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Info Corner / Internet-via-Sat, Datendienste / IPTV / Videoportale / Internet TV & Radio => # News diverses ... => Thema gestartet von: SiLæncer am 24 September, 2006, 16:43
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Weil Google die Online-News von Verlagen und Nachrichtenagenturen durchforstet und daraus Übersichten mitsamt Bildern und Kurzzusammenfassung generiert, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten zwischen Verlegern und dem Suchmaschinenbetreiber. Nun will der Weltverband der Zeitungen (World Association of Newspapers, WAN) technische Barrieren errichten, mit denen Buch-, Zeitungs- und Magazinanbieter den automatischen Zugriff auf ihre Inhalte regeln können. Erst vor wenigen Tagen hatte ein belgisches Gericht entschieden, dass Google die Inhalte diverser französisch- und deutschsprachiger belgischer Zeitungen aus seinem Angebot entfernen muss. Mit der Nachrichtenagentur Agence France-Press befindet sich Google ebenfalls im Rechtsstreit.
Das unter dem Namen ACAP (Automated Content Access Protocol) entwickelte System soll automatisch Informationen übermitteln, unter welchen Bedingungen die Inhalte genutzt werden dürfen – und zwar so, dass dies auch die Crawler der Suchmaschinenbetreiber verstehen. Details dazu gab die WAN nicht bekannt, will das System aber am 6. Oktober ausführlich auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren.
Außer dem WAN beteiligen sich auch der Europäische Verlegerrat (European Publishers Council, EPC), die internationale Verlegerunion (International Publishers Association, IPA) sowie der Europäische Zeitungsverlegerverband (European Newspaper Publishers Association, ENPA) an der Initiative. Ende des Jahres will der WAN zusammen mit der IPA und dem EPC ein 12-monatiges Pilotprojekt starten, das unter der Leitung der auf digitales Rechtemanagement spezialisierten Beratungsfirma Rightscom durchgeführt werden soll.
Quelle : www.heise.de
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Wenn es nach dem Willen mancher leitender Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP geht, so würden diese am liebsten jegliche Verbreitung ihrer Nachrichten juristisch unterbinden lassen. Wie dünn ist also wirklich das Eis der News, auf dem wir alle stehen?
News-Aggregatoren wie Google News, Digg, Yigg, ShortNews etc. sind eine unliebsame Konkurrenz für viele Zeitungen und Online-Portale. Nicht alle, aber einige sehen diese als Mitbewerber an. Selbst Personen, die aktuelle Geschehnisse in einer Zeile zusammenfassen, werden von vielen Verlagshäusern mit Argusaugen begutachtet.
Laura Malone von der Associated Press erschien bei einer Konferenz der Federal Trade Commission und erklärte dem versammelten Publikum die Hintergründe ihrer aufgebrachten Skepsis. Der Titel wäre an sich schon das Herz der Story. In den Unis würde man den Mitarbeitern beibringen, wie dieser auszusehen hätte. Wenn jemand wie Google News diesen benutzt, werden die Leute zumeist nur diesen lesen und sich nicht zur Quelle verbinden lassen. Die meisten Leser benötigen für ihren Informationshunger lediglich die Einleitung und einen aussagekräftigen Titel. Kriegen sie beides bei einer anderen Seite, werden sie die original Story nicht mehr lesen wollen. Anstatt die Website der New York Times oder der Washington Post zu besuchen, informieren sich immer mehr Menschen bei Microblogging-Diensten, sozialen Netzwerken oder News-Aggregatoren.
Mrs. Malone findet auch, die Urheber der Story sollten mehr Rechte bekommen. „Wir, die Eigentümer des Copyrights, müssen in der Lage sein zu entscheiden, unter welchen Bedingungen andere unser Material veröffentlichen dürfen.“ Willkommen seien vor allem diejenigen, die bereit wären, die Story käuflich zu erwerben. Laura Malone bedauert zutiefst, dass es keine Möglichkeit geben würde, umformulierte News urheberrechtlich zu verfolgen. Im Ersten Weltkrieg sei es möglich gewesen, Neuigkeiten für einen bestimmten Zeitraum zu reservieren, sofern man diese als Erster in Erfahrung brachte. Danach folgt eine deutliche Warnung an alle Blogger, Newsportale und User von Twitter und Facebook. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeiten der Rechteinhaber zwar beschnitten. Es gibt dennoch keine Garantie, dass man nicht doch eines Tages versucht, die Newsverbreiter vor Gericht zu zerren. Der Associated Press würde es angeblich nicht um Urheberrechte gehen, ihnen ging es um die "Kontrolle über die Fakten". Für brandheiße Storys müsse man halt viel Geld ausgeben. Da wäre es unfair, wenn diese jemand in seinem stillen Kämmerlein umformulieren und damit Geld verdienen könnte. AP hätte schon Büros schließen und Mitarbeiter entlassen müssen. Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen sind laut Frau Malone mehr als eine Fußnote. Das Unternehmen sei von den Maßnahmen gegen die Zweckentfremdung ihres geistigen Eigentums abhängig.
Ihre Rede war eine direkte Antwort auf Universitätsprofessor Yochai Benkler aus Harvard, der zuvor ausdrückte, dass sich alle Journalisten der Welt auf nichts als Fakten berufen würden. Diese Informationen sollten nach seinen Vorstellungen so frei sein wie die Luft zum Atmen. Laura Malone von AP dagegen will ihre News schützen. Niemand soll sie kostenlos verändern, umschreiben oder ohne Gebühr verbreiten dürfen. Würde man die Gesetze ändern, dieses hätte auch extreme Nebenwirkungen in Hinblick auf die Meinungsfreiheit. Jeder Blogger oder sonstige Autor müsste sich vorher überlegen, ob er seine Aussagen veröffentlichen darf. Kann er das so schreiben oder muss er eine Lizenzgebühr entrichten, weil er sich auf eine brandheiße und damit geschützte News bezieht? Die Verleger hätten quasi eine Art Monopol, weil diese Form der Rechtsausübung nur von ihnen betrieben werden würde. Weitere Fragen wären auch: Wären die "Hot News" meldepflichtig?Und wenn ja, wo? Was würde die Eintragung jeweils kosten? Was wäre mit all den Neuigkeiten, die nicht der Feder eines Nachrichtendienstes oder eines Journalisten entspringen? Wären diese automatisch gemeinfrei? Die Rede von Frau Malone hinterläßt viele offene Fragen.
Zunächst bleibt abzuwarten, wie viel Druck die Medienmogule der USA tatsächlich auf die Regierung in Washington ausüben werden. Im schlimmsten Fall müsste man sich tatsächlich eines Tages auch hier in Europa jede einzelne Aussage überlegen, die man im Internet tätigen will. Wer möchte schon für einen RT oder ein Posting bei Facebook oder in seinem Blog eine Strafe bezahlen müssen? Es stimmt zwar, dass sich die gesamte Branche in der Krise und im Umbruch befindet. Keine weiß genau, wie man in Zukunft mit News Geld verdienen kann. Es ist aber fraglich, ob wir automatisch bessere Nachrichten bekommen, nur weil man diese nicht mehr umschreiben darf. Auch darf die Meinungsfreiheit zum Schutz der Urheber nicht in dieser Form eingeschränkt werden.
Quelle: ars technica
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Wer zuerst über ein Ereignis schreibt, hat dadurch noch lange keinen Anspruch auf ein Berichtsmonopol.
Falls ein schützenswertes Gut entstanden sein sollte, dann nur in Form eines Werks der Formulierkunst.
Es kann nicht sein, dass eine Berichterstattung einen sachlichen Gehalt quasi unter Geheimhaltung stellt.
Man stelle sich einmal vor, eine gemeingefährliche Umweltsauerei würde zuerst in irgendeinem provinziellen Käseblatt dargestellt und es dürfte daraufhin für eine bestimmte Zeit nirgendwo anders gewarnt werden.
Oder das Ergebnis einer Parlamentswahl oder das Wetter von morgen dürfte zunächst nur in der Bäckerblume erscheinen, in allen anderen Medien erst nach Ablauf einer Schonzeit oder gegen Lizenzzahlungen ::)
Jedenfalls ist Informationsfreiheit eindeutig das höhere Rechtsgut, verglichen mit Profitinteressen.