Verabredung aber das mobile Netz, hieß es zugleich weiter. Zudem hatte Google-Chef Eric Schmidt erneut betont, dass gleiche Datentypen (etwa bei Videos) nicht unterschiedlich behandelt werden dürften, zwischen verschiedenen Datenkategorien aber eine Differenzierung möglich sein müsse. Es gibt also weiterhin verschiedene Vorstellung, was Netzneutralität bedeutet – jenseits einer Definition von Netzneutralität, die schlicht besagt, dass, unabhängig von Protokoll, Diensttyp, Quelle und Ziel, alle Datenpakete über IP-Netze gleich behandelt werden. IT-Experte Kristian Köhntopp, der in "Vokabeln für Netzneutralität" die Problematik zu verdeutlichen versucht, kommentierte bereits zu den Google-Verizon-Verhandlungen: "Es ist auf jeden Fall ein schwerer Rückschlag für Netzneutralität, da der Ansatz die Regulierung von Knappheit gegenüber der Schaffung von Überfluß bevorzugt."

Die zivilgesellschaftliche Organisation Public Knowledge, die zu den stärkten Verfechtern einer gesetzlichen Verankerung der Netzneutralität zählt und bei den FCC-Treffen in den vergangenen anderthalb Monaten nicht direkt mit am Tisch saß, zeigte sich nicht unglücklich über den Abbruch der Verhandlungen. Diese seien "hauptsächlich auf die größten Industrievertreter beschränkt gewesen", hieß es bei der Vereinigung. Die Regulierungsbehörde könne und müsse nun eine Entscheidung auf Basis der längst eingegangenen Kommentare aus einer breiteren Öffentlichkeit fällen und dabei das Gemeinwohl im Auge behalten.

Auch der den Demokraten angehörende Kongress-Abgeordnete Ed Markey, der bereits vergeblich mehrere Anläufe für eine gesetzliche Festschreibung des Prinzips des offenen Internets unternahm, drängte die FCC zum raschen Handeln. Andernfalls könne die "lausche Zusammenarbeit von Kommunikationskolossen das Netz regieren". Der frühere Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Senator John Kerry, ergänzte, dass es für eine gesetzgeberische Lösung der offenen Fragen rund um die Netzneutralität weiter düster aussehe. Er sieht daher ebenfalls die FCC unter Zugzwang.

Quelle : www.heise.de
Titel: Google und Verizon für Netzneutralität - mit einigen Hintertüren
Beitrag von: SiLæncer am 10 August, 2010, 08:51
Google und Verizon haben am gestrigen Montagabend ihren Vorschlag (PDF-Datei (http://www.scribd.com/doc/35599242/Verizon-Google-Legislative-Framework-%20Proposal)) für ein gesetzliches Rahmenwerk zur Netzneutralität vorgelegt, über den es vergangene Woche bereits heftige Spekulationen  gab. Der Suchmaschinenkonzern und der US-Telekommunikationsanbieter wollen demnach das Prinzip der Offenheit im herkömmlichen Internet stärken, zugleich aber den Weg für unregulierte Zusatzdienste öffnen und auch den Betreibern des mobilen Netzes weitgehend freie Hand lassen. Vor dem vielfach befürchteten Zwei-Klassen-Netz und Mautstellen im Datenraum bietet der Vorstoß trotz aller Versicherungen von Google-Chef Eric Schmidt, "das öffentliche Internet zu lieben", also keine Sicherheit.

Es sei nicht einfach gewesen, einen Kompromiss bei dem heftig umkämpften Thema zu finden, schreiben die für die öffentlichen Beziehungen der beiden Internetgrößen zuständigen Manager, Alan Davidson von Google und Verizon-Vertreter Tom Tauke, nach rund zehnmonatigen Verhandlungen in einem Blogeintrag zur Erläuterung. Das beidseitige Interesse an einem gesunden und starken Internet, das weiter als Innovationslabor dienen könne, habe die Gespräche aber vorangetrieben. Nun liege der Ball beim US-Kongress und bei der nationalen Regulierungsbehörde, der Federal Communications Commission (FCC). Letztere sucht selbst nach einem "dritten Weg" zur Aufrechterhaltung des offenen Internets und hat dabei einen nicht-öffentlichen Dialog mit Netzbetreibern gerade abgebrochen.

Der Entwurf für eine Art Netzneutralität 2.0 will die Sanktionsmacht der FCC über das traditionelle Internet anerkennen, nachdem diese ein Urteil in einem Rechtsstreit der Verwaltungsorganisation mit dem US-Kabelnetzbetreiber Comcast in Frage gestellt hat. Darüber hinaus sollen für das gute alte Netz die zwei zusätzlichen Neutralitätsprinzipien gelten, die die Regulierungsbehörde im vergangenen Herbst ins Spiel brachte. Demnach müssten Breitbandanbieter Inhalte oder Anwendungen ohne Unterscheidung nach verwendeten Protokollen oder Diensttypen oder nach Herkunft und Ziel durch ihre Netze leiten. Provider dürften so "rechtmäßigen Verkehr" (wie ausdrücklich betont wird) nicht blockieren oder herabstufen. Ferner sei ein Transparenz-Prinzip zu verankern. Sollten Zugangsanbieter Techniken für ein "vernünftiges Netzwerkmanagement" etwa zur Gewährleistung einer speziellen Servicequalität oder zum Verhindern von Staus auf der Datenautobahn einsetzen, müssten sie ihre Kunden detailliert darüber in Kenntnis setzen.

Für den Mobilfunkbereich, in dem Google und Verizon etwa mit dem Droid-Smartphone kooperieren, ist nur die Transparenz-Verpflichtung vorgesehen. Weitere Anforderungen für ein offenes Netz sollen dort nicht gelten, weil der drahtlose Marktplatz wettbewerbsstärker sei und sich rascher wandle. Darüber hinaus sollen Breitbandanbieter "Zusatzdienste" anbieten dürfen, bei denen die Netzneutralitätsprinzipien keine Gültigkeit hätten. Als Beispiele nennen Davidson und Tauke Angebote aus den Sektoren Unterhaltung, Telemedizin oder E-Learning. Diese müssten klar von bisherigen Breitband-Leistungen unterscheidbar sein. Die FCC solle zudem darauf achten, dass "bedeutsame" Breitbanddienste auch übers normale Netz Internet weiter verfügbar seien.

Verbraucherschützer und Bürgerrechtler beäugen die Initiative kritisch, während eine Sprecherin des Telco-Riesen AT&T vorsichtig Zustimmung signalisierte. Die "Privatabsprache zwischen zwei Internetgiganten aus dem Unternehmensbereich" stelle die Zukunft des mobilen Internet als zentrale Plattform für alle US-Amerikaner aufs Spiel, rügt etwa die Vereinigung Public Knowledge. Ein Breitbandanbieter könne zudem 90 Prozent seiner Ressourcen neuen, mit Priorität behandelten Diensten widmen und nur noch zehn Prozent für das allgemeine Netz.

Auch die Organisation Free Press, die sich seit Jahren für das offene Internet stark macht, sieht dieses mit dem Rahmenwerk auf dem Weg in eine geschlossene Plattform wie das Kabelfernsehen. Sollte es beim Gesetzgeber auf Gegenliebe stoßen, würde es zu Mauthäusern auf dem Daten-Highway führen. Zudem könnten Applikationen und Inhalte im drahtlosen Internet beliebig blockiert werden und den Netzbetreibern so eine große Selektionsmacht an die Hand geben. Zugleich sei das Internet dann keine Plattform mehr für Innovationen, die von kleinen Firmen vorangetrieben werde. Vielmehr werde die Marktmacht dominanter Akteure wie Google zementiert. Für einen Blogger der "Huffington Post" ist der Suchmaschinenkonzern gar endgültig dabei, "böse" zu werden.

Quelle : www.heise.de
Titel: Gemischte Reaktionen auf Google-Verizon-Deal
Beitrag von: SiLæncer am 10 August, 2010, 18:52
Deutsche Telekommunikationsanbieter und Verbände sind sich uneins in der Bewertung des Vorschlags  von Google und Verizon für künftige Grundprinzipien der Netzregulierung. "Es ist schon überraschend, dass sich ausgerechnet Google jetzt vom Prinzip der Netzneutralität verabschiedet, um mit einem anderen großen Netzkonzern eine Allianz zu schmieden", erklärte ein Sprecher des Zugangsanbieters 1&1 gegenüber heise online. "Für die Millionen privater Website-Betreiber und kleineren Unternehmen könnten am Ende nur die Krümel des 'Best-Efforts' bleiben", warnt der Branchenvertreter vor einem Zwei-Klassen-Netz und der Sonderbehandlung von Datenpaketen gegen Zahlung eines Aufschlags. Das "Bündnis unter Riesen" werde deshalb sicher den öffentlichen Druck erhöhen, die Netzneutralität regulatorisch wirksam zu verankern.

Beim Verband der deutschen Internetwirtschaft eco, der Verizon zu seinen Mitgliedern zählt, gibt es noch keine offizielle Position zu dem Thema. In einem aktuellen Diskussionspapier (PDF-Datei) wird die von Google und Verizon geforderte weitgehende Regulierungsfreistellung breitbandiger "Zusatzdienste" wie die Übertragung von Videokonferenzen oder telemedizinischer Anwendungen und die dahinter stehende Entwicklung eines "Next Generation Network" (NGN) aber skeptisch gesehen. Damit werde "das Internet zukünftig lediglich als ein Dienst in einem NGN betrachtet", heißt es in der Betrachtung. Dem herkömmlichen Netz bescheinige man zugleich "lediglich eine niedrigere Güteklasse, obwohl Internet-Diensteanbieter bereits seit Jahren nachweislich zeigen", dass darin eine hohe Übertragungsqualität "sehr wohl" möglich sei.

Packe man dagegen gemäß dem NGN-Ansatz die Intelligenz schon in die Netze und nicht erst in die Endgeräte, könne sich dafür ein "hoher Technologiebedarf" schon bei den Zugangsanbietern ergeben, konstatiert das eco-Papier weiter. Dieser wiederum dürfte Markteintrittbarrieren schaffen, die vor allem "kleine und mittlere Dienste- und Netzbetreiber sehr stark treffen" würden. Aufgrund der Gesamtlogik des Modells stelle sich gar die Frage, "ob Intelligenz im Netz sich vermeintlich nur in Situationen rechnen kann, die eine schwer zu rechtfertigende Marktkonzentration erfordern". Nicht von der Hand zu weisen sei, dass ein mit Mautstellen für Premiumangebote versehenes Netz für Startups eine große Benachteilung darstelle. Insgesamt würden nicht unkritische "Kontrollmechanismen" in die Netze eingebaut, die auch zur einfacheren Filterung von Inhalten verwendet werden könnten.

Der eco-Infrastrukturexperte Klaus Landefeld sprach daher in einem Vortrag (PDF-Datei) bereits von der "schönen neuen Welt" des NGN. Auch Nutzervertreter können der Initiative der Internetgrößen wenig Positives abgewinnen: "Sicherlich gibt es bei Next Generation Networks und dem Mobilnetz spezifische Probleme", weiß Falk Lüke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (/vzbv). "Das darf aus Sicht des vzbv aber nicht dazu führen, dass in diesen Netzen diskriminiert wird."

Für die Deutsche Telekom weist der Vorschlag aus den USA dagegen in die richtige Richtung. Grundsätzlich nehme der Datenverkehr rasant zu, erläuterte eine Konzernsprecher gegenüber heise online. Dabei werde der Anteil der Pakete, die keine Verzögerung bei der Übertragung duldeten, immer größer. Es müsse daher verschiedene Qualitätsklassen für Echtzeitanwendungen und weniger zeitkritische Dienste wie E-Mail geben. Entsprechende Leistungen könnten die Netzbetreiber gegen Entgelt anbieten. Selbstverständlich müssten diese sämtlichen Diensteanbietern diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt werden.

Mit dieser Position sieht sich die Telekom keineswegs allein dastehen und verweist nicht nur auf ein Lobby-Papier europäischer Branchenverbände und -größen wie der European Telecommunications Network Operators' Assocation (ETNO) oder der Mobilfunkvereinigung GSMA, sondern auch auf eine Position des Konkurrenten Vodafone. Bei diesem selbst ist zu vernehmen, dass wichtige Bestandteile der Übereinkunft den eigenen Vorstellungen entsprächen. Das gelte auch dafür, "dass Netzbetreiber im Wettbewerb Diensteklassen differenzieren können dürfen ­ also unterschiedliche Preise je nach Qualität und Leistung verlangen".

Die Regulierungsbehörde will den Deal jenseits des Atlantiks nicht konkret erörtern. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur hielt vielmehr die allgemeinen Grundsätze der Transparenz und des Wettbewerbs hoch. Über Einzelheiten zur Fassung der Netzneutralität würde derzeit auf Bundes- und EU-Ebene noch debattiert. Michael Copps, ein Kommissar des US-Regulierers FCC (Federal Communications Commissions), erteilte dem Vorstoß von Google und Verizon dagegen eine deutliche Abfuhr (PDF-Datei): Es sei nun nicht mehr an der Zeit, die Diskussion voranzutreiben, sondern eine Entscheidung. Diese müsse es der Behörde ein für allemal erlauben, ein offenes Internet zu gewährleisten und die Interessen der Verbraucher vor die von "Unternehmensgiganten" zu stellen.

Quelle : www.heise.de
Titel: Initiative "Pro Netzneutralität" gegründet
Beitrag von: SiLæncer am 11 August, 2010, 14:35
In Berlin wurde am heutigen Mittwoch die Initiative "Pro Netzneutralität (http://pro-netzneutralitaet.de/)" aus der Taufe gehoben. Zu den Gründern gehören die Bundespolitiker Malte Spitz (Bündnis 90/Die Grünen) und Björn Böhning (SPD). "Pro Netzneutralität" will sich für "ein freies Internet ohne staatliche oder wirtschaftliche Eingriffe" einsetzen.

"Die Aufgabe der Netzneutralität würde ein 2-Klassen-Internet befördern, wo sich die großen Medien- und Internetkonzerne dieser Welt ihr eigenes Netz schaffen, und alternative und neue Anbieter damit verdrängt werden beziehungsweise hintenanstehen müssten", so schreibt die Initiative in einer heute veröffentlichten Erklärung. Zu den 21 Erstunterzeichnern gehören Politiker, aber auch bekannte Netzaktivisten wie Markus Beckedahl von netzpolitik.org oder Sascha Lobo. Auf der Website der Initiative kann jeder Interessierte die Erklärung als Unterstützer unterschreiben.

Quelle : www.heise.de
Titel: Deutsche Kabelanbieter attackieren Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 12 August, 2010, 09:37
Die deutschen Kabelanbieter fordern ein Ende der "Netzneutralität" - hinter dem Begriff verbirgt sich eine Umlegung digitaler Transportkosten bei datenintensiven Diensten.

"Wir benötigen eine Kostenbeteiligung von Anbietern, die starken Datenverkehr verursachen", sagte Peter Charisse, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA), der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe). Die Kostenbeteiligung müsse mit der Höhe der Datenmenge wachsen, forderte er. Zudem sei eine Bagatellgrenze wichtig. "Damit stellen wir sicher, dass Start-up- Firmen nicht mit zusätzlichen Kosten belastet werden", erklärte Charisse.

Auch für TV-Sender hat das Thema Netzneutralität eine herausragende Bedeutung. Die Branche setzt verstärkt auf Streaming-Inhalte, um die Kundschaft abzukassieren - auf den stationären PC im Haus oder auf mobile Modelle wie Smartphones oder Tablet-PCs. Zusätzliche Gebühren für ruckfreie Spielfilme oder TV-Serien würden die Margen schmälern.

Bislang übermitteln die Netzanbieter die Datenpakete zwischen allen Internetteilnehmern völlig gleichberechtigt. Die Telekommunikationsfirmen beschweren sich aber immer lauter darüber, dass sie ihre Dienste zur Verfügung stellen, ohne von großen Internetfirmen dafür honoriert zu werden. Dabei stehen Angebote wie das Videoportal YouTube von Google im Fokus, weil die übertragenen Datenmengen hier besonders groß sind. Deutsche Kabelanbieter wie Kabel Deutschland, Kabel-BW oder Unitymedia spielen im Internet-Markt aufgrund des Netzaufbaus in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle.

Quelle : SAT + KABEL
Titel: ICANN: Netzvolk, bist du da?
Beitrag von: SiLæncer am 14 August, 2010, 16:41
Auslaufende Domainregistrierungen können viel Ärger für Domaininhaber bedeuten. Mancher Inhaber dürfte sich darüber empören, dass Registrare unter "ihrer" Domain plötzlich Werbung schalten, ihn aber nach wie vor als Inhaber in der öffentlichen Whois-Datenbank führe. Mancher Inhaber wäre froh, wenn eine aus Versehen nicht verlängerte Domain nicht sofort für ihn verloren ist und der Rückkauf ihn nicht hunderte von Dollar kostet. ICANN fragte in den vergangenen Wochen (http://www.icann.org/en/announcements/announcement-2-12jul10-en.htm)  das "Domainvolk", welche Regeln es für Registries und Registrare verpflichtend machen soll. Der Rücklauf war allerdings bescheiden, obwohl man erstmals mit einer Zoomerang-Umfrage (http://www.zoomerang.com/) experimentierte.

Die Fragen über Zoomerang sollten es den Nutzern leichter machen, Fragen wie die nach einer "Gnadenfrist" für ausgelaufene Domains zu beantworten, erläuterte Lutz Donnerhacke von der IKS in Jena, der als europäisches Ratsmitglied in ICANNs Nutzervertretung aktiv ist. Eine solche Gnadenfrist erlaubt es Nutzern in einem Zeitraum von bis zu 45 Tagen ihre ausgelaufene Domain wieder zu aktivieren. Verbindlich ist die Frist aber derzeit nicht in ICANNs Verträgen. Die Zoomerang-Umfrage ermöglicht eine rasche Stimmabgabe zu den relevanten Fragen. Die Nutzer müssten nicht mehr selbstständig in ICANNs komplizierten Vertragstexten nach den relevanten Details graben.

Noch bis Montag morgen, neun Uhr, läuft die Umfrage und Donnerhacke hofft noch auf ein paar Rückmeldungen. Viele Nutzer hat ICANNs wachsende Bürokratie in den vergangenen Jahren ganz offensichtlich abgeschreckt. Einen einzelnen stimmberechtigten Nutzerdirektor sollen die Domainpolitik-Verdrossenen demnächst wieder bekommen, nachdem die ursprünglich fünf Nutzersitze im Vorstand 2002 eliminiert wurden. Ob Nutzerdirektor und mehr Zoomerang-Umfragen helfen?

Quelle : www.heise.de
Titel: Die Mythen der Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 16 August, 2010, 11:04
Carta.info beteiligt sich substantiell an der Netzneutralitäts-Debatte und hat nun zehn „Mythen der Netzneutralität“ entlavt – und damit zu einer sachgerechten Diskussion quasi „à point“ aufgerufen.

Menschen lieben Listen. Am sympathischsten sind ihnen Auflistungen mit einer harmonisch empfundenen Anzahl von Punkten, weshalb ihnen ein Gott 10 Gebote gegeben hat, sich 12 olympische Götter um die Griechen und 12 Apostel um einen jüdischen Propheten geschart haben. Die Zehnerzahl oder ein Vielfaches davon hat sich, nachdem man von der Drei (Personen Gottes), der Vier (Tugenden oder Evangelisten) oder der Sieben (Todsünden, Sakramente) in der Neuzeit Abstand genommen hat, weithin durchgesetzt. Schon der Augustinermönch Martinus Luther hatte sich wohl vorgenommen, 100 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche zu schlagen, dass ihm fünf Thesen schließlich fehlten, lag sicher nicht am guten Willen.

Nach 10, 20 usw. Thesen zur Netzpolitik nun also „10 Mythen der Netzneutralität“:

   1. Es gibt DIE Netzneutralität
   2. Ohne ‘Netzneutralität’ droht ein “Zwei Klassen”-Internet der Anbieter
   3. Die ‘Netzneutralität’ sichert die Diskriminierungsfreiheit im Internet
   4. Die Forderung nach ‘Netzneutralität’ stellt keinen staatlicher Eingriff dar
   5. Eine ‘Netzneutralität’ kostet kein Geld
   6. Mit der ‘Netzneutralität’ wird nur festgeschrieben, was es heute schon gibt
   7. Das Establishment ist gegen die ‘Netzneutralität’
   8. Das gesamte Internet ist öffentlich
   9. Alle Provider wollen die ‘Netzneutralität’ abschaffen
  10. Neutralität ist das einzige Interesse der Allgemeinheit in Sachen Internet

In der Sache sind die hier formulierten „Mythen“, also nicht intersubjektiv rational begründeten Vorstellungen von „Netzneutralität“ eine Konsequenz aus der Initiative „Pro Netzneutralität“, die sich als Antwort auf die Initiative von Google und Verizon sowie den laut geäußerten Gedanken der Deutschen Telekom versteht.

Was aber unter dem Begriff „Netzneutralität“ zu verstehen ist, welche Forderungen darunter subsumiert werden (müssen), darüber gehen offensichtlich die Ansichten der Diskutanden auseinander. Und wie das Gegenteil einer wie auch immer gearteten „Netzneutralität“ aussehen könnte, welche „düstere Zukunft“ den Internetnutzern im „Würgegriff“ eines durch und durch kommerzialisierten world wide web bevorsteht, davon existieren genügend abstruse Vorstellungen, die weniger einen sachlichen Beitrag leisten, denn einer – darum wenig durchdachten – Emotionalisierung Vorschub leisten. Das schon heute Internetnutzer zwischen unterschiedlichen Zugangsgeschwindigkeiten (upload/download) wählen müssen und bei der Österreichischen Telekom landauf landab generelle „bis zu 8 Mbit/s (best effort)“ einen wahren Geschwindigkeitsrausch auslösen, wenn man nicht (Verfügbarkeit vorausgesetzt) mit futuristischen 16 Mbit/s (+ 4,90 €) oder gar unmöglichen 30 Mbit/s (+ 14,90 €) per „GigaSpeed“ ins Internet gelangen kann.

Unter dieser Rücksicht gibt es schon heute keine echte „Netzneutralität“, da niedrige Zugangsgeschwindigkeiten viele Nutzer von einer gewohnheitmäßigen Nutzung datenintensiver Inhalte abhalten. Der Ausbau der Netze aber ist – im Gegensatz zu vielem, was die Leitungen transportieren – nicht gratis. Und für unterschiedliche Nutzungsintensität unterschiedliche Preise zu zahlen, daran haben wir uns längst gewöhnt.

Quelle : www.gulli.com
Titel: Debatte über Netzneutralität geht weiter
Beitrag von: SiLæncer am 19 August, 2010, 16:03
AT&T, Cisco Systems, Microsoft, Skype, Verizon und der US-Kabelnetzbetreiberverband National Cable & Telecommunications Association (NCTA) haben unter dem Dach des Information Technology Industry Council (ITI) neue Gespräche zur Netzneutralität aufgenommen. ITI-Präsident Dean Garfield erklärte gegenüber dem Wall Street Journal, in den vergangenen Monaten hätten Größen aus der Internetwirtschaft hier verstärkt nach einer Lösung gesucht und "bedeutsame positive Schritte nach vorne gemacht". Nun sollen weitere gezielte Diskussionen angestoßen werden.

Die Federal Communications Commission (FCC) hatte Anfang August ihren eigenen Runden Tisch über Grundsätze der Netzregulierung abrupt beendet. Zur Begrünung hieß es, die Verhandlungen, an denen neben US-Netzbetreibern auch die Open Internet Coalition (OIC) als Dachvereinigung der Befürworter eines offenen Internets beteiligt war, hätten nicht zu einem robusten Fundament für die Netzneutralität geführt.

Wenige Tage später haben Google und Verizon eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen. Der Suchmaschinenkonzern und der US-Telekommunikationsanbieter wollen das Prinzip der Offenheit im herkömmlichen Internet stärken, aber auch den Weg für unregulierte breitbandige Zusatzdienste öffnen und den Betreibern des mobilen Netzes weitgehend freie Hand lassen. Die damit geöffneten breiten Hintertüren für ein Zwei-Klassen-Internet bemängelten viele Beobachter als Ausverkauf der Netzneutralität.

In die neuen, wieder hinter verschlossenen Türen stattfindenden Gespräche sind Akteure wie die FCC, Google oder Verbraucherschutzorganisationen nicht eingebunden. Eine Sprecherin des US-Regulierers beteuerte trotzdem, dass man sich über den "fortgesetzten Dialog" freue. Google ließ verlautbaren, dass das Unternehmen "jeden Versuch" unterstütze, "den Ball im Spiel zu halten".

Befürworter einer strikten Netzneutralität lehnen die neuen brancheninternen Verhandlungen dagegen entschieden ab. Ein Vertreter des "Media Access Project" bezeichnete sie als "illegitim", da Fürsprecher der Meinungsfreiheit und Abgesandte von jungen Internetunternehmen, deren Zukunft von einem offenen Netz abhänge, außen vor blieben. Auch für die Organisation "Free Press", die der OIC angehört, können Deals der Industrie kein Ersatz für eine verantwortliche Gesetzgebung und Politikgestaltung sein. Nun müsse die FCC Prinzipien zum Schutz des offenen Internets für alle US-Bürger aufstellen.

Ähnlich hatten sich die vier den Demokraten angehörenden Abgeordneten Edward Markey, Anna Eshoo, Jay Inslee und Mike Doyle bereits am Montag in einem Offenen Brief (PDF-Datei) an den US-Regulier zu Wort gemeldet. Es dürfe privaten Interessen nicht erlaubt werden, das Internet so zurechtzubiegen, dass es ihren eigenen Zwecken diene, erklärten die Volksvertreter in ihrer Ablehnung an die Absprache zwischen Google und Verizon. Der Innovationsraum Internet dürfe nicht in eine Art zweites Kabel-TV umgemünzt werden. Es gehe nicht an, dass Konzernbosse den Bürgern Möglichkeiten der Netznutzung vorschreiben.

Auch hierzulande geht die Debatte über die Offenheit des Internets weiter. Der Berliner IT-Experte Kristian Köhntopp unterscheidet zwischen mehreren Stufen der Netzneutralität, um nicht jegliche Ansätze zum Netzwerkmanagement von vornherein zu verhindern, und räumt mit einigen Mythen auf. So schließe derzeit jeder "Flatrate"-Vertrag faktisch Maßnahmen zur Aufteilung und Regelung der verfügbaren Bandbreite mit ein. Ein vollkommen offener Netzanschluss sei generell nicht zu bekommen, Datenpakete würden immer wieder unterschiedlich behandelt. Vor allem beim mobilen Internet gehe die Einschränkung des prinzipiell eingekauften Datenvolumens schon sehr weit. So schließen einzelne Anbieter etwa eine Nutzung von Skype ohne Zahlung einer Zusatzgebühr aus.

Entscheidend ist laut Köhntopp aber, dass letztlich der Kunde die Kontrolle über die mögliche Bildung von "Verkehrsklassen" haben müsse. So sei es vermutlich in dessen Interesse, dass je nach den eigenen Bedürfnissen etwa bandbreitenhungrigen Anwendungen wie Spielen und interaktiver Unterhaltung oder Streams höhere Priorität eingeräumt würde als Chats, Webverkehr oder Filesharing. Dabei dürfe der Provider aber nur nach Diensten unterscheiden, nicht nach deren Anbietern. Sonst könnten Kunden dafür zahlen müssen, dass bestimmte Angebote von Dritten besser oder überhaupt funktionieren. Es werde ein nicht zwischen Dienstleistern unterscheidendes Netzwerkmanagement möglich, ohne dass Zugangsanbieter und Netzbetreiber Kunden "erpressen" könnten.

Der Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, hatte kürzlich seine Forderung neu aufgetischt, die Anbieter von datenintensiven Diensten wie Apple oder Google für die Netznutzung zahlen zu lassen. Ein gut gemachtes Netzangebot ist seiner Ansicht nach "am Ende auch kostenpflichtig". Wenn die Telekom besondere Netzsicherheit oder höchste Übertragungsqualität für Musik oder Video biete, müsse dies "auch differenziert bepreist werden". Das andere Extrem vertritt die jüngst gegründete Initiative "Pro Netzneutralität". Sie drängt auf eine "neutrale Übermittlung von Daten im Internet" in Form einer "gleichberechtigten Übertragung aller Datenpakete unabhängig davon, woher diese stammen, welchen Inhalt sie haben oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben".

Quelle : www.heise.de
Titel: Musikbranche will Debatte um Netzneutralität mitgestalten
Beitrag von: SiLæncer am 20 August, 2010, 15:35
In der Debatte um Netzneutralität  in den USA erhebt nun auch die Musikindustrie ihre Stimme. Verschiedene Organisationen – darunter der US-Industrieverband Recording Industry Association of America (RIAA) und die Verwertungsgesellschaft ASCAP – fordern in einem Brief  (PDF-Datei) an Google-Chef Eric Schmidt, die Interessen der Kreativbranchen müssten bei der Regulierung der Netze berücksichtigt werden. Die Musikindustrie bietet Google die Kooperation an und legt bei der Gelegenheit ein paar alte Forderungen auf den Tisch.

Google hatte in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem US-Netzbetreiber Verizon einen umstrittenen Vorschlag gemacht, wie Netzneutralität künftig gesetzlich geregelt werden könne. Danach sollen Neutralitätsprinzipien für das klassische Internet gelten, über das rechtmäßige Inhalte ungehindert und gleichberechtigt verbreitet werden sollen. Ausnahmen wollen Google und Verizon aber für die Mobilfunknetze sowie neue Dienste machen.

Die Musikindustrie wittert in der Neutralitätsdebatte nun offenbar neue Ansatzpunkte für ihre alte Forderung nach einem stärkeren gesetzlichen Schutz ihrer Produkte im Netz. Während es bei Google und Verizon sowie in der auf heftigen Widerstand stoßenden Initiative  der US-Regulierungsbehörde stets nur rechtmäßigen Netzverkehr geht, will die Musikindustrie die Diskussion auch auf den Umgang mit gesetzwidrigen Inhalte erweitern. Geltende Gesetze und Regularien reichten zum Schutz der Kreativen nicht aus, heißt es in dem einseitigen Schreiben.

"Die Musikgemeinschaft, die wir repräsentieren, hält es für lebenswichtig, dass jegliche Initiative für ein Internet-Regelwerk die Provider und andere Vermittler ermutigt und ermächtigt, Maßnahmen zu ergreifen zur Abschreckung unrechtmäßiger Aktivitäten wie Urheberrechtsverletzung und Kinderpornografie", schreiben die US-Industrievertreter an den Google-Chef und spannen damit einen weiten Bogen von Filesharern zu Kinderschändern.

Die Musikindustrie legt Wert auf die Unterscheidung zwischen erlaubter und gesetzwidriger Netzaktivität. Die Branche wünscht sich ein "Internet, das sich der Ordnung verschreibt und nicht dem Chaos", und möchte Provider in die Verantwortung nehmen. Musik sei ein wichtiger Faktor in der Breitbandentwicklung, und die Fähigkeit der Industrie zu weiteren Investitionen hänge von einem Regelwerk ab, das vom Respekt für geistiges Eigentum geprägt sei.

Quelle : www.heise.de
Titel: Deutsche IT-Branche ringt um Position zur Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 31 August, 2010, 16:39
Der Präsident des IT-Verbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer, fordert, in der andauernden Debatte über die Netzneutralität  "von absoluten Ansprüchen wegzukommen". Netzanbietern müssten "Differenzierungen" ihrer Angebote erlaubt sein, sagte der Chef der Branchenvereinigung am heutigen Dienstag in Berlin. Der von Befürwortern des offenen Internets verfolgte Ansatz, dass alle Datenpakete gleich behandelt werden sollten, sei "auf dieser extremen Ebene nicht durchzuziehen". Bevor politische Entscheidungen gefällt werden, müsse geklärt werden, wie hoch der "Kapazitätsbedarf" für einzelne Dienste tatsächlich sein werde.

Netzneutralität sei derzeit "das Top-Thema" in der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestags, ergänzte Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Die Frage sei derzeit "deutlich beliebter" als etwa andere Bereiche der Netzpolitik wie Datenschutz oder Urheberrecht. Dies hänge wohl damit zusammen, dass es um die grundsätzliche Bedeutung des Schutzes der freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Internet gehe. Für Rohleder ist dabei aber schon der Begriff Netzneutralität politisch belastet, die Debatte könne auch unter dem Aufhänger "Netzdifferenzierung" geführt werden.

Nach der ersten Online-Konferenz der Enquete-Kommission zur Netzneutralität am heutigen Vormittag kritisierte Rohleder, der selbst als Sachverständiger auf Einladung der CDU/CSU-Fraktion in dem Gremium sitzt, kritisierte, dass viel "Dogmatik" in der Aussprache durchgeklungen sei. Die Linke und Teile der Grünen und der SPD der Auseinandersetzung forderten, dass Telekommunikationsunternehmen allen Bürgern den technisch bestmöglichen Zugangsdienst zu gleichen Konditionen anbieten. "Damit wären wir wieder in Zeiten des Einheitsversorgers Telekom, die niemand zurückhaben will", monierte Rohleder.

Der Bitkom arbeitet nach seinen Angaben derzeit an einer gemeinsamen Position zur Beibehaltung des offenen Internets. Es sei aber fraglich, wie "scharf" diese ausfallen könne. Derzeit forderten viele Mitgliedsunternehmen jeweils für die Netzebenen, in denen sie nicht tätig seien, Gleichheitsprinzipien, während sie im eigenen Bereich für Prioritätssetzungen bei der Behandlung von Datenpaketen würben.

"Grundsätzlich wollen wir, dass das Internet frei ist", sagte Scheer. "Wir müssen aber mit den technischen Rahmenbedingungen klar kommen." Das Prinzip "All you can eat", nach dem "jeder alles für einen einheitlichen Preis kriegt", klinge zwar gut, sei aber an sich bereits nicht "gerecht" und mit der Praxis nicht vereinbar. So herrsche auf der unteren Netzebene schon keine Gleichheit, weil der eine Nutzer einen Breitbandanschluss habe, der andere eben nicht. Bei den Diensten hätten zudem etwa Sprach- oder Video-Anwendungen andere Anforderungen als E-Mails. Hier müssten "Steuerungsmechanismen" analog zu der Praxis, dass Autofahrer für einen Krankenwagen auf der Autobahn eine Durchfahrt öffneten, zugelassen werden. Auch auf der oberen Inhalte-Ebene gelte das Gleichheitsprinzip nicht durchgängig. So sortiere beispielsweise Google Suchergebnisse und blende durch entsprechende Filter Teile der Netzneutralität anhand von Prioritätskennzeichen aus.

Einen Vorstoß, das Prinzip des offenen Internets einzugrenzen, wie ihn Google und der Provider Verizon jüngst in den USA unternommen haben, schloss Scheer für Deutschland aus. Faktisch würden mit dem Vorschlag, die Netzneutralität für ein Basisangebot festzuschreiben und für zusätzliche Breitband- oder Mobilfunkdienste aufzugeben, nur noch die Märkte eine Regulierungsfunktion übernehmen. Dies sei hierzulande "politisch nicht durchsetzbar". Vieles, was die Netzneutralität sicherstelle, sei im deutschen Recht schon geregelt, fügte Rohleder hinzu. Versuche etwa eines Infrastrukturanbieters, durch "vertikale Integration" auch in den Content-Sektor vorzudringen und dort bevorzugt die eigenen Dienste zu behandeln, scheiterten so meist schon an kartellrechtlichen Vorgaben.

Scheer glaubt nicht, dass sich eine Abkehr vom strikten Pfad der Netzneutralität hemmend auf die Innovation im Internet auswirken könnte. Startups müssten auch in anderen Wirtschaftsbereichen damit leben, dass Konzerne etwa günstigere Kredite von Banken erhielten. Dessen ungeachtet hingen sie nicht an alter Technik und könnten Neuentwicklungen so naturgemäß besser voranbringen. Viele bahnbrechende Internetanwendungen seien zudem im universitären Umfeld entstanden, wo findige Köpfe Zugang zu öffentlichen Ressourcen hätten und an der Förderung von Innovationen interessiert seien.

Quelle : www.heise.de
Titel: US-Regulierer benötigt weitere Untersuchungen zur Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 02 September, 2010, 14:47
Auf der Suche nach geeigneten Bestimmungen zur Netzregulierung hat die US-amerikanische Behörde Federal Communications Commission (FCC) weitere Untersuchungen zur Breitband-Regulierung angekündigt. FCC-Chef Julius Genachowski begründete dies laut Mitteilung mit "jüngsten Ereignissen", die insbesondere Fragen zu mobilem Breitband und "spezialisierten" Diensten aufwarfen. Jene in den USA, die noch in diesem Monat mit neuen Regeln zur Netzneutralität gerechnet haben, müssen sich demnach weiter gedulden.

Die FCC geht damit unter anderem auf einen Vorschlag ein, den der Internetdienstleister Google und der Telekommunikationsanbieter Verizon im August in die Debatte eingebracht haben. Sie wollen das Prinzip der Offenheit im herkömmlichen Internet stärken, aber den Weg für unregulierte Zusatzdienste öffnen und auch den Betreibern des mobilen Netzes weitgehend freie Hand lassen.

Die FCC holt zu diesem Thema nun Stellungnahmen ein. Insgesamt gehe es darum, einen Rahmen zu finden, der die Freiheit und Offenheit des Internets garantiere, aber auch private Investitionen und Innovation fördert, erläuterte Genachowski. Die Organisation Media Access Project (MAP) kritisiert, dass die FCC immer wieder die gleichen Fragen stelle und damit eine Entscheidung hinauszögere. Das MAP, das sich für die Offenheit und Freiheit des gesamten Internets einsetzt, habe so wie andere Institutionen auch die FCC bereits mit ausreichend Informationen versorgt. Die FCC müsse auch die Kontrolle über spezialisierte Dienste behalten. Nachdem die FCC Anfang August ihren eigenen runden Tisch über Grundsätze der Netzregulierung abrupt beendet hatte, nahmen AT&T, Cisco Systems, Microsoft, Skype, Verizon und der US-Kabelnetzbetreiberverband National Cable & Telecommunications Association neue Gespräche zur Netzneutralität auf.

Quelle : www.heise.de
Titel: AT&T: Zwei-Klassen-Netz schon in Internet-Standards angelegt
Beitrag von: SiLæncer am 02 September, 2010, 16:54
Im Streit um die Netzneutralität  hat der US-Telekommunikationskonzern AT&T von der US-Bürgerrechtsorganisation Free Press vorgebrachte Argumente für striktere Neutralitätsaufagen zurückgewiesen. Der Netzbetreiber erklärte in einem offenen Brief (PDF-Datei) an die US-Regulierungsbehörde FCC, dass entgegen der Darstellung von Free Press die Möglichkeiten für eine bevorzugte Behandlung von Datenpaketen gegen Bezahlung ("paid prioritization") bereits in geltenden Internet-Standards angelegt sei.

Dabei verweist AT&T auf die Spezifikationen RFC 2474 und 2475 der Internet Engineering Task Force (IETF). Damit sei schon vor knapp drei Jahrzehnten ein Datenfeld ins Internetprotokoll eingeführt worden, mit dem Provider bestimmten Anwendungen Vorrang einräumen könnten. 1998 sei RFC 2747 um das Differenzierungsmerkmal DSCP (oder "DiffServ") erweitert worden. Damit werde entgegen der Meinung von Free Press auch Netzbetreibern und Provider die Möglichkeit der Verkehrssteuerung gegeben. Ausdrücklich eingeschlossen sei auch die Erlaubnis, "unterschiedliche Preismodelle für Internetservices" einzuführen. Entsprechende Angebote seien auf dem Markt auch verfügbar.

Free Press wirft dem Netzbetreiber in einer Reaktion "Irreführung" vor. Der Konzern vermische die Bevorzugung zahlungswilliger Anbieter mit "akzeptierten Praktiken des Netzwerkmanagements". Free-Press-Forschungsleiter Derek Turner verweist zudem darauf, dass AT&T bei den Verhandlungen zur Übernahme von BellSouth Ende 2006 ein breites Zugeständnis zur Einhaltung der Netzneutralität gemacht habe. Wenn der TK-Anbieter nun auf "Hunderte" professionelle Nutzer von Zugangsdiensten verweise, die sich diesem Ziel nicht mehr verschrieben hätten, stellt sich für Turner die Frage, seit wann AT&T diese Kunden bediene und ob damit nicht ein Verstoß gegen die eigenen Zusicherungen vorliege.

Unterdessen heizt ein Regulierungsexperte von AT&T die ohnehin scharfe Debatte weiter an. In einem Blogeintrag kritisiert er den dogmatischen Ansatz der "Kirche der extremen Netzneutralität", die bevorzugte Behandlung von Datenpaketen als "Todsünde" zu charakterisieren. Dabei sei "paid prioritization" oder "Quality of Service", wie es AT&T bevorzugt nennen will, längst Teil des Netzalltags.

Quelle : www.heise.de
Titel: Bundestag sucht Definition des "vernünftigen Internet"
Beitrag von: SiLæncer am 04 Oktober, 2010, 19:38
Bei einer Anhörung der Enquete-Kommission  "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestags zur Netzneutralität stand die Frage im Vordergrund, ob die von vielen Providern gewünschte Möglichkeit zur bevorzugten Behandlung von Datenpaketen ohne eine zwangsweise Diskriminierung von Teilnehmern durchführbar ist. "Es gibt Gründe, verschiedene Arten von Verkehr verschieden zu behandeln", sprach sich etwa Andreas Bogk vom Chaos Computer Club (CCC) bei der vierstündigen Expertenrunde am heutigen Montag nicht prinzipiell gegen jede Form des Netzwerkmanagements aus. Schon wenn ein Zugangsanbieter aber beim Versuch, eine gewisse Qualität von Diensten zu gewährleisten, nach Absender und Empfänger unterscheide oder in ein Datenpaket hineinschaue, sehe die Hackervereinigung das Prinzip des offenen Internets verletzt.

Großen Spielraum für Techniken zur gezielten Steuerung des Netzverkehrs will Bogk den Providern so nicht einräumen. "Wenn man anfängt, Qualitätsklassen zu unterscheiden, könnte man in Versuchung geraten, das Einstiegsprodukt schlechter zu gestalten, um mehr teurere Leistungen zu verkaufen", begründete er seine Bedenken gegen entsprechende Eingriffshebel. Das "gute Internet" müsse weiter "zum Pauschaltarif kommen", auch wenn der Sachverständige das Angebot eines "besseren Internet zu erhöhten Preisen" nicht ganz ausschließen wollte. Eventuell sei es sinnvoll, eine Mindestbandbreite wie in Finnland zu garantieren und Maßstäbe oder ein "Gütesiegel" aufzustellen, "wie man vernünftiges Internet definiert". Über eine "Priorisierung" gewisser Diensteklassen dürfe letztlich aber nur der Nutzer selbst entscheiden, nicht der Zugangsanbieter.

Derzeit sei nicht überall, wo Internet draufstehe, auch Internet drin, monierte Bogk. So habe er etwa bereits seine verschlüsselten E-Mails nicht über T-Mobile abrufen können, weil der Netzbetreiber diese für Daten aus Internet-Telefonaten vermittelt von Konkurrenten gehalten habe. Von entsprechenden Praktiken wusste auch Tim Mois vom Voice-over-IP-Anbieter SIPGate zu berichten: Drei der vier großen Mobilfunkanbieter hierzulande stellten den Dienst der Firma ihren Nutzern nicht zur Verfügung oder störten ihn aktiv. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen werde der Ausschluss nur schwammig umschrieben. Trotzdem gebe es auch mithilfe der Bundesnetzagentur Probleme, in die Netze der drei Betreiber vorzudringen: "Wir sind von einem Marktversagen direkt betroffen."

Sebastian von Bomhard vom Münchner Provider Spacenet sieht den Regulierer und den Gesetzgeber trotzdem noch nicht ernsthaft gefordert. Entsprechende "Phänomene" seien bislang immer noch "zum Bumerang" geworden. Nötig sei allenfalls, "die Spielregeln noch mal leicht zu ändern". Wer Teile des Internets blocke, dürfe den vermittelten Zugang nicht mehr als "Internet" vermarkten. Netzneutralität bedeutet für den Praktiker vor allem die Wahrung der Selbstverpflichtung, "nicht in Pakete hineinzuschauen". Ansonsten sei es die "Kunst eines guten Providers, ein Netz zu bieten, das sich gut anfühlt". Dies schließe durchaus Verfahren des "Tunings" und des "Glättens" ein, um ein "Ruckeln" etwa bei der Internet-Telefonie zu vermeiden.

Zuvor hatte Simon Schlauri von der Universität Zürich eine "differenzierte Netzneutralität" als Kompromiss ins Spiel gebracht. Demnach dürften Datenübertragungen nicht gebremst oder blockiert und für das Anbieten eines Basiskanals kein Aufpreis verlangt werden. Bestimmte Datenklassen wie VoIP könnten aber gegen Mehrzahlung bevorzugt werden. Darüber seien die Verbraucher aufzuklären.

Eine Lanze für ein umfassendes Netzwerkmanagement brach Telekom-Cheftechnologe Thomas Curran. Die Transportkapazität sei "keine unbegrenzte Ressource" und die Ansprüche neuer Internetdienste wie VoIP oder IPTV an die Bandbreite wüchsen. Mit einem "naiven Verständnis" der Netzneutralität, wonach Datenpakete unbeeinflusst von einem Standort zum nächsten zu leiten seien, käme man daher nicht weiter. Auch bei der bevorzugten Behandlung etwa einzelner Dienste gegen zusätzliches Entgelt würden aber individuelle Teilnehmer nicht benachteiligt.

Bei den Qualitätsversprechen von Zugangsanbietern handelt es sich laut Lutz Donnerhacke vom Jenaer IT-Dienstleister IKS aber in der Regel um "ein großes Missverständnis". So könnte eine rasche Datendurchleitung immer nur für Teilstrecken des Internets eingekauft werden. Sobald eine Leistung das eigene Netz verlasse, sei die viel beschworene Qualität kaum mehr für einen vernünftigen Preis zu garantieren. Er habe Angst vor einer Welt, in dem ein Anbieter sein Netz so konfiguriere, dass er 90 Prozent der Leitungskapazität frei an Dritte verkaufe und nur noch zehn Prozent für das "eigentliche Internet" und seine Standardkunden reserviere. Im Zweifelsfall sei es auch billiger, getrennte Infrastrukturen mit unterschiedlichen Dienstmerkmalen aufzubauen, als in einem Netz Prioritäten festzulegen. Generell wünschte sich Donnerhacke, dass Provider nur noch in begründeten Fällen die Annahme des Datenverkehrs eines Partners im "Peering-Verfahren" verweigern dürften. Dies würde Flaschenhälse von vornherein verhindern.

Für ein Justieren der Stellschrauben zur Netzneutralität etwa in der digitalen Agenda der EU sprach sich Falk Lüke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen aus. Es müsse weiter sichergestellt werden, dass Daten unbesehen ihres Absenders und Empfängers sowie Inhalt mit bestmöglichem Aufwand durchgeleitet werden. Wer dauerhaft Netzwerkmanagement betreiben müsse, verkaufe ein Produkt, das er eigentlich gar nicht anbieten könne. Sollten mit Qualitätszusicherungen zudem nur "Innovationen" wie IPTV ermöglicht werden, "können wir ein Stück weit darauf verzichten". Ohne das bisherige Pochen auf die Netzneutralität hätte es dagegen Dienste wie Google oder Facebook nie gegeben. Würden bestimmte Angebote bevorzugt behandelt, stünden andere Daten immer "willkürlich im Stau".

Quelle : www.heise.de
Titel: Bürgerrechtler: Netzneutralität wichtig für die Meinungsfreiheit
Beitrag von: SiLæncer am 21 Oktober, 2010, 16:24
Die American Civil Liberties Union (ACLU) drängt darauf, die Netzneutralität möglichst schnell offiziell festzuschreiben. Das Prinzip des offenen Internets sei nicht nur eine Verbraucherangelegenheit, schreibt die US-Bürgerrechtsorganisation in einem von ihr jetzt veröffentlichten Bericht über das "Einmaleins der Netzneutralität". Vor allem sei es "eine der wichtigsten Fragen der Meinungsfreiheit unserer Tage". Das Recht zur freien Rede sei nicht viel wert, wenn die dafür genutzten Foren selbst nicht frei seien. Das Internet wiederum sei der Raum, in dem Amerikaner hauptsächlich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausübten.

Da das Recht auf Meinungsfreiheit an prominenter Stelle in der US-Verfassung verankert ist, sei die US-Politik verpflichtet, die Netzneutralität zu gewährleisten, meint die ACLU. Der Schutz der Werte der Verfassung mache es erforderlich, dass die Politik "starke" Vorgaben gegen eine Art "feindlicher Übernahme" des Netzes durch letztlich profithungrige Firmen in Stellung bringe. Die Federal Communications Commission (FCC) müsse "starke Regeln" etablieren, die "Internet-Gatekeeper" davon abhalten, ihre Rolle zu missbrauchen.

Die traditionellen Verpflichtungen für klassische Telefongesellschaften, einen diskriminierungsfreien Dienst anzubieten, sollten auf Zugangsanbieter ausgedehnt werden. Die Provider sollten damit davon abgehalten werden, Datenübertragungen im Netz zu stoppen, sie künstlich zu verlangsamen oder in anderer Form Hand an sie zu legen. Entsprechende Richtlinien seien nötig, da es bereits viele Verstöße gegen die Netzneutralität gegeben habe und die Anbieter verstärkt auf Techniken zum "Netzwerkmanagement" setzten.

"Wir lassen es nicht zu, dass eine Telefonfirma Anrufer mit unbefriedigender Leistung bedient, wenn sie die angerufene Person nicht leiden kann oder den Inhalt der Unterhaltung", begründete der Haupt-Autor der Untersuchung, Jay Stanley, die Forderung. "Genauso wenig sollten wir eine vergleichbare Diskriminierung online zulassen." Allgemeine Vorgaben für Kommunikationsdienstleister gehörten seit Langem zur Rechtstradition der USA und seien immer wieder auf kritische Infrastrukturen angewendet worden. Der US-Kongress habe sie festgeschrieben; nun gehe es darum, dass die FCC sie auch auf den Breitbandbereich anwenden solle. Der FCC-Chef Julius Genachowski hatte jüngst vorgeschlagen, Internetprovider, die bisher als Diensteanbieter vergleichsweise lax reguliert werden, wie klassische Telekommunikationsnetzbetreiber zu behandeln und damit stärker kontrollieren zu können. Die Initiative ist aber auf Widerstand gestoßen. Der Versuch, einen Gesetzentwurf zur Netzneutralität im US-Kongress einzubringen, scheiterte am Widerstand der Republikaner.

Quelle : www.heise.de
Titel: Zunehmender Machtkampf um Netzverwaltung
Beitrag von: SiLæncer am 17 Februar, 2011, 20:41
Der Internetrechtsexperte Viktor Mayer-Schönberger von der Universität Oxford hat auf dem Treffen Domainpulse der drei deutsch-sprachigen Registries Nic.at, Switch und Denic in Wien vor einem Griff einiger Regierungen nach mehr Macht im Netz gewarnt. Unter dem Eindruck der Ereignisse in Ägypten, aber auch als Konsequenz aus Wikileaks werden nach seiner Einschätzung Regierungen immer lauter nach der Macht über das Internet schreien. Erst gehe es um Inhalteregulierung, dann um die Informationsflüsse. Und wenn sie begriffen, dass TLDs und Domains eine Rolle spielten, würden sie auch in deren Vergabe stärker eingreifen. Mayer-Schönberger meint mit Blick auf die britische Debatte um die Schließung von uk-Domains allein auf eine Aufforderung der Polizei und ohne Richterbeschluss, der Machtkampf sei schon im Gange.

Regierungsvertreter aus Österreich, der Schweiz und Deutschland rückten zwar vorsichtig von dem von den USA geforderten Vetorecht ab. "Wir sollten Inhaltepolitik nicht auf der Ebene der TLDs machen", sagte etwa Christian Singer, Österreichs Regierungsvertreter im ICANN-Regierungsbeirat (GAC). Allerdings könne er sich durchaus auch TLDs vorstellen, die Österreich nicht haben wolle. Hubert Schöttner vom Bundeswirtschaftsministerium vermutet hinter dem US-Vorschlag, dass der GAC zwar eine TLD ablehnen könne, der Vorstand der ICANN aber doch die letzte Entscheidung treffe.

Ob sich die Europäer mit der bislang nicht in der EU abgestimmten Position durchsetzen, ist noch offen. Nic.at-Geschäftsführer Richard Wein wagte keine Prognose dazu, ob die ICANN mit der Einführung neuer TLDs noch in der zweiten Jahreshälfte starten werde. Es sei möglich, dass das US-Handelsministerium noch versucht, den ganzen Bewerbungsprozess zu kippen.

Um zu verhindern, dass einzelne Staaten – allen voran die USA und China – eine Übermacht bei der Gestaltung der Netzverwaltung bekämen, forderte Mayer-Schönberger dringend ein "konstitutionelles Moment". Bislang habe sich das Netz mit seiner Selbstverwaltung immer "durchgewurstelt". Weil eine Idee dazu fehle, wo es langfristig hin gehen soll, sei das Netz anfällig für die "Machtübernahme" durch einzelne, starke Player. Bestes Gegenmittel dagegen sei es, die globale Selbstverwaltung für das Netz an einen Grundwertekatalog zu binden, meint Mayer-Schönberger.

Doch auch das Forum, auf dem solche Ideen schon mal ausgetauscht wurden, das Internet Governance Forum (IGF) erlebt gerade eine Zerreißprobe. "Man fragt sich, wieso streiten sich Regierungen so erbittert über ein Forum, auf dem bislang nichts entschieden wurde?", sagte der Schweizer GAC-Vertreter Thomas Schneider. Möglicherweise werde befürchtet, dass sich das Mitbestimmungsrecht aller Interessensgruppen darüber heimlich in die UN einschleiche. Das Subversive liege aber vielleicht auch gerade darin, dass man "die Leute frei mit einander sprechen lässt". Daraus könnten manchmal Dinge entstehen, die den Regierenden nicht recht seien.

Quelle : www.heise.de
Titel: ICANN: IANA soll privater werden
Beitrag von: SiLæncer am 26 März, 2011, 18:33
Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) will auch weiterhin die Rootzone managen, IP-Adressblöcke an die regionalen Internetverwalter ausgeben und das Verzeichnis technischer Protokollnummern für das Internet führen. Die US-Regierung soll darauf künftig weniger Einfluss nehmen. Das schlägt die ICANN in einer aktuellen Stellungnahme zur laufenden Konsultation des US-Handelsministeriums über die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) vor. Im IANA-Vertrag sind eine Reihe zentraler technischer Aufgaben für das globale Netz gebündelt.

Die ICANN hat 1998 die IANA-Aufgaben im Auftrag der US-Regierung übernommen. In ihrer Stellungnahme unterstreicht die private Netzverwaltung nun, das eigentliche Ziel des sogenannten "White Paper" sei die Überführung von IANA in die Hände des Privatsektors gewesen. Die unilaterale Aufsicht über die ICANN selbst hat die US-Regierung 2009 aufgegeben. Doch an der US-Hoheit über die Rootzone, über den zentralen Pool der IP-Adressen, über .arpa und die Protokollnummern-Registratur hält die National Telecommunications and Information Administration (NTIA), eine Behörde des Handelsministeriums, unbeirrt fest.

Mehrfach hatten US-Vertreter bekräftigt, dass die US-Verwaltung ihre Kontrolle über die Rootzone nicht aufgeben will. Diese Beharrlichkeit kalkuliert wohl auch die ICANN ein und fordert mit Blick auf diese neuralgische Aufgabe lediglich mehr Transparenz. Die ICANN solle beispielsweise den Betreibern von Top Level Domains mitteilen dürfen, wie es um Änderungen oder Neueintragungen für ihre Zone stehe, fordert die ICANN. Änderungen in der Rootzone müssten übrigens unverzüglich der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Auch die NTIA müsse ihre Arbeit transparenter machen, heißt es mit kaum verhohlener Kritik am bisherigen Verfahren. Die NTIA müsse den Status von Änderungen, die bei ihr geprüft würden, laufend veröffentlichen. Zuletzt hatte die NTIA wegen vertraglicher Fragen die Hinterlegung von DNSSEC-Schlüsselmaterial für die .arpa-Zone über Monate verzögert.

Der Betrieb von .arpa und .int, die IP-Adressvergabe an die regionalen Internetvergabestellen (RIR) – wie das RIPE in Europa – und die Registratur der Protokolladressen sollte künftig überhaupt nicht mehr Bestandteil des IANA-Vertrages sein, forderte die ICANN rundweg. "Es gibt keinerlei zwingenden Grund, warum diese Funktionen exklusiv durch einen Beschaffungsvertrag der US-Regierung geregelt werden sollen", heißt es in ICANNs Stellungnahme. Die US-Regierung sei überhaupt nicht in diese Aktivitäten involviert.

Geht es nach der ICANN, könnte sie dafür künftig eigene Verträge mit den RIRs und der Internet Engineering Task Force (IETF) schließen. So hätte die ICANN es wohl auch gern für zukünftige, neue Aufgaben im DNS, etwa die Verwaltung von Schlüsseln für IP-Adressen (RPKI). Auf keinen Fall sollten solche neue Aufgaben Bestandteil des IANA-Vertrages werden. Der IANA-Vertrag, der hauptsächlich den Betrieb der Rootzone beinhalten würde, soll übrigens laut ICANN ebenfalls eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit werden. Die Beschaffungsverträge der öffentlichen Hand laufen laut ICANN immer nur ein Jahr und binden den Vertragsnehmer ausschließlich an die Interessen der US-Öffentlichkeit. Auf die Rootzone passe das nicht.

Die Anhörung zum IANA-Vertrag läuft mindestens noch bis zum 31. März. Bislang haben nur wenige Experten eine Stellungnahme abgegeben, und dabei unter anderem auch eine Neubewertung des Vertrags zwischen der US-Regierung und dem Root-Betreiber VeriSign gefordert. Vertreter der NTIA sagten gegenüber heise online, eine Verlängerung des IANA-Vertrages in der jetzigen Form um weitere sechs Monate sei technisch möglich, wenn mehr Zeit für den Abschluss eines neuen Vertrags gebraucht werde.

Quelle : www.heise.de
Titel: EU und USA wollen ICANN reformieren
Beitrag von: SiLæncer am 14 Mai, 2011, 17:17
Wäre es nach der EU und anderen Staaten gegangen, hätte es die Top-Level-Domain xxx für pornografische Angebote nicht gegeben. Die zuständige ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) setzte sich jedoch über diese Einwände hinweg, was nicht nur der für das Internet zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes sauer aufstieß.

Sie traf sich nun mit dem Chef der US-amerikanischen Internet-Aufsichtsbehörde NTIA (National Telecommunications and Information Administration) Lawrence E. Strickling, um die europäische Sicht auf die ICANN zu verdeutlichen. Insbesondere gehe es ihr darum, die Reaktion der Organisation auf Regierungsvorbehalte zu verbessern. In der Vergangenheit hatte es Auseinandersetzungen zwischen der ICANN-Leitung und dem Governmental Advisory Council (GAC) gegeben, das die Interessen der Regierungen vertritt. Kroes wollte ebenfalls über die Transparenz und Verantwortung der internen ICANN-Strukturen sprechen.

Computerworld berichtet, dass sich Kroes und Strickling über eine Zusammenarbeit bei der Reform der ICANN-Führung ("Governance") geeinigt hätten. EU und USA seien sich einig, dass Top-Level-Domains weiterhin von privaten, unabhängigen Institutionen vergeben werden sollten. Insbesondere würden beide weiterhin die ICANN dabei unterstützen. Deren Leitung müsse jedoch angemessen auf GAC-Empfehlungen hinsichtlich neuer Top-Level-Domains reagieren. Priorität sollte die zügige Umsetzung aller Empfehlungen der im letzten Jahr durchgeführten Untersuchung zur Transparenz haben.

Quelle : www.heise.de
Titel: Ausschreibung für den Betrieb der Rootzone gescheitert
Beitrag von: SiLæncer am 11 März, 2012, 21:15
Die National Telecommunications and Information Administration (NTIA) erklärte gestern überraschend das Ausschreibungsverfahren für den Betrieb der Rootzone des Domain Name System (DNS) für gescheitert. Kein Bewerber erfülle die geforderten Bedingungen für den Betrieb der Internet Assigned Numbers Authority (IANA). Ein regelrechter Schock dürfte diese Erklärung für die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) sein, die seit ihrer Gründung 1998 diese Aufgabe wahrgenommen hatte und vielen als einziger denkbarer Bewerber galt. Bis September soll die ICANN den IANA-Betrieb nun vorerst weiterführen.

Die NTIA will zu einem späteren Zeitpunkt Details für eine Neuausschreibung bekannt geben. Zu den uneingelösten Kernforderungen der aktuellen Ausschreibung gehören laut NTIA eine klare Trennung der politischen Aufgaben bei der Entwicklung von Regeln fürs Domain Name System von der praktischen Umsetzung dieser Entscheidungen sowie deutliche transparentere Entscheidungsprozesse.

Beim der heute startenden 43. ICANN-Konferenz in Costa Rica wird die NTIA-Ankündigung für einigen Wirbel sorgen. Die Vertreterin der US-Regierung, aber auch ihre Kollegen aus Europa hatten die ICANN gestern zum Auftakt scharf wegen angeblicher Unklarheiten und Defizite im angelaufenen Vergabeverfahren für neue Top Level Domains kritisiert. Der unerwartete Schritt der NTIA zum IANA-Betrieb könnte so im Zusammenhang mit dem Ringen um das TLD-Verfahren stehen. Einige US-Beobachter verweisen allerdings auf verstärkte Internationalisierungsbestrebungen mehrerer Regierungen, die auf der Agenda einer Vertragskonferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) stehen, die Ende des Jahres stattfindet.

Während es wohl noch zu früh ist, darüber zu spekulieren, ob die NTIA einen alternativen Betreiber in der Hinterhand habe, sprechen Beobachter außerhalb der USA von einer unerträglichen Machtdemonstration der US-Regierung. Diese hatte nach vielen Auseinandersetzungen die Aufsicht über die ICANN stärker auf internationale Schultern verteilt. Die zentralen IANA-Aufgaben, darunter den Betrieb der Rootzone und auch die Verteilung von IP-Adressen an die regionalen Internet Registries (RIRs), hatte die USA dagegen unter eigener Kontrolle behalten.

Quelle : www.heise.de
Titel: Netzbetreiber wollen Netzneutralität aushöhlen
Beitrag von: SiLæncer am 12 Juni, 2012, 21:26
Die Vereinigung der europäischen Netzbetreiber (ETNO) drängt die Internationale Fernmeldeunion ITU dazu, im Rahmen eines neuen Vertrags der Uno-Institution unterschiedliche Qualitätsklassen im Internetverkehr zuzulassen. Die Mitgliedstaaten sollten auf der World Conference on International Telecommunication (WCIT) Anfang Dezember in Dubai beschließen, dass nicht mehr allein das "Best Effort"-Prinzip festgeschrieben werde, heißt es in einer Eingabe des Verbands. Dieser Ansatz besagt, dass Datenpakete der Reihe nach ohne Vorzugsbehandlung verarbeitet und weitergeleitet werden. Die ETNO möchte dagegen erreichen, dass Provider gewisse Übertragungsqualitäten garantieren können und dafür Aufpreise verlangen dürfen.

Anzustreben sei ein "nachhaltiges System der angemessenen Vergütung" für TK-Dienste, fordern die europäischen Telcos in dem Papier (http://files.wcitleaks.org/public/ETNO%20C109.pdf) (PDF-Datei), das die Plattform wcitleaks veröffentlicht hat. Dabei habe in der Regel die Inhalte aussende Seite zu zahlen. Große Netzbetreiber wollen seit Jahren Anbieter wie Google mit YouTube, Netflix oder Skype zusätzlich für die Übertragung bandbreitenhungriger Dienste zur Kasse bitten. Voriges Jahr hatten die Branchenschwergewichte Alcatel-Lucent, die Deutsche Telekom und Vivendi bei der EU-Kommission für ein "Internet der Wahlmöglichkeiten" und verschiedene Qualitätsklassen geworben. Zugangsanbieter wie 1&1 werten solche Vorstöße dagegen als "Abweichung vom Prinzip der Netzneutralität".

Das Internet sei zu einer kritischen Infrastruktur geworden, argumentiert die ETNO nun in ihrem Antrag zur laufenden Novellierung der International Telecommunication Regulations (ITR) der ITU. Neue Online-Dienste veränderten die wirtschaftliche Landschaft und das Wesen der TK-Industrie. Es sei daher von größter Bedeutung, die Weiterentwicklung des Sektors und Investitionen in die globalen Netzinfrastrukturen von morgen über die Möglichkeit "kommerzieller Vereinbarungen" der Betroffenen sicher zu stellen. In einer Mitteilung erläutert der Zusammenschluss, dass dieses Konzept eines Mehrklassennetzes neue Regeln zum Austausch von Datenpaketen erlaube, das weniger auf deren Volumen als auf deren "Wert" für den Endnutzer abstelle.

Quelle : www.heise.de
Titel: Streit um die Kontrolle des Internet
Beitrag von: SiLæncer am 18 Mai, 2013, 16:31
Das Internet Governance Forum (IGF) müsse als Alternativmodell zu regierungslastigen Konferenzen wie dem am Donnerstag in Genf zu Ende gegangenen World Telecom Policy Forum (WTPF) der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) gestärkt werden, erklärte Paul Wilson, Vorsitzender der der Numbers Resource Organisation (NRO) am gestrigen Freitag auf dem RIPE-Treffen in Dublin. Die NRO ist der Dachverband der regionalen IP-Register (RIR). Die fünf NRO-Mitglieder haben im Jahr 2013 100.000 US-Dollar für das IGF gespendet.

Das WTPF, auf dem erneut eine gestärkte Rolle von Regierungen in Selbstregulierungsorganisationen wie RIRs und Domainverwaltung zur Sprache kam, sorgte in Dublin für viel Kritik, auch von Seiten der beim RIPE aktiven Regierungsvertreter. Constanze Bürger vom Bundesinnenministerium in Berlin appellierte an ihre EU-Kollegen, sich grundsätzlich darüber zu verständigen, wie man den Angriffen auf die Selbstregulierung in Zukunft begegnen wolle.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Streit-um-die-Kontrolle-des-Internet-1865939.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: Online-Petition zur Netzneutralität erreicht Quorum
Beitrag von: SiLæncer am 24 Mai, 2013, 12:24
Die am vergangenen Dienstag zur Mitzeichnung veröffentliche Online-Petition zum Thema Netzneutralität hat bereits am heutigen Freitag das Quorum von 50.000 Unterstützen erreicht. Damit muss die vom Hauptpetenten Johannes Scheller aufgestellt Forderung nach einer gesetzlichen Verpflichtung der Provider zur Netzneutralität im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages behandelt werden. Scheller bekommt zudem die Gelegenheit, das Anliegen der Petition selbst in einer öffentlichen Ausschusssitzung vorzutragen und zu untermauern. Weitere Mitzeichner können die Petition noch bis zum 18. Juni 2013 unterstützen.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/netze/meldung/Online-Petition-zur-Netzneutralitaet-erreicht-Quorum-1868943.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: Petition für Netzneutralität kommt Ende Juni in den Bundestag
Beitrag von: SiLæncer am 05 Juni, 2013, 14:19
Die Petition eines 19-jährigen Studenten zur Gleichbehandlung aller Daten im Netz hat ihr erstes großes Ziel erreicht: Der Petitionsausschuss des Bundestags kommt am 24. Juni zu einer öffentlichen Anhörung über die Initiative zusammen, wie eine Sprecherin des Ausschusses am Mittwoch mitteilte. In der Petition zur Netzneutralität wird gefordert: "Der Deutsche Bundestag möge ein Gesetz beschließen, das Internetanbieter ('Provider') verpflichtet, alle Datenpakete von Nutzern unabhängig von ihrem Inhalt und ihrer Herkunft gleich zu behandeln." Mehr als 73.000 Menschen haben diese Forderung mit unterzeichnet. Auslöser der Debatte waren die Pläne der Telekom zur Datendrosselung bei neuen DSL-Tarifen.

Zu der Anhörung wird der Verfasser der Petition eingeladen, Johannes Scheller aus Tübingen. Dessen Vorstoß nahm in ungewöhnlich kurzer Zeit die Schwelle von 50.000 Mitzeichnern – ab diesem Quorum besteht die erhöhte Chance, dass der Petitionsausschuss eine öffentliche Anhörung ansetzt. Dazu wird auch ein Vertreter des zuständigen Wirtschaftsministeriums eingeladen.

Das Prinzip der Netzneutralität ist seit einigen Jahren Gegenstand einer heftigen Debatte. Alle Parteien haben sich zumindest im Grundsatz dafür ausgesprochen. Die schwarz-gelbe Koalition sieht jedoch bislang keine Notwendigkeit für eine gesetzliche Regelung. Die großen Telekommunikationsfirmen argumentieren, dass es ihnen möglich sein müsse, steuernd in den Datenverkehr im Netz einzugreifen, um die Qualität bestimmter Dienste zu garantieren.

Auch auf EU-Ebene gibt es Bemühungen um mehr Netzneutralität: Die für die digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes stellte am Dienstag Einzelheiten eines Regulierungsvorschlags vor, der die Gleichbehandlung von Daten im EU-Recht verankern soll. Allerdings kritisierten Vertreter von Content-Anbietern, Nicht-Regierungsorganisationen und Universitäten die Vorschläge als wachsweich und zu wenig ambitioniert.

Quelle : www.heise.de
Titel: Multipath-TCP bündelt Internet-Leitungen
Beitrag von: SiLæncer am 28 Februar, 2014, 19:36
Mit Multipath-TCP können Client und Server für eine TCP-Übertragung automatisch mehrere Leitungen bündeln, um so den Durchsatz und die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Nun äußert sich einer der Entwickler zu den spannenden Einsatzgebieten der Technik.

Olivier Bonaventure ist Professor an der Katholischen Universität Löwen. Als Mitverfasser des RFC 6824 "TCP Extensions for Multipath Operation with Multiple Addresses" gehört er mit seinem Team zu den treibenden Kräften der Entwicklung. heisenetze sprach mit ihm über Stand und Perspektiven des Projektes.

In der IETF Working Group sind drei Implementierungen diskutiert worden: Eine von Citrix, eine Implementierung der Universität Löwen und eine von Apple. Apple hat Multipath-TCP mit iOS 7 bereits eingeführt, um die Spracherkennungs-Anwendung Siri zu stützen. Interessierte User können die Vorteile aber auch auf Linux-PCs nutzen. Manche setzen es bereits auf virtuellen Maschinen ein und es gibt bereits sieben oder acht Websites, die Multipath-TCP aktiviert haben. Auf der Website Multipath-TCP.org sind sie aufgeführt.

Im Lab setzen die Entwickler Multipath-TCP auf einem ssh-Server ein, den Studenten und Mitarbeiter nutzen. Wenn sie sich mit ssh einloggen, machen sie das über Multipath-TCP. Das hat den Vorteil, dass die ssh-Verbindungen offen leiben, wenn man vom WLAN ins Ethernet wechselt oder sich von einem Raum in den anderen begibt und die Geräte dabei neue IP-Adressen erhalten.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/netze/meldung/Multipath-TCP-buendelt-Internet-Leitungen-2127754.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: Reform der Netzverwaltung: "Könnte Krieg ums Internet geben"
Beitrag von: SiLæncer am 27 Februar, 2015, 20:40
ICANN-Vorstand Wolfgang Kleinwächter hat mit drastischen Worten vor einem Scheitern der geplanten Übergabe der US-Aufsicht über zentrale Teile der Internetverwaltung an die internationale Gemeinschaft gewarnt.

Sollte es dieses Jahr nichts werden mit dem angekündigten Rückzug der US-Regierung aus der Verantwortung über zentrale Teile der Internet-Infrastruktur, "könnten wir einen neuen Krieg kriegen um das Internet" bekommen. Mit diesen Worte plädierte ICANN-Vorstand Wolfgang Kleinwächter auf der Konferenz Domain Pulse am Freitag in Berlin dafür, die geplante Übergabe der Aufsicht über die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) in neue Hände bald zu vollziehen.

USA ziehen sich zurück

Derzeit segnet die US-Behörde NTIA Entscheidungen der IANA rund um die Rootzonen des Internets noch ab. Auf internationalen Druck hin will Washington aber nur noch bis September 2015 als formelle Prüfinstanz fungieren. Bedingung ist, dass die künftige Kontrolle nicht durch eine andere Regierung ausgeübt wird und alle Interessensvertreter gemäß dem Multi-Stakeholder-Modell beteiligt werden.

Die IANA-Funktion sei zwar eine rein technische und notarielle, aber "mit hoher Symbolkraft" aufgeladen, erklärte Kleinwächter. Wenn die Übergabe der Aufsicht nicht bis spätestens Ende des Jahres gelinge, munitioniere dies Regierungen, die dem Multi-Stakeholder-Ansatz skeptisch gegenüberstehen. Diese würden dann behaupten, dass "zehn Jahre Diskussion" nichts gebracht hätten und einen Regierungsrat bei der Uno für die Netzverwaltung fordern. Ein solcher werde die Auseinandersetzungen nur verschärfen und allen Beteiligten "nur Schaden" zufügen.

NetMundial

Parallel warb der Netzpolitik-Professor an der Universität Aarhus für die "NetMundial-Initiative" (NMI), die den Prozess der gleichnamigen Konferenz in Brasilien im vorigen Jahr fortsetzen und erweitern soll. Eine UN-Arbeitsgruppe sei bei 500 Themen gelandet, "die irgendwie mit der Internetregulierung zusammenhängen", erläuterte Kleinwächter. Diese reichten von den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft über Menschenrechte einschließlich Meinungsfreiheit und Datenschutz bis hin zu technologischen Innovationen und Herausforderungen wie Big Data oder biometrischen Anwendungen.

Für all diese Probleme kann nach Ansicht des Experten nicht das "an der langen Leine der Vereinten Nationen hängende" Internet Governance Forum (IGF) zuständig sein. Überdies beschränke das UN-Mandat das IGF auf eine reine Debattenplattform ohne Entscheidungsmacht. Es fehle so eine Verteilstation, die "wie Root-Server im Domain Name System funktionieren" und die Lösung einzelner Herausforderungen an spezielle, ergebnisorientierte Multi-Stakeholder-Gruppen verweise. Auf diese Lücke ziele die NMI, die im Wesentlichen weiter von der ICANN und Brasilien vorangetrieben werde.

Positives Signal

Die Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann erinnerte daran, dass die Zivilgesellschaft mit dem Resultat der eigentlichen NetMundial-Konferenz nicht einverstanden gewesen sei, da sie eine klare Linie gegen anlasslose Massenüberwachung nicht in den Text bekommen habe. Thomas Rickert, Leiter einer ICANN-Community-Arbeitsgruppe, werte das in Brasilien verabschiedete Schlussdokument dagegen als Signal, dass nach den Snowden-Enthüllungen alle Regierungen an einen Tisch zurückgekommen seien und sich zum Multi-Stakeholder-Modell bekannt hätten.

Der Grundstein für den Dialog bleibe das IGF, mit der NetMundial-Initiative könne man aber an der Umsetzung dortiger Diskussionen arbeiten, meinte Thomas Schneider, der für die Schweiz im ICANN-Regierungsbeirat sitzt. Zum IANA-Übergang betonte der Eidgenosse: "Wenn wir das Laufgitter wegnehmen, muss sichergestellt sein, dass ICANN als ganzes im öffentlichen Interesse fungiert." Dass die Dacheinrichtung weiter eine private US-Organisation mit Sitz in Kalifornien bleiben solle, stelle für andere Länder eine "gewisse Herausforderung" dar.

Unverständlich schien Jörg Schweiger von der Registrierungsstelle Denic die Diskussion über das Koppeln des IANA-Transfers an eine umfassende ICANN-Reform. Damit wollten sich höchstens Interessensvertreter eine Bühne verschaffen, die für sich selbst mehr Gewicht bei der Netzregulierung wünschten. Das Internet sei groß geworden, "weil wir Probleme mit 'rough consensus' gelöst haben". Wenn man mit dieser Form der Entscheidungsfindung nicht mehr weiterkomme, müsse das IGF weiterentwickelt werden. Sonst träten unweigerlich Vorschläge wie die NMI dazu.

Quelle : www.heise.de