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Zwei Tage nachdem das Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ein Verbot der "Vuvuzelas" genannten Kunststofftrompeten in den Stadien ausgeschlossen hat, bietet der deutsche Pay-TV-Sender Sky seinen Abonennten die WM-Spiele wahlweise auch ohne die dominante Geräuschkulisse der Blasinstrumente an.
Laut Pressemitteilung haben die Sky-Zuschauer erstmals beim heutigen Spiel Südafrika gegen Uruguay (Anpfiff um 20:30 Uhr) die Möglichkeit, die Spiele mit spürbar reduziertem Klang der Kunststofftrompeten zu verfolgen. Die Atmosphäre im Stadion ginge dabei laut Sender nicht verloren. Vielmehr seien dadurch die Gesänge der internationalen Fangruppen, das Aufraunen nach einem gelungenen Dribbling und die typischen Geräusche des Spielgeschehens, die bislang vom Klang der Vuvuzelas überlagert wurden, erstmals auch im Fernsehen zu hören.
Ermöglicht wird dies durch einen in Zusammenarbeit mit dem Sky-Produktionspartner Plazamedia entwickelten Spezialfilter, der während der gesamten Übertragung manuell nachjustiert werden kann, um den genauen Ton der Faninstrumente bestmöglich zu treffen und ausblenden zu können. "Wir respektieren die südafrikanische Fankultur und die Vuvuzela als ein Symbol dieser Weltmeisterschaft, wollen unseren Abonnenten mit dieser Maßnahme aber die Möglichkeit bieten, den Ton zu wählen, den sie aus den europäischen Stadien gewohnt sind, so Carsten Schmidt, Vorstand Sports, Advertising Sales und Internet bei Sky. Abonnenten, die weiterhin den Originalsound aus den Stadien Südafrikas genießen wollen, können diesen ab sofort über die Tonoption 2 ihres Digital-Empfängers anwählen.
Das ZDF hatte zuvor auf seiner Website erklärt, dass Filter, die das Tröten ausblenden sollen, Probleme bereiten. So ist auf der Seite zu lesen: "Wenn hunderte Vuvuzelas tröten, entstehen Schwebungen – und die bereiten den Filtern größere Probleme. Das Vuvuzela-Grundgeräusch mag mit einem Filter dämpfbar sein. Dafür hört man jetzt hochfrequentes Gerausche und Gezischel – auf Dauer ein Garant für Kopfschmerzen."
Die Alternative laut ZDF: Der Sender filtert bei der Aufnahme die Störgeräusche aus. Das ZDF setzt nach eigenen Angaben bei seinen Übertragungen bereits Filter ein, allerdings seine diese "kein Allheilmittel". Denn die Filter würden auch in die Frequenzbänder eingreifen, auf denen die Kommentatoren sprechen. "Wir arbeiten bereits mit Filtern, um das Vuvuzela-Geräusch zu reduzieren", erklärt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz auf der Website. "Aber wir wollen natürlich nicht den Kommentar verfremden. Bela Réthy soll sich anhören wie Bela Réthy. Deshalb sind uns beim Einsatz von Filtern enge Grenzen gesetzt."
Quelle : www.heise.de
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Das Interesse der Internetcommunity am Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien zwingt die Streamingserver in die Knie. Beim übertragenden ZDF ging den Angaben zahlreicher Leser zufolge vorübergehend gar nichts mehr; auch die Mediathek ist zwischendurch nur schwer oder gar nicht erreichbar gewesen. Inzwischen hat der Sender die Verweise auf den Livestream von der Seite genommen, doch auch der Multimedia-Liveticker schwächelte.
Das ZDF bedauert die Probleme und verweist auf die hohe Last zu Spitzenzeiten wie bei WM-Spielen der Deutschen. Für das Spiel habe das ZDF noch Bandbreite zugekauft, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Derzeit gebe es allerdings "ungeheuer viele Zugriffe". Man arbeite mit Hochdruck daran, eventuelle Störungen zu beseitigen. Beeinträchtigungen auch des sonstigen Internetangebots seien aber unter Umständen auch auf Überlastungen bei den Providern zurückzuführen.
Auch bei Alternativen wie etwa Zattoo.com ist das ZDF derzeit kaum zu empfangen. Das Streaming-Angebot der Telekom für iPhone-Kunden läuft unterdessen, sieht aber eher aus wie Pong in Farbe. Viel erkennen lässt sich auf den Bildern nicht.
Zur Halbzeitpause führen die Serben mit 1:0. Kurz zuvor hatte Miroslav Klose die gelb-rote Karte wegen wiederholten Foulspiels gesehen und war des Feldes verwiesen worden.
Quelle : www.heise.de
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Die ARD wird auch die parallel stattfindenden drei Begegnungen des dritten Spieltages der Fußball-WM übertragen. Neben dem Ersten überträgt auch der digitale ARD-Kanal Eins Festival.
Eins Festival überträgt drei Begegnungen des dritten Gruppenspieltags parallel zu den Live-Übertragungen im Ersten: zwei Partien am 23. Juni und eine am 25. Juni.
Am Mittwoch, den 23.06., sendet Eins Festival live um 20.30 Uhr das Vorrundenspiel Australien gegen Serbien aus der Gruppe D aus dem Mbombela-Stadion in Nelpruit. Das Erste zeigt zeitgleich die letzte Vorrundenbegegnung der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana. Welche Begegnungen der finalen Spiele der Gruppen C und G Eins Festival überträgt, steht erst nach Abschluss des zweiten Spieltags der Gruppenphase endgültig fest. Je nach Gruppensituation wird entschieden, welche Spiele das Erste und Eins Festival übertragen, teilte die ARD mit. Änderungen seien daher möglich.
Die Planung sieht derzeit vor, dass Eins Festival am Mittwoch, den 23.06. ab 16.00 Uhr die Begegnung USA gegen Algerien der Gruppe C zeigt. Parallel ist im Ersten die Begegnung Slowenien gegen England geplant. Das Spiel Nordkorea - Elfenbeinküste der Gruppe G ist am Freitag, den 25.06. ab 16.00 Uhr zu sehen. Parallel ist im Ersten die Übertragung des Spiels Portugal - Brasilien vorgesehen.
Zusätzlich sind die Begegnungen der Gruppenphase bei der ARD auch im Internet unter sportschau.de live zu verfolgen.
Quelle : www.digitalfernsehen.de
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Das wird (Serben gegen Australier und Deutsche gegen Ghanaer) ein nerviges Zappen geben.... ;D
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Da wirst Du den Defibrillator bereit halten müssen ;D
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Habe heute mein ersts WM Spiel gesehen (Deutschland vs Serbien) und das ganze getue mit den Vuvuzelas nicht nachvollziehen können. Hat da die Produktionsfirma schon reagiert und filtert die Frequenzen raus?
Spiel war imho ziemlich fad. Das Ergebniss hat mich als Österreicher natürlich gefreut ;) Ich kann die Faszination an diesen Sport aber trotzdem nicht nachvollziehen... solange es mit dem sozialen Umfeld beim zuschauen passt kann so eine WM schon Spass machen ;D
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VLC tötet Vuvuzela ;)
Für manche Fans und Beobachter der WM 2010 ist sie ein kulturelles Gut des Gastgebers, für die anderen dagegen ein lästiger Krachmacher: die Vuvuzela. Ein Filter der RWTH Aachen für den VLC verspricht nun den geplagten Fußballfan von der Lärmbelastung der Naturtrompete zu befreien.
Quelle : Pro - Linux, weiterlesen (http://www.pro-linux.de/news/1/15808/vlc-toetet-vuvuzela.html)
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Die von der FIFA zeitgleich angesetzten Begegnungen des letzten WM-Vorrundenspieltages der Gruppen A und B am 22. Juni werden parallel im ZDF und ZDF Infokanal übertragen.
So werden die ZDF-Zuschauer laut Mitteilung des Senders per Konferenzschaltung permanent über den Spielstand und den damit verbundenen aktuellen Tabellenstand informiert. Darüber hinaus sollen alle entscheidenden Szenen und Tore des Parallelspiels eingeblendet werden.
Ab 16 Uhr steht das Spiel des strauchelnden Vize-Weltmeisters Frankreich gegen den Gastgeber Südafrika auf dem Programm. Parallel dazu überträgt der ZDF Infokanal das zweite Spiel der Gruppe A, Mexiko gegen Uruguay. Im Anschluss überträgt das ZDF um 20.30 Uhr das Spiel Griechenland gegen Argentinien. Das zeitgleich angepfiffene Spiel zwischen Nigeria und Südkorea in Durban können die Zuschauer im ZDF Infokanal verfolgen.
Auch das Erste hat sich auf parallel laufenden Spiele eingestellt. So überträgt Eins Festival drei Begegnungen zeitgleich zu den Live-Übertragungen im Ersten.
Quelle : www.digitalfernsehen.de
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Wollten die deutschen Kinobetreiber zuletzt noch auf die WM-Übertragung in 3-D verzichten, steigen sie nun doch in das Geschäft mit den dreidimensionalen Bildern ein. Das heutige Spiel Deutschland gegen Ghana werden gut 30 Kinos zeigen.
Zunächst hatten deutsche Kinobetreiber geklagt, dass die Signalqualität der 3-D-Übertragungen zu schlecht sei. Nun zeigen rund 30 Kinos in Deutschland und der Schweiz die 3-D-Übertragungen der WM.
Das dreidimensionale Fußball-Erlebnis soll durch den Eutelsat-Satelliten Atlantic Bird 3 auf der Position 5 Grad West möglich werden. Dafür sind die Kinos laut einem Bericht von "Welt online" mit einer speziellen Satellitenempfangsanlage ausgestattet worden. Insgesamt sollen acht Spiele gezeigt werden. Eine Liste der Kinos gibt es unter www.wm-3d.com.
Quelle : www.digitalfernsehen.de
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Durchschnittlich 29,19 Millionen Zuschauer haben vor den heimischen Bildschirmen den 1:0-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gesehen. Die ARD erreichte damit einen Marktanteil von 79,7 Prozent.
Das gab die "media control GFK" in einer Pressemitteilung bekannt. Demnach zog das Zuschauerinteresse erst im Verlauf der Übertragung an. Saßen in der ersten Halbzeit noch 28 Millionen Zuseher vor den Fernsehgeräten, entschieden sich 30,34 Millionen Fußballfans für die zweite Halbzeit. Der Marktanteil verbesserte sich zeitweise von 78,1 Prozent auf 81,3 Prozent.
In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erzielte die ARD ab 20.30 Uhr mit 13,24 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 83,8 Prozent. Das Spiel Australien gegen Serbien erreichte bei Einsfestival zwölf Millionen Zuschauer. Die am Nachmittag ausgestrahlte Live-Übertragung des englischen Siegs über Slowenien verfolgten 5,99 Millionen Zuschauer.
Quelle : www.digitalfernsehen.de
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Allerorten findet man in diesen Tagen Anleitungen zum Herausfiltern der bei den WM-Spielen ununterbrochen aus den Fernsehern erschallenden Vuvuzelas. LG legt Spätentschlossenen seine aktuelle TV-Gerätebaureihe ans Herz, weil sich dort mit der Funktion Clear Voice II die Vuvuzelas unterdrücken lassen sollen. Die deutschen WM-Fernsehsender ARD, ZDF und Sky bieten als Option einen zweiten Tonkanal mit vermindertem Vuvuzela-Lärm an.
Elgato, Hersteller der Mac-TV-Software EyeTV, hat eigens eine WM-Edition seiner Software mit integriertem Vuvuzela-Filter herausgebracht. Diplom-Ingenieure des Instituts für Nachrichtengeräte und Datenverarbeitung der RWTH-Aachen ließen es sich nicht nehmen, mit ihrem Plug-in VuvuzeLAUTLOS für den VLC media player auf den Vuvuzela-Zug aufzuspringen. Im Unterschied zu den kommerziell angebotenen 45 Minuten langen Gegenschall-Vuvuzela-Aufnahmen erfüllen diese Lösungen aber immerhin einigermaßen ihren Zweck. Statt mit technischen Maßnahmen versucht Vuvuzelas.org mit einer Petiton die "Nervtröten" los zu werden.
Doch es soll ja auch Leute geben, die nicht genug von der WM und dem damit unzertrennlich verbundenen Vuvuzela-Lärm bekommen. So kann man beispielsweise mit Vuvuzela Time! beliebige Webseiten – etwa heise online – mit dem Getute hinterlegen. Auch YouTube hat sich vom Trötenfieber anstecken lassen und bietet während der WM eine Option, jedes Video auf Knopfdruck mit der südafrikanischen Fan-Trompete zu unterlegen – ein Klick auf den kleinen Fußball in der Navigationsleiste des Players, schon fühlt man sich wie mitten in einem WM-Stadion. So erreicht das Video von Lenas Auftritt beim Eurovision Song Contest, der jemand Uwu Lenas WM-Hit "Schland oh Schland" in den Mund gelegt hat, eine ganz neue Dimension ...
Quelle : www.heise.de
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Das WM-Spiel zwischen Japan und Dänemark am Donnerstagabend löste einen neuen Rekord auf dem Microblogging-Dienst Twitter aus. Kurz nach dem Schlusspfiff der Partie, die Japan mit 3 : 1 gewann, zählte Twitter 3283 Tweets pro Sekunde (TPS). Damit stellte das Ereignis den erst vor einer Woche aufgestellten Rekord des Endspiels der "US National Basketball Association"-Meisterschaft zwischen den Los Angeles Lakers und den Boston Celtics ein, das 3085 TPS verzeichnen konnte.
Laut dem dazu veröffentlichten Blog-Eintrag liegt die Zahl der TPS an einem durchschnittlichen Tag bei 750. Jedoch verzeichnet Twitter nach jedem auf der Fußball-Weltmeisterschaft geschossenen Tor einen überdurchschnittlichen Tweet-Anstieg.
Quelle : www.heise.de
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Was für eine Szene: Das nicht gegebene Tor für England in der ersten Halbzeit hat zu heftigen Reaktionen geführt - im Stadion, aber binnen Sekunden auch im Internet. Auf und ab ging der Ball, er kam hinter der Linie auf - aber der Schiedsrichter gab den Treffer zum 2:2-Ausgleich nicht. "Rache für Wembley", kommentierten prompt auf der Facebook-Seite von SPIEGEL ONLINE Fans. "Ein Tor muss noch kommen für Deutschland", schrieb dort ein Leser. "Sonst dreht England durch."
Ein anderer notierte karg: "1966". Auf Twitter finden sich unter dem Stichwort Wembley unter anderem folgende Kommentare: "This is it for Wembley!" ("Das war's jetzt mit Wembley") - "Let's forget Wembley now." ("Lasst uns Wembley jetzt vergessen.") Oder auch nur: "Der war nieeeee drin :-)"
Bilderstrecke (http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-56430.html)
Auch unter Experten brach in der Halbzeitpause sofort die Diskussion los. ARD-Moderator Gerhard Delling forderte den Videobeweis: "Braucht es das nicht jetzt?" - Günter Netzer widersprach: "Nein, muss nicht, Fußball ist Drama!" Dieser dürfe nicht perfekt sein. Delling am Ende in Anspielung auf Wembley 1966: "Vielleicht müssen wir jetzt wieder 44 Jahre diskutieren."
DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte in der Halbzeitpause im ARD-Interview, er sei auch nach dem nicht-gegebenen Tor für die Engländer für ein Festhalten an der Tatsachenentscheidung des Schiedrichters im Fußball und gegen einen Video-Beweis. Auch er habe aber von der Tribüne aus im Stadion gesehen, dass der Ball hinter der Linie und damit im deutschen Tor war.
Minuten später bemerkte der Kommentator aus dem Stadion, bei den englischen Fans spüre man inzwischen eine gewisse Wut - und auch die Mannschaft dürfe mit einiger Energie in die zweite Halbzeit zurückgekehrt sein.
"We can't get no satisfaction", titelte die englische Boulevardzeitung "The Sun" auf ihrer Internetseite über einem Foto des Rolling-Stones-Frontmanns Mick Jagger. Jagger war mit 15.000 englischen Fans im Stadion in Bloemfontein. Später änderte sie die Überschrift in: "Du bist ein nutzloser Schiedsrichter".
"England wird von Deutschland bei der WM gedemütigt (mit viel Hilfe vom Schiedsrichter aus Uruguay)", klagte die "Daily Mail". Illustriert wurde der Frust im Fußball-Mutterland mit großen Fotos vom Ball, der hinter der Linie des deutschen Tores aufprallt. Von einer "Fan-Wut wegen des Tor-Fehlers" wusste die "Times" zu berichten. Der "Mirror" vermeldete erschüttert: "England kracht raus. Three Lions von Deutschland gemüllert - und vom Schiedsrichter."
"Das ist eine schändliche Entscheidung, die das Spiel verändert hat", schimpfte der frühere England-Kapitän Paul Ince, der als Experte für das südafrikanische Fernsehen das Spiel analysierte. Chris Waddle, Kommentator des Radiosenders BBC Radio 5, sagte live im Radio: "Das ist ein echter Heuler der Offiziellen. Lampards wunderbarer Volley schlägt den Torwart, springt von der Latte über die Linie - und der Schiri gibt ihn nicht! Der war einen ganzen Yard über der Linie!" Der Spielkommentator des britischen TV-Senders BBC Mark Lawrenson sagte zu dem Treffer, der nicht zählte: "Wer auch immer so einen Treffer erzielt - es ist peinlich für den Sport, wenn so etwas passiert. Ich kann nicht glauben, dass wir im Fußball noch keine Technologie für so etwas haben."
Quelle: www.spiegel.de
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Reinhold Beckmann und Gerhard Delling werden zukünftig die Live-Fußballspiele im Ersten moderieren. Als Experte soll sie Ex-Bayern-Profi Mehmet Scholl unterstützen.
Nachdem sich Günter Netzer mit der WM in Südafrika als Experte verabschiedet, setzen die beiden Sportjournalisten Delling und Beckmann und der ehemalige Nationalspieler Scholl ihre Arbeit fort. Beckmann und Scholl sind schon seit der EM 2008 bei der ARD zu sehen. In Zukunft soll es auch das Duo Delling-Scholl geben.Günter Netzer hört nach dreizehn Jahren bei der ARD auf. "Ich habe genug geredet. Ich kann mich selbst nicht mehr im Fernsehen anschauen", begründete der einstige Nationalspieler seinen TV-Abschied.
Quelle : www.digitalfernsehen.de
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Das Ballyhoo, das die Deutschen jetzt vor dem Spiel gegen Argentinien veranstalten, zeugt eher von Verunsicherung als von Stärke
Es hat schon ein gewisses "Geschmäckle", wie der Schwabe so zu sagen pflegt. Im Viertelfinale treffen nämlich morgen Nachmittag genau jene Teams aufeinander, die in ihren Achtelfinalspielen von grob fehlerhaften Schiedsrichterleistungen profitiert haben und vielleicht auch nur deswegen einen der vier Halbfinalisten unter sich ausmachen dürfen.
Die einen, weil der Italiener Rossetti ein klares Abseitstor wider besseren Wissens zum Tor erklärt hat; die anderen, weil der Referee wiederum einem klar erzielten Tor des Gegners die Anerkennung verweigert hat (Bring on the Germans).
Begünstigte Teams
Von Dankbarkeit, Zurückhaltung oder gar Demut ist weder bei dem einen noch bei dem anderen Team etwas zu merken. Im Gegenteil, kaum waren die Diskussionen darüber abgeebbt, hob schon das Ballyhoo an.
Nachdem der argentinische Trainer, Diego Armando Maradona, Rache für die erlittene Endspielniederlage von seinen Spielern gefordert hatte, das die Deutschen vor genau zwanzig Jahren dank eines Elfmetertreffers von Andi Brehme nach einem gekonnten "Faller" von Rudi Völler gewannen, erinnerte der Ersatzkapitän der Deutschen, Bastian Schweinsteiger (Der heimliche Leader) erneut an das unrühmliche Ende des Viertelfinalkrimis vor vier Jahren in Berlin.
Damals fühlte sich eine Reihe argentinischer Spieler nach dem verlorenen Elfmeterschießen von dem Spieler Tim Borowski provoziert. Der hatte sie nach seinem Penalty als "Quatschnasen" bezeichnet.
Weshalb es alsbald zu einer "Rauferei" zwischen den beiden Teams kam, in dessen Verlauf nicht nur der Spieler Per Mertesacker von dem Spieler Leandro Cufré ein Fußtritt in den Unterleib bekam, sondern auch Torsten Frings dem Argentinier Julio Cruz mit der Hand ins Gesicht wischte und prompt von der Fifa aufgrund eines Videobeweises mit einer Sperre für das Halbfinalspiel gegen Italien belegt wurde.
Schmutziger Fußball
"Ihre Handgreiflichkeiten von damals sind immer noch präsent", diktierte Schweinsteiger den überraschten Journalisten in die Notizblöcke (Gibt's wieder einen Hass-Ausbruch?).
Das gelte im Übrigen auch für ihr Spiel, das er gar mit dem Begriff "schmutzig" belegte. Auf dem Platz verhielten sich die argentinischen Spieler "respektlos". Einerseits "gestikulierten sie wild herum" und versuchten durch diese Theatralik den Schiedsrichter zu beeinflussen; andererseits würden sie auf dem Platz gegen alles treten und schlagen, was sich bewegt und "gelbe Karten" für begangene Fouls von den Schiedsrichtern fordern.
Und weil der "emotionale Leader" gleich so in Fahrt war, bekamen auch die Fans ihr Fett ab. Die hätten alle einen überaus "schlechten Charakter". Statt sich auf ihre Plätze zu setzen, rotteten sie sich irgendwo im Stadion zusammen. Die anderen müssten dann im Stadion stehen oder sich andere Plätze suchen. "Die Argentinier", meinte er, "sind so".
Rundumschlag
Woher der Münchner Defensivkünstler seine Kenntnisse über das Verhalten des "argentinischen Fans" hatte, teilte er allerdings nicht mit. Sogar "der Spiegel" befand, dass er mit dieser "Attacke auf ein ganzes Land" (Schweinsteiger eröffnet den Psychokrieg) seinem Team keinen Gefallen getan hatte.
Auch die Erinnerung an die Ereignisse von vier Jahren scheint bei dem Jungleader etwas lückenhaft zu sein. Bei seiner Attacke vergaß er nämlich, dass auch die deutschen Fans sich damals überaus aggressiv gegenüber den "Weißblauen" verhalten hatten.
Von einem "Sommermärchen" konnte damals im Berliner Olympiastadion, als es zum "Shoot out" kam, jedenfalls nicht gesprochen werden. Gnadenlos pfiffen die Zuschauer, als die Argentinier zu den "Strafstößen" antraten. Zumal auch der von Frings bedrängte Spieler Cruz einen Tag danach diesen öffentlich entlastet hatte und kundtat, von einem Schlag gar nichts gespürt zu haben.
Selbst auf der Flucht
Bei seinen "Stänkereien", die Philipp Lahm und Oliver Bierhoff bekräftigten, mag er die Spieler Maxi Rodriguez und Gabriel Heinze im Auge gehabt haben, die damals mit auf dem Platz gestanden haben und auch diesmal wieder dabei sind.
Aber für die anderen trifft das gewiss nicht zu. Vor allem auf Lionel Messi nicht, der "La Pulga", "der Floh", genannt wird. Gerade der muss ständig auf sich und seine Beine aufpassen, darauf, dass Verteidiger, die er ausspielt, nicht ihr Mütchen an ihm kühlen. Und gewiss auch nicht auf den Spiel- und Vereinskameraden Martin Demichelis. Anfang August wird es an der Säbener Straße wohl einigen Gesprächsbedarf darüber geben.
Reich an bösen Tritten
Von ungefähr kommen Schweinsteigers "Attacken" sicher nicht. Die Duelle mit der Albiceleste waren immer schon von extremen Emotionen geprägt, von bösen Tritten, üblen Attacken und anderen Nickligkeiten auf und außerhalb des Platzes.
Schon beim ersten bedeutenderen Aufeinandertreffen in Malmö bei der WM 1958 in Schweden mussten Fritz Walter und Horst Eckel verletzt vom Platz, als sich die "Gauchos" gegen allzu "gewalttätig" grätschende Deutsche mit heftigen Fouls "zur Wehr setzten".
Und auch anno 1966 beim Vorrundenkick in England oder 1990 beim Endspiel in Rom kam es zu überharten Einsätzen, die von den Referees dann auch mit Platzverweisen geahndet wurden, während bei Gastspielen in Buenos Aires deutsche Spieler noch unter ihrem Trainer Jupp Derwall mit Besuchen bei Animierdamen unangenehm auffielen.
Sich stark reden
Schließlich spricht auch die Bilanz eher zugunsten der Albiceleste. Bei den bislang achtzehn Begegnungen stehen fünf deutschen Siegen und fünf Unentschieden acht argentinische Siege gegenüber. Da braucht es schon markiger Worte, um sich selbst stark zu reden.
Offenbar hat man nicht nur das verlorene Match Ende März vor Augen, als man sang- und klanglos gegen Maradonas Team unterging. Auch beim Viertelfinalspiel in Berlin war man dem argentinischen Gegner hoffnungslos unterlegen. Wäre der damalige Trainer José Pekerman nicht auf die wahnwitzige Idee gekommen, seinen Spielmacher Juan Román Riquelme nach zwei Dritteln des Spiels auszuwechseln, hätte schon damals das "Sommermärchen" abrupt geendet.
Daher wundert es auch nicht, dass die Provokationsversuche einfach abprallten. Zu clever und selbstsicher scheint das Team diesmal wieder. Schweinsteiger solle sich lieber um seine eigenen Sachen kümmern, meinte der Mittelfeldspieler Javier Pastore auf die Frage eines deutschen Journalisten nüchtern. Er habe keine Zeit für Schweinsteiger, erklärte Maradona kühl. Sein Team sei stark genug, es werde angreifen und auf dem Platz die richtige Antwort geben.
Dieguito im Mittelpunkt
Wie überhaupt sich im argentinischen Lager alles um "Dieguito" zu drehen scheint, jenen Jungen aus Villa Fiorito, einem Elendsviertel am Rande von Buenos Aires, der vielen als der beste Spieler der Welt gilt, der jeweils auf dem Fußballrasen unterwegs war.
Unvergessen ist sein Sturmlauf im Viertelfinale gegen England 1986 in Mexiko, als er noch vor der Mittellinie den Ball aufnahm, fünf Engländer umkurvte und schließlich den Ball am Keeper Peter Shilton vorbei ins Tor schob. Und unvergessen ist auch sein Tor, das er mit der "Hand Gottes", wie er sein Handspiel später nannte, erzielte und damit die damals spielerisch überlegenen Engländer nach Hause schickte.
Schon wegen seiner Lebensführung sei er "kein guter Trainer", urteilte dagegen Pélé, der mit ihm bekanntermaßen in einer Privatfehde lebt, jüngst scharf über ihn.
Gewiss ist Maradonas Leben von etlichen Exzessen und Skandalen geprägt. Wie kein anderer lebte er stets am "Siedepunkt" (Georges Bataille), immer knapp am Exitus vorbei. Nichts ließ er aus, was das Leben aus der Bahn werfen kann: Drogen, Doping, Fettsucht und Schulden, um danach jedes Mal wieder geläutert zurückzukommen und erneut in den Sumpf zu fallen. Einen Mittelweg gibt und gab es bei ihm nicht, stellte sein Biograf Daniel Arcucci einst fest (http://www.welt.de/sport/wm2010/article8225174/Diego-Maradona-zwischen-Genie-und-Wahnsinn.html Zwischen Genie und Wahnsinn]).
Aura genügt
Aber muss ein Coach, um bei einem Turnier erfolgreich zu sein, überhaupt einen Fußballlehrerschein haben? Muss man, um ein Team zum Titel zu führen, Experte für Dieses und Jenes sein, so wie Jogi Löw das für sich beansprucht? Gibt es für Taktik und Organisation, für Defensive und Offensive, für Fitness und die Abstimmung der Laufwege nicht längst auch geeignetes Personal, das hinter den Kulissen die Dinge bewegt? Ist nicht auch Jürgen Klinsmann vor vier Jahren gut damit gefahren?
Reichen folglich nicht auch Ausstrahlung, Charisma und gelebte Leidenschaft dazu aus, vorausgesetzt, es gelingt, diese positive Energie auf die Spieler zu übertragen? Waren nicht seinerzeit auch Franz Beckenbauer und Johan Cruyff, die immer ohne Fußballlehrerschein agiert haben, extrem erfolgreich bei und mit ihren Teams? Könnte das später vielleicht mal auch bei David Beckham so sein, sollte er tatsächlich die "Three Lions" von Fabio Capello übernehmen?
Gute-Laune-Onkel
Wer sieht, wie Dieguito seine Spieler herzt, wie er jeden einzelnen nach dem Spiel umarmt, sie drückt und küsst, erkennt nicht nur, wie sehr er seine Spieler liebt, wie sehr er ihnen verbunden ist und wie sehr er ihnen vertraut, sondern auch, wie sehr sie ihn ihrerseits verehren, achten und bewundern – trotz oder gerade wegen seiner vielen Hochs und Tiefs.
Selbst im Training mimt er neuerdings den "Gute-Laune-Onkel" (Wie auf einem Dorfplatz). Er fläzt auf dem Plastikstuhl, zelebriert ein Kunststückchen mit dem Ball oder gibt beizeiten den Rüpel vor der heimischen Presse. Nach den Trainingsspielchen, wenn die Verlierermannschaft sich ins Tor stellen muss und die Siegermannschaft nach Herzenslust auf sie "ballern" darf, stellt er sich immer mit hinzu, um danach mit den Betreuern zu balgen.
Gern wird zwar sein Hang zu Theatralik und zur Selbstinszenierung kritisiert. Doch weil er damit alle Aufmerksamkeit auf sich und sie damit von seinen Spielern abzieht, stellt er sich, wie das José Mourinho bei seinen Teams auch erfolgreich praktiziert, schützend vor seine Spieler. Die Spieler danken ihm das bislang mit guten Leistungen.
Wenn man im Lager der Deutschen mit der Heißblütigkeit der "Gauchos" rechnet, damit, dass ihr Temperament auf dem Platz wieder mal mit ihnen durchgeht und sie sich zu Tritten und Raufereien hinreißen lassen werden, der wird sich täuschen. Dieser Schuss wird nach hinten losgehen. Ein Hass-Gipfel, wie der Boulevard schon wieder menetekelt, wird es nicht.
Am Ende des Tages werden die Erfahrung, die besseren Einzelspieler und das komplettere Spielsystem über den jugendlichen Elan siegen. Daran wird auch die "einfliegende" Bundeskanzlerin nichts ändern. Der "Merkel-Dämmerung" wird sie nur eine weitere Fußnote hinzufügen.
Wie auch immer: Telepolis will wissen, wer gewinnen könnte und hat eine Umfrage gestartet: Nach dem Achtelfinale Welche Mannschaft wird Fußball-Weltmeister? Noch setzen die meisten auf Deutschland oder - an zweiter Stelle - auf Brasilien.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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der Autor hat wohl ne argentinische Oma?
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Rund 25,95 Millionen Fußball-Fans ab drei Jahren strömten am Samstagnachmittag zum WM-Viertelfinalspiel zwischen Argentinien und Deutschland vor den Fernsehern zusammen.
Die Live-Übertragung ab 16 Uhr holte einen Marktanteil von 89,2 Prozent – der beste Marktanteil für ein Spiel im laufenden Turnier, meldet Media Control.
Wie die Auswertung weiter ergab, war die Begegnung am Samstag besonders bei den jungen Jogi-Anhängern zwischen 14 und 49 Jahren das Maß der Dinge. Insgesamt 10,78 Millionen Jüngere schalteten ein, der Marktanteil stieg auf 90,4 Prozent an.
Am Abend stand mit Spanien auch Deutschlands Gegner für das Halbfinale fest. Die Iberer gewannen 1:0 gegen Paraguay und qualifizierten sich als letzte Mannschaft für die Runde der besten Vier. Rund 11,84 Millionen Gesamtzuschauer (Marktanteil: 46,0 Prozent) begeisterten sich für die Partie, die RTL live ab 20.30 Uhr übertrug.
Bei den Werberelevanten lief es noch besser: 5,32 Millionen 14- bis 49-Jährige zappten rein, der Marktanteil lag bei 54,0 Prozent.
Quelle : www.digitalfernsehen.de
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Da wir grad im Thema sind ;)
Wie konnte es passieren? Über die Ursachen des deutschen Scheiterns im Halbfinale
Am Mittwoch war Schluss. Der Geist Franz Beckenbauers schwebte über Löw, aber dann musste sich der Mann, der Jogi heißt, doch dem Dämon Berti Vogts geschlagen geben. Männer weinten. Massen schwiegen. Das Land erschrak: Deutschland war wirklich ausgeschieden.
Mit der ehrenvollen Niederlage gegen Spanien vollendet sich der unsterbliche Ruhm des diesjährigen deutschen WM-Teams. Die Three Lions fehlen zwar auf dem deutschen Trikot, aber den britischen Song "Three Lions on the shirt", die beste Fußball-Hymne aller Zeiten, können die Deutschen jetzt auch voller Stolz und Liebe mitsingen: "Football's coming home".
Alle ganz großen Teams scheitern bei der Weltmeisterschaft. Sie verlieren den Jules-Rimet-Pokal und gewinnen unsterblichen Ruhm: Die Ungarn 1954, die Deutschen 1970, die Holländer 1974 und 1978, die Brasilianer 1982, die Spanier 1986, die Engländer 1990, die Portugiesen 2006. Nur Brasilien 1962 und den Franzosen 1998 glückte die Ausnahme. Der erwähnte Song erzählt im Prinzip nichts anderes, als eine Liebesgeschichte. Die von der Liebe zu deiner Mannschaft trotz dem immer wieder scheiternden Versuch, zu gewinnen. Das ist die Lektion, um die es im Fußball geht: Nicht siegen, sondern Niederlagen hinnehmen, zivilisiert und mit Anstand scheitern. So ist es vielleicht höhere Gerechtigkeit, dass am kommenden Sonntag die beiden Länder unter den großen Fußball-Nationen im WM-Finale stehen, die bislang die unangefochtenen Weltmeister des Scheiterns waren.
Gelauer und Feinmechanik
"Spain I think is a more difficult opponent" - Franz Beckenbauer hatte kaum überraschend wieder mal recht gehabt. Man hat es gleich gespürt, schon in den ersten fünf Minuten war alles klar, war die große Überlegenheit Spaniens in das Spiel eingeschrieben und blieb nahezu unangefochten. Die Deutschen waren von Anfang an paralysiert, spielten wie das Kaninchen vor der Schlange. Spanien dagegen: hochkonzentriert, selbstbewusst, dabei gelassen.
Deutschland sei eine Turniermannschaft heißt es gern. Gestern konnte man sehen, was wirklich eine Turniermannschaft ist. Nichts mehr zu spüren - aber das war von vorn herein erwartbar gewesen - von dem statischen Spiel gegen Paraguay, wo sie selbst nervös waren. Stattdessen Fußball im Kung Fu Stil - Nutze die Kraft des Gegners. Moderner Fußball ist feinkonstruiert wie ein Uhrwerk, und das spanische lief nahezu perfekt.
Nach dem Wahnsinnsgelauer der ersten Minuten, schon in Minute 6 die erste große Chance der Spanier. Dann weiter Rasenschach, in dem sich Spanien zentimeterweise nach vorn arbeitete, die Deutschen zu spät verteidigten, tief standen, aber den Raum vorne kaum bespielten. Spanien entwickelte ständige Überlegenheit. Und die war nicht nur deutsche Schwäche, die Spanier bewiesen, dass man einen Gegner auch zu Fehlern zwingen kann.
Und es gelang: Die Deutschen spielten nicht nur zunehmend mutlos, sie spielten vergleichsweise viele Fehlpässe, sie hinterließen insgesamt ein Vakuum im Mittelfeld. Podolski war in einem seiner besten WM-Spiele so oft hinten, wie noch nie. Er musste aushelfen gegen Ramos, den offensiven rechten Außenverteidiger, der wieder so glänzte wie gewohnt und Lahm zeigte, was auf diesem Posten wirkliche Weltklasse bedeutete, ihn völlig in den Schatten stellte. Lahm war nicht gut, Schweinsteiger schon, aber auch er stand im Schatten: Gegen Iniesta und Xavi fast nur Verteidigungsarbeit, keine Gelegenheit zur Offensive. Der große Puyol machte, unabhängig vom Tor, eines der Spiele seines Lebens: Klose bekam in seinem vorletzten WM-Spiel keine einzige Torchance. Puyol ist ein Verteidiger, wie sie früher im halben Dutzend im deutschen Team spielten. Weckt Erinnerungen an die Mannheimer Schule - "Isch mach Disch platt" - aber mit Technik.
Haben die Deutschen alles getan?
Kann man sagen: Die Deutschen haben nicht alles getan? Löw sprach in ersten Statements von "manchen Hemmungen..." Und "letztendlich hat Spanien auch toll gespielt." Alles richtig. Aber, wenn man das nicht als Schicksalsschlag akzeptieren möchte: Was was hätte man tun sollen? Kroos zeigte sich als klare Bereicherung. Fast ein Müller-Ersatz. Im Nachhinein kann man sagen: Er hätte spielen sollen. Man hätte etwas kampfstärker auftreten müssen, schlicht gesagt: Etwas mehr foulen, Karten riskieren. Mehr Pressing, Forechecking. Die Deutschen wollten stattdessen kontrolliert spielen, Druck aufbauen, und als das nicht geklappt hat, sind sie zu früh eingeknickt, haben nicht mutig genug nach vorne gespielt. Erst im letzten Spieldrittel dann der Mut der Verzweiflung. Löw wechselte, als spürte er: eine Verlängerung würde sein Team sowieso nicht überstehen. Dann eine kurze, knapp 5-minütige Drangphase der Deutschen. Es war klar: It's now or never! Dann Puyol: Never!
Die Spanier waren dagegen sie selbst, wie sie es noch nie gewesen waren in diesem Turnier: Direkte Pässe, die butterweich durch die Tiefe des Raums schnitten. Der Erfolg war nur eine Frage der Zeit, und voller Gelassenheit warteten die Spanier auf ihren Moment. Sie boten auch einen Beleg für die Beobachtung, dass gute Mannschaften die Prinzipien des Handballs übernommen haben: Kreisläufe, Power Play, schnelle Vorstöße.
Demut statt Hybris: Wer mag schon Siegfried?
So verlor der Musterschüler gegen seinen Lehrer. Die Niederlage hat auch ihr Gutes: Demut. Sie zerstört nach Deutschlands zweiwöchigem Drunter- und Drübergang die Illusion, dass Willenskraft allein schon alles Mögliche möglich macht (siehe Alles ist doch nicht möglich. Und die Hybris kam vor dem Fall: Das viel zu frühe Capitano-Gelaber des Ersatzkapitäns Lahm ist zwar in der Sache richtig, aber nicht der Zeitpunkt.
Trotzdem hat das deutsche Team belegt, dass sich mit dem Prinzip Gleichheit statt Führertum, mit flachen Hierarchien schöner spielen und nicht weniger erreichen lässt als mit altem deutschen Fußball-Autoritarismus. Niederlagen, auch unverdiente, auch Eingriffe der Hand Gottes, gehören zum Fußball. Sie sind es, die aus ihm ein Drama machen. Wer mag schon Siegfried? Darum war Uruguays Sieg gegen Ghana auch eine Form höherer, übermenschlicher Gerechtigkeit. Sie setzte den Zufall und die Freiheit wieder in ihr Recht.
Im Spiel Spanien-Deutschland war ein Eingriff Gottes gar nicht erst nötig. Jetzt können die Deutschen wählen, ob sie mit dem Favoriten Spanien ziehen, oder mit dem Underdog Holland jubeln, der sich schon in seiner Nationalhymne "von deutschem Blut" ableitet, und so deutsch spielt, wie die Deutschen holländisch. Deutsche halten zu Holländern. Wow! Die Dinge normalisieren sich. Wie schön.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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In der Analyse bin ich bei dem Heise-Menschen zu 90% (Klose hatte eine Chance: Halbseitfallrückzieher[???] anfangs der 1. Halbzeit, ging klar über's Tor), aber die Sprache - tztztz...
Direkte Pässe, die butterweich durch die Tiefe des Raums schnitten
das könnte von Wondratschek stammen. Zur Klarstellung: Pässe schneiden nicht, schon gar nicht butterweich (was immer das bedeuten soll!), sie verdrängen höchstens Luft.... ;D
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Schwarz-Rot-Blöd - Was die WM mit den Köpfen macht, von den Herzen nicht zu reden
Es ist nicht alles SchwarzRotGold was glänzt - manchmal ist es auch nur der Schweiß auf der geschminkten Stirn. Und in uns allen steckt natürlich irgendwo ein Materazzi. Aber müssen wir ihn rauslassen? Das "Volk" (Karl-Theodor zu Guttenberg) inszeniert sich während der WM selbst, das TV dient dazu als Verstärker. Was ist es aber, was hinter dem "neuen" Patriotismus der schwarzrotblond geschminkten Alkopop-Mädels und der grölenden BWLer-Jungs steckt? Nur Medien-Quatsch? Oder doch das kollektives Unbewusste? Man kann nur etwas wecken, was schlummert. Ist der Fußball ein Wecker?
Die deutsche Nationalmannschaft wird immer das liebste Kind der Deutschen sein.
Berti Vogts
Noch immer das hölzern pedantische Volk, / noch immer ein rechter Winkel / In jeder Bewegung, und im Gesicht / Der eingefrorene Dünkel.
Heinrich Heine "Deutschland - Ein Wintermärchen"
Der Kopf wurde dick und dicker, bis er so dick war wie ein Fußball, dann plötzlich platzte er. Spontansex wäre möglich gewesen als mich das halbe Dutzend Alkopop-Mädels mitten auf der Fußgängerzone plötzlich umringte, kirchernd "Hurra, hurra, die Deutschen die sind da!" sang und die Tonnen von Farbe im Gesicht abbusseln wollte. In Berlin gibt es mehr Fahnen an den Autos als in München, die meisten in Zehlendorf; Rentner tragen schwarz-rot-gelbe Perücken; der Mob grölt. Alles gut. Fußball ist Fußball.
Aber es ist zuviel. Die Kombination aus romantischer Sehnsucht nach Evidenz im Augenblick sowie Identität durch Selbstverlust (Karl Heinz Bohrer) einerseits und andererseits keineswegs dummen Menschen, die während der WM doch alle Prinzipien über den Haufen werfen, um mal richtig auf Proll machen zu dürfen mit Sangria in Eimern und All-you-can-watch-Fußball-Buffet hat doch etwas überaus Sonderbares. Und wenn sich die Anzugträger aus den Büros auch noch unter die Fußballgucker mischen und Sprüche klopfen, wird es zur Klassenfrage. Zur ästhetischen versteht sich. Sollen sie doch zuhause gucken.
"Drecksspanier!"
Ein paar weitere Momentaufnahmen aus den vergangenen Wochen: Die erste am letzten Samstag. Ein Biergarten in München, im "gutbürgerlichen" Glockenbachviertel, unmittelbar vor dem Anpfiff zum WM-Viertelfinale Argentinen-Deutschland. Es läuft die argentinische Nationalhymne. Ein junger Mann, so Anfang 30 zum ihm fremden Gegenüber im Argentinien-Trikot: "Na, jetzt will ich aber was hören..." Dann läuft die deutsche Nationalhymne: Der ganze Tisch steht auf, wie auch die meisten der Menschen an den übrigen Tischen, und singt im Stehen die Hymne mit. Immerhin die dritte Strophe.
Zweite Momentaufnahme: ebenfalls vergangener Samstag, nach dem Viertelfinale Spanien gegen Portugal, in der Münchner Bar "Schumann's". Das Schumann's ,muss man wissen, ist nicht nur der Ort mit der besten WM-Übertragung in München, sondern auch mit dem Anstand, Fahnenträger und Vuvuzuela-Tröter einfach nicht hineinzulassen. Nutzt aber nix, in diesem Fall. Denn drinnen pöbelte ein bekannter deutscher Dichter und bekennender FC-Bayern-Fan, flankiert von einem halben Dutzend SZ-Redakteuren, offenbar erfüllt von heimlicher Panik vor dem starken Halbfinal-Gegner, laut gegen die "Drecksspanier".
"Klose macht zwei Tore, ich weiß es. Wenn nicht sogar drei"
Dritte Momentaufnahme: Eine junge Deutsche, zu Besuch in der Schweiz, schaut unter lauter weiblichen deutschen Ex-Pats ein Spiel der Deutschen. Alle sind schwarz-rot-gelb geschminkt, haben weiße oder schwarze Trikots an, sie nicht. Sie bekommt zu hören: "Du arbeitest wohl nicht bei 'ner Bank, Du machts bestimmt irgendwas mit Medien."
Vierte Szene: Vor dem Spiel der Deutschen gegen Spanien, schnappe ich einem Berliner public-viewing-Ort folgenden Satz auf: "Klose macht zwei Tore, ich weiß es. Wenn nicht sogar drei." Je weniger Ahnung, um so mehr emotion. Emoción!
Das Wetter ist auch fast genauso schön wie vor vier Jahren. Vielleicht, dass die Mannschaft jetzt etwas besser spielt. Jeder hat irgendetwas Deutsches in der Hand. Eine Flagge, einen Fanschal, ein Bier. Ballack wirbt für Pepsi: "Jetzt erst recht". Die Milchwerbung vom ZDF-Milchmädchen Frau Müller-Reichsparteitag für die Molkerei Weihenstephan haben wir zwar verpasst, dafür aber nicht ihre groteske Ausrede: "Es war nie meine Absicht zu werben" und dazu den gesalzenen Kommentar von Stefan Niggemeier: "Wie dumm kann man eigentlich sein?"
Wenn ihre Mannschaft zu gut spielt, ticken die Deutschen aus, jeder auf seine Weise. Vielleicht ganz normal so. Vielleicht einfach die übliche Dummheit. Vielleicht aber auch doch was typisch Deutsches?
"Nur ein patriotisches Land ist wirklich bindungsfähig"
Vom "Sommermärchen" war schon vor vier Jahren die Rede, und manche wähnten sich plötzlich "in einem anderen Land", das den Fußball feierte "und sich selbst". Pädagogen mussten uns erklären, dass es alles ganz in Ordnung ist damit, Deutschland ganz in Ordnung zu finden und ganz viele Professoren schrieben und traten im Fernsehen und im Radio auf und redeten dort ganz viel über den neuen "unverklemmtem, weltoffenem Patriotismus" der Deutschen - solange, bis man es irgendwann nicht mehr glaubte. Denn was so oft betont werden muss, ist zumindest keineswegs unverklemmt.
Da liest man dann so Sätze, wie "Nur ein patriotisches Land ist wirklich bindungsfähig" ("Die Welt"), und hat gleich ein ganz schlechtes Gewissen, weil das irgendwie wie ein Vorwurf klingt. Nicht wegen der fehlenden Bindungsfähigkeit, das hatte einem die Ex-Freundin auch schon gesagt, sondern als sei man nicht patriotisch genug. Das eigene Land ist ja schließlich wichtiger als die Freundin, oder? Der Autor mit dem allzu sprechenden Namen Gerd Held (!!) schreibt dann noch den schneidigen Satz "Aber 'Bunt' ist als Flaggenfarbe so viel wert wie ein weißes Laken." Wow! Darauf muss man erstmal kommen. Der Mann ist bestimmt Reseveroffizier. Geht's noch, Herr Major?
Aber bevor wir jetzt über Farbsymbolik nachdenken und uns zu viele Gedanken darüber machen, dass das deutsche Trikot einem weißen Laken ja auch recht ähnlich sieht, gehen wir lieber wieder auf die Fanmeilen und suchen nach der konkreten Gestalt des ach so entspannten deutschen Patriotismus. Die blendet das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen nach seiner Transmutation vom Berichts-Fernsehen ins Ereignis-Fernsehen schließlich auch immer häufiger ein. Sie sind auch nicht schlechter als die gewohnt nichtigen und sinnlosen Interviews, die Michael Steinbrecher führt. Aber alles wird medial grell bunt freudig angepinselt, die Fanmeilen-Besucher turnen dem Publikum zuhause vor, wie man Patriotismus inszeniert - eine Art Nationalgymnastik.
"In Deutschland wird die Rolle der Nationalmannschaft total überbetont"
Was man davon, ist der Verstand einmal wieder in Betrieb, zu halten hat erläuterte drei Tage vor WM-Beginn der Berliner Sportphilosoph Gunter Gebauer auf einer Veranstaltung der Böll-Stiftung zur "Ästhetik des modernen Fußballs". Gebauer, der unter anderem ein Buch über die "Poetik des Fußballs" verfasst hat, wies darauf hin, dass in keinem Land die Nationalmannschaft ähnlich wichtig ist wie in Deutschland.
Bei uns ist der Nationaltrainer eine ganz wichtige Figur. Das ist einmalig auf der Welt. Ähnlich wie die Ritale der WM-Vorbereitung: Alle erwarten von Löw und seinem Trainerstab, dass er ein Mastermind ist und eine ganz tolle Vorbereitung macht. Das ist auch klar, dass die erstmal Entspannungsübungen machen, dass die Frauen dabei sind, dass sie dann auf eine Mittelmeerinsel fahren, ohne Frauen, im Geheimen weiterarbeiten, in einem Bunker-artigen Hotel untergebracht werden, von Sicherheitsleuten beschützt, und dass die jetzt dort sich etwas ausdenken, und dann vier Wochen ohne Lagerkoller überstehen, nur mit Videospielen und mit Flipperautomaten beschäftigt: Männer unter sich.
Ähnlich äußerte sich zum WM-Auftakt bereits der Philosoph Detlev Claussen im Deutschlandfunk:
Da haben wir wieder mal den deutschen Sonderweg: In Deutschland wird die Rolle der Nationalmannschaft total überbetont. Das ist besonders bei Großereignissen der Fall. ... Fußball soll Spaß machen, das ist ein Fest. Das geht ein bisschen verloren. Was mich stört, ist nicht, dass Leute Flaggen hissen, sondern dass man das überhöht.
"Ich würde niemals eine schwarz-rot-goldene Fahne aus meinem Balkon hängen. Sondern die Werder-Fahne"
Claussen macht vor allem die Medien verantwortlich für das Schüren eines Sport-Nationalismus:
Das ist auch etwas Ärgerliches: Bei Großereignissen wie der Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften kommt ein großes Publikum; Personen, die sonst nicht zum Fußball gehen, die eigentlich nicht soviel Ahnung vom Fußball zu haben. Da wäre es eigentlich Aufgabe der Medien, zu informieren, was ein schönes Spiel ist, was ein taktisch gutes Spiel ist und die Leute für den Fußball zu interessieren und nicht diese Selbstbestätigung durch Fußball immer wieder durchzuziehen. Sport-Nationalismus ist eigentlich eine Geschichte der 50er Jahre. Das könnte man ein bisschen zurückschrauben. ... Das wird übertrieben mit diesem Schwarz-Rot-Gold. Ich würde niemals eine schwarz-rot-goldene Fahne aus meinem Balkon hängen. Sondern die Werder-Fahne. ... Ich finde, es ist wichtig, dass man es nicht aus dem Auge verliert: Der Fußball hat seine Wurzeln im Lokalen. Das Nationale ist ein sehr spätes Produkt im Fußball.
Claussen wie Gebauer sind sich einig darin, dass unter den Bedingungen der Globalisierung auch Zugehörigkeiten nicht per per Blut oder Genen oder Geburt manifestiert werden können, sondern Wahlverwandtschaften darstellen.
"Das Entscheidende beim Fußball ist ja, dass man in irgendeiner Weise Zugehörigkeit demonstriert. Es kann auch eine emotionale Zugehörigkeit sein: Man liebt eben Spanien, man liebt eben Holland, man kann auch Deutschland lieben, warum auch nicht?", so Gunter Gebauer. Ähnlich Claussen:
Es ist doch im Fußball sehr sehr wichtig, dass man weiß, zu wem man hält. Das kann man auch verschieben. Es muss überhaupt nicht so sein, dass man nur zu dem hält, aus welchem Teich man kommt. Das ist ja das Schöne: Man kann sich ja frei wählen, wen ich unterstütze. Deswegen kann ich mir auch die brasilianische Fahne an den Balkon hängen.
Bereits 2006 interpretierte der Soziologe Karl Otto Hondrich die seinerzeitigen emotionalen Wallungen eher als Äußerungen einer "Weltgefühlsgemeinschaft". Das Publikum wolle "dabei sein, mitfühlen können", aber nicht notwendig mit der Mannschaft der jeweiligen nationalen Herkunft.
Verschlumpfter Patriotismus
Spanier sind ja schon deswegen sympathisch, weil ihre Nationalhymne keinen Text hat. Die Holländer haben einen Text, darin ist viel von deutschem Blut und dem spanischen König die Rede. Ziemlich un-PC. Dagegen ist der durch schwarz-rot-geilen Tankstellenmerchandising grundierte Schland-Patriotismus gerade in seiner Niedlichkeit auch wieder beunruhigend. "Schland", das ist verdruckst, klingt fast wie Schlumpf.
Der verschlumpfte Patriotismus aus dem Land der neuen Schlümpfe wird dann grundiert von jenen Leuten, die in der ARD zum Beispiel Sätze sagen wie: "Endlich sind wir wieder 'ne Gemeinschaft hier im Land. Also ich bin stolz auf Deutschland." Vorher waren wir also keine Gemeinschaft. Was dann? Gesellschaft?
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Spanien wird Weltmeister, Deutschland gewinnt wieder die Goldene Ananas - eine kleine WM-Bilanz
"Machen wir jetzt erstmal Sport. Wer weiß, was dann noch kommt. ... Sie werden immer wichtiger, die Sportreporter und Sportredaktionen." Christian Wulff
Was hat Christian Wulff eigentlich auf der Pressekonferenz des DFB zu suchen? Wann entlässt das ZDF Katrin Müller-Hohenstein? Warum muss Belá Rethy, der Mann mit dem Schlagersängernamen, Länderspiele moderieren? Was hat es mit dem Nike-Fluch auf sich? Und übrigens: Spanien wurde Weltmeister.
Christian Wulff ergriff seine Chance. Denn natürlich hat Politik mit Fußball zu tun, natürlich bietet sich dem neuen Bundespräsidenten keine bessere Chance, als der Fußball, um seine miserablen Popularitätswerte nach oben zu katapultieren. Trotzdem bewies man beim ZDF wieder einmal todsicheren Instinkt für Peinlichkeiten, als am Sonntag Wulff neben Schweinsteiger und Löw das WM-Abschneiden kommentierte, und er ein paar Stunden später als neuer ZDF-Experte neben Oliver Kahn auch das WM-Finale kommentierte. Vielleicht sollte man jetzt Joachim Gauck zum Bundestrainer machen.
Wie sehr ist das Team 2010 ein Produkt der Merkel-Ära?
No, they can't - solange Angela Merkel regiert, wird Deutschland keinen Fußball-Titel gewinnen. Denn der Stil einer Fußball-Nationalmannschaft spiegelt auch die politischen Verhältnisse. Und Deutschland hat immer nur WM-Titel gewonnen, wenn es auch politisch-soziale Umbruchsphasen erlebte: 1954 am Ende der Wiederaufbauära, 1974 am Ende der sozialliberalen Reformen und Ostpolitik. 1990 am Ende der Wiedervereinigung.
Natürlich war Ballacks Verletzung ein Segen für das Team. Sie wirbelte die Hierarchien durcheinander, verflachte sie, zwang alle Spieler in die Verantwortung, dynamisierte das Spiel, ließ zugleich im Mittelfeld Spielraum für das hervorragende Dreieck Schweinsteiger, Khedira, Özil.
Wie sehr ist das Team 2010 ein Produkt der Merkel-Ära? Vielleicht mehr, als man gern wahrhaben möchte: Leise Effizienz, Teamgeist, aber auch das Fehlen einer Vision, ist auch im Nationalteam bemerkbar.
Einmal mehr bewies der spanische Rechts-Außenverteidiger Ramos im Finale, dass Philipp Lahm, "Der Schwiegersohn" (BILD), in dieser Position völlig überschätzt ist. Überhaupt hat sich Lahm, offenbar von einem Napoleonkomplex geplagt, in der vergangenen Woche als taube Nuss erwiesen: Die Debatte um die Balack-Nachfolge kam zur Unzeit. Sie brachte Unruhe in die deutsche Mannschaft. Sie bewies aber vor allem, dass Lahm schon vor dem Spiel starke Zweifel am Sieg hatte. Sonst hätte er ja gut damit warten können, den Streit mit Ballack publik zu machen, ein Halbfinaleinzug hätte ihn nur in eine stärkere Position gebracht. Stattdessen gab es in Durban Tränen von "Zwerg Nase".
Allerdings: Auch wenn Jogi Löw nach dem Bundesverdienstkreuz kurz vor der Heiligsprechung steht, darf man vielleicht an dieser Stelle noch einmal nachkarten: Gegen Spanien hätte man offensiver spielen müssen, Toni Kroos wäre der bessere Müller-Ersatz gewesen, weil er offensiver ist. Gegen Spanien hätte man auch weiter vorn und härter verteidigen müssen. Häufiger foulen. Das bewiesen am Sonntag im Finale die Holländer, die gegen Spanien weitaus besser auftraten als die Deutschen.
Gewonnen hat nun Zapatero. Spanien ist Weltmeister, alles in allem verdient. Gewonnen hat mit Spanien die beste Mannschaft, das ausgeglichendste Team, das zugleich mit herausragenden Einzelspielern aufwarten kann. Mit Iniesta erzielte auch der richtige Mann das entscheidende Tor: nicht Villa, nicht Xavi, nicht der unglückliche Torres, sondern der stillere der beiden Mittelfeldgenies, der aber längst aus Xavis Schatten getreten ist.
Es gewann auch ein Team, das homogen war, und sich systemtreu verhielt - was auch für Holland und Deutschland gilt. Es gewann der Offensivfußball, Ballhalten und -spielen statt zerstören. Es gewann Europa über Lateinamerika und Afrika sowieso.
Das deutsche Fernsehen und der Nike-Fluch
Sie fahren und fahren. Sie fahren, um leibhaftig im Stadion zu sein und dort in einer kleinen Glaskabine mit schlechter Sicht aufs Spielfeld zu blicken - wahrscheinlich eher noch in den Monitor mit dem Echtbild. Und nach dem Spiel fahren sie wieder und können das zweite Spiel nicht mehr sehen, wie wir zuhause. Weswegen wir ihnen immer viel voraus haben. Sie hoffen und hoffen. Sie hoffen auf einen Sieg der deutschen Mannschaft. Was ihnen unbenommen ist, aber noch lange kein journalistischer Beitrag: Sie sind die ZDF-"Experten".
Kahn seufzt und ächzt, ist schlecht gelaunt ob der Unprofessionalität der Jungen, Frau Katrin Müller-Reichsparteitag sieht in ihrer billigen schwarzen Lederjacke aus wie Gabriele Pauli, Dagegen bei der ARD zeigte sich, Mehmet Scholl ist ein Glücksgriff: Seine Erläuterungen waren erhellend, prägnant, substantiell, direkt, er vermied jede Phraseologie.
Mit 89,2 Prozent erzielte das ZDF mit dem Viertelfinalspiel Argentinien gegen Deutschland einen Marktanteilsrekord im deutschen Fernsehen, den höchsten jemals gemessenen Marktanteil einer Sendung im deutschen Fernsehen.
Neben Pulpo-Paul wenig beachtet blieb der Nike-Fluch. Er bedeutet: Wer in einem Nike-Spot mitspielt, bleibt ohne Titel: Ronaldo, Ronaldinho, Rooney, Ribery, Cannavaro.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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da ist er wieder, der Rüdiger. Ein echter Kenner. Ich glaub, der strebt nach Höherem. Den Schnabel bei Bild oder gar bei Spiegel wetzen, das wärs.