Der südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon wird voraussichtlich nächster Uno-Generalsekretär. Bei einer Probeabstimmung im Sicherheitsrat stimmten alle Veto-Mächte für ihn. Falls die Vollversammlung ihn wie erwartet wählt, will Ban die Reform der Weltgemeinschaft vorantreiben.New York - 14 Mitglieder des 15-köpfigen Gremiums stimmten bei einer Probeabstimmung in der Nacht zum Dienstag für Ban, darunter alle fünf Vetomächte. Er war der einzige Kandidat, der keine Gegenstimme auf sich zog. Obwohl die Abstimmung nicht bindend war, galt es als kaum wahrscheinlich, dass sich der Rat bis zum Montag auf einen anderen Kandidaten einigt. Am 9. Oktober soll der Sicherheitsrat offiziell über den achten Uno-Chef seit 1946 abstimmen. Kofi Annan scheidet zum Jahresende nach zehn Jahren aus dem Amt des Generalsekretär aus.
"Nach der heutigen Probeabstimmung ist es eindeutig, dass Minister Ban Ki Moon der Kandidat ist, den der Sicherheitsrat der Generalversammlung empfiehlt", sage der chinesische Uno-Botschafter Wang Guangya Journalisten. Die aus 192 Nationen bestehende Generalversammlung bestätigt üblicherweise den vom Sicherheitsrat vorgeschlagenen Kandidaten.
"Es ist sicher, dass er unser nächster Generalsekretär wird", urteilte auch Uno-Untergeneralsekretär Shasi Tharoor. Der Inder galt zuvor selbst als Kandidat, hatte sich jedoch zurückgezogen, nachdem er drei Gegenstimmen bei zehn Zustimmungen und zwei Enthaltungen erhalten hatte. Auf dem dritten Platz rangierte die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga, die einzige Frau und Nicht-Asiatin in dem Kandidatenfeld. Sechs Länder stimmten für sie, sechs gegen sie, darunter auch zwei Vetomächte. Der amerikanische Uno-Botschafter John Bolton erklärte sich mit dem Ergebnis der Vorwahl "sehr zufrieden".
Die Abstimmung vom Montagabend war die vierte Probewahl seit Juli, aber die erste, bei der die Stimmen den Veto-Mächten und den übrigen zehn nicht-ständigen Sicherheitsratsmitgliedern zugeordnet werden konnten. Die Vetomächte USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China nutzen blaue Stimmzettel, die nichtständigen Mitglieder gaben ihr Votum auf weißem Papier ab. Die Enthaltung stammt nach Informationen aus Uno-Kreisen von Japan. Um gewählt zu werden, muss ein Kandidat mindestens neun Pro-Stimmen im Sicherheitsrat und darf kein Veto erhalten.
Als wichtige Aufgabe im Falle seiner Wahl betrachtet Ban, die Uno auf der Vorstands-Ebene zu reformieren, um das Vertrauen der Mitgliedsstaaten und Interessenvertreter zurückzugewinnen. Länder, die vom Genozid bedroht seien, müssten zukünftig mehr geschützt werden, sagte Ban in Seoul. Er forderte außerdem die sudanesische Regierung auf, die Stationierung von Uno-Soldaten zu akzeptieren.
Quelle :
www.spiegel.de