Forschungspreis für passive Kamera, die Sicherheit und Privatsphäre wahren soll
Wissenschaftler aus Jena haben eine Kamera entwickelt, die möglicherweise eine Alternative zu Nacktscannern darstellt. Sie misst elektromagnetische Strahlen, die der menschliche Körper aussendet. Auf dem Bild sollen am Körper getragene Gegenstände zu erkennen sein, nicht aber anatomische Details.
Nach dem vereitelten Attentat auf ein US-Passagierflugzeug Ende Dezember 2009 ist die Diskussion um die Nacktscanner wieder aufgeflammt. Kritiker sehen in deren Einsatz einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre.
Scannen ohne Spannen
Wissenschaftler am Institut für Photonische Technologien (IPHT) in Jena haben eine passive Kamera entwickelt, die es ermöglichen soll, versteckte Gegenstände am Körper von Flugpassagieren zu erkennen, ohne dabei ihre Intimsphäre zu verletzen.
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Die Kamera misst die Strahlen im Terahertzspektrum, die der Körper aussendet. Das sind elektromagnetische Wellen mit einer Länge von unter einem Millimeter, weswegen sie auch Submillimeterwellen genannt werden. Das Spektrum liegt zwischen Infrarot- und Mikrowellenstrahlen.
Körper nur als Umriss
Das Bild, das die Kamera aufnimmt, gleicht dem einer Infrarotkamera: Der Körper erscheint nur als Umriss. Trägt eine Person Gegenstände am Körper, erscheinen diese als Schatten auf dem Bild.
Da das IPHT-System lediglich Strahlen misst und selbst keine aussendet, sind anatomische Details wie Genitalien oder Prothesen auf dem Bild nicht zu sehen. Solche Merkmale erfassen nur die aktiven Systeme, die die zu untersuchende Person einer Bestrahlung aussetzen. Je nach eingesetzter Art der Strahlen wird der Mensch dabei zusätzlich gefährdet. Auch das ist bei der Terahertzkamera aus Jena nicht der Fall.
Schnellere Kontrolle
Schließlich habe die Kamera noch einen weiteren Vorteil gegenüber den Nacktscannern, erklären die Thüringer Wissenschaftler: Da sie sehr empfindlich ist, muss der Reisende nicht direkt vor ihr stehen. Es reiche, wenn er in einigen Metern Entfernung an ihr vorbeigehe.
Das Land Thüringen hat die IPHT-Forscher für ihre Entwicklung mit dem Thüringer Forschungspreis 2009 ausgezeichnet. Christoph Matschie, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Bundeslandes, wird den Preis am 11. Februar 2010 überreichen.
Quelle : www.golem.de
Eine US-Firma will weltweit Fahrzeuge an Behörden verkauft haben, mit denen sich in andere Fahrzeuge - und unter die Kleidung von Passanten - schauen lässt
Es hat Proteste gegen die Einführung der populär als Nacktscanner bezeichneten Röntgenscanner gegeben, die mit der Backscatter-Technik unter die Kleidung schauen können. Mit derselben Technik lassen sich auch andere Oberflächen durchdringen, so dass man sehen kann, was dahinter ist. Street View war gestern, der öffentliche Raum dehnt sich bis in Fahrzeuge, unter die Kleidung und in die Innenräume aus.
(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33199/33199_1.jpg)
Wie gerade durch einen Blog von Forbes bekannt wurde, soll das US-Unternehmen American Science & Engineering (AS&E) nach Aussage des Vize-Marketingchefs Reiss um die 500 Fahrzeuge - Z Backscatter Van (ZBV) - an US-Behörden und ins Ausland verkauft, mit denen sich unterwegs in andere Fahrzeuge sowie in diesen mitgeführte Gepäckstücke oder andere Behälter schauen lässt, um versteckte Gegenstände oder Personen zu entdecken - die Grenzwächter der ehemaligen DDR hätten sich über eine solche Technik gefreut. Käufer habe es in allen Kontinenten geben, vielleicht fahren also auch schon bei uns die Durchblicker-Vans herum, die die Privatsphäre noch entschieden weiter verletzten würden als die Google-Fahrzeuge, die Bilder für Street View aufgenommen haben.
Man könne Waffen, Drogen, schmutzige Bomben, versteckte illegale Einwanderer oder Terroristen oder Schmuggelware erkennen, preist das Unternehmen an. Empfohlen werden die Vans nicht nur zur Grenz- und Hafenüberwachung, sondern etwa auch zur "urbanen Überwachung". Praktisch dürfte auch sein, dass damit auch unter die Kleidung der Passanten geblickt werden kann; allerdings können, so AS&E, die Körper nicht so genau gesehen werden wie bei den Nacktscannern am Flughafen. Für die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU wäre die Auswanderung der Nacktscanner auf die Straßen eine Verletzung der Verfassung, zumal eine Belastung für die Gesundheit durch die Strahlung noch nicht ausgeschlossen werden kann.
(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33199/33199_2.jpg)
Das mag man glauben oder nicht. Jedenfalls können die Bilder gespeichert werden, das Entkleiden und Durchsehen dürfte aber als Durchsuchung zu bewerten sein, wofür eine richterliche Genehmigung erforderlich wäre, zumal eine Durchsuchung im öffentlichen Raum ohne konkreten Verdacht nicht sowieso völlig illegal wäre. Interessant also wäre durchaus, ob es in Deutschland solche Vans gibt und wie sie eingesetzt werden.
(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33199/33199_3.jpg)
Im Prinzip könnte man mit der Technik auch durch Wände sehen. Die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, hätte solche Möglichkeiten natürlich gerne. Damit wäre man nicht mehr bei der dann richtig harmlos scheinenden Street View, sondern mit dem Backscatter-Lauschangriff könnte man in die Häuser und Wohnungen von Autos, Flugzeugen oder Drohnen blicken - nicht nur staatliche Sicherheitskräfte, sondern auch diejenigen, die sich solche Techniken leisten können.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
Vom 27. September an werden am Hamburger Flughafen Körperscanner getestet. Für die Passagiere ist die Nutzung zunächst freiwillig. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will die Geräte offiziell in Betrieb nehmen. Sie sollen helfen, am Körper verborgenen Sprengstoff oder Waffen aufzuspüren. In den Niederlanden und Großbritannien sind die Scanner an Flughäfen bereits im Einsatz; bei einem Pilotversuch am Flughafen Manchester zogen die Betreiber eine positive Bilanz.
(http://www.heise.de/imgs/18/5/7/0/9/2/7/nt-scann.jpg-7896effc204d273e.jpeg)
"Es gibt dabei keine echten Körperbilder", hatte der Innenminister wiederholt versichert. Gegenstände würden auf einer schematischen Personendarstellung ("Strichmännchen") angezeigt. "Die im Körperscanner erzeugten Daten werden sofort nach der Kontrolle gelöscht." Kritik an rechtswidriger Speicherung von Scan-Bildern hat es jüngst in den USA gegeben. Dort klagen Bürgerrechtler gegen den Einsatz der Geräte.
Eine hitzige Debatte hatte es über die Einführung der "Nacktscanner" gegeben, nachdem im Oktober 2008 ein Vorstoß der EU-Kommission hierzu bekanntgeworden war. Um den Hersteller der zu testenden Körperscanner, L-3 Communications, hatte es im August Aufregung gegeben, weil er angeblich auch die geächteten Streubomben im Angebot hat. Das Unternehmen erklärte, dass es die Bomben "gemäß der Osloer Konvention über Streumunition weder entwickelt, erzeugt, produziert oder handelt".
In der Mitarbeiterzeitung "follow me" unterstrich Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Airport, für die Flughäfen seien die Testergebnisse sehr wichtig. Er erläuterte: "Getestet werden die betrieblichen Abläufe, die Bequemlichkeit für die Passagiere und die Schnelligkeit der Kontrollen. Es darf nicht sein, dass die Kontrollen wesentlich länger dauern als bisher."
Das in Hamburg erprobte Gerät arbeitet nicht mit Röntgenstrahlen wie die Geräte, die in Manchester zum Einsatz kommen, sondern mit Millimeterwellen. Die Geräte seien für die Gesundheit unbedenklich, hieß es. Neben der gesundheitlichen Unbedenklichkeit hatte de Maizière stets die Wahrung der Intimsphäre der Passagiere sowie die Leistungsfähigkeit als Voraussetzung für den Start genannt.
Das Gerät wurde bei der Bundespolizeiführungsakademie in Lübeck unter Laborbedingungen getestet. Für den Praxistest wurde der am nächsten gelegene große Flughafen in Hamburg ausgesucht. 2009 nutzten gut 12 Millionen Passagiere den Hamburger Flughafen. Damit ist er der fünftgrößte Airport in Deutschland.
Quelle : www.heise.de